DSLR-Forum

DSLR-Forum (https://www.dslr-forum.de/index.php)
-   Foto-Talk (https://www.dslr-forum.de/forumdisplay.php?f=11)
-   -   Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ? (https://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=1728450)

Gast_129296 02.09.2016 20:39

Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Inspiriert von der einen oder anderen Diskussion, möchte ich die Frage in den Raum werfen, was für Euch ein Portrait ist.

Ist ein Bild einer eher spärlich bekleideten Person ein Portrait ?

Und bis zu welchem Grad ?

Muss ein Portrait authentisch sein ?

Falls ja, was ist authentisch und wer mus eigentlich authentisch sein ?
Der Fotograf oder das Modell oder beide ?

Die für mich spannenste Frage : Über wen zeigt ein Portrait mehr, über den Porträtierten, oder den Fotografen ?

Axel66 02.09.2016 21:50

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
...

Die für mich spannenste Frage : Über wen zeigt ein Portrait mehr, über den Porträtierten, oder den Fotografen ?

Bei einem guten mehr über den Potraitierten, bei einem schlechten...

Ich verfolge die Diskussion auch, kann aber noch keine klare Position beziehen. Was mir nur definitv nicht gefällt sind der komische "komme was wolle Hände ins Gesicht"-Trend (außer es ist persiflierend eingesetzt), der mich dann zwar mit einem Schmunzeln am PC zurück läßt aber bei dem ich schwer tue die Bilder ernst zu nehmen - aber Hey, scheinbar gibt es ja einen Bedarf dafür!

Von daher jeder nach seiner Facon...

Gruß,

Axel

Festan 02.09.2016 22:30

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Für jeden, den diese Frage wirklich interessiert empfehle ich das Buch "Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch" Untertitel "Über die Kunst, Menschen zu fotografieren" von Sven Barnow.

In meinen Augen wird diese Frage darin recht umfangreich beantwortet.

vg, Festan

maddlatdslr 02.09.2016 22:59

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Mein Portrait eines Portraits:
Die Darstellung einer Person mit Ihrem Umfeld. Nackt wäre es wohl ein Akt. Halbnackt ein Halbakt. Daher sehe ich wenn ich die Augen schließe und weitertippe eine Person vor mir welche draußen oder auch drinnen ihr selbst zeigt. Charakterlich eindrucksvoll oder eher flach. Mensch eben mit Macken und Fehlern. Pussierlich oder Grotesk. Animalisch oder technokratisch. Alt oder Jung. In Beruf oder Hobby. Im Urwald oder Urlaub. Fantasy oder Reallife. In Farbe oder Schwarz Weiss. Entscheidend ist es imho neben Komposition, Belichtung und Beleuchtung den Moment einzufangen. Der Ausdruck eines Portraits kann sich innerhalb feiner Nuacen abspielen. Wie echt das Bild wirkt oder auch unecht. Die Wirkung ist das Ziel.

Gast_427150 02.09.2016 23:07

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Stellt ein Passfoto nach eurer Meinung eigentlich auch ein Portrait dar?
Also nicht unbedingt die biometrische Version, sondern allgemein.

Yoda 03.09.2016 12:39

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
Was ist eigentlich ein Portrait?

Der zugehörige Wikipedia-Artikel verschafft da schon eine gute Grundidee...

Ein Portrait zeigt letztlich eine Fotografie einer Person (oder auch eines Tieres, etc.). Gezeigt wird in der Regel das Gesicht der Person, und bzgl. des gezeigten Ausschnitts des Motivs unterscheidet man dann in bspw. Gesichts-, Oberkörper- oder Ganzkörper-Portrait (Kopfbild, Schulterstück, Bruststück, Halbfigur, Hüftbild, Kniestück, Ganzfigur). Obendrein gibt es dann noch Unterscheidungen hinsichtlich der Art der Kopfhaltung, z.B. fontal oder im (Teil-)Profil.

Bei der Darstellung mehrerer Personen spricht man entsprechend von einem Gruppenportrait. Das Ganze gilt es dann auch noch hinsichtlich des Fotografie-Bereichs zu differenzieren...
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
Ist ein Bild einer eher spärlich bekleideten Person ein Portrait?

Siehe oben:
So wie es unterschiedliche Fotografie-Bereiche gibt, existieren natürlich darunter auch "Akt-Portraits".
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
Muss ein Portrait authentisch sein?

Nein.
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
Über wen zeigt ein Portrait mehr, über den Porträtierten, oder den Fotografen?

Da gibt es imho kein entweder oder und auch keine klare Gewichtung.
Zitat:

Zitat von Doc Loewe (Beitrag 14145249)
Stellt ein Passfoto nach eurer Meinung eigentlich auch ein Portrait dar?

Klar.

Festan 03.09.2016 13:17

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14145675)
Der zugehörige Wikipedia-Artikel verschafft da schon eine gute Grundidee...

Ein Portrait zeigt letztlich eine Fotografie einer Person (oder auch eines Tieres, etc.). Gezeigt wird in der Regel das Gesicht der Person, und bzgl. des gezeigten Ausschnitts des Motivs unterscheidet man dann in bspw. Gesichts-, Oberkörper- oder Ganzkörper-Portrait (Kopfbild, Schulterstück, Bruststück, Halbfigur, Hüftbild, Kniestück, Ganzfigur). Obendrein gibt es dann noch Unterscheidungen hinsichtlich der Art der Kopfhaltung, z.B. fontal oder im (Teil-)Profil.

bis hierher wäre auch ein Glamour/Fashion/Beauty Bild ein Portrait. Kann man so natürlich definieren (quasi als Oberbegriff), aber dann fehlt ein Begriff für diejenigen Bilder, die versuchen das Wesen bzw. die Persönlichkeit eines Menschen zum Ausdruck zu bringen.

Genau darum geht es bei den genannten nämlich gar nicht- diese zeichnen sich dadurch aus, dass der Mensch selber beliebig austauschbar ist- es wird dort versucht, ein Ideal, eine Idee, eine Inszenierung umzusetzen und der Mensch ist nur Mittel zum Zweck.

Für mich trennt genau der Begriff Portrait das ab. Der Oberbegriff für mich ist People/Menschenfotografie.

vg, Festan

Yoda 03.09.2016 13:37

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14145759)
Für mich trennt genau der Begriff Portrait das ab.

Für mich nicht.

Alle diese Bilder zählen imho zur (Haupt-)Gattung der Portraits.
Ist wie mit anderen 'Hauptkategorien" immer eine Sache, die man (konstruiert) komplex machen kann.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14145759)
Der Oberbegriff für mich ist People/Menschenfotografie.

Also kann man kein 'Portait'-Foto eines Tieres machen? :)
Oder ist 'Portrait' keine Hauptgattung, sondern nur eine mehrfach vorkommende Untergattung?

Alles nicht so einfach mit 'dem einen' Oberbegriff, der gleichzeitig auch noch abgrenzend sein soll...

Ich würde mich da nun aber nicht unbedingt groß an Begrifflichkeiten aufreiben.

Festan 03.09.2016 13:52

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14145781)
Für mich nicht.

Alle diese Bilder zählen imho zur (Haupt-)Gattung der Portraits.

Dann macht es für Dich also keinen Unterschied, ob ein Mensch als Objekt dargestellt wird oder als Subjekt?
[/Quote]

Zitat:

Also kann man kein 'Portait'-Foto eines Tieres machen? :)
verstehe nicht, wieso sich das dann ausschließen sollte. Oberbegriff dann Tierfotografie, Unterbegriff Portrait.

Zitat:

Ich würde mich da nun aber nicht unbedingt groß an Begrifflichkeiten aufreiben.
letztendlich sind Begriff natürlich egal- sie erfüllen aber eben genauso wie Definitionen eine wichtige Aufgabe in unserer Sprache.

Ich würde ungern wollen, dass jemand bei meinen Bildern von Menschen meinen würde, dass man da auch nur irgendwas über den Menschen selber erfahren könnte.

Würde ich da "Portrait" drüber schreiben, wäre das gelogen. Es käme ja auch niemand auf die Idee bei einem Actionfilm mit Tom Cruise zu sagen dass das Biographisch sei.

Wie gesagt: wenn man den Begriff Portrait als Oberbegriff nimmt, dann fehlt ein Begriff für das, was es ist, wenn es dann kein Fashion/Beauty/Glamour ist. Und wie gesagt: das macht den Unterschied zwischen Objekt und Subjekt aus- kein kleiner wie ich meine. Und in meinen Augen größer/wichtiger als Fashion und Akt - da gehts nur um Klamotten.

vg, Festan

gpo 03.09.2016 14:18

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Moin

die erste Frage besteht darin...
ob man bei solchen Diskussionen überhaupt mitmischen sollte :evil:

ich hatte ähnliches mal im NFF angemerkt...
zuerst waren es typische Portraits, dann aber artete es aus und ...
es wurden "Beautys" oder "Fashion" oder "Lifestyle" auch "Models"...
oder auch "Mädelsknipserei" :eek:

als ich das dann anmahte...waren sofort gut 10 Leute bei mir...die vorher nix gesagt hatten...
wir konnten 80% der Bilder als "Nicht Portraits" ausmachen...

