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Licht/Lichtformer Godox ML30/60 - Der Weg zum Dauerlicht

Isenegger

Themenersteller
Ich hoffe, Dauerlicht darf hier rein auch wenns kein Blitz ist :)

Ich habe die Anfrage zum Fotografieren eines Einpersonentheaters in verschiedenen Lokalitäten wie Mühlen, Scheunen und Bibliotheken erhalten.

Eine interessante Aufgabe, sind es doch alles Orte mit vermutlich grauenhafter Ausleuchtung mittels Energiespar- oder Fluoreszenzlampen, engen Platzverhältnissen und dementsprechender Herausforderungen.

Das Blitzen beim Fotografieren bei Theateraufführungen oder Konzerten geht genausowenig wie ein hörbarer Lüfter die Stille stören darf. Also ist die naheliegende Lösung, ich bringe das Dauerlicht gleich mit.

Ich habe in einem ersten Teil auf meiner Homepage mal etwas Theorie zum Licht und Lichttechnik aufgeschrieben, aber da wir hier in einem Fotografenforum zu Hause sind ist wohl jedem Lichtfarbe, Beleuchtungsstärke und Lichtstrom ein Begriff.

Im zweiten Teil beschreibe ich die Suche nach dem richtigen Equipment, welches Netzunabhängig, unhörbar, transportabel und die Lichtfarbe variabel sein soll.

ACHTUNG: Wer ein Dauerlicht als Blitzersatz möchte ist hier falsch. Ein Studioblitz wie ein Elinchrom Ranger bringt mit seinen 1100Ws in etwa soviel Licht wie ein UEFA-Stadion bei einer Euro, ein Canon Speedlite bringt immer noch ein Mehrfaches einer 60W-Dauerlichtpfunzel.



Es gibt Theaterscheinwerfer, welche Akkus haben, aber so richtig transportabel sind sie nicht. Haben sie mehr wie 25 Watt, so haben sie einen Lüfter. Und normalerweise haben sie 3200 Kelvin. Ich mach hier mal kein Bild rein von einem typischen Vertreter eines solchen Scheinwerfers wie dem Eurolite THA-20PC, da ich nur Herstellerpics habe.

Ich bin schnell bei den Videodauerlichtern gelandet. Hier gibt es unzählige wie GVM 80W Bi, Nanlite Forza 60B II, Apurture Amaran 60D, doch in der Schweiz sind vor allem die Produkte von Jinbei und Godox zu finden. Witzigerweise sind alle mit NP-F970-Akkus zu betreiben, haben in etwa dieselben Specialeffects und denselben Preis (wenn man dasselbe Zubehör wie Tasche und Akkuplatten nimmt). Die Innereien werden vermutlich alle von derselben Ecke kommen.

Godox hat einen komplett lüfterlosen Schweinwerfer mit dem UL60 und UL150, welche es auch in der Bicolor-Variante gibt. Das Bajonett ist Bowens. Was mir nicht gefällt ist die externe Kontrollerbox. Da ich die Dinger in einem Zuschauerraum brauche bin ich froh, je weniger Teile rumhängen.

Beim weitersuchen stolpere ich über die ML30 und ML60. Die Farbtemperatur ist bei den Bicolortypen von 2800 bis 6500 Kelvin variabel, die Lichtstärke stufenlos von 0 bis 100% zu verstellen und sie sollen gemäss Testern nicht hörbar sein (irgendwo bin ich über die maximale Lautstärke von 18dB gestolpert, ist aber nicht verifiziert). Der Jinbei EF 120 Bi als Vergleich soll 30dB haben, was einem Flüstern entspricht.

Der Nachteil der MLs gegenüber den ULs ist das Bajonett, welches Godox eigen ist.

Ich habe mir den ML60 Bi und ML30Bi bestellt um zu testen
• ob der Lüfter wirklich nicht hörbar ist,
• das Teil robust genug ist um im Saal aufgestellt zu werden,
• die Akkus von 10’000mAh für 2-mal 45 Minuten halten,
• 60 Watt genug Licht ist,
• die Lichtverteilung als Spot nutzbar ist,
• was die Reflektoren leisten und
• die anpassbare Farbtemperatur kompatibel mit dem Raumlicht ist.

Der ML60Bi ist wirklich nicht hörbar. Der ML30 ist etwas hörbar, vermutlich weil derselbe Luftstrom durch ein kleineres Gehäuse getrieben wird. Man kann den Lüfter abstellen, dann haben die Leuchten noch 50% ihrer Lichtleistung.

