Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 20.11.2006, 13:49   #5
scorpio
Administrator
 
Threadstarter
 
Registriert seit: 05.10.2003
Ort: Salzbergen
Beiträge: 26.998
Standard AW: Hochzeitsfotografie für Amateure - Ein Leitfaden

3. Belichtungssituationen
Für diesen Leitfaden setze ich voraus, dass Sie mit den Grundlagen der Belichtung vertraut sind und die Zusammenhänge von ISO, Blende und Belichtungszeit beherrschen. Ebenso setze ich voraus, dass Sie die Bedienung Ihres Zubehörs wie z.B. den externen Blitz fehlerlos beherrschen. Wenn Sie noch Probleme mit diesen Grundlagen haben, fotografieren Sie bitte die Hochzeit nicht. Unter keinen Umständen! Beenden Sie hier den Blick in diesen Leitfaden und sagen Ihren Freunden, dass Sie für die Aufgabe nicht qualifiziert oder technisch fit genug sind. Das ist kein "Schwanz einkneifen", sondern einfach nur ehrlich und fair Ihren potenziellen Auftraggebern und nicht zuletzt auch Ihnen selbst gegenüber.

Sie werden wahrscheinlich hauptsächlich 4 Belichtungssituationen während der Hochzeit vorfinden. Die erste - formelle Außenaufnahmen - ist insgesamt betrachtet die einfachste. Platzieren Sie Ihre Motive in offenen Schattenbereichen, also außerhalb direkter Sonneneinstrahlung, aber dennoch ausreichend hell beleuchtet. Dies erzeugt wohl die vorteilhafteste Lichtstimmung für Ihre Motive. Fotografieren Sie Ihre Motive möglichst nicht im direkten Sonnenlicht, denn das erzeugt harte Schatten in den Gesichtern. Lassen Sie Ihre Motive nicht in die Sonne schauen, das würde sie zum Blinzeln zwingen. Ebenso wenig stellen Sie sie so auf, dass Sie als Fotograf selbst in die Sonne schauen, denn das birgt die Gefahr von Blendenflecken in den Bildern auf Grund der Lichtreflexe in den Objektiven. Hellen Sie vorhandene Schatten mit einem leichten Blitz auf.

Formelle Innenaufnahmen können ein wenig komplizierter sein. Viele Kirchen z.B. bieten nicht viel Licht in ihrem Inneren. Sie müssen demnach lichtstarke Optiken oder einen leistungsfähigen Blitz benutzen. Bedenke Sie bitte aber beim Blitzeinsatz, dass wenn sie eine kleine Blende oder kurze Belichtungszeit wählen, die Gesichter der Fotografierten zwar sehr schön hell abgebildet werden, der Hintergrund dafür allerdings schnell in einem Schwarzen Loch verschwindet. Beachten Sie auch, dass das kirchliche Ambiente für das Brautpaar eine große Bedeutung hat, so dass Sie dieses auf jeden Fall mit aufnehmen sollten. Um gewappnet zu sein, sollten Sie vor den Aufnahmen die Lichtsituation der Kirche in Augenschein nehmen, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können. Wenn möglich, wählen Sie die Blende und Verschlussgeschwindigkeit so, dass auf jeden Fall einiges des Umgebungslichtes mit auf das Bild kommt. Wenn möglich, arbeiten Sie dazu mit einem Stativ. Solange die gewählte Verschlussgeschwindigkeit nicht zu lang wird (nicht unter 1/15, besser nicht unter 1/30), können Sie Ihrem Blitz das Einfrieren von kleinen Bewegungen überlassen. Stellen Sie bei der Aufnahme von Gruppen die Blende nicht zu groß ein, weil daraus eine kleine Schärfentiefe resultiert, so dass Gefahr besteht, dass in der Tiefe gestaffelte Personen nicht alle scharf abgebildet werden.

Aufnahmen mit vorhandenem Licht werden vornehmlich während der Zeremonie gemacht. Auch dies ist eine Situation, in der ein Stativ sehr hilfreich sein kann. Messen Sie das weiße Kleid der Braut an und nehmen diesen Wert + 1 bis 1,5EV als jenen, bis zu dem hin Sie belichten können (der Belichtungsmesser misst auf 18% Grau, deswegen die Übersteuerung um 1-1,5EV). Sie erhalten so meist gute Bilder. Stellen Sie sicher, dass Sie die Bilder in Augenblicken mit möglichst wenig Bewegung, z.B. beim Gebet aufnehmen (dazu sollte Ihre Kamera allerdings auch leise arbeiten). Der Ringtausch ist auch eine gute Gelegenheit dazu.

Innenaufnahmen als Schnappschüsse und Momentaufnahmen können sich so schwer oder leicht darstellen, wie Sie möchten. ?Schnappschüsse? ist hier nicht negativ gemeint, sondern bezeichnet ungestellte schnelle Aufnahmen aus der Situation heraus. Die einfachste Art ist es, die Kamera auf 1/60 bei Blende 8 oder 11 und den Blitz auf Automatik zu stellen, alles so zu lassen und dann einfach die Aufnahmen zu machen. So vermeiden Sie es zu vergessen, dass Sie die Blende verstellt haben und unwiederbringlich verdorbene Aufnahmen zu erhalten, aber trotzdem genug Licht zur Verfügung zu haben. Eventuell resultierende leichte Fehlbelichtungen können Sie leicht mit EBV-Software korrigieren, solange Sie nicht mit dem Blitz die Bilder überbelichtet haben. Wenngleich die relativ kleine Blende nicht viel Umgebungslicht einfängt, so bewirkt Sie jedoch, dass alles Wesentliche auf jeden Fall innerhalb der Schärfentiefe aufgenommen wird. Wollen Sie mehr Umgebungslicht einfangen und die Lichtstimmung so mehr zur Geltung kommen lassen, erhöhen Sie die ISO-Zahl.

Wenn Sie sich mit Ihrem Blitzgerät so gut auskennen, dass Sie es auch manuell bedienen können, so haben Sie noch mehr Kontrolle über die Belichtung der Aufnahmen. Stellen Sie das Blitzgerät auf die ISO-Zahl ein, auf die auch Ihre Kamera eingestellt ist. Stellen Sie nun die Leistung des Blitzgerätes so ein, dass es bei Blende 11 drei Meter Reichweite anzeigt, bei Blende 8 4,5 Meter und bei Blende 5,6 ca. 6 Meter. Wenn Sie nun diese Entfernungen und Ihre korrespondierenden Blendenwerte nutzen, können Sie von Nahaufnahmen bis zu weiter entfernten Motiven alles ziemlich sicher belichten, ohne den Blitz neu einstellen zu müssen.
__________________
Gruß, Rüdiger - aka scorpio
----
Hier geht's zum DSLR-Forum Fotowettbewerb. Jeden Monat wechselnd zwei attraktive Gewinnprämien, gesponsert von unserem Partner PixelfotoExpress.
scorpio ist offline