Meiner Meinung nach sind die meisten Anfänger von der Frage, ob sie Objektive wechseln wollen, überfordert. Am liebsten wäre den meisten eine Kamera, die alles kann, und das perfekt.
Dass jede Kamera ein Kompromiss ist und es eine eierlegende Wollmilchkamera nicht gibt wird dabei leicht übersehen.
Der Meinung bin ich auch. Ich weiß nicht, warum ein unbedarfter Einsteiger im Bereich der Fotografie den Faktor "Zoom" und großer Brennweitenbereich einen so hohen Stellenwert einräumt. Des Öfteren habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass eine Kamera rein nach ihrem "Zoomfaktor", also die Abdeckung einen möglichst großen Brennweitenbereich und der Anzahl der Pixel beurteilt wird.
Vermutlich ist die besonders hohe Gewichtung dieser beiden Kriterien durch den Einfluss der Werbung entstanden, in der immer wieder gerade diese beiden Daten anscheinend sehr effektiv propagiert wurden und auch noch werden.
Reisezooms mit einem unheimlich großen Brennweitenbereich von 16-300 mm werden von den Firmen als "Megazoom-Standard" angepriesen und der Kunde glaubt es.
Dass hier die optische Qualität und vor allem die Lichtstärke enorm leidet, wird verschwiegen und kaschiert. Dem Kunden wird vorgespielt, dass das Abdecken eines großen Brennweitenbereiches das A und O in der Fotografie ist.
Eine Kamera die diese beiden Eigenschaften hat, ist geeignet gute Bilder zu produzieren - auch weil sie ja 500 EUR gekostet hat, muss sie ja bessere Bilder machen in allen erdenklichen Situationen. Die eierlegende Wollmilchsau also.
Dass das nicht funktioniert, ist den wenigsten Einsteigern klar. Deshalb bin ich der Meinung, dass man diese das Extreme vorführen sollte.
So sollte man einen Einsteiger einmal eine lichtstarkes Objektiv wie ein 50L f/1.2 oder vergleichbares vorführen und ihm den Preis der Linse nennen und Aufnahmen davon zeigen. Dann sollte klar sein, weshalb Objektive verkauft werden, die mehrere tausend Euro je Objektiv kosten und noch dazu nicht einmal einen Zoombereich haben.
Ich glaube, dass ein Neuling völliges Unverständnis für solche teuren Objektive empfindet, wenn er wenig Wissen über den Zusammenhang von Blende, Zeit und ISO sowie Freistellung und deren Wirkung und Gestaltungsmöglichkeiten mitbringt.
Dann sollte klar werden, dass es für jeden fotografischen Anwendungsbereich ein speziell geeignetes Objektiv gibt und dass es niemals gelingen kann, alle fotografischen Bereich mit nur einer einzigen Linse abzudecken.
Zur Ausgangsfrage zurück:
Ich finde die Anschaffung einer Systemkamera mit lediglich eines Objektives sogar überaus sinnvoll, da man so entdecken kann, welche Brennweitenbereiche fehlen und diese dann entsprechend erweitern. So ist man vor kostspieligen Fehlinvestitionen aufgrund irgendwelcher Fehleinschätzungen sicher, da man besser einschätzen kann, was man wirklich braucht.
Würde ich in die Fotografie neu einsteigen und das jetzige Wissen haben, würde ich nach und nach vier Objektive kaufen: Mit der Normalbrennweite von 50mm würde ich anfangen.
24L f/1.4, 50L f/1.2, 100L f/2.8 IS und ein 70-200L f/2.8 IS
alternativ evtl. auch: 35 f/2.0 IS, 85 f/1.8, 100L f/2.8 IS, 135L f/2.0
Vor hochpreisigen Objektiven und vor allem Festbrennweiten schreckt ein Einsteiger (wie auch ich damals) jedoch immer zurück, da diese einen kleinen (oder eben nur einen) Brennweitenbereich abdecken. Letzten Endes verteuerte sich durch Ausprobieren von günstigeren und kompromissbehafteten Objektiven die Anschaffungen.
Ich finde das man sich bei der Fotografie wieder mehr reduzieren sollte und nicht mit einem Fuhrpark aus schlechten Zooms mit enormen Brennweitenbereichen versuchen sollte, alles abzudecken.
Ja, der alte Irrglaube, daß in der Fotografie ein möglichst großer verfügbarer Brennweitenumfang entscheidend ist.
Die Einsicht hat man als Anfänger vermutlich nicht. War bei mir damals auch nicht anders.
gruß,
flo