AW: Benro - Kaufen oder nicht!?
So langsam geht es hier zu wie in einer Selbsterfahrungsgruppe. Sobald jemand Fakten bringt, kommt einer mit den Worten: "Ja... aber..." Und genauso, wie in einer Therapie das der Overkill ist, so ist es auch hier. Am Ende sind sowohl Therapeut als auch Klient genervt. - Mein Eindruck zu dem was hier läuft. Mit dem Unterschied, daß hier jeder Therapeut und Patient zugleich ist.
Hängt Euch doch nicht so auf an Haarspaltereien in der Formulierung - es ist doch oft schwierig in Textform das auszudrücken, was gemeint ist - und wir sind doch alle keine Schriftsteller; oder?
Also wenn ich mir die Bilder auf dem Chinesischen Forum anschaue, wird mir bange. Wohl wissen wir noch nicht, wie diese Bruchstellen zustande kamen, aber auch ohne Materialtechniker zu sein, scheint mir dieses von Benro verarbeitete Material nicht wirklich Qualität zu sein. Ich hatte bislang ein billig und wackel Stativ von Velbon (27 Jahre alt), das bei vielen Tramp- und Wandertouren durch Europa mit unterwegs war. Es ist oft an Felskanten angeschrammt, hat einen Motoradsturz miterlebt, wurde in Kofferräumen auf das Blech geschmissen, ist auf verschiedensten Plätzen auf den Asphalt gefallen und funktionert noch genauso gut/schlecht wie am ersten Tag. Das erwarte ich auch von einem Stativ, das deutlich mehr kostet wie EUR 40. Daß immer mal wieder was kaputt geht, wenn ein Stativ den Berg runterrauscht ist akzeptabel, aber selbst dann sollte so eine Bruchstelle wie bei dem gezeigten Benro meines Erachtens nicht entstehen. Also die Bilder machen auf mich einen sehr gemischten, bedenklichen Eindruck.
Einige Stimmen aus Asien zu China-Produkten:
- ein japanischer Bekannter hatte schon vor 25 Jahren Kampfsportklamotten für seine Schule in Japan in China fertigen lassen, weil es billiger ist. Jedoch sagte er, daß er den Chinesen genaue Vorgaben machen mußte, was die Qualität angeht. Wenn sie wollen, dann können sie das auch. Meist wollen sie nicht - oder es ist ihnen einfach nicht wichtig.
- mehrere Bekannte aus Indien stöhnen schon seit längerem, daß der indische Markt nur noch mit Billigzeug aus China überschwemmt wird. Deshalb kaufen sie auf Besuchen in Deutschland und Scheiz ihre wichtigen Artikel hier: (Computer, Handys, Photokameras, manche Klamotten, Rucksäcke, Sportschuhe). Die Chinesen imitieren sogar Buddhastatuen, antike Gemälde, Naturarzneien - einfach alles, denen ist nichts heilig. Und das geht den Indern und Tibetern mächtig auf den Senkel. Vor vielen Jahren hatte ich mal Gesundheitskugeln aus China vertrieben - aufgehört habe ich, als ich erfuhr, daß diese (damals) von Strafgefangenen in Straflagern gefertigt wurden. Auch das gibt es. Und dennoch habe ich mir einen Benro-Kugelkopf zugelegt, in der Annahme (nicht Wissen) daß es Besseres gibt, zu einem deutlich höheren Preis. Für meine derzeitigen Anforderungen genügt mir die Qualität.
Zum Thema KangRinpoche: egal ob der wertig ist oder nicht, würde ich von denen nie was kaufen; und schon gar nicht zu dem Preis. KangRinpoche ist der tibetische Name für den Mt. Kailash, der sowohl den Tibetern als auch indischen Hindus heilig ist. Diesen Namen zu mißbrauchen, um ein Produkt zu bewerben und sich emotinal bei esoterisch angehauchten Naturphotgraphen einzuschmeicheln ist mir zuwider. In dieser Hinsicht antworte ich mit Kaufboykott. Es gibt Alternativen.
Zum Thema Induro: aus meiner Sicht gibt es mehrere Möglichkeiten, wie dieses Induro auf den Markt kam. - es ist Benro und wird mit Mac-Group eigenem Label in Nordamerika auf den Markt gebracht.
- es ist Benro und die Amis legen jedoch Wert darauf, daß sie keinen Schrott geliefert bekommen und sagen Benro sehr genau, wie sie die Teile herstellen sollen (im Sinne von Qualität). Wer glaubt, daß das abwegig ist mag recht haben oder sich irren - es gibt in der Industrie einige, die es so machen, warum nicht auch die Mac-Group.
