Hallo
DreamForce schrieb:
und stoße bei den Objektiv-Beschreibungen auf eine Menge Abkürzungen und Begriffe, die ich nicht verstehe
Ein grosser Teil davon ist Marketing. Die beiden wichtigsten sind:
- Brennweite: Wird in mm angegeben. Aus der Brennweite und der Grösse des Aufnahmemediums ergibt sich der Bildwinkel (mehr dazu
hier )
- Lichtstärke: Wird in Form der grössten einstellbaren Blendenzahl angegeben (näheres ebenfalls unter dem obigen Link)
Allenfalls durch das Wort "Macro" oder "Micro" angedeutet ist die Fähigkeit, auch Dinge nahe vor der Linse aufnehmen zu können. Wie andere gesagt haben, sind die Begriffe nicht wirklich festgelegt. Ich habe gelernt: 1:10 bis 1:1 = Makro, 1:1 bis 10:1 = Mikro. Aber Nikon z.B. handhabt das genau umgekehrt ... Falls die Naheinstellung ein Kaufkriterium ist, unbedingt im Datenblatt zum Objektiv den genauen Wert der Naheinstellgrenze bzw. den max. Abbildungsmassstab nachlesen.
Aus diesen drei Werten (Brennweite, Lichtstärke, Naheinstellung) eines Objektivs lässt sich (mit etwas Erfahrung

)ableiten, welche Art von Aufnahmen prinzipiell damit möglich sind, und welche nicht.
Der Rest der Bezeichnungen zeigt spezielle Features bzw. Konstruktionsmerkmale an, wobei jeder Hersteller wieder eigene Kürzel verwendet. Je länger, je mehr. Das wird z.T. auch marken- und patentrechtliche Ursachen haben. Die wichtigsten Gruppen:
Dann gibt's noch eine Reihe von Kürzeln, die mit der "Optimierung" für Digitalkameras zusammenhängen.
Spezielle Vergütung, aber für Vollformat ausgelegt:
Sigma: DG
Tamron: Di
Die Originalhersteller hatten diese Nachbesserung nicht nötig, haben deshalb auch kein entsprechendes Kürzel.
NUR für Crop-Kameras:
Canon: EF-S (nur für 300D/350D/20D/30D)
Nikon und Tokina: DX
Pentax: DA
Sigma: DC (leicht zu verwechseln mit "DG" ...)
Tamron: Di II (verwirrend, da "Di" für Vollformat steht ...)
Eingebaute Verwacklungsdämpfung:
Canon: IS
Nikon: VR
Minolta: AS (im Gehäuse, nicht im Objektiv)
Sigma: OS
Panasonic: OIS
Ultraschallmotoren für den AF:
Canon: USM
Sigma: HSM
Nikon: AF-S
Sind für Menschen fast unhörbar, entwickeln recht viel Kraft und Tempo und stoppen auch sehr schnell und präzise - wenn es ringförmige Motoren sind. Zumindest bei Canon gibt's noch den sog. "Micro-USM", ein kleiner Ultraschallmotor, der die Linen über ein Getriebe verschiebt. Ist leiser, aber ansonsten kaum besser als herkömmliche Antriebe.
Innenfokussierung wurde schon angesprochen, heisst meistens "IF", wird aber selten explizit angegeben.
Dann gibt's die Bezeichnugen für spezielle Linsen, die gerne als Leistungsmerkmal hervorgehoben werden:
- Asphärisch (in versch. Abkürzungen) heisst, dass Linsen eingebaut sind, bei denen mindestens eine Fläche eine Wölbung mit wechselndem Radius aufweist. Solche sind teurer in der Herstellung als die üblichen sphärischen Linsen (Wölbung mit konstantem Radius). Damit lassen sich Abbildungsfehler zum Rand hin verringern, was man zur tatsächlichen Qualitätssteigerung verwenden kann, oder für mittelmässige Leistung bei besonders kompaktem Design.
- "(etra) low dispersion": ED, L, LD etc.
Normales Glas bricht die Farben des Lichts auf wie ein Prisma. Besonders bei langen Brennweiten führt das zu starken Unschärfen, weshalb man dort gerne ein, zwei Linsen aus speziellem Glas einbaut, die das Lichtspektrum weniger stark auffächern. Mittlerweile kommen solche Gläser auch bei Weitwinkeln vor, da sich damit auch die Probleme im Randbereich von Weitwinkeln beheben lassen.
Zuweilen verbirgt sich die Minimierung von Farbfehlern hinter dem Kürzel "APO" (apochromatische Korrektion = alle Farben treffen sich im gleichen Punkt). Wobei Sigma den Begriff deutlich weiter auslegt als z.B. Minolta oder Leica ...
Das Alles bitte nicht verwechseln mit "XR" (Tamron) u.ä, das für einen besonders hohen Brechungsindex steht, womit sich kompaktere und leichtere Objektive herstellen lassen. Die dabei entstehenden Farbfehler (Brillenträger dürften wissen, was das heisst) müssten dann andersweitig eliminiert werden ...
Den Buchstabensalat gibt's vor allem bei den Fremdherstellern wie Sigma und Tamron, die wenig Kundenvertrauen voraussetzen können und deshalb möglichst alle Eigenschaften ihrer Linsen hervorheben. Im neuen EF-S 2.8/17-55 IS von Canon sind auch 2 Asphären und 2 oder 3 LD-Linsen verbaut, ohne dass sie es auch nur mit einem "L" kennzeichnen würden. Auch das EF-S 3.5-4.5/10-22 verfügt über Asphären und Spezialgläser ...
Wie gesagt: Man kann spezielle Linsen einsetzen, um besonders hohe Qualität zu erreichen, oder durchschnittliche Qualität bei kompakten Abmessungen oder hoher Lichtstärke.
Tests, Beispielbilder und Erfahrungswerte (z.B. hier im Forum) sind die bessere Informationsquelle zur Leistungsfähigkeit von Objektiven, als der Buchstabensalat.
DreamForce schrieb:
- Gruppen - Elemente 11-14 (Was ist gut, mehr oder weniger?)
Das lässt sich so nicht sagen. Eigentlich wären weniger Linsen besser, aber zur Lösung gewisser optischer Probleme brauchts eben mehr Glas. Ein Zoom hat in der Regel mehr Linsen als eine Festbrennweite. Weitwinkel lassen sich wegen der grossen Distanz zum Chip (es muss ja ein Schwingspiegel dazwischen) nicht direkt fokussieren, sondern brauchen zusätzlich eine mehrlinsige Fokussiereinheit; dasselbe gilt für die Innenfokussierung.
Entscheidend sind die Qualität der Objektivrechnung und die Enge der Fertigungstoleranzen, nicht die Anzahl Linsen.
DreamForce schrieb:
Ohne das Verständnis, was all diese Dinge bedeuten, fühle ich mich bei einer Suche bei Ebay völlig überfordert ;-)
Ich würde empfehlen, erst mal diese Threads zu lesen:
https://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=11715
https://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=23363
Dann entscheiden, welche Sorte von Objektiv Du gerne hättest (vor allem: für welchen Zweck!) und wieviel Du auszugeben bereit bist. Dann kannst Du mit einer engeren Auswahl von Modellen hier im Forum nach Infos und auf Ebay oder wo auch immer nach Angeboten suchen.
Gruss Tinu