Guten Tag, DSLR-Forum-Mitglieder (und Mitleser)!
Dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum, das ich schon seit längerem lesend verfolge. Ich schreibe mal ein ganz kleines, persönliches Review.
Ganz kurz zu mir: Ich bin Mittzwanziger und fotointeressiert, aber nicht sehr fotoerfahren. Die Kamera ist meine erste Spiegelreflex. Vor ungefähr zehn Jahren bin ich mal mit einer geliehenen Yashica-Film-SLR in Urlaub gefahren, ohne Autofokus, ohne Belichtungsautomatik. Das hat mir viel Spaß gemacht, es gab sogar eine Handvoll brauchbarer Bilder. Ich habe mir danach aber lange nie eine Kamera gekauft, weil mir das Geld für was Vernünftiges fehlte. Vor zwei Jahren hatte ich eine Canon-Kompakte (PowerShot 450 oder so), die mir leider nach nur 4 Monaten den Dienst versagte, weil die Klappe des Akkufachs abbrach. Mit ihr habe ich gern bei Nacht auf Stativ fotografiert, wohl weil ich damit unter geringem Aufwand sehr schöne Bilder erzeugen konnte. Aber: zu ruppiger Umgang, zu wenig Geld für was Vernünftiges. Wie heißt es so schön? Wer billig kauft, kauft zehnmal billig.
Nun bin ich seit September Besitzer der Einsteiger-DSLR (aber nicht Billig-Kamera!) D3000 mit dem 18-105 VR Kit-Objektiv und habe in der Zeit ungefähr 3000 Auslösungen gemacht. Ich mache keine NEF-Bilder, sondern bisher nur JPG-Bilder. Vorab: ich bin total begeistert von der Kamera. Das muss nichts heißen, weil es meine erste "richtige" ist, aber es ist schonmal gut, dass ich nicht enttäuscht bin, wie ich finde: allgemein bin ich sehr kritisch, was Technik angeht und ich neige leider dazu, Schwachpunkte überzubewerten und mich ständig daran zu stören, sobald ich sie gefunden habe. Von außen sieht die D3000 sehr hochwertig aus. Nichts stört meinen Eindruck, trotz der Erfahrungen mit der PowerShot nichtmal das oft gescholtene Kartenfach.
Noch eins: ein Argument, das immer wieder gegen die D3000 vorgebracht wird, ist das Fehlen einer LiveView-Funktion und eines Videomodus. Ich habe beides bis jetzt noch nicht mal ansatzweise vermisst. Ein Freund von mir hat eine Canon 5D und benutzt LiveView nur, wenn er Stillleben fotografiert und nicht in den Sucher schauen kann. In allen anderen Bereichen kann ich mir nicht vorstellen, weshalb man LiveView brauchen sollte. Fotografiert man bei einem Konzert, hält man die Kamera halt über die Menge und macht anstatt zwei Fotos halt zehn. Eins davon wird sicher gut. Der Videomodus der 200-Euro Casio Exilim einer Freundin ist gefühlt nicht schlechter als der in der EOS 5D.
Die Kamera ist nach einer kurzen Einarbeitungsphase ziemlich gut und intuitiv zu bedienen. Man kann einige der Funktionsknöpfe mit eigenen Funktionen belegen. Ich habe z.B. die Selbstauslösung mit der ISO-Auswahl ersetzt, wann braucht man den Selbstauslöser schon. Andererseits fotografiere ich mittlerweile nur noch im ISO-Auto-Modus mit max. ISO 800, brauche die ISO-Wahl also auch nur noch höchst selten. Ansonsten gefällt mir das Bedienkonzept schon ohne Änderungen sehr gut. Den von Nikon beworbenen "Guide"-Modus habe ich bisher nicht ernsthaft benutzt und werde ihn wohl auch nie benutzen. Ist vielleicht fürs Marketing gut. Um dem Fotografieneuling offene Fragen zu beantworten, taugt er jedenfalls nicht. Der Autofokus (AF) arbeitet recht schnell, sehr leise und sehr zuverlässig. Man kann verschiedene Modi wählen, unter anderem einen Modus, in dem der AF kontinuierlich ein sich bewegendes Motiv "verfolgt", was auch ziemlich gut klappt. Hier ist für mich die Hilfe-Taste (-) Gold wert, die an jeder (!) Stelle gedrückt werden kann und wirklich kompetent und knapp erklärt, worum es beim gewählten Menüpunkt geht. Die VR-Funktion habe immer eingeschaltet, denn außer dass sie etwas Strom schluckt, hat sie nur Vorteile. Wenn man "mit VR" und "ohne VR" bei Belichtungszeiten ab 1/13 vergleicht, liegen teilweise Welten dazwischen. Das Objektiv selbst ist präzise zu bedienen, der Zoom ist leichtgängig und bleibt dort, wo man ihn haben will. Man kann auch manuell fokussieren, falls man z.B. bei 105 mm die Kamera nicht bewegen will und keiner der 11 AF-Punkte passt.