Fazit der Geschichte, der Betreiber hat mich erstmal gesperrt...
die anderen waren konsterniert und das bis heute denn>>>
ich hatte offenbar ihre Kreise gestört :p

der nächste wichtige Punkt ist> es gibt zwei Welten :top:
nämlich das normale Leben da draußen...und das Internet :evil:
und man merkt ganz eindeutig, das die Mitmacher mit normalen Kommentaren selten einverstanden sind,
viel lieber auf dicke Wurst machen...und mit Likes überschüttet werden wollen

die Beschreibung bei Wicki sind doch schon mal eine gute Grundlage,
werden nach meiner Meinung so von vielen Menschen im normalem Leben gestragen....

genau das ist aber in Foren "anders" man will sich abheben,
was besonderes bringen und übertreibt schon mal...vor allem Regeln brechen, die man gar nicht kennt :angel:

immerhin darf man nicht vergessen,
das die Portrait Eigenschaften seit über 1.000 Jahren klar verstanden wird....

wer es beruflich macht, wird mit seinen Kunden auch einvernähmlich ein Portrait liefern können...
das auch als Portrait erkannt wird :cool:

und nein...Passbilder und erst recht biometrische zählen nicht dazu...Bewerbungsbilder aber schon

und bei Hochzeiten ist es auch gut sichtbar...
das man offenbar sich mehr um "das eigene Dingens" kümmert...
anstatt Hochzeits Portraits zu machen(...wenn der Kunde das so will)

in dem anderen Fred oben...sind die meisten Bilder...keine Portraits :cool:
Mfg gpo

reutter 03.09.2016 16:05

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14145759)
Genau darum geht es bei den genannten nämlich gar nicht- diese zeichnen sich dadurch aus, dass der Mensch selber beliebig austauschbar ist- es wird dort versucht, ein Ideal, eine Idee, eine Inszenierung umzusetzen und der Mensch ist nur Mittel zum Zweck.

Wobei ein Portrait durchaus inszeniert sein kann, um die Persönlichkeit zu visualisieren, siehe Leiboviz

Festan 03.09.2016 16:33

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von reutter (Beitrag 14145974)
Wobei ein Portrait durchaus inszeniert sein kann, um die Persönlichkeit zu visualisieren, siehe Leiboviz

letztendlich können wir es aus außenstehende nicht wirklich wissen, ob die Bilder, egal von welchem Fotografen, ein Teil der Persönlichkeit eines Menschen zeigen oder nicht.

Aber klar, ich stimme zu, dass man ein Bild auch inszenieren kann gerade um die Persönlichkeit zu zeigen. Es kommt eben drauf an, was man inszeniert: ein Teil der Persönlichkeit dieses Menschen oder eine Idee, die man hat und umsetzen möchte.

vg, Festan

HaT 04.09.2016 08:57

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
irgendwie bin ich erschüttert darüber, wie manche hier "Portrait" verstanden wissen wollen :confused:. Bisher waren wir in der Fotografie relativ frei. Wollen wir uns in unserem Hobby (oder Beruf) da nun auch noch (selber) derart reglementieren?

Nicht auszudenken, wie hier Bilder von Thread zu Thread verschoben werden würden. Da käme mal richtig Bewegung in die Galerie :rolleyes::lol:

Gast_402205 04.09.2016 09:53

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14145802)
Dann macht es für Dich also keinen Unterschied, ob ein Mensch als Objekt dargestellt wird oder als Subjekt?

Würde ich da "Portrait" drüber schreiben, wäre das gelogen. Es käme ja auch niemand auf die Idee bei einem Actionfilm mit Tom Cruise zu sagen dass das Biographisch sei.

Womit sich gerade der Kreis zu "mit einem Bild eine Geschichte erzählen" schließt :) Ein Actionfilm hat eine fiktionale Handlung, der sich der Darsteller (mehr oder weniger gut erkennbar) anpasst. Die meisten Hollywood-Stars spielen ihre Filme so, dass man genau erkennt, wer da spielt -- das Aufbauen einer Eigenmarke, sozusagen.

Der Actionfilm mit <wem auch immer> kann durchaus, Kader für Kader allerdings, denn wir reden von Fotografie, als "Porträt" verstanden werden. Am Ende kommen wir wieder in der philosophischen Ecke an:

Ist das Bildnis eines Schlossers an seinem Arbeitsplatz an Esse und Amboss ein "Porträt"?

Wenn ja, warum ist dann ein Bildnis eines Mimen an seinem Arbeitsplatz keines?

Ganz unter'm Strich entscheidet der Fotograf, wie er die Inszenierung anlegt, aber was auch immer er anstellt, er zeigt jedenfalls eine Facette des Porträtierten. Nackt auf dem Schreibtisch mit bemaltem Schniedel wird kunsthistorisch ebenso zum Porträt wie steif vor einer Wand.

Die Intention zum Porträt mag in die Inszenierung wirken (das Porträt eines Generaldirektors für den Geschäftsbericht wird meist eher formeller gestaltet als das Porträt eines Quizmasters, der sich zum Gast in jedem Heim machen möchte), aber am Ende entscheidet nur das Bild und seine Verwendung über seine Funktion als "Porträt".

Manche Arten des Porträts, in denen der Abgebildete selbst mit größter Mühe nicht auszumachen ist (Haare über das Gesicht, von hinten, hinter einem Polster, schon halb aus dem Raum, …) können m.E. nicht als Porträt bezeichnet werden, denn es ist ja eine Funktion des Porträts, dass der Porträtierte "ohne weiteres" erkennbar sein soll. Wenn man eine Bildunterschrift braucht, um zu erfahren, wen das Bild zeigt, würde ich die Porträtfunktion verneinen.

Die biometrischen Passbilder jedoch sind durchaus als Porträt akzeptabel -- es gibt genügend Beispiele der Bildenden Kunst, wo "gefundene Objekte" zur Platzierung im Ausstellungsraum zur Kunst gemacht wurden. Found Art, Readymade, Aktionskunst, Installationen: diese Formen bedienen sich des Vorgefundenen einerseits wie der foto- oder videografischen Dokumentation andererseits. Warum sollte in diesem Sinn nicht auch ein Bild aus einer Überwachungskamera oder einer biometrischen Aufnahme als "den Abgebildeten eindeutig zeigend" als künstlerisches Portät akzeptabel sein?

Und wenn ein in diesem Sinne "schmuckloses und ungekünsteltes Abbild" als Porträt gelten darf, dann darf auch ein aufgebretzeltes Abbild als Porträt gelten. Eventuell als "in Ausübung der Arbeit" -- niemand würde das Porträt eines katholischen Geistlichen im Ornat für "ungültig," erklären, "weil sich die Person offenbar verkleidet hat." Daher ist es nicht einzusehen, warum ein Abbild einer Person, die sich zu ihrem eigenen Vergnügen oder aus merkantilem Interesse verkleidet hat, nicht als Porträt gelten soll.

Kann man aus einem Porträt irgendetwas über den Porträtierten erfahren?

Ja, sicher: dass der zu einem gewissen Zeitpunkt vor der Kamera des Fotografen gestanden und an der Erstellung eines Lichtbilds mitgewirkt hat. Im Sinne einer Biografie könnte dieses Lichtbild, zusammen mit den tausenden anderen, die heute von den Mitgliedern der westlichen Gesellschaft angefertigt werden, wie ein Mosaikstein zum Gesamtbild des Porträtierten verstanden werden. Als Übung kann man sich ja einen beliebigen Promi googeln und die solcherart gefundenen Bilder sichten.

Keines für sich fasst alle anderen zusammen, aber alle zusammen ergeben eine Idee von der Art Mensch, die diese Person darstellt(e).

Die Forderung, die Fotografie möge wie die Malerei Wesenszüge des Porträtierten in das Werk aufnehmen, kann nur über Versatzstücke und die Requisite gelöst werden, will man die nachträgliche Formung über Photoshop ausschließen. Die Person als solche bleibt, abgesehen von optischen Verzeichnungen und Verzerrungen, für die Kamera weitgehend die selbe. Klar kann man etwas vorteilhafter inszenieren, aber eine hängendes Auge lässt sich, anders als in der Malerei, eher nicht wegfotografieren. Also muss zur Aufnahme dekoriert werden und diese Dekoration wäre als Interpretation der Person genauso unzulänglich und damit abzulehnen wie die Umformung der Friseuse Gicki Gaukel zu einem lasziven Vamp für der Linse des Freizeitinszenators:

Es ist eine Funktion der Persönlichkeit von Gicki, sich so inszenieren zu lassen und daher darf man das Resultat auch "Porträt" nennen.

Die Frage, ob und inwieweit der Fotograf im Bild zu sehen ist, kommt auf die Sensibilität des Betrachters an. Manche Fotografen sind eindeutiger als andere -- wenn Newton Lagerfeld fotografiert, werden viele Newton im Bild zuerst entdecken. Aber nur, wenn man Newton überhaupt im Erfahrungschatz hat. Wenn nicht, fehlt der Kontext und darüber haben wir ja erst vor kurzem bei der Geschichte zum/im/vom Bild ausschweifend diskutiert :)

Gast_402205 04.09.2016 09:55

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von HaT (Beitrag 14146675)
irgendwie bin ich erschüttert darüber, wie manche hier "Portrait" verstanden wissen wollen

Und ich bin erschüttert, wie inhaltsleer und nichtssagend du Anklagen an unbekannte Dritte formulierst. Werde konkreter oder lass' es bleiben, schlechtes Gewissen an alle bisherigen Diskutanten auszugeben ist schlechter Stil und wird inzwischen als "passive Gewalt" als besonders verabscheuungswürdig betrachtet.