Zudem: wer sagt uns nicht, ob Vitec und Benro - sofern sie tatsächlich abkupfern, sich nicht schon außergerichtlich geeinigt haben, bevor sie einen riesen Streit mit denen beginnen, der dann auch noch in die Schlagzeilen kommt und ungewollte bzw. unkalkulierbare Wellen schlägt. Es geht schließlich um viel Geld. Es wäre nicht das erste Mal, daß so etwas geschieht. (Siehe SoftwareIndustrie; da ist das doch die Tagesordnung: Lizenzklagenandrohung mit außergerichtlicher Einigung und Teilweise- oder Ganz-Einverleibung). Selbst wenn wir hier gerne eine einfache Erklärung hätten, sehen die Dinge hinter den Kulissen doch meist sehr anders aus.
Wenn Benro tatsächlich Eigenentwicklungen macht, dann müssen sie wesentliche Teile ANDERS bauen als Gitzo und Co.; und somit kann Benro schon gar nicht die gleiche Qualität haben. Ich mag mich irren, aber es erscheint mir wesentlich schwieriger, ein gutes Produkt hervorragend nachzubauen, wenn wesentliche Teile verändert werden müssen. Die Leute bei Gitzo, Markins, Kirk und Co. haben sich doch bestimmt intensiv damit auseinander gesetzt um ein hochwertiges Produkt hinzubekommen. Viele Tests und kleinste Anpassungen sind da nötig, um die ganzen Schwingungen in den Griff zu bekommen. Ich glaube, daß es schwierig ist, sowas einfach mal aus dem Ärmel zu schütteln. Wobei die Chinesen bestimmt auch immer wieder unterschätzt werden in ihren Fähigkeiten. China bereitet sich gerade darauf vor, den Rest der Welt technologisch in die Knie zu zwingen. Während meines Aufenthalts in Melbourne, wo ich einige Zeit lebte, sind die Chinesen als lernbegierige Arbeitstiere bekannt. Die National State Library z.B. hat ca. 250 Computerarbeitsplätze mit 24 Stunden Öffnungszeit an sieben Tagen die Woche. Wenn du nachts um 3 nach einem Clubbesuch kurz dort vorbeigehst um ne e-mail zu schreiben, sitzen da mind. 200 Chinesen (und andere Asiaten) und lernen. Die haben noch viel vor...
Übrigens halte ich den Aspekt von Riesbeck durchaus für legitim, wenn er empfiehlt, das Produkt einmal anzufassen. Daß die Hände erstaunlich viel wahrnehmen können wurde in wissenschaftlichen Test schon auf verschiedensten Gebieten untersucht. Man muß dazu nicht immer etwas auseinandernehmen, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Das läßt sich natürlich oft nicht erklären und ist dennoch so. Ich selbst kaufe so z.B. seit Jahren Wein und bin seltenst enttäuscht worden: anfassen, fühlen und aus dem Bauch entscheiden. Egal ob der Weinkenner im Buch dieser oder jener Meinung ist. Wenn wir ein Produkt bewerten, sollten wir uns auch dem Phänomen der Massenhypnose bewußt sein - je länger wir uns mit etwas beschäftigen und mit anderen austauschen, desto eher kommt es zur Selbsthypnose, bestimmte Eigenschaften eines Produkts betreffend. Die Weinliebhaber aller sieben Weltmeere können da einige Lieder davon singen - was da alles in etwas Traubensaft hineingedichtet wird...
Zu den "übertriebenen" Preisen mancher Kugelkopfhersteller: ich glaube kaum, daß ein Kleinbetrieb wie RRS oder Markins ihren Angestellten einen guten Lohn und Sozialabsicherung bezahlen könnte, wenn deren Produkte auf dem Preisniveau von Benro liegen würden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß von den Markins und Co. soviele über den Ladentisch laufen, daß die da viel Spielraum haben. Die Kundschaft, die dafür in Frage kommt, kann doch international gesehen nur eine Handvoll Spezialisten sein, die einmal kaufen und dann 10 oder 20 Jahre nicht mehr. Wie soll man da reich werden dabei?
Und daß jeder Hersteller auch das ein oder andere Produkt für den Selbsthynotisierten Liebhaber zu Liebhaberpreisen im Sortiment hat, an dem dann etwas mehr verdient wird, ist doch legitim. Wir müssen uns das ja nicht antun, wenn wir nicht wollen. Es sei denn, es setzt schon diese seltsame hypnotische Anziehungskraft ein...
domeru