Das mit dem Stativ-Ersatz mag so bis zu einem gewissen Grad stimmen, aber eben nicht völlig. Ich verwende mein Stativ oft und gerne, aber manchmal ist es einfach nicht zu gebrauchen. Das kann sein, weil man in irgendwelchen Kirchen/Museen/sonstwo nicht mit Stativ fotografieren darf, oder weil man mit Stativ nicht flexibel genug ist, aber trotzdem mit 'langen' Belichtungszeiten leben kann.Der IS ist grob ausgedrückt nur ein (schwacher) Stativ-Ersatz. Zudem finde ich es erstaunlich, daß der IS eher an dicken Teles und lichtschwachen Optiken verbaut wird, die lichtstarken FBs bis 200mm haben z.B. keinen IS. Und bis auf das EF-S 17-55 haben die lichtstarken (Standard) Zooms ebenfalls keinen IS.
Warum der IS ehr in Teles als in Weitwinkelobjektiven zu finden ist liegt meines Erachtens nach hauptsächlich daran, das man im WW (und Normalbereich) längere Zeiten aus der Hand halten kann, währen man ein Tele schon verwackelt obwohl man noch lange nicht im Bereich der Bewegungsunschärfe des Motivs ist.
Auch konstruktiv ist ein IS beim Tele vermutlich einfacher, aus zwei Gründen. Bei Objektiven mit großer Offenblende wird erwartet diese auch sinnvoll nutzen zu können. Wenn dann noch zusätzliche Linsen für den IS ins System eingebracht werden müssen wird die Rechnung des Objektivs und der Ausgleich aller Fehler wesentlich erschwert. Zum Anderen sind die Zeiten, in denen das System stabil sein muss, beim Tele wesentlich kürzer. Wenn man mit der einfachen Faustformel 1/Brennweite arbeitet und der IS 3 'Blendenstufen' bringen soll, muss er, jeweils natürlich plus einer gewissen Reserve, bei einem 200er Tele 1/25s stabil sein, bei längeren Brennweiten entsprechend kürzer und bei 50mm wäre es 1/6s; letzteres ist regelungstechnisch deutlich schwieriger in den Griff zu bekommen.
Ich kenne keines von beiden, man liesst häufig dass das non-IS einen Tick schärfer sei. Ob das auffällig ist weiss ich nicht.Auffällig auch die Unterschiede zwischen den beiden 70-200/2.8 Zooms in der IS- und non IS-Ausführung.
Insgesamt muss man sagen (hast Du ja auch schon getan), dass es absolut darauf ankommt, was man fotografieren will. Mit einem IS bekommt man keine kürzeren Verschlusszeiten, aber man kann längere Zeiten aus der Hand halten. Wie oben geschrieben ist das gerade bei Teles interessant, aber es ist generell was anderes. Das eine bringt eine kurze Zeit, das andere die Möglichkeit länger zu belichten.
Für mich ist eigentlich eine große Blende zum erreichen einer hohen Verschlusszeit auch nur ein Kompromiss. Die Blende will ich zur Bildgestaltung nutzen und nicht aufmachen müssen um eine kurze Belichtungszeit zu erreichen. Da ist eine große Offenblende hilfreich, da ich mehr Möglichkeiten habe. Das Mittel der Wahl um die Belichtungszeit zu verkürzen ist eigentlich ISO hochdrehen, aber das hat halt auch wieder Nachteile. Letztendlich ist alles irgendwo ein Kompromiss und man einfach in jeder Situation entscheiden was man braucht. Insofern ergänzen sich beide Optiken, wobei ich mich frage ob die eine Blende dann wirklich so viel bringt. Ich würde für mich statt des 24-70/2.8 zum 24-105/4 lieber noch zwei hochgeöffnete FBs dazukaufen, da ist dann richtig Lichtstärke da, allerdings auf Kosten der Flexibilität eines Zooms.
Gruß,
Günter