Mr-Marks 04.09.2016 11:30

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
Inspiriert von der einen oder anderen Diskussion, möchte ich die Frage in den Raum werfen, was für Euch ein Portrait ist.

Ist ein Bild einer eher spärlich bekleideten Person ein Portrait ?

Und bis zu welchem Grad ?

Muss ein Portrait authentisch sein ?

Falls ja, was ist authentisch und wer mus eigentlich authentisch sein ?
Der Fotograf oder das Modell oder beide ?

Die für mich spannenste Frage : Über wen zeigt ein Portrait mehr, über den Porträtierten, oder den Fotografen ?

Zitat:

Zitat von Wikipedia
Ein Porträt (von französisch portrait; früher auch Portrait geschrieben)[1] oder Bildnis ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere Darstellung einer Person.[2] Das Porträt zeigt in der Regel das Gesicht der Person. Bei der Darstellung mehrerer Personen spricht man von einem Doppelporträt beziehungsweise Familienporträt oder Gruppenporträt.[3] Porträtieren ist die Anfertigung eines Porträts.[4]

Zu den Fragen:

Ja, klar.

100% (was spricht dagegen?)

Ist es automatisch.

Modell und Photograph.

Pari

Festan 04.09.2016 11:42

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von f:11 (Beitrag 14146746)
...schlechtes Gewissen an alle bisherigen Diskutanten auszugeben ist schlechter Stil und wird inzwischen als "passive Gewalt" als besonders verabscheuungswürdig betrachtet.

:top:

vg, Festan

Festan 04.09.2016 12:22

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von f:11 (Beitrag 14146740)
Ist das Bildnis eines Schlossers an seinem Arbeitsplatz an Esse und Amboss ein "Porträt"?

Wenn ja, warum ist dann ein Bildnis eines Mimen an seinem Arbeitsplatz keines?

klar wäre es das auch- so lange das auch sichtbar wäre. Romy Schneider im Kontext des Filmsets in Sissi's Klamotten gezeigt ist was ganz anderes als das so zu fotografieren, als wäre Romy Schneider tatsächlich Sissi (was während eines Filmes ja immer der Fall ist).

Hier hakt dann auch das Beispiel. Ein Schlosser ist ein Schlosser und macht nichts anderes. Ein Schauspieler schauspielert- das was er schauspielert ist er aber nicht. Ob Engel oder Teufel- er ist keines von beiden- er bleibt bei beidem Schauspieler.

Um ihn als Schauspieler zu porträtieren muss man das sichtbar machen.

Zitat:

Und wenn ein in diesem Sinne "schmuckloses und ungekünsteltes Abbild" als Porträt gelten darf, dann darf auch ein aufgebretzeltes Abbild als Porträt gelten. Eventuell als "in Ausübung der Arbeit" -- niemand würde das Porträt eines katholischen Geistlichen im Ornat für "ungültig," erklären, "weil sich die Person offenbar verkleidet hat." Daher ist es nicht einzusehen, warum ein Abbild einer Person, die sich zu ihrem eigenen Vergnügen oder aus merkantilem Interesse verkleidet hat, nicht als Porträt gelten soll.
im ersteren Fall ist es aber eben kein Verkleiden. So lange man das jeweils erkennt, ist auch alles OK- natürlich erzählt "Verkleidungsfreude" etwas über die Person.

Falsch wäre im zweiten Beispiel dann aber die Darstellung der Person als das, als was er sich verkleidet hat ohne klar zu machen, dass es eine Verkleidung ist.
Er wird dadurch eben nicht zum Priester, dass er sich so anzieht, man erkennt nicht seinen Glauben und auch nicht seinen Beruf- würde das aber fälschlicherweise da rein interpretieren. Dafür würde man diese Verkleidungsfreude gar nicht erkennen können.

Zitat:

Kann man aus einem Porträt irgendetwas über den Porträtierten erfahren?

Ja, sicher: dass der zu einem gewissen Zeitpunkt vor der Kamera des Fotografen gestanden und an der Erstellung eines Lichtbilds mitgewirkt hat.
was ich aber nicht per se als Persönlichkeitsmerkmal ansehen würde. Der Rest ist so gering in der Aussagekraft, dass es das Bild nicht wert ist. In dem Sinne, dass man bei einem Farbbild auch erkennen kann, dass die Welt dort farbig war- ist kein großer Erkenntnisgewinn, wo doch die Welt überall farbig ist (bitte kurz mal ignorieren, dass es Farben eigentlich gar nicht gibt).

Zitat:

...wie die Umformung der Friseuse Gicki Gaukel zu einem lasziven Vamp für der Linse des Freizeitinszenators:

Es ist eine Funktion der Persönlichkeit von Gicki, sich so inszenieren zu lassen und daher darf man das Resultat auch "Porträt" nennen.
wie oben- richt, wenn es auch klar wird, dass es um das "sich inszenieren" geht.

Zitat:

Die Frage, ob und inwieweit der Fotograf im Bild zu sehen ist, kommt auf die Sensibilität des Betrachters an. Manche Fotografen sind eindeutiger als andere -- wenn Newton Lagerfeld fotografiert, werden viele Newton im Bild zuerst entdecken. Aber nur, wenn man Newton überhaupt im Erfahrungschatz hat. Wenn nicht, fehlt der Kontext und darüber haben wir ja erst vor kurzem bei der Geschichte zum/im/vom Bild ausschweifend diskutiert :)
aber es geht gar nicht darum, dass man erfährt, dass das jetzt Helmut Newton war. Sondern "nur" etwas über den Fotografen.

Bei einem Portrait von Angela Merkel ist es in dem hier diskutierten Kontext ja auch nicht wichtig, dass man sie als solche erkennt. Es geht um den Menschen und eine evtl. sichtbare Charakter- oder sonstige Eigenschaft, die diesen Menschen ausmacht. Selbstbewusstsein beispielsweise. Und das kann man sichtbar machen.

Die Bilder von Newton strahlen auch etwas aus- nur denke ich mir, dass das eben keine Eigenschaften seiner Models waren, sondern er ein Teil seines Ichs da inszeniert hat.

Bei Malern, den Abstrakten zumal, wird das stärker deutlich- niemand wird ernsthaft behaupten, dass da ein Abbild einer Person etwas mit dem Modell zu tun hat. Bestenfall noch die Interpretation des Malers von dem, was er darin sieht/fühlt.

Und genau das passiert mMn. auch beim fotografieren- selbst beim im engsten Wortsinne portraitieren- denn letztendlich können wir die Realität gar nicht erkennen- wir interpretieren sie immer mit unserem Ich.

Oder anders ausgedrückt: muss jemals ein Fotograf zu einem Psychologen, sollte er seine gesammelten Werke mitnehmen- das sagt mehr über einen selbst aus, als sich die meisten über sich selber bewusst sind.

vg, Festan

gpo 04.09.2016 13:19

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)

Oder anders ausgedrückt: muss jemals ein Fotograf zu einem Psychologen, sollte er.....

Moin

ich würde sagen....ja viele wären reif für die Couch :p

anderseits lese ich das trotz aller Bemühen doch wieder vom Thema abgewichen wird...
auch von dir Festan...:D

es geht um die "Menschen Abteilung" und dort der Bereich "Portraits"
und das die Masse der Bilder eben kEINE Portraits sind...und
das sich viele (Amateur) Fotografen weigern. das richtig zu interpretieren :cool:

also warum machen die Querschießer aus ihren Bildern nicht "Model Fotografie"
oder Fashion, oder Beauty oder Glamour...oder, oder, oder...

ist man zu feige...:eek:...oder fällt einem nix anderes ein :evil:

Fakt ist....ein gutes Portrait zu machen ist eben doch nicht leicht,
weil trotz (der Regeln) eben jede Person "anders ist"

der Fotograf tritt hier dann in den Hintergrund....wäre erst auszumachen wenn...
sein Stil sich langzeitig dann doch ausmachen läst (Newton)
was dann natürlich auch nicht an Nachteil gesehen werden muss...

es gibt genug gute Beispiele für Portraits....
das man nicht städig das Rad neu erfinden muss :cool:
Mfg gpo

Gast_402205 04.09.2016 13:42

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Ein Schlosser ist ein Schlosser und macht nichts anderes. Ein Schauspieler schauspielert- das was er schauspielert ist er aber nicht.

Dann sitzt der Betrachter halt dem Irrtum auf, jemanden, den er für einen Priester gehalten haben mochte, als Bandenkönig wiederzutreffen. So erschließt sich die Rollenstärke des Schauspielers halt nur tröpfchen-, äh, bildchenweise, was aber am Beruf liegen mag, der somit aber doch wieder als Funktion der Person abgebildet wurde. Einen Chirurgen bei einer Blinddarm-Operation abzulichten, wird nicht mehr erzählen als bei der Gallenblase letzte Woche, das Berufsbild ist halt weniger "bunt" und somit diese Facette der Persönlichkeit schnell abgewickelt. Vielleicht ist ja der Herr Doktor in seiner Freizeit begeisterter Bergwanderer, dann kann man diese Facette über ein paar Achttausender strecken. Auch wieder nur eine Verkleidung, der Herr Chirurg mit Sauerstoff am K2?

