Es mag banal klingen, aber natürlich muss die Verschlusszeit auch wirklich ausreichend kurz sein, damit bei einem schnell bewegten Motiv wie etwa einem Vogel die Bewegungsunschärfe (nicht nur die Flügel, auch z.B. der Brustkorb bei der Atmung) eingefroren wird. Und dann wird es für die meisten Objektive selbst bei hilfreichem Licht schnell recht knapp und die ISO geht rauf und frisst die ersten Details. Bei F5,6 oder gar noch kleiner und 1/2000s braucht man schon eine Menge Licht für ISO 100, das findet sich nicht mal eben bzw. schließt dann oftmals wiederum eine entsprechende Lichtqualität (vs. Quantität) aus. Das liegt aber nicht an der 5D4. Die maximale Schärfe kriegt man aus jeder DSLR ohnehin nur mit Spiegelvorauslösung bzw. erstem elektronischen Verschluss (falls vorhanden), und das sieht man dann durchaus auch, dass da ein Stillleben detailreicher wird.
Bei den genannten Objektiven (EF 24-105 F4 L und EF 70-200 F4 L IS erster Generation) ist auch Objektivseitig durchaus einiges an Luft nach oben was die Bildqualität angeht. Bitte nicht falsch verstehen, mitnichten bin ich der Ansicht, dass das wirklich relevant ist für die Frage, ob ein Bild nun gut wird oder werden kann oder nicht, weil ausgerechnet die Bildqualität im Sinne des Detailgrades wirklich meist nicht so relevant ist. Aber bei diesen Objektiven ist nicht die Kamera der Flaschenhals in Sachen Detailgrad. Aber wie gesagt: Der Detailgrad ist auch einfach nicht so furchtbar wichtig. Mit einer Kleinbildkamera ist der Detailgrad eigentlich immer mehr als ausreichend, wenn man sein Motiv formatfüllend reinbekommt.
Und das ist dann der nächste Punkt: Ein, zwei oder gar drei Meter näher ans Motiv oder weiter weg macht teils die Differenz zwischen dem besten und schlechtesten Objektiv eines Vergleichs zunichte. Gerade bei der Wildtierfotografier ist mit einem oder zwei Metern mehr Nähe zum Motiv enorm was gewonnen in Sachen Bildqualität. Die Kamera wird da ganz schnell zweitrangig. Die 5D4 ist eine grandiose Kamera mit einem guten Sensor, der auch heute noch absolut ausreichend ist. Selbst der AF ist letztlich wirklich ordentlich, auch wenn alle anderen jüngeren Autofokussysteme im Hause Canon inzwischen viel besser sind.
Aber zur Frage des TO, was er von der 5D4 erwarten kann: Eine ganze Menge. Das einzige, wo sie wirklich erheblich eingeschränkt ist für heutige Verhältnisse ist der Videobereich. Aber selbst der ist besser als man voreilig meint wenn man nur auf die Spezifikationen schaut. Man kann mit der 5D4 schon auch echt schön filmen. Ich habe seit Erscheinen die R5 und die 5D4 wurde dann seltener genutzt, aber ich sehe ja, dass weder meine Fotos noch meine Videos durch die jeweils höhere Auflösung und den leistungsfähigeren Sensor besser geworden sind. Weder was vorher gut war, noch was vorher schlecht war ist jetzt mit der jüngeren Kamera besser. Das Fotografieren ist mit der R5 halt noch eine Ecke stressfreier, insbesondere beim AF kann man sich ja quasi komplett zurücklehnen und den einfach machen lassen.