AW: Brandneu Olympus PEN
Bin ja so ein Kunde...
Und hatte sie vor ein paar Tagen gerade in der kleinen Seitentasche des kiloschweren Domke-Glasbeutels. Dort wo normalerweise nur ein paar Filterschachteln rumpurzeln. Dann ist sie schon sehr kompakt mit Pencake oder Kitzoom.
Ja, das ist der Unterschied. Für die Pen hätte eigentlich die Seitentasche alleine gereicht, in der großen Tasche muss man sie am Ende sogar noch in einer Ritze suchen.
Sieht man Adapterlösungen mit FT-Zooms an der PEN, ist der kompakte Eindruck allerdings schnell wieder verflogen
Das sollte allerdings nicht wirklich verwundern, Objektive haben nun mal aufgrund von physikalischen Gegebenheiten eine gewisse Mindestgröße. Das einzige, was man verändern kann, ist das Aufnahmeformat. Das ist auch das einzig Wesentliche, was sich seit 1830 verändert hat.
und man fragt sich, ob eine Richtige Kamera nicht der bessere Weg wäre. Sie liegt eben doch irgendwo dazwischen und es klingt – auch wenn man nur Rumspielen möchte –schöner, eine sehr gute Kompakte zu benutzen als eine leistungsbegrenzte D(S)LR.
War das Absicht, "richtige" mit großem "R" zu schreiben? Was ist denn eine "richtige Kamera"? Die Pen wohl nicht. Die Kompakte aber wohl auch nicht, oder? Dann hätte man zwei nicht richtige Kameras, von denen die eine die besser Wahl ist, obwohl sie kleiner ist, die größere aber die schlechtere Wahl, weil sie einerseits zu groß ist, aber immer noch zu klein, um eine richtige Kamera zu sein?
Also in etwa nach dem Motto: Wenn schon klein, dann ganz, möglichst klein, und ohne Wechselobjektive (Bei einer Kompakten mit Wechselobjektiven die womöglich auch noch aussieht wie eine Mini-DSLR hätten wir dann wieder massive Schwierigkeiten, diese einzuordnen. Gut, dass es so was nicht gibt). Mit anderen Worten, eine nicht richtige Kamera darf nicht groß sein, und zwischen groß und klein liegen darf sie auch nicht?
Aber mit dem Argument könnte man eigentlich alles zwischen ganz groß und ganz klein abschaffen. Also alles zwischen Kompakt und KB-VF (Eine D300 oder eine 50D mit 17-55 und Batteriegriff ist ja auch nicht wirklich kleiner als eine 5DII oder D700). Oder, wenn man zur radikalen Konsequenz neigt, alles zwischen dem Fotohandy und dem digitalen Mittelformat.
Allerdings haben wir dann ein historisches Problem. Es gab analoge spiegellose Systemkameras bereits lange, bevor es richtige digitale DSLR-Kameras gab, z.B. die
hier, oder die Leica M. Das war eigentlich die erste richtige Nichtrichtige Kamera - oder war sie doch eine richtige Kamera? Da es damals praktisch keine kleineren Kameras war, war sie den Leuten auch nicht zu groß. Ein Argument, das man übrigens auch auf die Plattenkamera anwenden kann, bevor die Leica erfunden wurde. Die früheren analogen SLRs waren übrigens auch noch erstaunlich kompakt, das hat sich dann erst geändert, als man immer mehr Motoren und Elektronik eingebaut hat. Oder, als man 600mm Teleobjektive gebaut hat (die an einer Sucherkamera unbrauchbar sind). Der Mythos der kompakten Leicas ist somit auch auf ein zu mageres Objektivangebot begründet. Denn mit einem 600/4er Tele ist nichts mehr kompakt (gab es ja auch nicht vor der KB-SLR). Für eine Pen dagegen braucht man nicht mal ein 300/2,8, da reicht vermutlich schon das 12-60 D-Zuiko, während eine D3 auch mit einem 24-70/2,8 noch relativ kompakt ist, verglichen mit dem 600er. Ist halt alles relativ.
Was der neuen Pen nicht viel hilft. "Moms" sind damit vermutlich überfordert, und tough guys fühlen sich mit einer kleinen Kamera zu nackt (obwohl sie früher, in den guten alten Zeiten beim Poker immer noch einen kleinen Derringer im Stiefelschaft hatten, zur Sicherheit). Das einzige Publikum, für das so ein Apparat interessant wäre, sind Leute, die eine Kamera wollen, die weder besonders groß noch besonders klein ist. Gibt es so was? Und wenn ja, trauen die sich, sich zu outen?
Naja, die Zeiten, in denen Werbebotschaften die Funktionen oder die Eigenschaften des Produktes aufzählten sind eigentlich vorbei, oder?
Oh nein, sie haben sich nur in die Datenblätter verlagert. "Sauber" sind z.B. 12Bit, aber erst 14Bit sind "porentief rein". Ach, da könnte man noch viele Beispiele finden. Ist irgendein technischer Begriff mal bekannt gemacht und positiv besetzt, muss die Werbung eigentlich gar nicht mehr viel tun, das meiste erledigt der Kunde dann selber.
"Lichtstärke" wäre z.B. noch so ein uralter Marketingbegriff, der schon seit Opas Zeiten dazu führt, dass die Leute den Unterschied zwischen 1,2 und 1,4 oder 1,8 und 2,0 überschätzen, aber den zwischen 2,8 und 4,0 unterschätzen. "Waschkraft" gibt es genauso auch in der Welt der Fotografie.