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Falsch wäre im zweiten Beispiel dann aber die Darstellung der Person als das, als was er sich verkleidet hat ohne klar zu machen, dass es eine Verkleidung ist.

Es liegt im Wesen des Schauspiels, (oder doch des Lebens?) dass man alles erst ent-decken muss. Fassaden überall, dahinter zu blicken setzt Aufwand voraus. Will man den nicht riskieren, bleibt man auf dieser Seite der Postillen und lebt sorgenfrei im Reality-TV weiter :)

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Er wird dadurch eben nicht zum Priester, dass er sich so anzieht, man erkennt nicht seinen Glauben und auch nicht seinen Beruf- würde das aber fälschlicherweise da rein interpretieren.

Jetzt interpretierst du aber: wer sagt, dass jemand, der aussieht wie ein Priester, auch tatsächlich einer sein muss? Ist der Rock geschützt, darf man ihn sonst nicht tragen? Es gibt hinreichend Leute, die sehen aus wie Exekutivbeamte, sind aber nur Rausschmeißer in einer Diskothek. Es gibt Leute, die sehen aus wie Golfspieler, haben sich aber bloß in England eine Geschmacksverkühlung geholt…

Dein Standpunkt funktioniert nur, wenn jede (visuelle) Äußerung auf einige wenige Formen eingeschränkt würde, mit einer langen Liste an Ausnahmen, die von den Schauspielern ("aber die nicht in Berufskleidung …") angeführt würde.

Ich seh's entspannter: solange auf dem Bild eine Person erkennbar ist, sollte die sich im Vorfeld darum gekümmert haben, so dargestellt zu werden, wie sie es mit ihrer Persönlichkeit vereinbaren kann. Rennt dann Heinz Rühmann als Pater Brown durch's Bild, kann ich mich fragen, ob das nun echt oder nur gespielt war. Wie im wirklichen Leben -- da trifft man am Montag den Mayer, der schaut lustig und ist Installateur. Am Wochenende trifft man ihn wieder, hat er den Job gewechselt und verkauft jetzt Einbauküchen. Was machen wir mit den Bilder, die nicht sein "wahres Ich" mit der Rohrzange zeigen?

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
was ich aber nicht per se als Persönlichkeitsmerkmal ansehen würde.

Es kommt auf den Fotografen an. Wenn es Herb Ritts war, wärst du sicher anderer Meinung.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Der Rest ist so gering in der Aussagekraft, dass es das Bild nicht wert ist.

Das sehe ich aber ganz allgemein bei allen Porträts so. Wenn man beim Erstellen nicht auf die aktuell gegebene äußere Erscheinungsform abstellt, kommt gar nichts dabei raus. Wie sagte Newton so schön, als man ihn frug, ob er denn nicht die Seele seiner Models vernachlässige? "Ich verstehe was von Busen und Hintern und ich hoffe, meine Fotografie löst mehr aus, aber Seele? Nö, Seele verstehe ich nicht."

Das ist so wie mit der Geschichte, die manche in Bildern ausgraben wollen: Sie mag beim Entstehungsprozess eine Rolle gespielt haben, im Bild ist sie nicht mehr vorhanden. Das Porträt selbst hat eine gewisse Geschichte und intendierte Projektion, aber der Betrachter entscheidet, ob die Projektion funktioniert und die Geschichte verschwindet sowieso. Wie sagt die Kanzlerin? "The proof of the pudding is the eating." Genau.

Das Porträt zeigt einen Menschen auf einer Marke des Zeit-Raum-Vektors. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn der in dem Moment so oder anders oder gar nicht bekleidet war, war das eben so. Und wenn man nach 80 Jahren gar nicht mehr weiß, wen dieses Porträt eigentlich zeigt, ist das eben auch so. Dann spielt es gar keine Rolle mehr, ob im Porträt eine Rolle gespielt oder der pure Ernst verkörpert wurde, die Zeit macht Schluss mit solchen aufgesetzten Unterscheidungen. Es bleibt nur ein Bild und wenn es dann noch Beachtung findet wird es nur um den Bildinhalt gehen und die dann Lebenden werden interpretieren, was sie da sehen, ohne dass es ihnen einer schlüssig sagen könnte. Parallele dazu: Vivian Maier. Wer die Bilder wirklich aufgenommen hat wissen wir so wenig wie wer darauf zu sehen ist. Wir schließen aus der uns erzählten Geschichte auf Hintergrundinformation, die uns ins Erklärungsmuster passt, wurscht was wirklich war. Die Frage für einen Fotografen muss lauten: jenseits all des Geschwätzes, funktionieren die Bilder als Bilder? Oder muss man Soziologie zumindest im Zweitfach bei Cosmopolitan & Co. studieren, um im Œvre der Frau Maier etwas Besonderes zu erkennen?

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
aber es geht gar nicht darum, dass man erfährt, dass das jetzt Helmut Newton war. Sondern "nur" etwas über den Fotografen.

Da wird man sich eher schwer tun, beim "über", zumal der Abbilder meist gar nicht im Bild ist. Da müsste man von der Art des Bildes auf das Wesen des Abbildenden schließen und dann wird's aber eine Aufgabe für Phantasiebegabte (ohne "Phantasten" sagen zu wollen).

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Es geht um den Menschen und eine evtl. sichtbare Charakter- oder sonstige Eigenschaft, die diesen Menschen ausmacht. Selbstbewusstsein beispielsweise. Und das kann man sichtbar machen.

Kann man. Manchmal muss man, dann wird das gezeigte Selbstbewusstsein zur Rollen-adäquaten Inszenierung mit gutem Grund, aber ohne faktische Begründung. So einfach liegen die Dinge mit den Bildern nicht: was immer auf einem Bild zu sehen ist, wird Gegenstand einer Interpretation und die ist immer nur so "treffend" wie der Kontext es für den Betrachter zulässt. Wenn es der Fotograf schafft, diese Eigenschaft überhaupt ins Bild zu bekommen und nicht eine ganze andere, ihm wichtiger erscheinendere und leichter zu visualisierende hervorhebt. Dann: bye, bye Selbstbewusstsein, welcome soziales Gewissen :)

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Die Bilder von Newton strahlen auch etwas aus- nur denke ich mir, dass das eben keine Eigenschaften seiner Models waren, sondern er ein Teil seines Ichs da inszeniert hat.

Newton hat von Porträts ebenso gelebt wie von der Fashion-Fotografie und seinen eigenen Inszenierungen. Lagerfeld ist sicher kein "Model" und trotzdem sieht man, dass da Newton am Auslöser war. Es ist diese (zumindest erscheint es mir so) "oberflächlich interessierte Distanz", die er wie kaum ein anderer festhalten konnte. Newton-Bilder wirken fast immer wie hinter einer Scheibe, Ausstellungsstücke, die beobachtet werden. Eine wundervolle Balance von Nähe und Distanz und die muss er wohl im Blut gehabt haben, sonst hätte er anders fotografiert.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Bei Malern, den Abstrakten zumal, wird das stärker deutlich- niemand wird ernsthaft behaupten, dass da ein Abbild einer Person etwas mit dem Modell zu tun hat.

Wenn wir darauf bestehen, dass im Porträt der Porträtierte ohne Gebrauchsanweisung erkennbar sein muss, dürfte es keine abstrakten Porträts geben :)

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
… letztendlich können wir die Realität gar nicht erkennen- wir interpretieren sie immer mit unserem Ich.

Genau. Das tut der vor wie der hinter der Linse ebenso wie der später vor dem Bild. Eine Interpretationskette, die mit der ontischen Realität genau nichts zu tun hat. Daher ist es einigermaßen unerheblich, auf einem der vielen Bereiche, die ein Porträt ausmachen, auf "Wahrhaftigkeit" zu pochen, wenn alle anderen Bereiche sowieso wissentlich der Interpretation überantwortet werden müssen. Was würde wohl ein mongolischer Yak-Hirte zu einem Foto sagen, auf dem Heinz Rühmann als Pater Brown zu sehen ist? Wahrscheinlich gar nichts, denn für ihn sind beide für uns vordergründigen Kontextelemente unbekannt. Also kann er sich munter ans Interpretieren machen, aber es wird nichts dabei zu Tage treten, das nur einigermaßen der damaligen Realität im Studio entsprechen würde.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147060)
Oder anders ausgedrückt: muss jemals ein Fotograf zu einem Psychologen, sollte er seine gesammelten Werke mitnehmen- das sagt mehr über einen selbst aus, als sich die meisten über sich selber bewusst sind.

Da sagst du etwas Lustiges: Überlegen wir weiter, so müssen wir uns fragen, auf welcher Basis der Psychologe (oder eigentlich Psychiater) denn die Bilder der Mappe rezipiert, interpretiert und diagnostisch auswertet. Nicht einmal vor so ehrwürdigen Berufen macht das Dilemma Halt.

Festan 04.09.2016 13:52

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von gpo (Beitrag 14147171)
ich würde sagen....ja viele wären reif für die Couch :p

das habe ich damit nicht ausdrücken wollen

Zitat:

anderseits lese ich das trotz aller Bemühen doch wieder vom Thema abgewichen wird...
auch von dir Festan...:D
das finde ich nicht, kann aber verstehen, dass Du das meinst, weil...

