Ich seh's zumindest beim analogen MF so, dass ein 4.5x6 Scan gegenüber einer 14 MP DSLR noch ein grosser Schritt ist. Der Schritt zur 6x7 wird schwieriger, in allen Tiefenbereichen im Bild umzusetzen, oft sind nur Teilbereiche schärfer. Ohne Tilt ist irgendwo im Bereich 20 bis 40 MP eine Grenze, wo bei vielen Bildern nur noch teilbereiche schärfer gemacht werden können.
Reine Fern-Bilder (alles richtig weit weg) oder extreme WW Aufnahmen sind natürlich weniger anfällig gegen sowas. Anderseits halten grade die extremen WW Linsen die schärfe nicht immer bis zum Rand durch und verursachen dann die gleichen Problemchen aus anderem Grund.
Ich sehe das - gerade in Bezug auf 6x7 - noch ein bissi anders. Wenn ich durch meine Bilder "streife" und mal die außen vor lasse, bei denen Auflösung, Details & Co. überhaupt keine Rolle spielen, dann bilden sich zwei große Gruppen:
1. Bilder die mittels Vorder-/Hintergrundunschärfe freistellen .. bei gleichzeitig möglichst detailliert darstellendem Bildmittelpunkt. In der Vielzahl der Fälle profitiere ich von feinerer/detaillierterer Darstellung innerhalb der Schärfeebene, mit wievielen Pixel der Überggang in die Unschärfe gerendert wird ist eher nebensächlich.
2. Bilder, die ich im Idealfall gern von vorn bis hinten scharf haben möchte .. Städtelandschaft, Architektur, Landschaft uswusf. Das sind dann tendenziell tatsächlich eher weitwinklige Aufnahmen, in vielen Sujets kannst Du auf 6x7 aber auch 80er Normalobjektive fast durchgehend scharf bekommen, auch wenn das vielleicht mal eine Portion Hirnschmalz oder ein paar Jährchen Praxis mehr benötigt, um die Schärfe richtig zu legen.
Ich habe
hier mal einen Scan von einem 6x7-Negativ hinterlegt (ca. 7 MB). Ist aus der freien Hand und das Material war der alte 160c von Fuji .. mag also durchaus noch Reserven haben .. M7 mit dem 43er .. mit brauchbarer Schärfe quer durchs Motiv.
Die weiteren Diskussionen hinichtlich sinnvollen und gängigen Auflösungen von Pixelsammlern und Glasklötzen sind natürlich schon ausgesprochen theoretisch geführt .. und in Teilen sowohl an Theorie als auch an Praxis ordentlich vorbei. Um meine Sicht zu angesprochenem auf den Punkt zu bringen müßte ich nun wohl zwei Tage tippen .. aber weil das nicht sooooo wirklich wichtig ist .. nur zwei Punkte:
1. Systemauflösung.
Es gibt den weit verbreiteten Irrtum, dass das schwächste Glied des Systems (Sensor/Objetiv) die Auflösung des Gesamtsystems bestimmen würde. Wenn man kurz in die korrespondierenden Modelle blickt ergibt sich aber, dass immer beiden Komponenten an der Quantifizierung der Systemauflösung "beteiligt" sind (für Recherche: Nyquist, Shannon, Abtasttheorem). Auch die größte Glasgurke profitiert also noch von einer erhöhten Auflösung sensorseitig.
2. Linienzähler
Was auf den ersten Blick zumeist nach simpler Mathematik klingt, wird im konkreten Fall doch deutlich komplexer. Die gebräuchlichen Sensoren respektive deren einzelne Pixel werden erst durch vorgeschaltete Farbfilter zu "Farbsensoren". Die nachgeschalteten Algoritmen können nun die Linienmuster, die althergebrachten Auflösungstests zugrunde liegen, häufig recht gut rekonstruieren .. in manchen Fällen gelingt das aber auch überdurchschnittlich schlecht. Erkenntnisse über die Darstellung von Mikrokontrasten über einen weiteren Frequenzbereich im "echten" farbigen Bild lassen sich daraus nur begrenzt gewinnen.
Zusammenfassend gilt

ie simple Rechnung Sensor 2000 Linien Objektiv 2500 Linien macht somit auf diesem "Erkenntnislevel" keinen Sinn .. selbst dann nicht, wenn man nicht Linien und Linienpaare in der Eile verwexelt

Auch wenn es gelegentlich Spaß macht sein Hobby so köpfelnd zu umkreisen sind mir die wesentlichen Dinge dann eben doch eher im praktischen Umgang aufgegangen .. und sei es nur der Ansporn rausfinden zu müssen, warum ich theoretisch so weit daneben lag
Um für sich festzustellen, wo für den eigenen Anspruch sinnige Grenzen liegen fand' ich die Hinweise auf Monitore und vor allem Drucker sinnvoll. Ich habe mir irgendwann A2 und A1 als maximale Zielformate "ausgeguckt", A2 für alles was menschelt, A1 für Bilder in die man "reinkriechen" mag. Auf jedem halbwegs tauglichen A4-Drucker kann man nun für sich feststellen, bis zu welchem Format man die Ergebnisse des eigenen "Systems" leiden mag .. indem man Ausschnitte A4 druckt und aus sinnigem Betrachtungsabstand bewertet. Bei Unzufriedenheit greift man sich irgendwo im Netz Ergebnisse des nächst höherauflösenderen Systems und verfährt erneut so .. man weiß dann recht flott was man eigentlich "will" oder sogar "braucht". Mich dünkt .. die bundesweite Durchschnittspixelzahl würde schlagartig fallen.
Viele Grüße
Martin
