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Alt 16.07.2006, 20:56   #4
scorpio
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Standard AW: Die ultimate Digitalkamera-Kaufberatung (sehr lang!)

Teil 3

Die Auswahl einer geeigneten Kamera erfordert das Abwägen einer Menge von konkurrierenden Merkmalen vieler verschiedener Kameramodelle. Ihre Aufgabe ist es, ein Modell zu finden, welches die Bedienbarkeit bietet, die Sie sich wünschen, die Ausgabequalität bietet, die Sie brauchen und mit der es einfach ist, umzugehen. Und natürlich muss die Kamera sich in einem Preissegment befinden, welches Sie sich leisten wollen.

In den ersten beiden Teilen haben wir uns durch eine Reihe von Entscheidungen gekämpft, um die Anzahl der in Frage kommenden Kameras auf ein überschaubares Maß zu bringen. Die wichtigsten Auswahlen - Preis, Kameratyp, Auflösung und Belichtungskontrollen - wurden von Ihnen bereits getroffen.

Mehr als die Hälfte des Weges zur Kaufentscheidung liegt nun bereits hinter Ihnen. Sie sind nun bereit, Ihr Augenmerk auf Belichtungsmessung, Objektive, Bildstabilisierung, Autofokus und Blitzgerät zu legen.


Belichtungsmessung
Ob Sie nun die Belichtungsmessung vollautomatisch der Kamera überlassen oder Ihre Entscheidung zur Belichtung durch Erfahrung selbst fällen und manuell eingreifen, ein guter Belichtungsmesser ist mehr als wichtig, um zu einer korrekten Aufnahme zu gelangen. Obwohl es nun möglich wäre, ellenlange Aufsätze über die technischen Unterschiede, Vor- und Nachteile bestimmter Belichtungsmesssysteme zu verfassen, seien Sie sich versichert, dass die Kameras aller namhaften Hersteller in ihren Kameras ausgezeichnete und hochwertige Messsysteme eingebaut haben.

Wichtig ist allerdings ein Blick auf die verschiedenen Messmethoden, die eine Kamera bereitstellt. Die meisten Kameras bieten eine oder zwei Methoden an und wenn Sie auch mit einer Matrix-Methode (auch Mehrfeldmessung, Matrixmessung oder Multisegmentmessung genannt) in den meisten Situationen gute Ergebnisse erzielen, so ist es doch oftmals wünschenswert, auf andere Methoden zurückgreifen zu können, um andere Lichtsituationen bewältigen zu können.

Eine Matrixmessung unterteilt das Sucherfeld in ein Raster, misst jede sich ergebende Zelle aus und berechnet dann eine durchschnittliche Belichtung, die die gesamte Szene erfasst. Die Matrixmessung ist für fast alle Situationen geeignet und die eingebauten Berechnungsmethoden der meisten großen Hersteller erzielen ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Dennoch wird die Matrixmessung in manchen Situationen den Bildvordergrund wohl unterbelichten, z.B. wenn ein helles Fenster oder eine Landschaft im Hintergrund ist. Für diese Fälle ist eine Mittenbetonte Messung vorteilhafter. Sie arbeitet fast genau wie die Matrixmessung, gewichtet bei der Berechnung aber die Bildzellen um das Zentrum stärker,

Eine Spotmessung ist von großer Bedeutung für Fotografen, die die Belichtungsmessung auf einen kleinen, ganz genau definierten Bereich des Bildes legen wollen. In Situationen mit sehr hohen Kontrasten kann eine Spotmessung verhindern, dass Bildteile überbelichtet werden, indem die Spotmessung auf eben diese Bereiche gelegt wird.

Die für Sie ideale Kamera muss nicht zwangsläufig alle diese Messmethoden bereitstellen. Sie sollten aber überlegen, welche Methoden Sie für Ihre Art der Fotografie benötigen.

