Was genau macht denn diesen wide gamut Monitor zum wide gamut Monitor? Die Anzahl der Farben?
Die Anzahl der Farben an sich ist weitgehend identisch, der Monitor kann aber einen Breiteren Farbraum darstelln...
Vereinfach kann man es sich so vorstellen (gehen wir zur einfacheren Darstellung mal von "wide gamut schwarzweiss" aus und stellen uns statt 16,7 mio Farben nur 255 Graustufen vor (also nur ein Kanal)):
Angenommen ein herkömmlicher Monitor ist in der Lage 255 Graustufen darzustellen, und zwar von einem sehr hellen Grau bis zu einem sehr dunklen grau und das in 255 graustufen... damit hat man erst einmal keine Probleme, ein Schwarzweissbild sieht trotzdem gut darauf aus.
Jetzt nimmt man einen wide Gamut Monitor her: Der stellt ebenfalls 255 Abstufungen dar, aber eben von hellem weiss bis zu tiefem schwarz.
Das ist erstmal schön, da man nun Stufen darstellen kann, die vorher nicht gingen (sehr helle und sehr dunkle)... das ganze hat aber den Nachteil, dass der Kontrast der Bilder, die vorher auf dem herkömmlichen Monitor gut aussahen (so wie sie sollten) stark gespreizt ist: was eigentlich mal das helle grau sein sollte ist nun grell weiss, was das ganz dunkle grau sein sollte, ist nun tief schwarz... (der Monitor bekommt ja nur die Info z.B. "Graustufe 0" oder z.B. "Graustufe 255" - wie hell die jeweils sein muss weiss er nicht.
Und hier kommt die Profilierung ins spiel: damit die Farben (oder hier Graustufen) wieder so aussehen wie sie sollten, muss das Betriebssystem bzw. das EBV-programm die Information (in Form eines ICC-Profils) haben, welche Graustufe es ausgeben muss, damit der Anwender das richtige sieht.
Im Bild soll trotz Wide Gamut weiter das helle Grau korrekt dargestellt werden statt reinem Weiss. Im Bild steht die Info "Graustufe 0". Das EBV-Programm schaut nun anhand der Kurven im ICC-Profil nach, welche Graustufe es dem Monitor mitteilen muss, um das gewünschte helle Grau darzustellen.
Der Monitor erhält nun statt "Graustufe 0" die Info "Graustufe 5", und das Bild passt wieder.
So, nun könnte man meinen, man beschneidet sich mit einem Wide Gamut-Monitor prinzipiell die Anzahl der tatschlich darstellbaren Farben, wenn die Originalbilder in einem kleineren Farbraum liegen und korrektdargestellt werden sollen...
Ja, genau DAS ist der Nachteil von Wide Gamut: Man stellt tatsächlich WENIGER Farben dar!
Wann hat also ein Wide Gamut-Monitor eine Daseinsberechtigung?
Genau dann, wenn der Farbraum meiner Bilder möglichst nahe am Farbraum des Monitors liegt... dummerweise haben aktuelle wide Gamut-Monitore ein Problem:
Sie stellen viel mehr dar als sRGB --> um ein Bild korrekt darzustellen stehen weniger Farben zur Verfügung
Die grossen Farbräume wie AdobeRGB oder ProPhotoRGB sind aber schonwieder zu gross um sie darzustellen --> Die Farben können nicht exakt so dargestellt werden wie gewünscht!
Ideal ist also ein Monitor, der möglichst exakt den Arbeitsfarbraum abdeckt, und das lässt sich derzeit wirklich nur mit sRGB bewerkstelligen.
(Man stelle sich jetzt die vereinfachten graustufen dreidimensional vor (jeweils für R, G und B), dann trifft meine vereinfachte Erklärung ziemlich genau die Realität)