Der 60 Watt-ML60Bi entspricht in etwa meinem alten 500 Watt Strahler und lässt bei 5 Metern noch etwa 300 Lux erwarten.

Die Akkulaufzeit (2xNP-F970 mit 10'500mAh) ist um die 1h20min, reicht also für meine Bedürfnisse mit 2x40 Minuten (Akkuwechsel in der Pause).

Abstrahlwinkel....

Finden sich bei teuren Herstellern Diagramme mit der Lichtcharakteristik der Reflektoren, so ist bei Godox schon mal schwierig rauszufinden, welche Reflektoren überhaupt an den ML60 passen (Softbox lasse ich sein, dazu sind 60 Watt schlicht zu wenig Leistung), geschweige denn ist ein Lichtverteildiagramm zu finden.

Folgende vier habe ich gefunden, sie sind mit 17 bis 25 Franken zum Glück auch nicht allzu teuer:
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Von links nach rechts: RFT 23 | AD-R 14 | RFT 22 | AD-R12

60 Grad Standardreflektor Godox RFT-22 wird mitgeliefert.
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Der mit der ML-Leuchten mitgelieferte Standardreflektor strahlt mit 60 Grad etwas zu weit und das LED-Modul im Inneren ist etwas zu grell und kann den Darsteller schnell blenden.
Eine "weisse Socke" für den Reflektor (Jinbei Reflektor Diffusor zu 55 Standard) dämpft das Grelle, verbreitert aber den Abstrahlwinkel und ist für diese Anwendung nicht ideal.
Der Deckel einer Gary Fong Light Sphere in den Reflektor gedrückt bringt Abhilfe, indem es das Grelle dämpft. Der Abstrahlwinkel wird dadurch nicht stark vergrössert, aber die Helligkeitsverteilung wird angenehmer und von vorne sieht es wie eine starke Glühbirne aus. Ich denke, die 60 Watt der ML-60 reichen als Bühnenlicht komplett aus (ausser ein zweiter zur Aufhellung der Schatten), allerdings mit Wabe oder Softbox speziell für Videoaufnahmen wird es schnell zu dunkel.

Folgendes Bild zeigt die Lichtverteilung des Reflektors mit derselben Einstellung an der Kamera:
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Folgendes Bild zeigt die Lichtverteilung des Reflektors mit normalisierten Werten im Photoshop:

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55 Grad Standardreflektor Godox AD-R14
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Der AD-R14 ist auch ein 55 Grad Reflektor, ist aber von den Abmessungen etwas kürzer und wird mit Farbfiltern, Milchglas und 50°-Wabe geliefert.
Der Reflektor ist allerdings so billig wie es der Preis vermuten lässt und die Wabe geht nur mit Gewalt in den dafür vorgesehenen Ring und kommt kaum mehr heraus. Das Alu des Reflektors ist etwas gar dünn und verbiegt sich rasch.

Folgendes Bild zeigt die Lichtverteilung des Reflektors mit derselben Einstellung an der Kamera und demselben Abstand wie beim RFT 22:
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Folgendes Bild zeigt die Lichtverteilung des Reflektors mit normalisierten Werten im Photoshop:
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Den 35 Grad Long Focus Reflektor Godox AD-R12 kann ich nicht empfehlen. Er sitz für den AD-400pro Blitz entwickelt und die Blitzröhre ragt 2 bis 3 cm in den Reflektor rein, die LED ist flach und praktisch auf der Höhe des Bajonettes. Er ist auch nur mit Kraft in das Bajonett der ML einzudrehen.
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15 Grad Godox RFT-23:
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Wenn ich den Reflektor auf den ML60 setze, so leuchtet er in etwa denselben Kreis aus wie der Standardreflektor, allerdings mit einem hellen Mittelpunkt und Helligkeitsabnahme zum Rand hin.
Folgendes Bild zeigt die Lichtverteilung des Reflektors mit derselben Einstellung an der Kamera und demselben Abstand wie beim RFT 22:

Folgendes Bild zeigt die Lichtverteilung des Reflektors mit normalisierten Werten im Photoshop:
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Nun ja, warum ist beim 15°-Reflektor rund um den hellen Mittelpunkt noch Licht zu sehen und nicht einfach schwarz? Der Abstrahlwinkel einer Lampe definiert sich über den Bereich, welcher mindestens die Hälfte der maximalen Lichtstärke erreicht. Wenn ich aus den Distanzen von der LED zur weissen Wand und dem Durchmesser des Kreises den Abstahlwinkel ausrechne, so kommt der RFT 22 und AD-R14 auf die angegebenen rund 55°, der RFT 23 plus minus auf die 15°. Der AD-R12 braucht Goodwill und Schönrechnen um in die Nähe der angegebenen 35° zu kommen.

