@TO: es gibt keine Möglichkeit, das Freistellungspotential eines Objektives in einer Zahl zu beschreiben (auch nicht wenn ich nur ein Sensorformat betrachte). Es ist z.B. wichtig wie weit der Hintergrund hinter dem Objekt ist. Ist es nahe dran, stellen weit offene Blenden besser frei, ist er weiter weg, ist längere Brennweite besser.
Man könnte Deinen Plan für einen unendlich weiten Hintergrund umsetzen. Dieses Wissen ist aber natürlich nur recht eingeschränkt nützlich.
Das hat mir ja lange keine Ruhe gelassen und deshalb habe ich die Formeln noch ein bisschen "geknautscht" und komme tatsächlich zu so etwas wie einer "Freistellungs-Kennzahl":
Freistell-Kennzahl = 1500*Brennweite² / Fokusdistanz / Blendenzahl / Sensordiagonale
=
Brennweite² / Fokusdistanz / Blendenzahl / zul. Z-Kreis
Tatsächlich ist das die relative Unschärfe des unendlich fernen Hintergrunds, wenn nicht im nahbereich fokussiert wurde (dann wird's noch größer). Aber das ist ja noch nicht alles. Für die "vollständige Formel" fehlen nur noch 2 Terme, die auch einfach zu merken sind. Die vollständige Formel (die so ähnlich auch in cBlur stecken wird) ist dann (ich hoffe die Formelzeichen sind klar):
z rel = z/z zul = f²/B/g 0/z zul * |1-g 0/g| / (1-f/g 0)
Der
erste Teil dieser Gleichung ist die "Kennzahl".
Der
zweite Teil (die || stehen für "Betrag", der Ausdruck wird vor der Fokusdistanz negativ, macht aber nichts) gibt die Abhängigkeit von der Entfernung g wieder. In der Fokusdistanz g=g
0 ist der Ausdruck null (also scharf), gegen unendlich wird er 1 (deshalb die Kennzahl), weit vor der Fokusdistanz wird er beliebig groß.
Der
dritte Teil ist eine Korrektur für den Nahbereich, die eigentlich erst im Makrobereich interessant wird.
Mit diesen 3 Bestandteilen der Formel finde ich das Umgehen viel einfacher als mit allen anderen Formulierungen, die ich kenne. Aber ich habe noch weiter gegrübelt, u.a. über die Darstellung von Harold Merklinger, die
hier erwähnt wurde. Ich hatte in Beitrag
#47 schon eine Darstellung versucht, mit der ich aber nicht glücklich war. Vor ein paar Tagen in
#48 habe ich eine andere Darstellung gefunden, die mir schon viel mehr zusagt.
Jetzt habe ich aber auch noch die Idee gehabt, in die Diagramme eine Kurve einzuzeichnen, die anzeigt, wie groß ein Objekt sein muss, um gerade mit der Größe des zulässigne Zerstreuungskreises abgebildet zu werden. Und das ist eine Gerade! In diesem Denkmodell hat man also nur noch mit 3 Geraden zu tun. Die beiden schon gezeigten, die bei der Fokusdistanz =0 sind und deren Steigung nur von Brennweite, Blende und Fokusdistanz abhängen. Und eine dritte, die bei 0,0 beginnt und deren Steigung nur von Brennweite und zulässigem Z-Kreis abhängt. Und die schneiden sich irgendwo (-> Schärfentiefe) oder eben nicht (-> hyperfokale Distanz, ansteigende Geraden parallel), klaffen bei großen Entfernungen weit auseinander oder eben nicht (unscharfer entfernter Hintergrund), liegen zwangsläufig im nahen Hintergrund näher beieinander (schlechtere Freistellung) usw. usf. Und für all das muss man gedanklich nur 3 Geraden hin- und herschieben. Ich find's toll!
Gruß, Matthias