So hier nun mein "Erfahrungsbericht" zur GFX 50, die ich gestern ausführlich an der Photo 17 in Zürich unter die Lupe nehmen durfte.
Laut Fuji Mitarbeiter war es eine von zwei Prototypen, die aktuell durch Europa geistern. Natürlich noch nichts final, FW mit vielen Bugs (was offensichtlich war) aber für ein Erstgefühl hat es vollkommen ausgereicht. Der Fuji-Mann war supernett, sehr kompetent und kannte sich auch mit anderen Systemen und verschiedenen fotografischen Bereichen sehr gut aus. Hier hat Fuji schon wieder ein mal einen super Eindruck hinterlassen.
Hier zu den Dingen die mir aufgefallen sind:
Body:
Quadratisch, praktisch, gut. Ist zwar keine Rittersport, liegt aber ähnlich gut in der Hand. Sie ist gefühlt nicht viel schwerer als sie zuvor getestete Hasselblad HD-X1. Der Engländer würde sagen: boxy. Sie erinnert mich von der Haptik an eine alte Hasselblad MF-Fotofilmkamera, Rollei oder Mamiya. Sie ist einfach quadratisch, aber nicht zu groß. Liegt recht gut in der Hand und Bedienelemente, besonders die Räder sind super zu erreichen. Einzig rechts oben ist ein "Hubbel" der mich persönlich in der Bewegungsfreiheit ein wenig eingeschränkt hat. Das Beste definitiv der Joystick, der etwas oben rechts neben dem Display liegt. Absolut fantastisch damit den Fokuspunkt zu verschieben.
Gerne mochte ich auch das kompakte OLED Kopfdisplay. Wird Zeit das Canon und Nikon hier endlich mal im 21sten Jahrhundert ankommem.
Die Manuelle ISO und Belichtungszeiträdchen on top benötige ich nicht, aber das gehört bei Fuji halt dazu. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, trotzdem wirkt sie für ihr Äußeres Erscheinungsbild fast zu "leicht" bzw. fragil. Klapprig ist das falsche Wort, da hat nix geklappert, aber man denkt vielleicht fehlt im Inneren noch ein Bauteil, weil sie doch eigentlich schwerer sein müsste. Von daher ein absolut positiver Eindruck!
Menü:
Absoluter Betastatus, ich war nicht wirklich in diesen unterwegs, und habe mir Änderungen vom Experten vornehmen lassen. Da hat alles geblinkt und geleuchtet, was bei zwei nicht auf den Beine war und der Kollege meinte auch, dass man da aktuell nicht drauf achten sollte (Display hat geflimmert, Akkuanzeige rot geleuchtet obwohl Akku voll, etc.) Von daher habe ich mich damit nicht aufgehalten, weil es keinen Sinn gemacht hätte. Am Ende ist es natürlich die typische Fujimenüstruktur, leider ohne Touch und leider keine Vereinfachung wie bei der kompakten Hassi.
Sucher:
Gefühlt wesentlich besser als der, der Hasselblad und erstmal angenehm. Leider hat der Sucher immer wieder und besonders bei, Auslösen geflackert. Auch dem habe ich nicht weiter Beachtung geschenkt, da ja Beta. Trotzdem fand ich das, was ich erahnen konnte angenehm und auch die Verfügbaren Infos in Ordnung. Die Infos wurden in Weiß angezeigt, finde ich erstmal nicht ideal, weiß aber nicht ob das änderbar oder normal ist. Quadratisches weißes Sucherfeld (passend zum Kameradesign

) was sich wie gesagt wunderbar per Joystick schnell und präzise verschieben lies. Fotos konnten hier aber im Sucher betrachtet werden. Das sollte auch eigentlich Standard sein.
Knaller ist natürlich, das man unterschiedliche Sucher aufstecken kann. Leider war nur der Standard am Start, nicht die "Lichtkanal"-Version
Autofokus:
Fand ich absolut in Ordnung. Gefühlt ähnlich A7, aber doch langsamer. Das leidige Thema hässliches und wenig Licht in der Ausstellungshalle, teilweise mal schneller dann wieder langsamer. Definitiv besser als an der Hassi, aber natürlich auch nur nach Gefühl. Die AF-Feld Steuerung und Anzeige fand ich ja wie gesagt gut und schnell.
Blackoutzeiten zwischen den Fotos/Schreiben nach Auslösen:
Schneller als die Hassi, total in Ordnung, wenn man Zeiten bei 42 Mpx Raws+JPEGs von der RII gewöhnt ist. Keine Probleme damit gehabt. Es ist weiterhin eine 50mpx Mittelformat Spiegellose.
Display:
Kein Touch. Chance verschenkt, sehr schade. Hasselblad eindeutig vorne. Qualität durch Beta schwer zu beurteilen. Anzeige der Fotos ok. Klappbar ist es natürlich auch. Find ich gut!
Objektive:
Gewicht und Größe beim 50 Equivalent: winzig und total kompakt. Hat wie ein Knubbel vorne rausgeragt und fand ich recht interessant, dass es doch gar nicht so groß sein muss. Lichtstärke weiß ich leider nicht mehr. Aber mehr als angenehm und deshalb hat die Kamera wahrscheinlich auch so leicht gewirkt. Das Zoom (interessiert mich leider nicht) war recht groß was da stand, habe ich aber nicht drauf gehabt. Es kommt wohl ein 90 1.4 equivalent, was natürlich für MF eine Wucht ist.
Fotos:
Die alte Leier: Licht, Beta, Messe. Sah nicht schlecht aus. Muss man aber einfach und wie immer unter echten Bedingungen testen.
Preise:
Und jetzt ein Thema was für Pentax und die neue Hasselblad sehr wahrscheinlich das interessanteste ist, die Fuji Preisgestaltung. Der Body und das besagte "50er" im Set sollen wohl doch recht erschwinglich sein. Natürlich nichts final, alles noch im Flow usw. usw. aber wenn ich den Vertreter richtig verstanden habe liegt es bei Acht bis Neuntausend Euro für Body und Objektiv. Das würde bedeuten, dass der Body bei rund Siebentausend liegt und er meinte die Objektive bei Eintausendachthundert bis Dreitusendzweihundert. Man solle ihn aber nicht darauf festnageln. Und mich bitte auch nicht. Das würde bedeuten das die ganze Nummer für Zwei bis Dreitausend weniger über die Bühne geht als die neue Hasselblad. Steh ich drauf!
Fazit:
Bulky, Viereckig, Old-School, klapprig, geil. Sie lag einfach super in der Hand, immer noch angenehm leicht, gar nicht übermäßig riesig. Miniobjektiv und ich habe mich direkt wohl gefühlt. Menüs und Anzeigen im Sucher Display turnen mich nicht sonderlich an, sind aber in Ordnung. Viele Rädchen brauche ich nicht, kann man halt nicht ändern.
Sie hat definitiv bei mir Emotionen geweckt und das wird die Kamera sein, die ich beäugen werde und ausleihen und ordentlich testen. Mein Gesamteindruck ist einfach sehr gut und ich denke für meine Portraitsarbeiten könnte dieses "kompakte" Arbeitstier einen Platz in meiner Tasche und auch meinem Herzen finden.
Wenn ihr noch was wissen wollt, was ich jetzt vielleicht vergessen habe, fragt gerne.