Zitat:

es geht um die "Menschen Abteilung" und dort der Bereich "Portraits"
und das die Masse der Bilder eben kEINE Portraits sind...und
das sich viele (Amateur) Fotografen weigern. das richtig zu interpretieren :cool:
... Du das als gegeben ansiehst- dass das aber nicht jeder so sieht, kannst Du ja weiter oben und auch an anderen Stellen immer wieder sehen. Und das erklärt auch das hier:

Zitat:

also warum machen die Querschießer aus ihren Bildern nicht "Model Fotografie"
oder Fashion, oder Beauty oder Glamour...oder, oder, oder...

ist man zu feige...:eek:...oder fällt einem nix anderes ein :evil:
das hat nix mit Feigheit (warum denn Feigheit?) oder mit mangelnder Phantasie zu tun, sondern eben einfach, weil die meisten Portrait eben nicht wie Du und ich interpretieren.
Außerdem gibt es oftmals schlichtweg nur "Portrait" als Auswahlmöglichkeit (wie hier im Forum ja auch).

Von all meinen Bildern gibt es vielleicht ein knappes Dutzend, die ich als Portrait bezeichnen würde- der Rest wie Du sagst, Fashion, Glamour, Beauty- ich würde einen ganz neuen Begriff vorziehen, weil auch da keines wirklich zutrifft. Aber das jedesmal zu thematisieren ist einfach mühselig- ich habe es auch schon seit langem aufgegeben Begriffe wie Laptop, Quantensprung, Super-Gau, Kompaktblitz etc. richtig zu stellen und verwende sie ab und an sogar selber, wenn es der Kommunikation dient.

Zitat:

Fakt ist....ein gutes Portrait zu machen ist eben doch nicht leicht,
hat das je einer behauptet?

Zitat:

der Fotograf tritt hier dann in den Hintergrund....
das ist eben die Frage ob das überhaupt geht- und wenn- solche Bilder wollen doch die wenigsten (sehen und machen).

vg, Festan

Gast_402205 04.09.2016 13:52

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von gpo (Beitrag 14147171)
ein gutes Portrait zu machen ist eben doch nicht leicht

Das bezweifelt niemand, aber woran machst du die Güte des Porträts fest? Wenn es dem Porträtierten gefällt? Seinem Lebensabschnittspartner? Seinen Geschäftspartnern? Der Innung der Berufsfotografen? Oder dem Fotografen?

Richtig belichten und ein paar Kontraste -- das ist Handwerk. Aber was belichten und wo die Kontraste, das kann kein Fotograf auf der Person des Kunden begründen (der fünf Minuten zuvor den Laden betreten hat) und daher geht der gute Fotograf ausschließlich von der sich bietenden Form, der "Grafik", die lichtbildend festgehalten werden soll, aus. Ist sie stärker, weniger frontales Licht. Ist sie zarter, "broad lighting". Steht er daneben, steht er besser dahinter. Ist er sehr viel größer, steht er breitbeinig …

Woran sehen wir dabei, wer da vor der Kamera stand? Generaldirektor, Werkmeister, Assistenzarzt, Kaninchenzüchter? Immer auf Basis des Bildes, ohne Geschichten drum herum oder hinten dran geklebt, versteht sich.

Festan 04.09.2016 14:11

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von f:11 (Beitrag 14147217)
Da sagst du etwas Lustiges: Überlegen wir weiter, so müssen wir uns fragen, auf welcher Basis der Psychologe (oder eigentlich Psychiater) denn die Bilder der Mappe rezipiert, interpretiert und diagnostisch auswertet. Nicht einmal vor so ehrwürdigen Berufen macht das Dilemma Halt.

wobei wir hier (und auch bei vielen anderen, was Du geschrieben hast) die Fotografie schon längst verlassen haben und im Bereich der Erkenntnistheorie sind. Dieses Problem hier betrifft jeden und überall. Den Psychologen bei meiner Überlegung zu den mitzubringenden Bilder ebenso wie bei allem, was man erzählen würde.

Noch einen Schritt weiter und wir sind bei der Erkenntnis, dass wir nicht mehr an Wahrheit erkennen können, als uns selbst bewußt zu sein- Cogito ergo sum. Schluss- alles andere ist ungewiss.

Um sich aber überhaupt sinnvoll austauschen zu können, muss man auf einige Grundannahmen zurückgreifen- mit Deinen Worten die "Basis" auf der ein Psychologe die Bilder (und auch Worte) auswertet. Und diese Basis ist das, was Psychologen (Schlossern, Ärzten, Fotografen, Priestern...) gelehrt wird.

vg, Festan

Gast_402205 04.09.2016 14:20

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147254)
Und diese Basis ist das, was Psychologen (Schlossern, Ärzten, Fotografen, Priestern...) gelehrt wird.

Wobei du durch die Vermengung von Handwerk (Schlosser, Fotograf, mache Ärzte) und Diagnose (manche Ärzte, Psychologen) und den Begriff der "Lehre" schon ein recht ordentliches Pulverfass in die Diskussion schleppst :)

In der Lehre kommt halt genau so viel beim Lehrling an, wie der aufnehmen kann. Wenn der dann ausgelernt ist -- und die wenigsten werden wirklich ausgemustert, obwohl sie völlig untauglich sind -- wird der auf den Rest der Menschheit in seinem lückenhaften Fachwissen losgelassen, dass (je weiter oben, desto erfolgreicher) mit irgendwelchen Zertifikaten und Diplomen an der Wand legitimiert werden muss.

Diese Diplomitis ist gerade in der Weißen Zunft sehr verbreitet, da wird jedes käsige Pharma-Zertifikat von irgendwelchen Tagungen in den USA an die Wand genagelt, obwohl man dorthin nur eingeladen wird, weil man sich im Sinne der Aktionäre des Konzerns wohl verhalten hat … Nicht alles, was heute gelehrt wird, hat morgen noch Bestand -- weil sich auch in der Lehre die Perzeption in der Zeit ändert. Sonst würden wir heute noch geozentrisch ausbilden …

Barış 04.09.2016 14:29

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Ich verfolge sehr gespannt diese Diskussion und finde es toll, dass jetzt GPO hier mitmischt. ;-)

Bitte weitermachen. :D

Festan 04.09.2016 14:32

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14147283)
Ich verfolge sehr gespannt diese Diskussion und finde es toll, dass jetzt GPO hier mitmischt. ;-)

Bitte weitermachen. :D

Beitragen willst Du nichts?

vg, Festan

Barış 04.09.2016 14:34

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147290)
Beitragen willst Du nichts?

vg, Festan

Habe ich woanders ja zu genüge. GPO macht das hier schon besser als ich könnte. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mal... mich strengen diese Debatten dann doch sehr an, neben all den Dingen die ich sonst noch so fertig bekommen muss... ;-)

gpo 04.09.2016 15:13

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14147283)
Ich verfolge sehr gespannt diese Diskussion und finde es toll, dass jetzt GPO hier mitmischt. ;-)

na da kommt die Frage hoch ob du mich verkackeiern willst :D

ich sehe das ganz "deutlich einfacher" als es hier gekocht wird...

# wenn ein Fotograf für seine Bilder keinen "festen Forenbereich" findet...
dann soll er (nicht so feige sein) und bitte seinen "eigenen Fred" aufmachen...

# die Bezeichnung der Bilder....
wird oft genau ja in eine "Ecke geschoben" von de man sicher sein kann,
das es gefunden und gesehen wird und natürlich auch> wo es da meiste Lob gibt
( oft mit Verweisen auf andere Bildparkplätze wo es Likes gibt)

# alleine die Stückelung in> "35mm Portraits" und "Portraits" ist schon Kinderkram...
denn wer das neuste 105 von Nikon holt. wird alles darunter in dieTonne schmeißen :p

# die letzten Beispiele...sind zwar textlich hochgestylt...nur was haben Weßkittel mit Portraits zu tun...
auch WER sich WIE und WANN ausbilden läst...vor allem was danach passiert
kann ich bei jedem Fotografen unterscheiden....dazu passt>>>(und ist wirklich ernst gemeint)

das Fotografen sich in zwei Großbereiche unterteilen lassen....
1) die die mit Menschen klarkommen...2) die mit allem anderen klarkommen....
logo ist der Übergang fließend aber....
in meien ersten 10 Jahren durch alle Studios und alle Jobs konnte ich gut beobachten das....
viele Kollegen mit Menschen ihre Mühe hatten udn nir an 100% rankamen...
andere eben immer 100% ablieferten....dazu bei Stills Schwächen zeigten...

hier wird alles in einen Topf geworfen...haufenweise Leute die alle knipsen war vor die Linse kommt...
aber auf jeden Fall noch "in den Fashion oder Beauty Bereich einsteigen wollen"....
das klappt nicht austomatisch...

das muss man auf sich zukommen lassen :p
und Portraits gehören dazu...der eine kanns...die anderen nie :D
Mfg gpo

HaT 04.09.2016 15:25

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von f:11 (Beitrag 14146746)
Und ich bin erschüttert, wie inhaltsleer und nichtssagend du Anklagen an unbekannte Dritte formulierst.

Wenn Du denn Dich und/oder Deine Bilder gerne in irgendwelche reglementierte Schablonen drücken willst, bitte gerne.
Wenn Du Dich durch meinen Post gar angeklagt fühlst, dann ist das Dein Problem, dass zumindest ich mich, spätestens von Dir nicht in solche oder andere Reglementierungen drücken lasse, ebenso :p

Zitat:

Zitat von f:11 (Beitrag 14146746)
Werde konkreter oder lass' es bleiben, schlechtes Gewissen an alle bisherigen Diskutanten auszugeben ist schlechter Stil und wird inzwischen als "passive Gewalt" als besonders verabscheuungswürdig betrachtet.

