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Was bedeutet "Geschichte erzählen"?

AlphaTikal

Themenersteller
Ich habe das gerade wieder in einem anderen Thread gelesen und frage mich, was das eigentlich bedeutet. Was bedeutet es denn "in den Bildern Geschichte erzählen"? Damit sollen Bilder auch wirken und nicht so belanglos sein. Aber ich verstehe diese Aussage nicht so wirklich. Ich habe Bilder, die mir gefallen, obwohl ich keine Geschichte oder tieferen Sinn erkenne.
 
Man könnte hier ja mal ein paar Beispiele durchsprechen. Ich persönlich halte dieses Geschichten erzählen ja auch größtenteils für Humbug, manchmal sogar Kitsch.
Vielleicht kann mich ja jemand eines besseren belehren.
 
Der Bildinhalt einer Aufnahme muß erst mal wirken, mich sozusagen als Betrachter einfangen. Damit ich den Wunsch verspüre, es mir näher anzusehen, und darin eventuell eine Geschichte zu entdecken.
 
Hier ein Beispiel, wie man eine Geschichte in einem Bild erzählen kann
Ich würde sagen das zeigt eher wie man sich aus einem fertigen Foto eine Geschichte zusammenreimen kann.

Kann mir keiner erzählen das er die Geschichte schon im Kopf hatte als er abgedrückt hat. Dafür ist/sind die Situationen zu spontan, und er wird sicher nicht minutenlang vor dem Motiv/Pärchen z.B. gestanden haben um den Augenblick abzuwarten, sonst hätte er den Apfel vermutlich am Kopf gehabt statt auf dem Foto.
 
Was bedeutet es denn "in den Bildern Geschichte erzählen"?

Tatsächlich gibt es das nicht. Es gibt nur "Geschichten nacherzählen" -- Situationen, die der Betrachter aus eigenem Erleben kennt und daher das Bild als "ikonisch" einstuft. Ein völlig unbekanntes Geschehen kann mit einem Bild nicht kommuniziert werden, weil der Kontext fehlt. Dann kommt halt der Bildtitel oder in Zeitschriften der Text dazu, das Bild wird zur Illustration und raubt (!) dem Betrachter die Möglichkeit, sich selbst etwas unter dem Erwähnten vorzustellen.

Geschichten erzählt sich also jeder Betrachter selbst, nur ganz besonders bekannte Symbole können zum Auslöser für "gelenkte" Wahrnehmung werden. So wie das nackte Mädchen aus Vietnam, oder Che, oder das Verbrennen einer Flagge: Bild-Kommunkation ist überaus schwierig, weil Bilder eben keine Sprache haben. Bild zeigen recht brauchbar Adjektive (rot, rau, schnell, statisch), mehr oder weniger klar Substantive (Auto, Haus, Frau, Kind) und überaus missverständlich Verben (sitzt, stirbt, springt, küsst, v**t, …).

Aus diesen Begriffsfetzen schustert sich der Betrachter in Reflexion seiner eigenen Erfahrung die "Bildaussage" zusammen. Was für den einen eine lustvolle Übung aus dem Kamasutram ist, ist dem anderen eine Vergewaltigung: es liegt ausschließlich im Kopf des Betrachters, sich aus dem, was er wahrnimmt (was mit der tatsächlich im Bild gebotenen Information nur sehr mittelbar zu tun hat), eine Situation zu erklären.