Ich sammle jetzt noch etwas Erfahrungen mit dem Licht und werde es im Januar dann zweimal sicher im Einsatz haben. Ich werde dann im dritten Teil berichten, wie es sich als "Theaterlicht" zum Fotografieren eignet.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe den ersten theoretischen Teil auf der Homepage ausgeblendet, die Theorie zu Lux, Candela und Lumen findet man sonst auch im Netz. Auch Bühnenausleuchtung.

Den Praxisteil hänge ich unten an den bestehenden Text. Den Teil zur Fernsteuerung ist auch dort.

Inzwischen habe ich für die >Märligugge< Fotos für deren Homepage und Flyer mit den Godox-Leuchten gemacht. Demnächst kommt noch Bühne hinzu. Eine Gugge ist in baseldeutsch eine freche Frau oder auf hochdeutsch eine Tüte:

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Den ersten Auftritt hatten sie in einer Mühle, dazu habe ich die Guggen im dementsprechenden Umfeld fotografiert. Die Guggen wurden mit dem TSE45 und TSE90 aufgenommen und die Schärfeebene auf die Gugge/Tüte gelegt:
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Um nicht extra in die Mühle fahren zu müssen, fand das Ganze in der heimischen Stube statt, hier mit den drei Godox Scheinwerfern ausgeleuchtet:
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Der nächsten Auftritt wird in einer Bibliothek sein, dazu das passende Foto vor dem heimischen Bücherregal. Das war das erste Bild in der Art und ich habe es zuerst mit den Elinchrom-Blitzen probiert. Da links neben dem Bücherregal ein Fenster ist musste ein Blitz draussen stehen. Irgendwann wurde es mir zu Mühsam mit der Einstellerei und ich hab die 3 Godoxe sowie eine Flächenleuchte aufgestellt. Mit der App konnte ich die Leuchte auf der Terasse (5000K schräg auf Bücherregal) einfach anpassen, die Leuchten drinnen waren bei 3200K:
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PS:Baseldeutsch hat noch ein paar lustige Begriffe für Frau, hier eine Auswahl der mir bekannten Begriffe, nicht alle freundlicher Natur (gibt anscheinend noch mehr):
Beeri, Däsche, Drugge, Gugge, Gumsle, Lyysi, Mätz, Pfunzle, Schachtle, Schääse, Schruube, Spinaatwachtle, Tschättere, Wyyb, Zwätschge
 
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Den ersten Einsatz als Bühnenlicht haben sie hinter sich. Die drei Leuchten sind schnell auf- und eingestellt.
Links und rechts vorne steht je ein ML-60 und das Bücherregal wird vom ML-30 aufgehellt.
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Es wurden die Standard-Reflektoren eingesetzt, da die nicht Modelierbarkeit des Lichtes der ML-LED-Scheinwerfer ein Nachteil gegenüber stärkeren aber netzgebundenen Leuchten ist. Auf dem rechten ML ist die "weisse Socke" von Jinbei als Diffusor montiert. Die "weisse Socke" ist auf der Seite wo ich fotografiere. Durch den diffusen Lichtanteil erscheint die Haut "weichgezeichnet".
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Die Einstellungen der Leuchten ist auf dem folgenden Bild zu sehen. ML60-1 ist derjenige mit dem Diffusor.
Obwohl auf 63% kommt weniger Licht an wie bei dem Linken mit 18%:
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Wer also Dauerlicht dauernd mit Diffusoren einsetzen will ist mit den UL150ern und grösseren V-Mount-Akkus oder Netzanschluss wahrscheinlich besser bedient.
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Schlussendlich waren die Akkus 75 Minuten im Einsatz und derjenige mit der tiefsten Entladung hatte immernoch mehr wie 50% Kapazität.

PS: Die im ersten Beitrag gemessenen -2.2EV für die weisse Socke stimmt in etwa mit den 18% zu 63%, wobei die 63% der "Socke" immer noch etwas dünkler wie die 18% des Reflektors sind. -2.2 EV bei 63% müssten etwa 13% sein. Somit stimmt die Annahme/Studiomessung im ersten Beitrag mit dem Ausseneinsatz überein.
 
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Endlich einmal ein Beitrag, der sich fundiert mit dem Thema Kunstlicht auseinandersetzt - HERZLICHEN DANK !!!
 
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