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Alt 12.10.2005, 15:20   #4
*Horst*
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Idee Die richtige Belichtungsmessung und Belichtung

Die Mehrfeldmessung ? Segen oder Fluch?

1983, also vor über 20 Jahren integrierte erstmals ein Hersteller die Mehrfeld- oder Matrixmessung in eine SLR-Kamera, es war die Nikon FA. Das war der Beginn des Siegeszuges dieser Messmethode und ist heute in allen modernen DSLR-Kameras als eine mögliche Belichtungsmessmethode integriert. Bei einigen Einsteigerkameras findet man sogar nur ausschließlich diese Messung. Die Hersteller versprechen sich dadurch eine sicherere Belichtung, vor allem für die Anwender, die einfach nur auf den Auslöser drücken wollen, ohne sich tiefer mit der Belichtungsmessung auseinander zu setzen.

Bei der Mehrfeldmessung wird das Bild, wie der Name schon sagt, in verschiedene Felder bzw. Zonen (nicht zu verwechseln mit den AF-Feldern) zerlegt. Jeder Hersteller glaubt nun das beste Rezept für die Bewertung der einzelnen Bildfelder zu haben. Dabei werden die Messwerte nach einem bestimmten herstellerspezifischen System mit zum Teil vielen tausend Vergleichsdaten ausgewertet um die richtige Belichtung zu ermitteln. Den aktuellen Höhepunkt dieser Entwicklung zeigt der Erfinder der Mehrfeldmessung mit der 3D-Color-Matrixmessung, in dem das Bild mit einem 1000 Pixel-Sensor (welcher sogar Farben interpretieren kann) und Entfernungsdaten bewertet wird.

Für Standartsituationen, wie zum Beispiel Landschaft im Vordergrund, in der Mitte ein Hauptmotiv und oben Himmel, bringt die Mehrfeldmessung sicher eine über 95% richtige Belichtungen. Auch asymmetrische Belichtungssituationen werden erstaunlich gut behandelt.

Bei Wasserspiegelungen ist die Mehrfeldmessung aber in den meisten Fällen schon überfordert: Als Beispiel nehmen wir mal eine Landschaft mit einem Bergsee und einer symmetrischer Wasserspiegelung des sich darin spiegelnden Berges im Hintergrund. Die Spiegelung ist im Wasser immer dunkler als der reale Hintergrund. Die Mehrfeldmessung interpretiert nun die dunklere Spiegelung als das reale Hauptmotiv und den hellen Hintergrund (der reale Berg) als Himmel. Ergebnis: Das Foto wird deutlich überbelichtet!

Ein immer wieder schönes Beispiel ist folgendes:

Man sitzt in einem Cafe an einer Rückwand und schaut durch dem Raum in Richtung der Außenfenster nach draußen. Am Nebentisch sitzt eine Person direkt am Fenster. Außen ist es Tag, also ist es draußen deutlich heller als der Innenraum des Cafes.

Wir wollen die Person mit der Fensterfläche als Hintergrund fotografieren. Wir schalten auf die Mittenbetonte- oder Selektivmessung, messen die Person an und belichten: Die Person ist richtig, aber die Außenwelt durch das Fenster wird überbelichtet. Das Foto wäre richtig belichtet!

Wir wollen nun bei gleichem Bildausschnitt die Außenwelt durch das Fenster fotografieren. Wir schalten wieder auf die Mittenbetonte- oder Selektivmessung, messen durch das Fenster nach außen und belichten: Die Außenwelt würde nun richtig belichtet und die Person würde als dunkle Silhouette dargestellt. Das Foto wäre richtig belichtet!

Was macht die Mehrfeldmessung in dieser Situation? Wird sie die Person oder den Hintergrund richtig belichten? Wir wissen es nicht...
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Gruß
Horst
www.horst-schneider.eu

Geändert von *Horst* (02.12.2005 um 14:20 Uhr)
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