Bei den meisten Kameras erfolgt die Messung durch das Objektiv (through the lens, TTL). Das bedeutet, der Belichtungsmesser "schaut" durch die Optik auf die Szene und bewertet sie. Ein TTL-Belichtungsmesser hat dadurch den Vorteil, auch bei Objektivvorsätzen wie z.B. Filtern korrekt messen zu können, weil er eben auch durch diese Vorsätze hindurch misst. Wenn auch sehr rar, so gibt es doch einige wenige Kameramodelle, bei denen der Belichtungsmesser außerhalb sitzt und er deswegen nicht durch die Optik misst. In sehr seltenen Situationen kann die Messung eines solchen externen Belichtungsmessers irritiert werden und er somit ein falsches Messergebnis liefern.


Scharfe Optiken
Bei der Auswahl einer Kamera ist es leicht, bei Auflösung und Bildprozessparametern hängen zu bleiben, wenn es um die Beurteilung der voraussichtlichen Bildqualität geht. Wenn allerdings die Kamera eine lausige Optik besitzt, zählen Auflösungsvorteil und die besten Prozessparameter nicht mehr viel.

Um eine Optik zu beurteilen, muss man sich das Bildergebnis, wie es aus der Kamera kam, ansehen. Das Display der Kamera ist viel zu klein, um die Qualität einer Optik oder anderer Bildqualitätsmerkmale zu beurteilen. Das geht sehr viel genauer an einem Computermonitor. Falls Ihr lokaler Händler keinen Computer bereitstellt, an dem Sie sich Testbilder der Kameras ansehen können, so gehen Sie bitte hin und nehmen eine Speicherkarte, die zu Ihrem potentiellen Modell kompatibel ist. Mit dieser Speicherkarte gehen Sie zu Ihrem Händler und nehmen darauf ein paar Testbilder auf. Die meisten Händler ermöglichen zumindest das. Diese Testbilder können Sie dann in Ruhe zu Hause untersuchen. Viele Internetseiten mit Kameratests stellen solche Testbilder ebenso zur Verfügung, zum Teil in voller Auflösung.

Bei einer Kompaktkamera mit eingebautem Objektiv stellt sich die Objektivauswahl relativ einfach dar. Bei einer digitalen Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit, die Objektive zu wechseln, ist das eine völlig andere Sache. Sie müssen z.B. entscheiden, welche Brennweite die Optik bereitstellen soll, um für Ihre bevorzugten Motive geeignet zu sein. Ein Teleobjektiv für Sport- und Naturfotografie, ein Weitwinkel-Objektiv für Landschaftsaufnahmen und eines dazwischen für die allgemeinen Aufnahmen.

Aber ob Sie nun eine Optik an einer Kompaktkamera beurteilen oder an einer Spiegelreflexkamera, die Auswahlkriterien sind dieselben:

- wie gut sind Schärfe und Fokus in allen Bereichen? Kann die Optik feine Details auflösen? Sind die Bildecken ebenso scharf wir die Bildmitte? Betrachten Sie das auch über den gesamten Zoom-Bereich bei Optiken mit variablen Brennweiten. Manche Optiken können die Bildschärfe in den Ecken im Weitwinkelbereich nicht halten. Nehmen Sie auch Bilder mit unterschiedlichen Blenden auf, vornehmlich solche mit größerer Blendenöffnung (kleinere Blendenzahl). Aber auch mit kleiner werdender Blende verliert das Bild irgendwann an deutlich Schärfe (wenn auch die Schärfentiefe steigt) aufgrund von Lichtbeugung. Stellen Sie fest, bei welcher Blende das der Fall ist.

- schattet die Optik das Bild an den Rändern ab (Vignettierung)?

- wird das Bild bei Einstellung der Optik in die Zoom-Endbereiche (höchste und niedrigste Brennweite) verzerrt? Die tonnenförmige Ausstülpung vertikaler Linien nach innen oder außen ist meist nur bei Weitwinkelobjektiven ein Problem. Aber selbst wenn eine Optik leichte Verzerrungen abliefert, mag das in alltäglichen Situationen hinnehmbar für Sie sein.