Wobei wir das nächste Dilemma unseres Denkmuskels angesprochen hätten: Der kann sich nämlich a.) nichts vorstellen, was er nicht schon gesehen hätte. Warum sehen die "vorgestellten" Romanfiguren beim Lesen immer irgendwem ähnlich, den man schon mal gesehen hat, und wenn nur im Fernsehen? b.) leitet der Denkmuskel bei allem, was ihn nicht einleuchtet, ein Erklärungsfurioso ein. Klar kreist die Sonne um die Erde, das kann man beweisen. Klar wird zu hohe Geschwindigkeit für den Organismus tödlich sein, klar waren die nicht am Mond. Usw. Das macht (mäßig) surreale Bilder so erfolgreich. Dali mit dem Pinsel, Newton mit der Kamera: man sieht etwas, das man so noch nie gesehen hat. Es wird ein neues Bild in das Fotoalbum mit dem silbernen Knopf gesteckt und wenn man es wieder sieht, stellt sich das Gefühl von Vertrautheit ein.

Wer also meint, ein Bild erzähle eine Geschichte, meint eigentlich, dass ein Bild bei ihm Erinnerungen geweckt hat, die eine mühelose Interpretation des Gezeigten ermöglicht haben. Oder ganz präzise:

Bilder, die Geschichten erzählen, wärmen beim Betrachter Erinnerungen auf.
 
Kann mir keiner erzählen das er die Geschichte schon im Kopf hatte als er abgedrückt hat. Dafür ist/sind die Situationen zu spontan, und er wird sicher nicht minutenlang vor dem Motiv/Pärchen z.B. gestanden haben um den Augenblick abzuwarten, sonst hätte er den Apfel vermutlich am Kopf gehabt statt auf dem Foto.

Woran erkennt man "Streetfotografie". Wer dokumentiert, dass diese Aufnahmen nicht inszeniert wurden? Und nur ganz bewußt "beiläufig" rüberkommen...

Man kann schon Geschichten in Bildern erzählen. Mich beeindrucken da zB die Aufnahmen von Nur Bilge Ceylan aus dessen Projekt "Turkey Cinemascope": http://www.nuribilgeceylan.com/photography/turkeycinemascope1.php?sid=1

Der Mann ist allerdings auch einer der begabtesten Filmregisseure und schafft es tatsächlich oft, so etwas wie eine komplette Filmszene in ein einziges Bild zu packen.

Allerings sind diese Aufnahmen sorgfältig geplant und konstruiert.
 
Ich habe mir die Links mal schnell durch gelesen. Wirklich zufriedenstellend beantworten konnten sie mir nicht. Ich habe auch gehofft ihr selber könntet es mir sagen und nicht Dritte. Denn erstens möchte ich mit diesem Thread zum Nachdenken und zur Diskussion anregen und zum Anderen EUER Verständnis davon erfahren. Ich glaube das ist nämlich Deutungssache und fast ausschließlich vom Betrachter abhängig ob und welche Geschichte er erkennt.

Mir kommt es so vor als ob bei Geschichte Erzählen fast Ausschließlich Menschen involviert sind. Was ist mit guten Landschaften, Makros, einfache minimalistischen Bildern?
 
Mir kommt es so vor als ob bei Geschichte Erzählen fast Ausschließlich Menschen involviert sind. Was ist mit guten Landschaften, Makros, einfache minimalistischen Bildern?

Ich unterscheide die Fotografie grob in 2 Bereiche: Reine Reproduktion (also ein wertfreies Abbild) der Realität - und emotionsbeladene Bilder.

Ein Stillleben fällt für mich in die erste Kategorie.
Ein Bild, wo gerade ein verschütteter Mensch aus einem der vor ein paar Tagen durch ein Erdbeben zusammen gefallen Häuser in Italien gerettet wird, würde demnach zur letzteren Kategorie gezählt werden. Das Stillleben erzählt keine Geschichte - wohl aber das Bild über die Rettung eines Menschen.

Und ich lege immensen Wert darauf, dass ich beide Bilder nicht bewerte. Es ist also eine rein sachliche Feststellung. Bei der Bewertung setze ich ganz andere Kriterien an.
 
Wenn man eine ganze Geschichte in ein Bild packen will, dann wird man, denke ich, um eine sorgfältige Inszenierung nicht herum kommen.