Allerhand, wenn Du bereits aufgrund meines Posts ein schlechtes Gewissen hast und anderen ein ebensolches unterstellst; ... setz mich einfach auf Deine Ignor-Liste und Du bleibst zukünftig von meinen Beiträgen verschont ... anderfalls schluck ihn einfach, so wie er dort steht :evil: ;)

Mr-Marks 04.09.2016 15:30

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147290)
Beitragen willst Du nichts?

vg, Festan

Die Frage war:

Zitat:

Zitat von TO
Inspiriert von der einen oder anderen Diskussion, möchte ich die Frage in den Raum werfen, was für Euch ein Portrait ist.

Wozu denn so einen Zirkus bei dieser einfachen Frage?

Wenigstens 2 Menschen sind bei einem Portrait beteiligt -> Photograph und Modell.

Ob es als gelungen oder nicht gelungen angesehen wird ist Nebensache - in allen Fällen spiegelt sich sowohl Photograph, als auch Modell im fertigen Bild.

Auch ein Schauspieler bringt sich und seine Persönlichkeit in seine Rolle ein - auch wenn er diese perfekt spielt, sagt das etwas über ihn aus -> diese charakterisiert ihn.

Festan 04.09.2016 15:32

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von HaT (Beitrag 14147378)
blahblah

zum Thema beizutragen hast Du nichts?

vg, Festan

Festan 04.09.2016 15:39

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Mr-Marks (Beitrag 14147386)
Auch ein Schauspieler bringt sich und seine Persönlichkeit in seine Rolle ein - auch wenn er diese perfekt spielt, sagt das etwas über ihn aus -> diese charakterisiert ihn.

das hoffe ich für alle Darsteller von Psychopathen, Mörder und geisteskranken nicht.

Es sagt etwas über die Fähigkeit eines Menschen aus zu Schauspielern- und nichts über seine Persönlichkeit/Charakter.

vg, Festan

Barış 04.09.2016 15:40

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Auch wenn ich grad kein bock zu Diskutieren habe, ist das Schlichten wohl einfacher? :D

@HaT, ich muss Festan schon recht geben...
Deine Relativierung führt am Ziel vorbei einen Konsens zu erreichen, mit dem alle hoffentlich leben können. Es bringt nichts zu sagen alles gut so wie es ist, wenn es halt nicht so ist. Ich mag den Status Quo überhaupt nicht. Und der ist hier im Forum bzw. in Deutschland generell stark in vielen Themen zu sehen, wenn man sich mal im englischen Bereich umschaut.

Die Galerie hier hat ja den Überbegriff "Menschen" - Darunter fallen auch Portraits. Wenn dann so Einzelbilder kommen, die weit von einem Portrait entfernt sind und dennoch Portrait genannt werden, sollte man das mmn. klarstellen... Das hatte ich an jenem Tag versucht und dann wurden mir buchstäblich die Worte im Mund verdreht... Es ist halt anstrengend für mich Texte in einem Forum zu verfassen ohne zu wissen ob das überhaupt jemanden hier interessiert... von daher mache ich das lieber auf meinem Blog, als hier.

@gpo, nein ich will dich nicht verkackeiern, sondern feier deine Ansagen/Aussagen, die ich zu 100% bisher unterschreiben kann. Ich kann auch Stillleben nicht so gut. ;-)

Gast_402205 04.09.2016 15:44

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Mr-Marks (Beitrag 14147386)
Wozu denn so einen Zirkus bei dieser einfachen Frage?

Welche Frage wäre denn einen höheren Aufwand lohnend? Ob man UV Filter an teures Glas pappen soll, ob die neue Canon etwas taugen wird, ob man den AF irgendwie dazu bewegen kann, das zu treffen, was man intendiert hat?

Das Thema ist doch von Festan an eine spannende Ecke gelenkt worden, klarerweise eine Meta-Ecke, wo sich die Frage stellt, ob ein schauspielernder Schauspieler eine andere Qualität als Motiv hat als ein nicht schauspielernder Schauspieler. HaT hat Sorge, dass man sich eventuell in eine Kiste begibt, die schnell zugenagelt und nach Madagaskar verschifft ist, und gpo ist der Meinung, dass es solche und solche gibt.

Klar ist das an des Kaisers Bart gezupft, aber doch streckenweise erhellend, weil manches halt erst im Austausch auffällt und ins Bewusstsein rückt. Und irgendwie geht's doch eigentlich genau darum: bewusster auslösen.

Ob das nun Porträt oder Glamour oder Nude oder Candid shot genannt wird, ist dabei nebensächlich, denn das hier ist ein Forum und das wiederum lebt nur von solchen Betrachtungen (oder Flame-Wars, aber dafür werde ich langsam zu alt :))

Barış 04.09.2016 15:57

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Noch etwas was ich schnell mal loswerden kann...

Ich gebe meinen Strecken als Headline Portrait, weil ich eine Serie an Bildern mache, die als Gesamtheit ein Portrait des Menschen sein soll. Ob das so geht, dürfte auch gerne diskutiert werden.. Würde ich in Einzelbildern denken und fotografieren, könnte ich das einzelne Foto, nicht bzw. nur selten, Portrait nennen.

Festan 04.09.2016 15:58

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14147403)
Die Galerie hier hat ja den Bereich "Menschen". Wenn dann so Einzelbilder kommen, die weit von einem Portrait entfernt sind und dennoch Portrait genannt werden, sollte man das mmn. klarstellen... Das hatte ich an jenem Tag versucht

eben- und ob es einer solchen Unterscheidung überhaupt bedarf ist IMHO gerade die Motivation zu diesem Thread.

Deswegen verstehe ich auch nicht wirklich, dass Du nichts dazu beitragen möchtest- gerade und auch, wenn Du der Meinung bist, Dir seien Deine Worte im Mund herumgedreht worden.

Denn offensichtlich gibt es ja nicht wenige, die meinen, dass Glamour und Portrait das Selbe wären. Das wäre dann so, als ob man Germany's Top Modell als normale, reale Welt ansehen würde.

Und das sage ich eben gerade als jemand, der keine Portraits macht, sondern eher eine Scheinwelt darstellt. In der Literatur käme ja auch niemand auf die Idee, Märchen, Sagen, Fiktion und Dokumentation als das Selbe zu bezeichnen.

Wobei das für mich alles keinerlei Wertigkeit beinhaltet- es ist eben nur Unterschiedliches.

vg, Festan

Rudi_D90 04.09.2016 16:20

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14147403)
Die Galerie hier hat ja den Überbegriff "Menschen" - Darunter fallen auch Portraits. Wenn dann so Einzelbilder kommen, die weit von einem Portrait entfernt sind und dennoch Portrait genannt werden, [...]

:confused:
Ich kann die ganze Diskussion hier nicht nachvollziehen.
Jede bildliche Darstellung eines Menschen ist im weitesten Sinn ein Porträt (im übertragenen Sinn auch jede nicht-bildliche Darstellung, diesen Aspekt kann man im Foto-Forum erstmal außer Acht lassen). Da das (wie diese Diskussion zeigt) wohl auch das einzig harte Kriterium ist, trägt der entspechende Bereich der Galerie hier mit "Menschen" auch die passende Bezeichnung.
Ob ein Bild auch im engeren Sinn als Porträt gesehen wird, hängt v.a. davon ab, wie eng man den Begriff fassen will - in dieser Frage Einigkeit zu erwarten, zeugt von Naivität (und in dieser Frage die eigene Einstellung stillschweigend vorauszusetzen vom üblichen, wenig reflektiertem Kommunikationsverhalten, welches Forendiskussionen regelmäßig in die Länge zieht).

Festan 04.09.2016 16:42

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147478)
Ob ein Bild auch im engeren Sinn als Porträt gesehen wird, hängt v.a. davon ab, wie eng man den Begriff fassen will - in dieser Frage Einigkeit zu erwarten, zeugt von Naivität

interessant- für mich ist es genau umgekehrt und mir scheint, dass gerade Du genau hier diesem aufsitzt:

[Quote]
(und in dieser Frage die eigene Einstellung stillschweigend vorauszusetzen vom üblichen, wenig reflektiertem Kommunikationsverhalten...).

Nach Deinen Worten ist natürlich auch ein Akt ein Portrait- einverstanden- dann lass uns diese Kategorie hier und anderswo einstellen- außer natürlich, es gäbe einen Bedarf, so etwas zu unterscheiden.

Mag sein, dass einige da bei Portrait und Glamour auch keinen sehen mögen- und dennoch gibt es da einen gravierenden Unterschied.

Aber sagt vielleicht ja auch einiges über ein bestimmtes Menschen/Frauenbild aus, wenn man bei verflüssigten, retuschierten, aufgehübschten und verjüngten Menschen meint, dass das realistische Abbilder einer Person seien.

Und natürlich macht es auch keinen Unterschied, wenn man eh noch nie ein Portrait (in meinem Sinne) gemacht hat.

Vielleicht würden ja einige besser mit klarkommen, wenn wir das gefakte und nicht gefakte Bilder nennen würden? Oder ist das heutzutage auch schon egal?

vg, Festan

Barış 04.09.2016 16:49

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147521)
Nach Deinen Worten ist natürlich auch ein Akt ein Portrait- einverstanden- dann lass uns diese Kategorie hier und anderswo einstellen- außer natürlich, es gäbe einen Bedarf, so etwas zu unterscheiden.

