Nun bin ich auch im Besitz des 24-70/2.8 Macro, wobei ich mich entschieden habe, von meinem Rückgaberecht Gebrauch zu machen, weil mich das Objektiv nicht richtig überzeugt. Ich hatte es mir besorgt, weil ich kein vernünftiges Tamron 28-75/2.8 erwischen konnte (Qualitätsprobleme) und mir die 24 mm am unteren Ende entgegenkamen, die gut zu meinem Pentax 12-24 mm passen.
Hier meine Beutreilung mit den Gründen der Unzufriedenheit:
Gehäuse/Haptik:
Das Objektiv ist sehr groß und schwer, wobei ich damit noch leben kann.
Im Vergleich zum Tamron 28-75/2.8 ist das schon ein Unterschied, aber für mich kein No-Go. Es ist besser zu händeln als befürchtet. Die Verarbeitungsqualität stimmt auch. Äußerlich ist das Objektiv keine Schönheit. Man hat immer das Gefühl, das Objektiv sei halb ausgefahren oder in einigen Details nicht optimal bemessen.
Handhabung:
Erfreulicherweise dreht der Zoomring in die gleiche Richtung wie bei Pentax- und Tamron-Objektiven bzw. ein paar Sigma-Objektiven. Als Gewohnheitstier, das der Mensch ja ist, empfand ich das als Vorteil. Leider dreht aber der Fokusring in die falsche Richtung. Ich hatte mir angewöhnt, wie ich meine Schnibi ablesen muss, um auf Anhieb in die richtige Richtung zu drehen. Hier müsste ich mich umgewöhnen. (Nutze gerne mal MF.) Außergewöhnlich ist auch, dass das Objektiv bei 24 mm Brennweite weit ausfährt, bei ca. 55 mm am kürzesten ist und bei 70 mm nochmals sehr leicht ausfährt. Zwischen 24 und 35 mm ist die Übresetzung zwischen Zoomring und Tubushub sehr groß, so dass sich der Ring nur mit gewissem Widerstand drehen lässt. (Mein Gebrauchtexemplar scheint hier auch nicht mehr perfekt "geschmiert" zu sein.) Mit dieser "AF/MF-Kupplung" kann ich mich nicht direkt anfreunden. Sie kann den breiten Zoomring vom AF entkuppeln, damit man das Objektiv dort gut halten kann. Ein schmalerer Fokusring hätte es aber auch getan. Entkuppelt fokussiert die Kamera extrem schnell (mehr dazu unten...), eingekuppelt spürt man deutlich, dass es der AF schwer hat. Will man von AF auf MF schalten, muss man in der Praxis also zwei Umstellungen vornehmen: Den MF an der Kamera und den am Objektiv einstellen. Zudem ist diese Kupplung recht schwergängig und rastet ruppig mit einem lauten Klack ein. Auch muss dann das Getriebe erst noch einrasten, bevor sich etwas Sichtbares im Sucher tut. Der schwere Tubus ist übrigens anfällig auf eigenständiges Ausfahren (Zoom creeping).
AF (Autofokus):
Im entkuppelten Betrieb ist der AF wirklich blitzschnell. Der schnellste, den ich an Pentax je erlebt habe. Zudem ist es dabei nicht sehr laut. Auch ein Nachruckeln ist bei gutem Licht praktisch nicht spürbar, obwohl es da ist. Es geht aber so schnell, dass man davon nichts merk. Der AF sitzt einfach sofort und ist dabei sehr treffsicher. ABER: Das gilt nur bei eingestellter Offenblende und bis f/4.0. Darüber zeigt die Kombi einen Fokussprung, der recht deutlich ist. Bin zuerst fast verzweifelt, bis ich herausgefunden, warum der AF mal genau trifft und mal reproduzierbar im gleichen Ausmaß daneben liegt. Dieses Verhalten habe ich schon einmal an einem meiner Objektive festgestellt: am Sigma 18-125 DC. Ein Sigma-Problem? Einen Sinn darin erkenne ich nicht, denn Fakt ist, dass der entstehende Frontfokus mehr oder weniger stark sichtbar ist. Die Bilder werden also schärfer, wenn sie händisch korrigiert und somit richtig fokussiert werden. (Habe nämlich auch mal davon gelesen, dass ein Fokussprung bei manchen Objektiven Absicht sei, um eine sphärische Aberration auszugleichen...)
Bildqualität:
Auch hier ein gemischtes Urteil: Die Fotos sind ok aber ich habe mehr erwartet auf Grund der KB-Tauglichkeit (Schärfe in den Ecken) und der guten Bewertung bei Photozone.de (highly recommended). Das Objektiv ist bei jeder Brennweite bei Offenblende in der Mitte brauchbar, d.h. scharf aber etwas kontrastarm. Bei 70 mm wohl am schwächsten. Abgeblendet auf f/4.0 ist es bei jeder Brennweite sehr gut - wenn nicht erstklassig! Die Ränder und Ecken sind bei f/2.8 etwas schwach (v.a. 24 und 70 mm) und zeigen auch gewisse CAs. Für Offenblende wäre das noch ok. Jedoch steigert sich das Objektiv durch Abblenden an den Ecken kaum. Selbst bei f/8.0 sieht es noch nicht so prickelnd aus. Das ist enttäuschend. Die Zentrierung meines Exemplars scheint in Ordnung zu sein. Jedenfalls sind alle Ecken etwa gleich.
Belichtung:
Die o.g. Kritikpunkte ließen mich schon etwas zweifeln. Die Belichtungssicherheit hat dem Sigma dann aber letztlich den Todesstoß verpasst. Bei Offenblende sind die Bilder in Ordnung. Blendet man ab, zeigt sich sofort, dass sie unterbelichtet sind. Schon ab f/4.0 muss man fast jedes Foto deutlich hochziehen (bis auf wenige Aufnahmen musste ich sie jeweils um 1,5 EV im RAW-Konverter anheben.) Die Belichtungszeiten passen aber zu den Blenden. Die notwendige Aufmerksamkeit bei der Einstellung eines Belichtungsausgleichs (beim Blendenwechsel und Objektivwechsel) finde ich einfach nicht zufriedenstellend.
Sonstiges:
Verzeichnungen sind bei dem Objektiv auf jeden Fall sichtbar, aber halten sich in Grenzen. So wie ich es sehe, muss man sich auch keine 82 mm-Filter leisten, denn bei 67 mm-Filtern (mal drangehalten) konnte ich selbst durch den Sucher der alten Film-DSLR keine dunklen Ecken sehen. Gegenlichtempfindlichkeit kann ich nicht beurteilen.
Fazit:
Unter absoluten Gesichtspunkten ist das Sigma (zumindest mein Exemplar) kein schlechtes Objektiv. Überzeugend ist v.a. der AF. Die Bildqualität lässt ab f/4.0 nur noch in den Ecken zu wünschen übrig. Für ein KB-taugliches, 400 Euro (gebraucht) teures Objektiv, finde ich das jedoch nicht überzeugend. Alles in allem sind mir die Kompromisse, die ich eingehen muss, um dann zu technisch maximal "guten" Fotos zu kommen (Belichtung, Fokussprung, Schlepperei des Gewichts) einfach zu hoch. Daher gebe ich es wieder ab.
Anhang aus RAW (ohne Filter)