Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 16.07.2006, 20:53   #3
scorpio
Administrator
 
Threadstarter
 
Registriert seit: 05.10.2003
Ort: Salzbergen
Beiträge: 31.317
Standard AW: Die ultimate Digitalkamera-Kaufberatung (sehr lang!)

Teil 2

Nachdem Sie nun diese bisherigen drei Entscheidungen getroffen haben, Budget, Typ und Auflösung, werden Sie sicher schon eine bestimmte Kameraklasse, eventuell sogar schon bestimmte Modelle gefunden haben, die für Sie in Frage kommen.
Nun ist es an der Zeit, die Ausstattungsmerkmale unter die Lupe zu nehmen, um die Auswahl zu verfeinern.


Belichtungskontrolle
Früher hatten alle Kameras manuelle Einstellungsmöglichkeiten zur Belichtungskontrolle und Automatiken waren sehr teuer. Heute ist es umgekehrt.

Manuelle Kontrollen ermöglichen Ihnen, spezielle und schwierige Lichtsituationen zu meistern, wie .B. starkes Gegenlicht, und die richtige Licht- und Farbstimmung zu erhalten, die Sie vorfanden. Selbst wenn Sie sich nicht zu den ambitionierten Fotografen zählen, so empfehle ich dennoch eine Kamera mit wenigstens rudimentären manuellen Belichtungskontrollen, um ein breiteres Spektrum an Situationen meistern zu können.

Aufnahmemodi
Die meisten Kameras bieten verschiedene Aufnahmemodi mit verschiedenen Stufen der manuellen Eingreifmöglichkeit. Der Programm-Modus ist eine Automatik, bei der die Kamera die Belichtungskontrolle übernimmt. Abhängig von der Qualität Ihrer gewählten Kamera ist ein solcher Modus für 80% der alltäglichen Situationen geeignet.

Selbst reine Vollautomatik-Kameras bieten heute eine Reihe an wählbaren Voreinstellungen. Zum Beispiel einen voreingestellten Modus für Landschaftsaufnahmen, bei denen der Fokus auf "unendlich" gestellt und eine kleine Blende gewählt wird, um maximale Schärfentiefe zu erzielen. Oder einen Portrait-Modus, bei dem im Gegensatz dazu die Kamera eine große Blende einstellt, um den Hintergrund unscharf zu machen und so das Hauptmotiv herauszustellen.

Diese Programm-Modi erlauben keinerlei manuellen Eingriff, welcher aber manchmal Ihre einzige Chance wäre, eine schwierige Lichtsituation zu meistern und ein gutes Bild zu bekommen. Hochwertige Profi-Kameras bieten solche Programm-Modi gar nicht an, da professionelle Fotografen es vorziehen, die Belichtung in schwierigen Situationen selbst zu bestimmen.
Um maximale Möglichkeiten zu erhalten, wählen Sie besser eine Kamera mit mehr als nur Programm-Automatiken. Schon die so genannten Halbautomatiken geben Ihnen bestimmte manuelle Kontrollen zurück.

- die Zeitautomatik (auch Blendenpriorität genannt) lässt Sie eine bestimmte Blende wählen, die Kamera passt dann die nötige Belichtungszeit für ein richtig belichtetes Bild automatisch an. Beachten Sie bei Ihrer Wahl bitte, dass nicht alle Kameras hierbei den vollen Blendenumfang zur Auswahl anbieten.

- die Blendenautomatik (auch Zeitpriorität genannt) lässt Sie eine Belichtungszeit vorwählen, die Kamera passt dann die zur korrekten Belichtung notwenige Blendenöffnung an.

In den meisten Fällen werden Sie mit den Halbautomatiken ausreichend manuelle Kontrolle über die Belichtung haben und gute Resultate erzielen. Aber trotzdem: um maximale Kontrolle über die Belichtung zu erhalten, sollten Sie nach einem Kameramodell Ausschau halten, welches auch eine volle manuelle Kontrolle zulässt. Hierbei können Sie dann Blende und Zeit selbst vorgeben.

Auch wenn Sie vielleicht die meiste Zeit mit der Vollautomatik arbeiten, so ist es doch angebracht, die Modi mit manuellen Eingriffsmöglichkeiten schnell und einfach zu erreichen. Idealerweise geschieht das über eine Wahlmöglichkeit am Kameragehäuse, z.B. ein Wahlrad. Einige Kameras bieten keine solche externe Wahlmöglichkeit und Sie müssen sich dann per Menü auf dem Display zum gewünschten Modus durcharbeiten. Wenn Sie in Situationen fotografieren, wo schnelle Programmwechsel erforderlich sind, so ist es sinnvoll, zu einer Kamera mit externer Moduswahl zu greifen.