Alles andere, spontane, ergibt vielleicht beiläufig eine Geschichte. Und zu so einer Geschichte sind, meiner Meinung nach, vielleicht sogar mehrere Bilder nötig.

Beispiel: Dem einen ist ein Landschaftsbild einfach nur eine Landschaft wie alle anderen auch. Tausendmal alltäglich gesehen, nichts besonderes mehr. Dem anderen zeigt sich durch die Lichtstimmung, durch den Bildaufbau und die Perspektive eine ganz andere Seite, mitunter eine Geschichte dazu.

Ein anderes Beispiel: Jemand nimmt vornehmlich Menschen auf. Für ihn zeigt jedes Gesicht eine Geschichte. Für andere sind das einfach nur alltägliche Gesichter, wie man sie jeden Tag auf den Straßen sieht.

Es ist immer im Auge des Betrachters. Einem sagt es etwas, dem anderen gar nichts.

Wenn man nun wirklich eine augenfällig erkennbare Geschichte in ein Bild zaubern will, dann bleibt m.E. wirklich nur noch die sorgfältige Inszenierung einer überdeutlich sichtbaren, womöglich plakativen Szene, die für genug Menschen anhand Gestik, Mimik oder Kleidung eine Sache widerspiegelt.
 
Kann mir keiner erzählen das er die Geschichte schon im Kopf hatte als er abgedrückt hat.

Muss er auch nicht.

Es geht nicht darum, dass man eine fertige abgeschlossene Geschichte im Kopf hat und diese 1:1 widergeben möchte.

Es geht darum, dass man Elemente im Bild hervorhebt und so darstellt, das man diese verbinden kann und eine Geschichte ergeben können. Ob das genau die Geschichte ist die man selber ungefähr im Kopf hatte als man abgedrückt hat ist vollkommen egal. Viele Bilder haben eben nicht mal diese Ansatzpunkte, die eine Geschichte ergeben können, weil das Bild z.B. viel zu chaotisch ist, zu viele Elemente beinhaltet die gar nicht miteinander in Verbindung stehen etc.

Als Fotograf möchte ich eine Geschichte erzählen - nicht zwingend meine - und die Fantasie des Betrachters anregen.

Genau das macht doch die Fotografie aus, dass das Bild, welches vor mir liegt mir als Inspiration für eine Geschichte dient, die im Bild erzählt werden könnte. Ich möchte ja nicht einfach nur eine oberflächliche Abbildung der Realität sehen, dafür braucht es keine Fotografen und auch die Fotografie nicht, sondern ich möchte im Bild eintauchen, den Zeitgeist erleben und das geht eben am besten wenn ich eine Geschichte wiederfinden kann.

Alles andere ist nur reine Reproduktion, aber am Wesen der Fotografie weit vorbei.

Genauso gibt es auch in Buchform unterschiedliche Interpretationsweisen und das obwohl die einzelnen Wörter für sich genommen weniger Interpretationsfreiheiten überlassen. Die einen sehen in "Animal Farm" einfach nur einen Bauernhof und andere erkennen die Symbolik dahinter.
 
(...)
Wer also meint, ein Bild erzähle eine Geschichte, meint eigentlich, dass ein Bild bei ihm Erinnerungen geweckt hat, die eine mühelose Interpretation des Gezeigten ermöglicht haben. Oder ganz präzise:

Bilder, die Geschichten erzählen, wärmen beim Betrachter Erinnerungen auf.

Gut beschrieben :top:
 
Wenn man eine ganze Geschichte in ein Bild packen will, dann wird man, denke ich, um eine sorgfältige Inszenierung nicht herum kommen.

Ich finde, daß das zu oft zu wörtlich genommen wird.

Letztlich geht es darum, daß mit dem Photo eine Aussage getroffen werden soll. Die Aussage beinhaltet im Optimalfall, was der Photograph zeigen will. Sie wird von diesem gesteuert und entsprechend seinen Fähigkeiten umgesetzt.