- Hat die Optik Probleme mit Lichthöfen und Spiegelungen (Lens-Flares)? Das sind farbige Reflexionen, die meist nur im Weitwinkelbereich auftreten, wenn gegen eine Lichtquelle fotografiert wird. Solche Reflexionen sind im Nachhinein fast nicht mehr aus dem Bild entfernbar.


Auch einige praktische Merkmale bedürfen der Betrachtung:

- kann man an die Optik Vorsätze anbringen? Einige Kompaktkameras bieten die Option, Weitwinkel- oder Televorsätze anzubringen. Wenn das der Fall ist, schauen Sie nach einer Bajonetthalterung dafür. Sie ist einfacher zu handhaben als eine Gewindehalterung. Beachten Sie hierbei, dass einige Kompaktkameras dann nur noch das Display als Sucher anbieten, da die optischen Sucher dieser Kameras von solchen Vorsätzen irritiert werden.

- hat die Kamera eine elektrische oder manuelle Zoom-Kontrolle? Eine manuelle ist einer elektrischen aufgrund der schnelleren Verstellmöglichkeit immer vorzuziehen. Bei kleineren Kompaktkameras gibt es aber oft einfach nicht den Platz für eine solche manuelle Zoom-Kontrolle.


35mm-Äquivalenz
Die Sensoren der meisten Digitalkameras sind sehr viel kleiner als die Fläche eines Kleinbildfilms. Wenn Sie die Bildaufnahmefläche einer Kamera verändern, verändern Sie den Bildwinkel, der aufgenommen wird, bei jeder gegebenen Brennweite. So wird aus dem Bildfeld eines 50mm-Objektives, welches an einer Kleinbildkamera ungefähr das Sichtfeld eines menschlichen Auges abbildet, an einer typischen digitalen Kompaktkamera ein extremes Teleobjektiv mit einem sehr viel engeren Bildwinkel.

Die meisten digitalen Kompaktkameras haben Optiken mit recht kleinen Brennweiten, üblicherweise um die 8 bis 20mm. Da die Sensorgrößen aber an verschiedenen Kameramodellen unterschiedlich sind, sagt diese Brennweitenangabe nicht viel aus, welche Bildwinkel die Kamera denn nun mit diesen Brennweiten abbildet. Die Hersteller haben sich dazu eine Angabe einfallen lassen: die Kleinbild- oder 35mm-Äquivalenz. Diese Angabe sagt aus, welche Brennweite an einer Kleinbildkamera denselben Bildwinkel erzeugen würde wie die Optik dieser Digitalkamera mit diesem Sensor.

Unglücklicherweise haben die Kamerahersteller auch eine andere Angabe eingeführt, die aus dem Markt für Video-Kameras entliehen wurde und Optiken nach einem Multiplikationsfaktor einteilt, ein 3-fach- oder 4-fach-Objektiv z.B.
Dies ist allerdings eine ziemlich nutzlose Angabe, da sie nichts über den Brennweitenbereich aussagt. Beginnt der Bereich weitwinklig und wird dann verdreifacht oder beginnt er im Telebereich und wird dann drei mal so groß?

Einige Hersteller schreiben die 35mm-Äquivalenz an ihre Objektive. Die meisten allerdings erwähnen sie nur in den Kamerahandbüchern, so dass Sie in der Regel den entsprechenden Brennweitenbereich selbst herausfinden müssen.

Wenn Sie den Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera beabsichtigen, schauen Sie nach dem so genannten "Crop-Faktor" oder Multiplikator. Dies ist der Faktor, mit dem Sie die Brennweite einer Optik multiplizieren können, um die Brennweite zu erhalten, die an einer Kleinbildkamera denselben Bildwinkel erzeugt, wie diese Optik an dieser Digitalkamera. Beispiel: Eine digitale Canon EOS 350D hat einen Crop-Faktor (Multiplikator) von 1.6. Wenn Sie nun ein 50mm Objektiv an dieser Kamera benutzen, so erzeugt dieses einen Bildwinkel wie ein 80mm-Obkjektiv an einer Kleinbildkamera (50x1.6).