Verschlussgeschwindigkeit und Blenden
Durch die Wahl der Verschlussgeschwindigkeit und der Größe der Blendenöffnung beeinflussen Sie, wie viel Licht auf den Bildsensor gelangt. Ihr oberstes Ziel wird es sein, eine Zeit/Blenden-Kombination zu wählen, welche keine Über- oder Unterbelichtung des Bildes zur Folge hat und das Bild in den Schatten und Lichtern gute Details zeigt.

Mit der Änderung eines der Parameter können Sie das Erscheinungsbild der Aufnahme drastisch verändern. Die Beeinflussung der Verschlussgeschwindigkeit kann die Abbildung von Bewegung im Bild unterstützen oder zerstören. Die Wahl einer anderen Blende beeinflusst die Bildteile, die in der Schärfenebene liegen.

Blende und Verschlussgeschwindigkeit beeinflussen sich umgekehrt proportional. Mit anderen Worten: verändern Sie einen Parameter in die eine Richtung - z.B. geringere Verschlussgeschwindigkeit, um Bewegung einzufrieren -, so müssen Sie den anderen Parameter in die andere Richtung verändern, hier also die Blende vergrößern, um ein gleichermaßen richtig belichtetes Bild zu erhalten, also die gleiche Menge Licht zum Sensor zu lassen. Verschiedene Kombinationen von Blende und Verschlusszeit führen zum gleichen Ergebnis, also der gleichen Lichtmenge, die zum Sensor gelangt.

Viele Kameras bieten Ihnen einen Programm-Modus, der es Ihnen ermöglicht, durch diese verschiedenen gleich belichtenden Kombinationen zu gehen und eine Ihnen genehme auszuwählen. Die Kamera misst dabei die Belichtung und schlägt eine Kombination wie in der Vollautomatik vor. Sie haben nun die Möglichkeit, diese Kombination zu verändern, aber nur in dem Maße, dass die Gesamtbelichtung immer gleich bleibt wie in der Vollautomatik auch. Wenn Sie also z.B. eine größere Schärfentiefe wünschen, passen Sie nach der Messung einfach die Blende an, die Kamera lässt dann nur Verschlusszeiten zu, die die Gesamtbelichtung nicht verändern. Auch wenn Sie die volle manuelle Kontrolle der Belichtung wünschen, so ziehen Sie dennoch eine solche Verschiebungsautomatik in Betracht. Sie werden die Flexibilität dieses Modus lieben lernen.

Die Belichtungsmessung Ihrer Kamera wird eine Blenden/Zeit-Kombination wählen, bei der das Bild korrekt belichtet und gut ausgewogen ist. Manchmal ist eine solche Ausgewogenheit aber nicht erwünscht. Sie werden sich dann wünschen, das Bild mehr oder weniger belichten zu können, um bestimmte Bildteile hervorzuheben.

Wenn Sie eine manuelle Kamera haben, können Sie ausgehend von der Initialmessung eine Über- oder Unterbelichtung von Hand berechnen und die korrigierten Werte wählen.

Eine einfachere Methode ist eine Belichtungskorrektur in der Kamera, mit der Sie schell die Belichtungsmessung der Kamera in die eine oder andere Richtung übersteuern können. Diese Möglichkeit bieten heutzutage selbst einfachste Kompaktkameras. Sie haben bei der Belichtungskorrektur meist die Möglichkeit, in halben oder drittel Blendenstufen bis zu insgesamt zwei Blendenwerte über- oder unterzubelichten.

Der Vorteil einer Beichtungskorrektur liegt darin, dass Sie sich nicht um absolute Werte kümmern müssen, sondern in Relation zur gemessenen Belichtung arbeiten, z.B. also einfach eine Blende unterbelichten können.

Weil diese manuelle Eingriffsmöglichkeit so wichtig ist, ist es sinnvoll, sie schnell und einfach erreichen zu können. Halten Sie also Ausschau nach einer Kamera mit einer externen Bedienmöglichkeit für die Belichtungskorrektur, am sinnvollsten mit einer Einblendung der Korrektur im Sucher oder auf dem Display. Wenn die Kamera eine Korrektur nur über das Kameramenü zulässt, so stellen Sie sicher, dass sie mit einem oder maximal zwei Knopfdrücken erreichbar ist.

Falls die Kamera, die Sie ins Auge gefasst haben eine Belichtungskorrektur nur über das Drücken mehrerer Bedienknöpfe gleichzeitig zulässt, so begeben Sie sich bitte zu Ihrem lokalen Händler und probieren dies an der Kamera aus. So gehen Sie sicher, dass Sie persönlich die Korrektur auch exakt bedienen können und nicht die Kontrolle über alles andere verlieren oder Ihnen die Kamera dabei aus der Hand gleitet.

Die Verschiebungsautomatik und die Belichtungskorrektur decken meist den größten Bedarf an manuellen Eingriffsmöglichkeiten ab. Sie können gezielt bestimmte Belichtungskombinationen wählen und bewusst über- oder unterbelichten. Sinnvoll ist, wenn die Kamera diese Eingriffe im Sucher oder auf dem Display darstellt.


