Weil wir dann als erstes die Todesstrafe hätten, straffällige Ausländer unverzüglich abgeschoben würden, egal wohin, mutmaßliche Kindesmißbraucher ohne Verhandlung aufgeknüpft würden und die Meinungsfreiheit nur noch für die Mehrheitsmeinung gelten würde...
Naa, ich denke (und hoffe!), dass du da sowohl die Mehrzahl unserer Mitbürger als auch das politische System unterschätzt. Wenn so viele heiß auf die Todesstrafe wären, dann gäbe es sie.
Die meisten sind davon überzeugt. Sonst würden sie ja keine Fahrräder klauen.
Handelst du immer und zu jedem Zeitpunkt genau so, wie du nach reiflicher Überlegung denkst, dass du moralisch handeln solltest? Wenn das so ist, hast du vielen (und auch mir) etwas voraus. Daher lässt sich aus der Tatsache, dass Leute Fahrräder klauen, keineswegs schließen, dass die das so für richtig halten. Sondern nur, dass die entweder in dem Moment nicht darüber nachdenken, was richtig und falsch ist, oder es ihnen dann egal bzw. ein gerade wirkender anderer Zwang wichtiger ist..
Erstens sind Fotos immer auch schöpferische Leistungen, und zweitens können handwerkliche Leistungen auch Respekt verlangen, z.B. den, daß man sie sich nicht kostenlos erschnorrt und erschleicht.
Es geht doch hier nicht um kostenlos erschnorren. Dass die Dienstleistung des Fotografen honoriert werden soll, darüber sind sich doch eigentlich alle einig.
Es geht um den Status, den "Werke" nach dem Urheberrecht bekommen, was man damit machen darf, _nachdem_ der Urheber einmal für seine Leistung entlohnt worden ist, und ob das in der heutigen Zeit noch angemessen ist bzw. dem Rechtsempfinden einer Mehrheit der Leute entspricht. Das hat nichts mit Respekt zu tun.
Das mit der schöpferischen Leistung ist eben so eine Sache. Wie schon gesagt wurde, sind die meisten Dinge, die jemand, der nicht völlig schematisch am Fließband arbeitet, produziert, irgendwie schöpferische Leistungen.
Die Idee hinter dem Urheberrecht war meiner Vermutung nach ursprünglich mal eher eine gesellschaftliche als eine finanzielle (im Gegensatz z.B. zum Patentrecht etc.): Man wollte dafür sorgen, dass ein Künstler die gesellschaftliche Anerkennung bekommt, die er verdient. Dazu muss etwa sichergestellt sein, dass niemand anderes sein Werk unter dem eigenen Namen weitergeben kann - auch wenn er es dem Urheber abgekauft hat. Daher die Sache mit dem nicht veräußerbaren Urheberrecht. Dabei hat man aber eben einen Künstler im Hinterkopf, der in erster Linie "für die Kunst" arbeitet. Im Falle der Fotografie würde ich da so einen Fall sehen, bei dem wochenlang eine Location gesucht wird, recherchiert, bei welchem Wetter zu welcher Uhrzeit das Licht am besten ist, lange gewartet, komponiert, überlegt, endlich das Foto gemacht... Nicht, um damit Geld zu verdienen (gut, leben muss man auch irgendwie), aber vor allem um das Foto zu machen. Das ist dann ein Kunstwerk.
Das was hier diskutiert wird - einmal pudern - "den Kopf etwas mehr nach links" - "jetzt zu mir gucken" - "ja, OK, etwas höher" - *klick* - "ein bisschen weiter drehen bitte" - *klick* - *klick* - "danke" - würde ich nun nicht wirklich als Kunstwerk bezeichnen. Das ist Handwerk. Darauf das Urheberrecht anzuwenden, um möglichst viel Geld herauszuholen, würde ich, wenn man es mal überspitzt und provokativ ausdrücken möchte, schon fast als Missbrauch desselben in seiner mal ursprünglich vorgesehenen Intention ansehen.
In einem gewissen, recht umfangreichen Rahmen, kannst Du mit urheberrechtlich geschützten Werken anderer Leute auch machen, was Du gern möchtest.
OK, aber der Vergleich ist doch schon seltsam. Er setzt voraus, dass so ein Werk eben eine Art Eigenleben hat, eigene Interessen, die gewahrt bleiben müssen. Und das halte ich eigentlich - je nach Werk - für völlig überzogen. Ich will jetzt nicht schon wieder mit Vergleichen mit materiellen Erzeugnissen kommen, sonst drehen wir uns endgültig im Kreis. Aber woher kommt diese Sonderstellung eines geistigen Werks gegenüber irgendeinem anderen Erzeugnis, in dem genauso viel Arbeit eines dafür kompetenten Menschen steckt?
Das ist - wie gesagt - irgendwie nachvollziehbar, bei einem "echten" Kunstwerk, in dem ein Stück weit die Persönlichkeit, das "Herzblut" des Künstlers steckt. Aber nicht bei einer handwerklichen Leistung im Auftrag.
Dafür gibt's Gerichte, die dann als ultima ratio klären, wer von was habe ausgehen dürfen, und wer nicht.
Richtig. Aber ich bin eben der Meinung, man sollte - aus Sicht eines unbedarften Kunden - von dem ausgehen dürfen, wovon eine breite Mehrheit ausgeht. Und nicht wissen und davon ausgehen müssen, was in einer bestimmten Branche, an die man vielleicht zum ersten Mal einen Auftrag vergibt, aus irgendeinem Grund für lange Zeit üblich war.
Ich neige allerdings klar zu der Ansicht, daß erwachsene Menschen, die den Bundestag wählen, heiraten und Hypothekendarlehen abschließen dürfen, sich nur unter sehr außergewöhnlichen Umständen mit dem Argument herausreden dürfen "Das habe ich doch gar nicht gewußt..."
Im Prinzip gebe ich dir dabei recht.
Die Frage ist, was diese sehr außergewöhnlichen Umstände sind. Und das hängt wieder damit zusammen, was denn _gewöhnliche_ Umstände sind. Und das hat sich - das ist meine Kernaussage - in den letzten 10 - 20 Jahren sehr stark geändert. Dass man ein Bild zwar in digitaler Form bekommt, aber dann - ohne dass das sehr deutlich gesagt wird - davon ausgehen muss, dass man trotzdem nichts damit anfangen kann - finde ich in der heutigen Zeit absolut außergewöhnlich! Damit kann man nur rechnen, wenn man die Branche kennt (oder genügend in diesem Forum gelesen hat) und mit dem Urheberrecht und der daraus folgenden Sicht- und Denkweise vertraut ist. Das trifft auf die allermeisten aber nicht zu.
Es kann ja sein, dass das für einen Fotografen "normal" ist. Es kann ja sein, dass das seit zig Jahren so gehandhabt wurde bzw. die logische Fortsetzung dessen ist, was zu analogen Zeit "immer schon so gemacht" worden ist. Ja und?? Was hat das damit zu tun, was der Kunde erwartet und was heute im seinem Alltag ansonsten "normal" ist?