Mag sein, dass einige da bei Portrait und Glamour auch keinen sehen mögen- und dennoch gibt es da einen gravierenden Unterschied.

Aber sagt vielleicht ja auch einiges über ein bestimmtes Menschen/Frauenbild aus, wenn man bei verflüssigten, retuschierten, aufgehübschten und verjüngten Menschen meint, dass das realistische Abbilder einer Person seien.

Und natürlich macht es auch keinen Unterschied, wenn man eh noch nie ein Portrait (in meinem Sinne) gemacht hat.

Vielleicht würden ja einige besser mit klarkommen, wenn wir das gefakte und nicht gefakte Bilder nennen würden? Oder ist das heutzutage auch schon egal?

Gute Gedankengänge und wichtige Fragen. :top:

Festan 04.09.2016 16:54

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
vielleicht auch ganz interessant in diesem Kontext:

https://www.rawexchange.de/portrait-...it-der-models/

Auszug:

"Ein Bild von einem Menschen ist so lange ein “Portrait“, bis ein Element kommt welches stärker als das Model ist. Dann fällt das Bild in die Kategorie “Beauty“, in dem das Model austauschbar ist."

vg, Festan

HaT 04.09.2016 17:40

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Also nochmal, vermutlich wurden meine Sätze mal wieder nicht wirklich/richtig gelesen:

Zitat:

Zitat von HaT (Beitrag 14146675)
irgendwie bin ich erschüttert darüber, wie manche hier "Portrait" verstanden wissen wollen :confused:. Bisher waren wir in der Fotografie relativ frei. Wollen wir uns in unserem Hobby (oder Beruf) da nun auch noch (selber) derart reglementieren?

Erschüttert bin ich deshalb, da scheinbar jeder seine eigene Vorstellung von einem "Portrait" hat, aber einfach nicht wahrhaben will, dass andere eben eine andere Vorstellung davon haben. Ob ein Bild nun ein Portrait ist oder nicht, liegt doch lediglich an der Definition des jeweiligen Betrachters (nicht mal unbedingt des Fotografen) und nicht an meiner oder einer anderen Auffassung davon.

... und daher bin ich ganz der gleichen Auffasung wie @Rudi_D90

Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147478)
:confused: Ich kann die ganze Diskussion hier nicht nachvollziehen.

... auch, wenn meine Worte drastischer waren. :evil:

Rudi_D90 04.09.2016 17:51

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147521)
interessant- für mich ist es genau umgekehrt und mir scheint, dass gerade Du genau hier diesem aufsitzt:

(und in dieser Frage die eigene Einstellung stillschweigend vorauszusetzen vom üblichen, wenig reflektiertem Kommunikationsverhalten...).

Ich nicht, aber Du möglicherweise, ;)
denn:
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147521)
dass das realistische Abbilder einer Person seien,

habe ich weder gesagt noch impliziert: "jede bildliche Darstellung eines Menschen" enthält keine Aussage über den Realismus einer Darstellung.
Das idealisierte Porträt ist übrigens älter als die Fotografie - Realismus halte ich für kein zielführendes Kriterium.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147521)
Nach Deinen Worten ist natürlich auch ein Akt ein Portrait- einverstanden- dann lass uns diese Kategorie hier und anderswo einstellen- außer natürlich, es gäbe einen Bedarf, so etwas zu unterscheiden.

Natürlich sind viele (die meisten?) Akte im weitesten Sinne auch Porträts, dass hindert uns aber doch nicht daran, sie trotzdem und sinnvollerweise als "Akt" zu bezeichnen (analog für "Beauty", "Glamour" etc. pp.).
Wer den Begriff Porträt enger fassen will - was durchaus sinnvoll sein kann - muss sicherstellen, daß er so verstanden wird.

Man könnte sagen, daß ein Porträt im engeren Sinne nicht die gegenständliche Darstellung des Menschen, sondern die Darstellung seiner Persönlichkeit zum Ziel hat - nur bedient sich das Porträt dazu eben einer gegenständlichen Darstellung, der es nicht unbedingt anzusehen ist, ob der beim Betrachter durch sie vermittelte Eindruck einer Persönlichkeit auch der "wahren" Persönlichkeit (oder auch nur deren im persönlichen Kontakt entstehenden Eindruck) entspricht. Dazu muss man nicht das Schauspieler-Beispiel bemühen, der Eindruck kann auch bei anderen täuschen.
Einfacher festzulegen wäre, ob ein Bild überhaupt irgendeinen Eindruck von Persönlichkeit übermittelt oder nicht - da fallen dann viele Akte, "Beauty"-, "Glamour"- und Modefotos raus, nicht jedoch das Bild des Schauspielers in seiner Rolle. Also kann zwar auch das ein Kriterium sein, aber kein allgemeingültiges.

Festan 04.09.2016 18:00

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von HaT (Beitrag 14147648)
Also nochmal, vermutlich wurden meine Sätze mal wieder nicht wirklich/richtig gelesen:

mal wieder schon gar nicht und hier konkret auch nicht- ist eben mal wieder einfach ne Unterstellung- schade dass man die Ursache lieber bei anderen sucht als bei einem selbst

Zitat:

Erschüttert bin ich deshalb, da scheinbar jeder seine eigene Vorstellung von einem "Portrait" hat, aber einfach nicht wahrhaben will, dass andere eben eine andere Vorstellung davon haben. Ob ein Bild nun ein Portrait ist oder nicht, liegt doch lediglich an der Definition des jeweiligen Betrachters (nicht mal unbedingt des Fotografen) und nicht an meiner oder einer anderen Auffassung davon.
würdest Du das bei einem Akt auch sagen? Reine Interpretation?

Für mich ist der Unterschied zwischen Objekt und Subjekt viel größer als ob eine Person Kleidung trägt oder nicht.

Allgemein ist es ja richtig, was Du schreibst- aber konsequent zu ende gedacht, gilt das für alles. Alles relativ, alles subjektiv, alles eine persönliche Sichtweise.

Mir gehts hier gar nicht um den einen oder anderen Begriff, sondern darum, zwei aus meiner Sicht wichtige Dinge zu unterscheiden. Und das geht eben nur durch zwei unterschiedliche Begriffe- ich denke, das oben angeführte Fake oder nicht Fake wäre wahrscheinlich tatsächlich besser geeignet- wäre dann ja eh universeller.

Und im übrigen: so weit ich weiß, gelingt es in der Presse und auch Naturfotografie sehr wohl, trotz "subjektiver Betrachtungsproblematik" hier klare Grenzen zu ziehen- wüßte nicht, wieso das bei der Menschenfotografie nicht gehen sollte.

vg, Festan

Yoda 04.09.2016 18:03

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147478)
Ich kann die ganze Diskussion hier nicht nachvollziehen.

Ich schon - denn natürlich kann man aus quasi allem Möglichen eine Wissenschaft machen, wenn man unbedingt möchte. ;)
Fraglich ist jedoch (nicht selten), ob das sinnvoll ist. :rolleyes:
Das liegt aber natürlich immer im Auge des Betrachters.
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147478)
Jede bildliche Darstellung eines Menschen ist im weitesten Sinn ein Porträt...

Genau. :top:
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147478)
Ob ein Bild auch im engeren Sinn als Porträt gesehen wird, hängt v.a. davon ab, wie eng man den Begriff fassen will...

Sehe ich auch so. Natürlich gibt es viiiiele Betrachtungsweisen/Blickwinkel, die zu ebenso vielen "Unterkategorien" oder Einordnungen führen können.
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147478)
- in dieser Frage Einigkeit zu erwarten, zeugt von Naivität (und in dieser Frage die eigene Einstellung stillschweigend vorauszusetzen vom üblichen, wenig reflektiertem Kommunikationsverhalten, welches Forendiskussionen regelmäßig in die Länge zieht).

+1

Wie wahr, wie wahr...:)
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147546)
"Ein Bild von einem Menschen ist so lange ein “Portrait“, bis ein Element kommt welches stärker als das Model ist. Dann fällt das Bild in die Kategorie “Beauty“, in dem das Model austauschbar ist."

Dem stimme ich nur bedingt zu, denn:
Auch im letzteren Fall, also wenn aus irgendeinem Grunde etwas Spezielles im Hinblick auf eine mögliche (Unter-)Einordnung 'überwiegt', bleibt es ein Portrait-Foto - aber eben eines, das man in die Unterkategorie (bspw. "Beauty") weiter einordnen kann...

Darf man sich genau so vorstellen, wie x unterschiedliche Pasta-Gerichte (oder ersatzweise eine Million andere Dinge):
Zack -> ein Koch macht ein Pastagericht.
Er macht Spaghetti alla Chitarra.
Die kann man untereinordnen in 'lange Pasta'.
Ein anderer Koch macht Garganelli.
Die kann man untereinordnen in "kurze Pasta".
--> Beide machen Pasta.

Analog zu obigem Beispiel kann der eine Fotograf eine Portrait-Aufnahme eines Menschen machen und der andere eine Portrait-Aufnahme von einem Tier.
--> Beide machen dann ein Portrait-Foto.
Oder Fotograf 1 macht im Zuge seiner journalistischen Arbeit eine Portrait-Aufnahme eines Redners, und Fotograf 2 macht eine Portrait-Aufnahme eines Models im Zuge einer Brillenwerbung.
--> Beide machen dann ein Portrait.