ISO
Bei einer Filmkamera müssen Sie bestimmte Entscheidungen treffen, wenn Sie das Filmmaterial auswählen. Als erstes legen Sie fest, wie lichtempfindlich der Film sein soll. Empfindlichere Filme benötigen kürzere Zeiten, um eine richtige Belichtung zu erhalten. Sie ermöglichen es, in Situationen mit weniger Licht zu fotografieren und ermöglichen andere Belichtungen als im hellen Sonnenlicht. Der Nachteil ist die steigende Körnigkeit mit steigender Lichtempfindlichkeit.

Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO angegeben. Höhere Zahlen bedeuten höhere Empfindlichkeit, damit auch mehr Körnigkeit. Ein Nachteil der festlegenden Auswahl von Filmmaterial ist der, dass Sie den Film einlegen und dann darauf so lange festgelegt sind, bis Sie den Film wechseln, meist also den kompletten Film verschossen haben.

Auch die Bildsensoren von Digitalkameras sind lichtempfindlich und auch dies wird in ISO angegeben. Die meisten Digitalkameras haben eine Grundeinstellung von ungefähren ISO 100, was Sie aber von Bild zu Bild verändern können. Das versetzt Sie in die Lage die Lichtempfindlichkeit für ein Bild bei weniger Licht heraufzusetzen, wo hingegen das nächste Bild im Sonnenschein einfach mit einer niedrigeren Empfindlichkeit gemacht werden kann. Da die Empfindlichkeit anders als beim Film von Bild zu Bild geändert werden kann, ist sie praktisch ein dritter veränderlicher Belichtungsparameter. Auch bei dieser Einstellmöglichkeit ist eine schnelle und einfache Bedienung wünschenswert. Beachten Sie bitte aber auch die Veränderung der Bildqualität bei veränderten ISO-Einstellungen (dazu später mehr).


Weißabgleich
Eines der erstaunlichsten Leistungen des menschlichen Auges ist die, Farben unabhängig vom umgebenden Lichttyp richtig sehen zu können. Weder ein analoger Film noch eine digitale Kamera ist dazu in der Lage. Beim Fotografieren mit einer digitalen Kamera muss diese auf die aktuelle Lichtsituation, sprich: Farbtemperatur, eingestellt werden. Das nennt man Weißabgleich.
Anmerkung: Falls Sie beabsichtigen, Bilddaten im RAW-Format aufzeichnen zu lassen, so ist der Weißabgleich in der Kamera nicht von so großer Bedeutung, da er auch nach der Aufnahme per RAW-Konverter-Software im Computer verändert werden kann.

Heutzutage verfügen fast alle Kameras über einen ausgezeichneten automatischen Weißabgleich. Dennoch gibt es Situationen, in denen diese Automatik durch Bildteile fehlgeleitet wird.

Viele Kameras verfügen über ein Repertoire an Weißabgleichsvoreinstellungen für bestimmte Lichtsituationen wie z.B. Glühlampenlicht, Sonnenschein, Bewölkung, Schatten usw. Viele Modelle ermöglichen es auch, in diesen Voreinstellungen kleine Korrekturen vorzunehmen oder gar den Weißabgleich ganz manuell zu machen, was die maximale Einflussnahme ermöglicht.

Da die Einstellung des Weißabgleichs für eine bestimmte Lichtsituation vorgenommen wird und diese sich meist nicht schnell und drastisch ändert, z.B. bei Studioaufnahmen, ist eine ebenso schnelle Bedienbarkeit wie bei der Belichtungskorrektur oder anderer Belichtungsparameter nicht so wichtig. Vergewissern Sie sich lediglich, dass die Einstellmöglichkeiten des Weißabgleichs nicht zu tief im Kameramenü versteckt sind.


Herzlichen Glückwunsch! Sie sind auf dem richtigen Weg!
An diesem Punkt haben die Ihre Entscheidungen bezüglich des Preises, des Kameratyps, der Auflösung und der Belichtungsmöglichkeiten getroffen und somit die kritischste Phase der Auswahl hinter sich. Nun sind Sie bereit, sich mit den sekundären Merkmalen der Kameras auseinanderzusetzen.
__________________
Gruß, Rüdiger - aka scorpio
----
Hier geht's zum DSLR-Forum Fotowettbewerb. Jeden Monat wechselnd attraktive Gewinnprämien, gesponsert von unserem Partner PixelfotoExpress.
----
Die Forums FOTOVERSICHERUNGEN von unserem Sponsor Versicherungsmakler Poepping:
- FotoAUSRÜSTUNGSversicherung
- FotoHAFTpflichtversicherung

Geändert von scorpio (17.07.2006 um 10:45 Uhr)
scorpio ist offline