Des einen Freud', des anderen Leid
Die Veränderung des Bildausschnittes durch den Crop-Faktor hat für den Fotografen - abhängig vom bevorzugten Einsatzbereich - Vor- oder Nachteile. Natur- und Tierfotografen freuen sich über einen großen Crop-Faktor, da sich hier quasi eine "Brennweitenverlängerung" ergibt. Für den Bildausschnitt, wie er bei einer bestimmten Brennweite an einer analogen Kleinbildkamera erzeugt wird, benötigt man bei einem Crop-Faktor von z.B. 1,6 eine entsprechend geringere Brennweite. Das spart Geld und Gewicht. Muss man beim Kleinbild z.B. ein 500mm-Objektiv benutzen, genügt bei einem Crop-Faktor von 1,6 für dasselbe Motiv und denselben Bildausschnitt eine Optik mit etwa 300 mm Brennweite. Bei einem Crop-Faktor von 2 genügt sogar schon eine Brennweite von 250 mm. Diese Unterschiede zeigen sich natürlich auch im Preis, der bei einem 500mm Objektiv im Vergleich zu einem 300mm Objektiv durchaus schon mal das Vierfache ausmachen kann.

Wer dagegen dramatische Perspektiven mag und bei analogen Spiegelreflexkameras mit Brennweiten unter 20 mm arbeiten würde (oder gar mit Fischeye-Objektiven), wird mit einem hohen Crop-Faktor wahrscheinlich nicht glücklich werden. Die Herstellung guter Weitwinkelobjektive ist fast noch aufwändiger und teurer als die Produktion von langbrennweitigen Teleobjektiven. Bei Canon gibt es als kleinste Festbrennweite z.B. 14 mm. An einer analogen Spiegelreflexkamera ist das ein sehr starkes Weitwinkelobjektiv. An einer digitalen Kamera mit Crop-Faktor von 1,6 entspricht der Bildwinkel dem einer Brennweite von 22 mm am Kleinbildformat. Weitwinkel wird also teuer. Auch hier sind Preisunterschiede bis zum Vierfachen nicht ungewöhnlich.
Die meisten Hersteller von DSLRs mit verschiedenen Sensorgrößen versuchen diese "Weitwinkelschwäche" ihrer Kameras mit kleineren Sensoren durch spezielle Objektive auszugleichen. Ganz so weitwinklig wird es dabei aber nie - zumindest nicht mit einer Abbildungsleistung die den Festbrennweiten entspricht.

Noch schlimmer ist die Situation bei den digitalen Kompaktkameras. Hier wird der Weitwinkelbereich meist sehr stiefmütterlich behandelt. Bei einer Äquivalenzbrennweite von 28 mm oder 24 mm ist meistens Schluß - viele Kompaktkameras beginnen auch erst bei 35 mm. Die gelegentlich zusätzlich angebotenen Weitwinkelvorsätze reduzieren im Allgemeinen die Abbildungsleistung drastisch, so dass sie keine wirkliche Alternative darstellen.

Die verschiedenen Kamerahersteller zeigen sich auf dem Feld der Weitwinkeloptiken für Kameras mit kleinem Sensor unterschiedlich engagiert, so dass es hilfreich erscheint, sich bei entsprechendem Interesse näher damit zu befassen und die vielfältigen und vor allem aktuellen Informationsmöglichkeiten zu nutzen.

Man sollte sich also zum Crop-Faktor einige Gedanken machen, da er, wenn falsch gewählt, schnell Investitionen bei den Objektiven verursachen kann, die den Kaufpreis der Kamera weit übersteigen.