Fotos bei Sonnenlicht machen subjektiv einen sehr guten Eindruck, besonders wenn man die Belichtungskorrektur auf -0.3 oder sogar -0.7 ansetzt. Die Detailzeichnung ist sehr schön, subjektiv auch bei mittlerer Bildgröße von etwa 6 Megapixel. Fotos bei bewölktem Himmel sehen ebenfalls sehr gut aus, schon allein weil der automatische Weißabgleich ziemlich gut funktioniert. Mit den Weißabgleich-Einstellungen kann man auch manuell und in sehr kleinen Schritten herumspielen und damit interessante und schöne Effekte erzielen.
Der interne Blitz macht einen sehr guten Job. Allerdings kann man bei 18mm einen Schatten vom Objektiv sehen, der gerade bei dunklen Innenaufnahmen wie Partybildern, bei denen der Blitz mit hoher Intensität blitzt, sehr stört. Ansonsten macht die Blitzautomatik iTTL (?) wie durch Zauberhand alles richtig. Im Bedarfsfall kann man sehr schnell die Belichtungskorrektur für Kamera und Blitz getrennt verstellen. Ich habe die Anschaffung eines SB-600 oder zumindest eines SB-400 wegen der Möglichkeit des Hochklappens und an-die-Decke-Blitzens aber schon fest eingeplant.
Der einzige Schwachpunkt, den ich bis jetzt ausgemacht habe und der mich wirklich ärgert: das ungeheure Rauschen bei ISO 1600. Das gute Rauschverhalten der großen CCD-Chips bei hohen Empfindlichkeiten ist für mich der Grund für die Anschaffung einer SLR. De facto kann man ISO 1600 bei der D3000 nicht benutzen. Bei ISO 800 ist ebenfalls schon Rauschen zu erkennen. Wozu der ISO 3200-Modus gut sein soll, habe ich bis jetzt nicht ergründen können, denn dann sehen die Aufnahmen nicht nur von Nahem aus wie farbiges Schmirgelpapier. Daher überlege ich schon, meinen D3000-Body gegen einen D40-Body zu tauschen. Für ein besseres Rauschverhalten wäre ich gern bereit, auf den Guide-Modus und die acht zusätzlichen AF-Punkte zu verzichten! Der Nutzen der zusätzlichen Pixel der D3000 sind mir sowieso schleierhaft. Für Abzüge braucht man sie nicht, und die Qualität wird mit mehr Pixeln anscheinend nur schlechter.
Ich kann die D3000 also sehr empfehlen. Wer vorhat, damit Partyfotos zu machen, wird aber enttäuscht werden. Bei anderen Gelegenheiten mit besserem Licht erledigt die Kamera aber alles sehr komfortabel, präzise und mit sehr schönen Ergebnissen. Auch das 18-105 VR Objektiv gefällt mir sehr gut. Es verzerrt zwar in fast jeder Einstellung ein bisschen, aber das finde ich nicht so schlimm, gerade in Anbetracht der Preise, die ein ähnliches Zoomobjektiv kostet, das solche Verzerrungen nicht aufweist.
Soviel erstmal zu meinen Erfahrungen mit meiner D3000, ich hoffe, der Bericht ist nicht zu langweilig!
Viele Grüße
J.C.