Das ist fast komplett richtig. Nur eins stimmt noch nicht: der AF nähert sich (im Gegensatz zum AF einer Kompakten) dem Fokus nicht schrittweise. Er kann aus dem Versatz der beiden Kontrastkurven den Weg zum optimalen Fokus ermitteln und er kann auch jederzeit ohne Hin- und Herfahren erkennen ob er mitten im Schärfenbereich liegt und nicht nur irgendwie drin.
Ja, das meinte ich eigentlich auch. War nur nicht Kern meines Postings, daher hatte ich keinen Ehrgeiz, das exakt genug zu formulieren
Klar doch. Links im Bild der Strahlenteiler, der die beiden von dir dargestellten Kontrastkurven auf die beiden Teilsensoren wirft.
Und die (virtuelle) Blende des AF-Sensors spielt selbstverständlich eine Rolle. Sie tut das doch auch beim Schnittbildindikator den du angesprochen hast. Wenn ein Schnittbildindikator für Blende 5,6 ausgelegt ist, dann verschieben sich die Hälften bei gleicher Defokussierung erheblich weniger als bei einem der für Blende 2,8 ist. Bei letzterem ist also eine Defokussierung viel deutlicher zu erkennen. Das liegt optisch daran daß die Schnittbildkeile anders geschränkt sind. Nicht umsonst gab es in der guten alten Zeit für Kameras mit Wechselscheiben nicht nur eine, sondern verschiedene Schnittbildscheiben für verschiedene Lichtstärken (z.B. bei meiner Minolta XM).
Eine jede Entfernungsmessung braucht eine Meßbasis. Je größer die ist, desto präziser wird die Messung. Ein Schnittbildkeil (oder AF) für 2,8 hat eine größere Meßbasis als einer für 5,6 und ist dehalb präziser. Allerdings kann man beim Sucher noch tricksen indem man nachvergrößert (Sucherlupe). Das kann man beim AF vermutlich auch, da aber durch den Pitch des Sensors und die Firmware. Und weil wir über diese Details nix wissen, können wir zwar über die zugrundeliegenden Prinzipien etwas sagen, nicht aber über die Präzision im Vergleich zu Canon.
Mir war übrigens bis jetzt jeder AF jeder Nikon DSLR präzise genug.
Nun, aber das ist genau "mein" Punkt:
1. der Strahlteiler führt - wie das Schnittbildprisma - zu zwei "scharfen" Abbildungen, die gegeneinander verschoben sind
2. ab einer bestimmten Blende dunkelt er ab (wie das Schnittbildprisma) - fokussieren wird unmöglich (ca. f5,6-f8 bei Nikon, je nach Licht)
3. im Gegensatz zu unserem Auge, das im Zweifelsfall eine Lupe oder einen optimierten (weniger "steilen") Strahlteiler benötigt, kann der AF-Sensor ja schon durch einen hinreichend kleinen Pixel-Pitch soweit gebracht werden, auch eine für f2.8 oder f1 oder f0.7 ausreichend genaue Fokussierung zustande zu bringen.
Die Gebetsmühlenartig wiederholte Geschichte von der Messung "bei Blende 5,6" ergibt für mich sowohl aus der praktischen Erfahrung als auch aufgrund dieser halbtheoretischen Betrachtung schlicht keinen Sinn.
Man erkennt da ja auch durchaus Unterschiede in der Genauigkeit bzw. Treffsicherheit, ich beobachte das gerade beim Umstieg von D50 auf D300 schon sehr intensiv - aber relativ unabhängig sowohl von gewählter Blende als auch verfügbarer Offenblende (will sagen: mein 18-70 verhält sich bei f4 und bei f8 gleich, und auch mein 50/1.8 manuell fokussiert mit Fokus-Indikator liefert bei f1.8 und f8 vergleichbar exakte Ergebnisse - immer mittig im scharfen Bereich).
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Würde die Behauptung, es würde f5,6 zugrunde gelegt, stimmen, so könnte das zwar einen Fehlfokus bei f1.8 begründen - das würde aber *zwangsweise* nach sich ziehen, dass der Fokus eben auch bei f5,6 überhaupt nicht stimmt - zwar irgendwie "in der Schärfentiefe" liegt, aber eben nicht mittig. Und jeder, der mal schräg einen Zollstock fotografiert hat, weiss hoffentlich, dass genau das Unsinn ist. Ergo kann man den "Fehlfokus" bei f1,8 auch nicht mit einem "Fokus gemessen bei 5,6" begründen, wenn genau der offenbar immer wieder exakt auf den Millimeter genau mittig im Schärfebereich sitzt - beim gleichen Objektiv wohlgemerkt. Denn genau dort in der Mitte wäre ja auch das Bild mit 1,8 scharf - und bei einer Messung, die immer mit Offenblende erfolgt, dürfte dann halt gar kein Fokus mit einem 50/1,8 sitzen.
Nein, mein Favorit ist immer noch der wackelnde Fotografenkopf. Und unter uns: 3cm Schärfentiefe hat man schnell "verrissen".