Viele Hersteller haben inzwischen spezielle "digitale Objektive" entwickelt, die dazu gedacht sind, an digitalen Kameras mit einer bestimmten Sensorgröße zu arbeiten. Prinzipiell erzeugen diese Objektive einen kleineren Bildkreis, der gerade ausreicht, den Sensor abzudecken. Weil sie weniger abbilden müssen als Objektive für das größere 35mm-Format, können sie leichter, kleiner und preiswerter gebaut werden. Aber auch hier müssen Sie den "Brennweiten-Multiplikator" berücksichtigen, wollen Sie die Bildwinkel vergleichen können.

Berücksichtigen Sie bei der Auswahl die maximal mögliche Blendenöffnung (größere Blenden haben kleinere Blendenzahlen). Ein Objektiv mit großer Blendenöffnung lässt eine geringere Schärfentiefe zu und ermöglicht kürzere Belichtungszeiten, um z.B. Bewegung einzufrieren.

Bildstabilisator
Einige Optiken - Wechseloptiken für digitale Spiegelreflexkameras ebenso wie fest eingebaute in Kompaktkameras - bieten einen Bildstabilisator. Die meisten Stabilisierungstechniken arbeiten mit einer beweglichen Linsengruppe. Durch Bewegen der Linsengruppe werden die in die Optik einfallenden Lichtstrahlen so abgelenkt und auf den Sensor geleitet, dass eine Bewegung des Kameragehäuses kompensiert wird.

Eine gute Bildstabilisierung wertet jede Optik auf und kann das Schärfeergebnis ist fast jeder Aufnahmesituation verbessern. Dennoch, eine Stabilisierung ist nur in zwei Situationen wirklich sinnvoll:

- das Fotografieren mit sehr großen Brennweiten wird erheblich erleichtert

- das Fotografieren aus der Hand in Situationen mit wenig Licht wird ermöglicht. In einer Umgebung mit wenig Licht wird. z.B. der Belichtungsmesser der Kamera eine Belichtungszeit von z.B. 1/30 vorgeben. Dies ist ohne Unschärfe zu erzeugen aus der Hand relativ schwierig. Eine gute Bildstabilisierung kann das auffangen. Einige Stabilisierungstechniken versprechen einen Gewinn von bis zu drei Blendenstufen, die der Verschluss langsamer sein kann als ohne Stabilisierung.

Doch obwohl Bildstabilisierung ein echter Gewinn für Freihandaufnahmen ist, so ist sie für Stativaufnahmen nicht geeignet.

Natürlich schützt eine Bildstabilisierung nicht grundsätzlich vor verwackelten, unscharfen Aufnahmen. Aber sie hilft in Situationen mit wenig Licht und kann die Bildqualität so signifikant verbessern.


Autofokus und digitaler Zoom
Alle Digitalkameras besitzen heutzutage ein Autofokussystem. Und einige sind definitiv besser als andere.

Betrachten Sie zunächst die Geschwindigkeit, mit der die Kamera einen Fokuspunkt findet und ihn festhält. Sie wollen sicher keinen flüchtigen Moment verpassen, nur weil die Kamera so langsam fokussiert und ewig braucht, bis sie sich mal für einen Fokuspunkt entschieden hat.

Die meisten Kameras messen den Fokus über Kontraste in der Bildszene. Höhere Kontraste bedeuten bessere Schärfe und somit einen exakteren Fokus. Während solche Kontrastsysteme gewisse Vorteile bieten - sie sind z.B. in der Entfernung nicht limitiert, funktionieren auch durch Glasflächen hindurch -, so sind sie doch auch gerade in ungünstigen Lichtsituationen anfällig, bei denen wenig Kontrast herrscht. Ich empfehle, auf eine Kamera zu achten, die eine Fokussierhilfe bietet. Das ist eine zusätzliche Lichtquelle an der Kamera, die die Szene beleuchtet, um größere Kontraste zu erzeugen und so dem Autofokussystem zu helfen. Falls die von Ihnen ins Auge gefasste Kamera eine solche Hilfe nicht bietet, finden Sie heraus, ob der interne Blitz der Kamera eventuell als solche Fokussierhilfe genutzt werden kann.

