Da die Kamera in vielen Situationen anders aufzeichnet als ich sehe, bearbeite ich viele Bilder nach.
Das ist einer der wesentlichen Punkte: Viele Leute denken, dass durch das Bearbeiten der Bilder die Realität "verfälscht" wird. Sicherlich ist das auch möglich, aber nur weil es möglich ist, ist es nicht zwangsläufig der Fall.
Man sollte sich bewußt sein, dass das OOC-JPEG keine neutralen und Realitätsnahen Bilder liefert. Es handelt sich ebenfalls um eine Interpretation mit vielen Annahmen und Durchschnittswerten.
Das Problem ist, dass man gar nicht ohne weiteres die Realität mit der vorhandenen Hardware wiedergeben kann. Die Kamera zeichnet nur einen Teil der wahrnehmbaren Dynamik auf und würde man die Tonwertkurve nicht "S-förmig" "verfremden", würde jede Aufnahme flau wirken. S-förmige Tonwertkurven sind aber nicht realistisch, sondern eine Notwendigkeit um auf unseren eingeschränkten Bildschirmen den Kontrast auf die wesentlichen Bildelemente zu legen.
D.h. es finden massive Eingriffe seitens der JPEG-Engine statt um einen Seheindruck "wiederzugewinnen". Nun kommt allerdings das Problem: die Kamera, bzw. die JPEG-Engine kennt keine Semantik, d.h. sie kennt den Bildinhalt nicht. Sie kann nicht wissen an welchen Stellen des Bildes relevante Informationen vorliegen, die dem natürlichen Seheindruck widersprechen. Eine S-Kurve ist für Standard-Situationen oft eine gute Wahl. Aber das muss nicht so sein.
Neben der fehlenden Semantik hat die Kamera keine Gefühle oder Empfindungen. Mache ich Fotos in einer kalten Nacht, werde ich den Weißabgleich vermutlich ins Kalte korrigieren, während ich in einer heißen Wüste selten einen kalten Weißabgleich wählen werden. Die Empfindungen wirken sich stark auf mein Bildergebnis aus.
Dazu kommt der Gewöhnungseffekt. Ist man längere Zeit in einer bestimmten Umgebung, passt sich der Sehapparat an. Bestes Beispiel - beim Schnorcheln. Die Kamera nimmt technisch korrekt ein Bild auf und das Ergebnis sieht so aus wie im Anhang (Bild1). Mein Sehapparat hat sich allerdings schon längst an die Situation angepasst und den Blaustich ausgeglichen, so dass ich ungefähr das sehe was die RAW-Bearbeitung (Bild2) zeigt.
Mit RAW-Dateien kann man sehr viel anstellen. Ich nutze diese Möglichkeit um eine Information zu ergänzen, die die Kamera nicht aufzeichnen kann. Andere verfremden Bilder so, dass eine künstlerische Ausdrucksweise im Vordergrund steht (acahaya Bilder sind ein gutes Beispiel hierfür: Ich finde die Flickr-Bilder einfach schön und interessant; der Faktor Realität steht offensichtlich nicht im Vordergrund).
Sicherlich kann man aber auch ganz viel Unsinn mit den RAWs anstellen und nur weil man RAW aufzeichnet, werden die Ergebnisse nicht automatisch besser.