(...) @forent
Neugierig wie ich bin, frage ich mich wie der Vergleich wohl ausgegangen ist, sich dein Feisol aus der "Affäre" ziehen konnte, gerade im Bezug der beiden Gitzos ?

Ich plane momentan einen ähnlichen Test!
Achtung: Ich bitte zu beachten, dass ich meine Sachen
nur für mich teste,
ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit der Ergebnisse und
ohne Interesse an einer Diskussion über die Angemessenheit meines Vorgehens. Aber ich antworte natürlich gerne.
Weil ich im Spätsommer auf Texel bei der Spektivbeobachtung feststellte, dass die sehr steife Brise auf dem Deich heftig an meinem Feisol-Stativ zerrte, wollte ich wissen, ob ich mich nach inzwischen fünf Jahren Gebrauch nicht wieder einmal verbessern könnte. Für eine überzeugende Verbesserung hätte ich auch den heftigen Gitzo-Preis entrichtet.
Ich habe dann später interessante Stative bestellt, um den Sieger direkt zu kaufen und die anderen nach kürzestem Aufenthalt bei mir perfekt OVP, ohne Gebrauchspuren und auf meine Kosten wieder zurückzusenden. Die betreffenden Händler hatten schon früher Beträchtliches an mir verdient. Meine Vergleichsbilder habe ich im Garten gemacht bei bedecktem Himmel und leichtem Wind. Das Stativ stand jeweils auf der derselben Stelle der gepflasterten Terrasse, war auf 140cm ausgezogen und mit dem Arca-Swiss Z1 und der Sunwayfoto-Klemme DDC-50 bestückt. Darauf die Canon 7D mit dem 5,6/400L und dessen Stativschelle mit Sunwayfoto-Platte. In zehn Metern Entfernung hing parallel zur Filmebene in der Bildmitte ein klein bedruckter Zettel an einem Gitterzaun. Scharfstellung über LiveView, Kabelauslöser, Blende 8, Belichtungszeiten 1/20s bei 100 ISO und 1/160s bei 800 ISO, jeweils mit und ohne Spiegelvorauslösung. Dazu Aufnahmen bei 1/20s und 100 ISO mit aufgelegter Hand auf dem Objektiv und danach mit zusätzlichem Einbeinstativ unter dem Kameragehäuse. Visuelle Beurteilung der JPGs in höchster Qualität bei 100% am 24-Zöller.
Außerdem kam auf jedes Stativ danach statt der Kamera das Spektiv bei 50facher Vergrößerung und dabei der übliche "Schnipp- und Rütteltest" mit subjektiver Beurteilung.
Auf diese Weise getestet wurden Feisol CT-3372 (ohne Rapid), Gitzo GT3532LS, Gitzo GT5532LS, Berlebach Report 3032 und 402, Velbon Geo N830 und N840.
Bei allen Stativen wurden die Bilder bei eingeschalteter SVA hinreichend scharf ohne bedeutsame Differenzen. Bei allen außer dem Gitzo 5532 waren die Bilder bei 1/20s ohne SVA sichtbar unscharf; dabei zeigte sich beide Berlebachs am schwächsten, gefolgt von den beiden Velbons. Das Feisol war mit dem Gitzo 3532 gleichauf. Mit dem Gitzo 5532 war die Schärfe ohne SVA etwas höher, aber nicht so gut wie mit SVA. Bei untergestelltem Einbein lieferten sämtliche Stative einwandfrei scharfe Bilder, ebenso bei der Belichtungszeit 1/160s. Mit dem Spektiv lieferte wiederum das Gitzo 5532 das ruhigste Bild; auch schwang es nach Antippen merklich am schnellsten aus. Feisol, die Velbons und das Gitzo 3532 waren etwa gleichauf mit evtl. ganz minimalem Vorteil für das Gitzo. Die Berlebachs (auch das neue 402) waren am schwingungsanfälligsten, aber auch noch OK. Wenn ich mit einer Hand das Stativ beim Beobachten festhielt, waren sämtliche Stative sehr gut brauchbar und die Dämpfung sehr zufriedenstellend. Dasselbe Resultat ergab sich, wenn ich eine ca. 2 kg schwere Tasche über die drei Stativbeine hängte. Ich bezweifle übrigens nicht, dass ein schwerer Fluidneiger o.ä. zu insgesamt besseren Ergebnissen geführt hätte; mir ging es aber um den Einfluss des Stativs.
Nach diesen Versuchen ergaben sich für mich persönlich (!) drei Folgerungen:
- Einen spürbaren Stabilitätsgewinn bei freistehendem Stativ erziele ich gegenüber dem Feisol CT-3372 nur mit dem Gitzo GT5532LS.
- Durch zusätzliche Maßnahmen (SVA, Einbein, Festhalten) kann ich das Feisol so gut unterstützen, dass auch mit schwierigen Anwendungen (400mm-Tele, langsame Belichtungszeit, Spektiv, Wind) die Resultate kaum schlechter als die mit dem 5532 ausfallen. Für riesige Superteles könnte das anders sein, aber ich besitze keine.
- Die Berlebach Report schnitten zwar hier am schwächsten ab, sind aber absolut gesehen sehr gut und in Robustheit sowie Preiswürdigkeit weiterhin hervorragend.
Es ist hinzuzufügen, dass das Feisol sogar inklusive meines Stabilisators (
https://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=1276582) nur 2,0 kg wiegt und damit minimal weniger als das Gitzo GT3532LS. Alle übrigen Stative wiegen ohne Kopf über drei Kilogramm. Zudem weist das Feisol das geringste Packmaß auf und wird durch das optionale Überkopffalten der Beine sogar inklusive Arca Z1 auf Wunsch noch nicht einmal länger. Somit ist es von allen verglichenen Stativen für mich das komfortabelste. Seine Haltbarkeit hat es mir in bislang fünfjähriger problemloser Nutzung erwiesen.
Ich bleibe daher beruhigt bei meinem guten alten Feisol. Es ist zwar unbestritten weniger stabil als das große Gitzo und zweifellos weit weniger edel verarbeitet als die beiden Gitzos, nicht so unverwüstlich wie die Berlebachs und im Neupreis teurer als dieses und die beiden Velbons. Aber letztlich geht es immer darum, einen guten Kompromiss zu finden, und in der Summe seiner Eigenschaften und
meiner subjektiven Einschätzung ist das Feisol
für mich weiterhin die beste Lösung. Vielleicht kommt irgendwann für den eher stationären Einsatz ein Berlebach UNI mit Zweiwegeneiger hinzu, wer weiß? Zunächst ist jedenfalls meine Stativwelt wieder heil!