Viele Kameras bieten die Auswahl mehrerer Fokusmesspunkte an. Das bedeutet, Sie können die Fokusmessung an verschiedenen Bildteilen vornehmen, nicht allein in der Bildmitte. So kann das Autofokussystem zwischen Vorder- und Hintergrund gewichten und der Fokus exakt gelegt werden. Testen Sie dieses Merkmal mit verschiedenen kniffligen Bildkompositionen. Und weil kein System perfekt ist, legen Sie bitte Wert darauf, dass Sie die Wahl des Fokusmesspunktes manuell vornehmen können.

Die Beurteilung des digitalen Zooms ist einfach: kümmern Sie sich bitte nicht darum. Digitalzooms interpolieren den Bildinhalt per Software auf eine größere Bildgröße. Die Bildbearbeitungssoftware Ihres Computers kann das sehr viel besser.


Blitzgerät
Die Auswahl eines internen Blitzgerätes für eine Kompaktkamera ist sehr viel schwieriger als für eine Spiegelreflexkamera, weil Kompaktkameras mit Blitzgeräten mehr Probleme bereiten. Als erstes betrachten Sie die Reichweite. Kleine Kameras bieten nur Blitze mit kleiner Reichweite. Ein Blitz mit einer Reichweite von unter 3 Metern ist meist wenig hilfreich.

Kompaktkamerablitze tendieren dazu, sehr schnell rote Augen bei Personenaufnahmen zu erzeugen, weil sie sehr nah an der optischen Achse der Kamera verbaut sind. Um das Risiko zu minimieren, halten Sie Ausschau nach einer Kamera mit einer "Rote-Augen-Reduktion". Einige Kameras bieten sogar eine Kamera-interne Funktion, rote Augen aus dem Bild zu entfernen. Diese Funktionen sind beim Händler schnell und einfach zu prüfen. Fotografieren Sie einfach den eifrigen Verkäufer. (Der aufgrund Ihrer überragenden Fachkenntnis noch eifriger wird und davon träumt, Ihnen eine wirklich trendige Kamera zu verkaufen. Oder Sie fotografieren einen unbeteiligten Zuschauer.)

Die meisten Spiegelreflexkameras der unteren und mittleren Klasse besitzen ein aufklappbares internes Blitzgerät. Auch sie sind relativ klein und bieten deshalb recht wenig Reichweite, typischerweise um die 3 bis 4 Meter. Weil sie weiter von der optischen Achse weg eingebaut sind, ist das Problem der roten Augen etwas geringer.

Bei jeder Kamera mit eingebautem Blitzgerät achten Sie bitte auf die Möglichkeit der Blitzbelichtungskorrektur. Diese Möglichkeit ist oft der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Blitzaufnahme. Die Blitzbelichtungskorrektur lässt Sie die Blitzstärke nach oben oder unten beeinflussen. Sehr hilfreich ist dies z.B. in dunklen Situationen, bei denen die automatische Blitzmessung ein Motiv überblitzen würde.

Ernsthafte Blitzfotografen werden sicher nach der maximalen Flexibilität und Kontrolle des Blitzes schauen und eine Kamera wählen, die den Anschluss eines externen Blitzgerätes zulässt. Betrachten Sie hierbei auch das gesamte externe Blitzsystem: lässt es TTL-Messung zu? Sind - eventuell sogar kabellose - Zweitblitze ins System integrierbar?


Schwimmen Sie noch ein Stück weiter

An diesem Punkt der Auswahl angelangt, haben Sie schon aus dem Meer der erhältlichen Kameras einen kleinen Teich gemacht. Alles, was nun noch betrachtet werden muss, sind sekundäre Merkmale, die vielleicht ein Modell vom anderen unterschieden und die Betrachtung und Gewichtung der Bildqualität.
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Gruß, Rüdiger - aka scorpio
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Geändert von scorpio (06.10.2010 um 22:03 Uhr)
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