Hallo,
ich habe ein ein Canon 300mm mit und ohne IS. Bei 300mm kann man mit dem ISlosen manchmal kaum noch fotografieren, da das Sucherbild genauso wackelt. Bei einem Body IS würde sich das bei einer DSLR nicht ändern. Von daher macht der Linsen IS gerade im Telebereich meiner Meinung nach mehr Sinn.
Das hängt von der Brennweite und vom Motiv ab.
Gehen wir mal so das Brennweitenbereich durch:
6 mm am FT / 7,50 mm am Crop 1,6 / 12 mm am Kleinbild
7 mm am FT / 8,75 mm am Crop 1,6 / 14 mm am Kleinbild
8 mm am FT / 10,0 mm am Crop 1,6 / 16 mm am Kleinbild
10 mm am FT / 12,5 mm am Crop 1,6 / 20 mm am Kleinbild
12 mm am FT / 15 mm am Crop 1,6 / 24 mm am Kleinbild
14 mm am FT / 17 mm am Crop 1,6 / 28 mm am Kleinbild
Jeder denkt zwar (oder behauptet zumindest), daß man im UWW-Bereich ja ohnehin nicht verwackeln kann und man deswegen nie einen IS benötigen würde. Schaue ich mir aber meine Irland-Bilder an, dann habe ich dort jede Menge Innenaufnahmen von Gebäuden, Kirchen, Kneipen, die alle im Bereich ISO 400 bis ISO 1600, Offenblende und 1/1 s bis 1/15 s rumkrebsen. Leicht verrauscht, Unschärfen durch Offenblende, leicht verwackelt.
Zum einen wird unterschätzt, was man durch den Einsatz von UWW und WW an möglicher Belichtungszeit gewinnt, zum anderen stößt man unabhängig von Blendenzahl, Empfindlichkeit und möglicher Belichtungszeit immer an Grenzen der Machbarkeit. Mit ISO 100-Diafilm und einer 3,5er-Optik liegen sie wo anders als mit ISO 3200 und 1,2er-Optik, aber man findet sie genauso schnell.
Gewinn an Belichtungszeit gegenüber 50 mm Kleinbild:
- 12 mm KB: Belichtungszeit x 2,3 = +1,2 Blenden
- 14 mm KB: Belichtungszeit x 2,2 = +1,1 Blenden
- 16 mm KB: Belichtungszeit x 2,1 = +1,1 Blenden
- 20 mm KB: Belichtungszeit x 1,9 = +0,9 Blenden
- 24 mm KB: Belichtungszeit x 1,7 = +0,7 Blenden
- 28 mm KB: Belichtungszeit x 1,5 = +0,6 Blenden
Das ist gerade mal
eine Blende. Der Grund liegt darin, daß in Randnähe Winkel wieder größer abgebildet werden, ein Dreh wirkt sich damit am Rand wieder deutlich stärker aus als nach einfachen Formeln man erwarten würde.
Dieser Effekt bewirkt aber auch, daß bei ideal stabilierter Bildmitte der Rand immer noch verwackelt ist. Die Verwacklungen können am Rand um maximal folgende Beträge reduziert werden:
- 12 mm KB: +1,2 Blenden
- 14 mm KB: +1,4 Blenden
- 16 mm KB: +1,6 Blenden
- 20 mm KB: +2,0 Blenden
- 24 mm KB: +2,3 Blenden
- 28 mm KB: +2,7 Blenden
Zwar nicht viel, aber 1,5 Blenden sind halt ISO 800 statt ISO 1600 und noch eine halbe Blende abgeblendet. 8 bis 10 Jahre Sensorentwicklung.
Die fehlende Sucherbildstabilierung bei optischen Reflexsuchern merkt man bei diesen Brennweiten gar nicht im Sucher.
22 mm am FT / 28 mm am Crop 1,6 / 45 mm am Kleinbild
28 mm am FT / 35 mm am Crop 1,6 / 56 mm am Kleinbild
40 mm am FT / 50 mm am Crop 1,6 / 80 mm am Kleinbild
Hier gilt ähnliches wie bei den UWW und WW-Brennweiten.
Das theoretische Limit für die Sensorstabiliserung liegt aber hier schon zwischen 3,8 Blenden (45 mm Kleinbild) und 5,3 Blenden (80 mm Kleinbild). Andere Begrenzungen werden hier relevant, z.B. Verstellwege, Reaktionszeiten und Genauigkeiten der Gyro-Sensoren.
Die Stabilisierung des Sucherbildes wird erkennbar, aber sie ist weder im positiven noch im negativen Sinne erkennbar.
56 mm am FT / 70 mm am Crop 1,6 / 112 mm am Kleinbild
68 mm am FT / 85 mm am Crop 1,6 / 135 mm am Kleinbild
80 mm am FT / 100 mm am Crop 1,6 / 160 mm am Kleinbild
110 mm am FT / 135 mm am Crop 1,6 / 220 mm am Kleinbild
Hier wird die Sucherbildstabilisierung deutlich erkennbar.
Für die Motivauswahl und den AF würde ich sie aber auch hier weder im negativen noch im positiven Sinne als störend oder notwendig einstufen.
160 mm am FT / 200 mm am Crop 1,6 / 320 mm am Kleinbild
240 mm am FT / 300 mm am Crop 1,6 / 480 mm am Kleinbild
Spätestens hier merkt man die Sucherbildstabilierung unverkennbar. Ob sie aber das positiv oder negativ auswirkt, hängt vom Motiv ab. Bei schnell bewegenden Motiv ist es eindeutig hinderlich bis bildverhindernd, weil das Sucherbild schwimmt und man nicht ordentlich dem Objekt folgen kann. Ausschalten mag man den IS trotzdem nicht, weil häufig im Moment des Auslösens (der AF muß ja auch stimmen) das Motiv mal kurz stillhält.
Einige Kompakte (z.B. von Panasonic) erlauben einen Modus, der nur während der Aufnahme stabilisiert. Die Ergebnisse sind deutlich besser als vom dauerstabilierten Bild. Außerdem saugt dieser IS nicht die Akkus leer.
Für den IS könnte man mehrere Schalter benötigen:
- IS off / on
- IS Position halten [Mode 1] / IS Geschwindigkeit halten [Mode 2] / Auto
- IS immer an / IS nur während der Belichtung
400 mm am FT / 500 mm am Crop 1,6 / 800 mm am Kleinbild
480 mm am FT / 600 mm am Crop 1,6 / 960 mm am Kleinbild
640 mm am FT / 800 mm am Crop 1,6 / 1280 mm am Kleinbild
960 mm am FT / 1200 mm am Crop 1,6 / 1920 mm am Kleinbild
Bei solchen Brennweiten sollte ein Suchfernrohr Pflicht sein. Bei EVF sollte man zwischen dem Suchfernrohr und dem Hauptsensorbild schnell umschalten können.
Neben dem kleinen Bild ist häufig die Schärfentiefe so gering, daß man das Motiv im Sucher nicht oder nur sehr mühselig findet. Bei Zooms kann man sich noch mit Kleinste Brennweite / Suchen / Grob Schärfstellen / Zoom / Fein Scharfstellen weiterkommen, aber eine 600 mm FB stelle ich mir bei Vögeln im Dickicht furchtbar vor.