Ich war vor etlichen Jahren bei Siemens im sog. "Megachip"-Projekt (MTZ 12). Siemens hatte damals mit dem Verkauf von Atomkraftwerken ganz gut verdient und hatte ein paar Milliarden zum Ausgeben. Also hat man sich bei Toshiba die Technologie zur Produktion von Speicherbausteinen eingekauft. Das Motto hieß "Chancen mit Chips". Das ganze Projekt hat mehrere Milliarden Mark gekostet. Und: Für jede neue Generation der Speicherchips mussten komplett neue Fertigungsanlagen gebaut werden.
Naja, wie die Geschichte ausgegangen ist, wisst Ihr ja. Die Reste der Speicherfertigung wurden mit Quimonda aufgelöst.
Die Entwicklung hochwertiger Fotosensoren (die eine gewisse Ähnlichkeit mit Speicherchips haben) war nie und wird nie als Abfallprodukt der Medizintechnik durchgehen. Hier braucht es eine eigenständige Entwicklung. Und jede neue Generation der Sensoren kostet ein Vermögen.
Das Geschäft
war dennoch lukrativ. Ich habe für meine Finepix 4700 im Jahr 2000 noch 1.800,- Mark bezahlt (da war die Kamera schon knapp ein Jahr auf dem Markt). Und was war an so einer Kompaktkamera schon dran... (übrigens: eine geile Makroeinstellung des Objektivs...) Mit solchen Preisen in einem expandierenden Massenmarkt war es natürlich leicht, eine eigenständige Sensorentwicklung zu bezahlen.
Aber jetzt geht es ganz klar in die Richtung, dass große Konzerne wie Sony, die auch anderweitig viele Chips brauchen, die Sensorentwicklung zu einem Preis machen können, bei dem die "Spezialisten" nicht mehr mithalten. Fuji wird nicht der einzige Hersteller sein, der die eigene Sensorentwicklung aufgibt.
Der Markt für Kameras ist wie der Markt für Autos völlig übersättigt. Im Augenblick spielt Fuji da wohl noch ganz gut mit, das sieht man an den zahlreichen neuen Modellen. Aber es wird gespart, wo es nur geht, denn die Marktanteile kann man nur über den Preis halten. Und wenn man einen Sensor billiger dazukaufen kann, als ihn selbst zu produzieren, dann wird das gemacht.
Was die Medizintechnik anbetrifft: Da steckt wesentlích mehr Know-how drin, als nur die Sensorherstellung. Und die Medizintechnik ist ein relativ konservativer Markt mit Beschränkungen durch sauteuere Zertifizierungsverfahren. Hier halten sich eher die Firmen, die schon jahrzehntelang dabei sind und wissen, wie der Hase läuft. Das ist dann wohl einer der Bereiche, mit denen Fuji noch verdienen kann. Hier entsteht nicht so schnell Preisdruck durch neue Mitbewerber.
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dieser Link, weil er zeigt, in welche Richtung die Entwicklung geht: Wechselobjektive ohne Spiegel. Waren 2004 noch Sony, Canon und Kodak Marktführer im Kompaktbereich mit 17%, 17% und 12%, möchte Samsung für 2012 20% Marktanteil haben. Prost Mahlzeit für die Mitbewerber.
Grüße
Mirko