Zeigt das Photo das nicht, hat es entweder der Photograph "nicht drauf" oder der Betrachter befindet sich in einem anderen Kontext und kann die Aussage nicht verstehen.
 
Im Grunde kann man das Wort "Geschichte" mit "Idee" umschreiben oder? Das wäre denke ich weniger missverständlich.

Missverständlich wird es lediglich dann, wenn man rhetorische Stilfiguren wie Tropen, Allegorien, Metaphern wortwörtlich nimmt - die Natur des "uneigentlichen" Sprechens läuft dem schon zuwider. Man kann durchaus auf Wasser hauen, bei verfehlter Geschäftsstrategie wird aber keiner einen Manager in der Badewanne sehen, wenn er von einem Schlag ins Wasser spräche.
 
Geschichte ist schon ganz gut. Nur der Satz 'Jedes Bild muss eine Geschichte erzählen' ist vielleicht ein wenig unscharf, denn im Grunde erzählt jedes Bild eine. Ein gutes Bild muss eine gute Geschichte erzählen!

Beispiele:
Makro: Biene auf Löwenzahn. Das Bild erzählt uns: Es ist Sommer, die Sonne scheint, eine fleißige Biene sammelt Honig. Das ist eine Geschichte, wenn auch jetzt nicht der Brüller. Man wird diese Bild perfekt und mit aller fotografischen Raffinesse aufnehmen können, die Begeisterung wird sich beim Publikum in Grenzen halten. Es hat diese Geschichte eben schon tausend Mal gehört, oder natürlich besser, gesehen.

Nehmen wir an, der Makrofotograf hat die Biene so getroffen, dass man sich in den Facettenaugen die Wiese spiegeln sieht. Die Geschichte: In jedem der Tausende von Facettenaugen spiegelt sich die ganze Wiese wieder. Das ist neu, das hat man nämlich so noch nie gesehen, total spannend, irre anzusehen. Das Bild ist reif für einen Foto-Award.

Anderes Beispiel: Produktfotografie. Eine Schraube für den Online-Katalog wird abgelichtet. Die Geschichte: Hier liegt eine Schraube, M6-Gewinde, 8-Kantkopf, 20mm. Auch nicht übermäßig spannend. Die Begeisterung wird sich in Grenzen halten. Aber für den Zweck vollkommen ausreichend. Die Produktbeschreibung daneben wird auch nicht von den Feuilletons rezensiert werden.

Die gleiche Schraube perfekt abgelichtet, auf Samt gelegt, dramatischer Schattenwurf, smoothes Bokeh, kackscharf, so dass noch die Riefen vom Schliff zu erkennen sind. Die Geschichte: Ein ordinärer extrem langweiliger Gegenstand wird durch Inszenierung und fotografische Kniffe edelst in Pose gesetzt. Da ist ein Witz dahinter, das sieht komisch aus, man gerät ins Zweifeln der eigenen Bewertungsmaßstäbe, usw. Ein gutes Bild. Übrigens kommt hier die top Bildqualität zum Tragen.

Mit den Erzählungen der Bilder ist es so wie mit denen der Sprache: Manche langweilen, viele gefallen oder unterhalten ein bisschen, wenige begeistern. Was macht eine gute Geschichte aus? Mit welchen Elementen macht man sie? Gut ist, wenn etwas Neues drin vorkommt, was man noch nicht gehört hat, oder so nicht gehört hat. Tragik ist ein Moment, etwas Schlimmes ist passiert, man gruselt sich und ist froh, selbst nicht der Betroffene zu sein. Sex. Sex interessiert alle. Komik: Elemente, die nicht zusammen passen, treffen aufeinander. Schadenfreude. Beruhigung, alles wird gut, weil es immer schon so war. Gewalt. Gewalt geht immer, löst entweder Empörung oder Genugtuung aus.
 
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