Es sind und bleiben dann beides Portrait-Aufnahmen. Ganz egal, in was für Unterkategorien sie nach weiterem Befinden noch so eingeordnet werden möchten oder können. Darum darf auch der Fotograf mit dem Akt-Portrait mitmachen und ebenso jeder Andere, der Portrait-Aufnahmen anfertigt...

Aber wie schon gesagt:
An einzelnen Begrifflichkeiten und Definitionen und so weiter und so fort kann man sich natürlich hervorragend aufhängen oder aufreiben - ganz besonders in Foren. :D

Festan 04.09.2016 18:14

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147668)
Man könnte sagen, daß ein Porträt im engeren Sinne nicht die gegenständliche Darstellung des Menschen, sondern die Darstellung seiner Persönlichkeit zum Ziel hat - nur bedient sich das Porträt dazu eben einer gegenständlichen Darstellung, der es nicht unbedingt anzusehen ist, ob der beim Betrachter durch sie vermittelte Eindruck einer Persönlichkeit auch der "wahren" Persönlichkeit (oder auch nur deren im persönlichen Kontakt entstehenden Eindruck) entspricht. Dazu muss man nicht das Schauspieler-Beispiel bemühen, der Eindruck kann auch bei anderen täuschen.
Einfacher festzulegen wäre, ob ein Bild überhaupt irgendeinen Eindruck von Persönlichkeit übermittelt oder nicht - da fallen dann viele Akte, "Beauty"-, "Glamour"- und Modefotos raus, nicht jedoch das Bild des Schauspielers in seiner Rolle. Also kann zwar auch das ein Kriterium sein, aber kein allgemeingültiges.

damit kann ich schon wesentlich mehr anfangen als bei Deinem ersten Beitrag- auch wenn ich das hier nicht gänzlich teile.

Der Persönlichkeitsaspekt würde ich ergänzen um das rein äußere. Auch ein Paßbild ist für ich ein Portrait- eines, bei dem gerade die Persönlichkeit versucht wurde draußen zu lassen und das rein Äußerliche gezeigt wird.

Für mich ist ein Portrait ein Bild, das den Menschen selbst zeigt. Irgendein Aspekt, der aber eben wirklich so ist. In dem Moment, wo etwas verheimlicht/idealisiert wird, ist es eben kein Portrait mehr, sondern ein Fake.

Und Du hast recht- idealisierte Portraits gab es schon immer, deshalb nennt man die ja auch nicht Portrait, sondern idealisierte Portraits oder idealsierte Darstellung. Oder heutzutage von mir aus "gephotoshopt".

vg, Festan

Mr-Marks 04.09.2016 18:20

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von f:11 (Beitrag 14147409)
Das Thema ist doch von Festan an eine spannende Ecke gelenkt worden, klarerweise eine Meta-Ecke, wo sich die Frage stellt, ob ein schauspielernder Schauspieler eine andere Qualität als Motiv hat als ein nicht schauspielernder Schauspieler. HaT hat Sorge, dass man sich eventuell in eine Kiste begibt, die schnell zugenagelt und nach Madagaskar verschifft ist, und gpo ist der Meinung, dass es solche und solche gibt.

Klar ist das an des Kaisers Bart gezupft, aber doch streckenweise erhellend, weil manches halt erst im Austausch auffällt und ins Bewusstsein rückt. Und irgendwie geht's doch eigentlich genau darum: bewusster auslösen.

Ob das nun Porträt oder Glamour oder Nude oder Candid shot genannt wird, ist dabei nebensächlich, denn das hier ist ein Forum und das wiederum lebt nur von solchen Betrachtungen (oder Flame-Wars, aber dafür werde ich langsam zu alt :))

Ich bin der Meinung, daß man sich viel zu viel an der Vorstellung festhaftet, daß ein Portrait bedeutungsvoll sein muß - eben eine Geschichte erzählen muß.
Ein Portrait ist zuerst einmal "nur" ein Abbild eines Menschen. Mehr nicht. Unabhängig von der Qualität, zeigt ein Portrait immer etwas vom Portraitierten und Portraitierenden...

Damit ist die Frage des TO EIGENTLICH auch beantwortet.

Jedoch denke ich, daß er (auch) wissen wollte, was ein gutes Portrait ausmacht.

Da wäre _meine_ Antwort: Es muß eine Geschichte erzählen. ;)

Yoda 04.09.2016 18:21

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147706)
Auch ein Paßbild ist für ich ein Portrait

Sehe ich auch so, siehe Threadbeginn.
Zitat:

In dem Moment, wo etwas verheimlicht/idealisiert wird, ist es eben kein Portrait mehr
Das hingegen sehen wir unterschiedlich. Diese 'Untereinordnung' ist imho eine weitergehende Thematik, die fernab der grundsätzlichen - und damit vorgelagerten - Frage, ob etwas ein Portraitbild ist oder nicht, folgt.

Mr-Marks 04.09.2016 18:27

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147402)
das hoffe ich für alle Darsteller von Psychopathen, Mörder und geisteskranken nicht.

Es sagt etwas über die Fähigkeit eines Menschen aus zu Schauspielern- und nichts über seine Persönlichkeit/Charakter.

vg, Festan

Dann machst Du Schauspieler beliebig austauschbar, sobald sie eine bestimmte Qualität erreicht haben. Dann entscheiden nur noch Skills, wie Aussehen oder das Alter über deren Einsatz in Filmen.

ICH habe das anders beobachtet.

Außerdem: Habe ich nicht behauptet, daß ein Schauspieler, der einen Mörder spielt, auch einer gewesen sein muß.

Gegenfrage:
Warum können die Einen bestimmte Rollen besser spielen als andere Rollen? Und bei Anderen ist das wieder anders?

Was ist da der Unterschied?

Festan 04.09.2016 18:28

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Yoda: verstehe was Du meinst und kann da auch mitgehen- allerdings fehlt mir dann eben ein Begriff für solche Bilder, die versuchen, den authentischen Menschen zu zeigen - eben in Abgrenzung zu Fashion etc.

Dazu reicht es eben nicht, es nur nicht dort einzustufen- es könnte ja noch alles mögliche sonst sein- wenn man Unterkategorien bildet dann müssen die auch die Gesamtheit aller Möglichkeiten abdecken - ist wie bei ner Festplatte- da legt man, wenn man sauber arbeitet, auch keine Dateien auf der obersten Ebene ab. Und wenn man einen der Unterordner eben erstmal "Diverses" nennt.

Ein Bild nur Portrait zu nennen (in Deinem Sinne) sagt absolut noch gar nichts darüber aus, ob es Akt, Fashion etc. ist- aber während Du Akt weiter spezifizieren kannst, kann man das mit Portrait (in meinem Sinne) nicht.

Wie teile ich es denn bitte meinem Betrachter mit, dass das jetzt ein authentisches Bild ist - ich meine, ohne so viele Worte zu machen?

Und ja: das ist wichtig für mich- sehr wichtig sogar. So wichtig, dass ich einen erheblichen Unterschied schon bei der Lichtsetzung bis zur Bildbearbeitung mache (ganz in dem Sinne wie oben bei RawExchange genannt). Übrigens: zu dieser Unterscheidung wurden auch schon ganze Bücher geschrieben- und hier machen einige immer noch so, als ob es da gar keinen Unterschied gäbe (nein, ich meine nicht Dich)- auch das wird gefördet durch eine fehlende (in meinen Augen eher unsaubere) Begrifflichkeit.

vg, Festan

Festan 04.09.2016 18:32

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Mr-Marks (Beitrag 14147730)
Gegenfrage:
Warum können die Einen bestimmte Rollen besser spielen als andere Rollen? Und bei Anderen ist das wieder anders?

Was ist da der Unterschied?

das hast Du am Anfang vollkommen richtig aus meiner Aussage interpretiert (freut mich, dass man mich auch richtig verstehen kann :)):

Zitat:

Dann entscheiden nur noch Skills, wie Aussehen oder das Alter über deren Einsatz in Filmen.
Denk' doch mal an die wirklich guten, "großen" Schauspieler- die können eben alles spielen, während andere nur in einem/zwei Genre brillieren (oder sogar nur bei einer einzigen "Figur" in einem Film/Serie).

vg, Festan

Rudi_D90 04.09.2016 18:39

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147706)
damit kann ich schon wesentlich mehr anfangen als bei Deinem ersten Beitrag- auch wenn ich das hier nicht gänzlich teile.

:confused:
Die weiteren Ausführungen ändern weder etwas am ersten Beitrag noch beinhalten sie eine (meine) Definition des Porträts im engeren Sinne.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147706)
Der Persönlichkeitsaspekt würde ich ergänzen um das rein äußere. Auch ein Paßbild ist für ich ein Portrait- eines, bei dem gerade die Persönlichkeit versucht wurde draußen zu lassen und das rein Äußerliche gezeigt wird.

Kein Porträt zeigt etwas anderes als äußerliches (EEG oder Röntgenaufnahmen wird man kaum als Porträt bezeichnen), alles weitere ist Interpretation:
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147706)
Für mich ist ein Portrait ein Bild, das den Menschen selbst zeigt. Irgendein Aspekt, der aber eben wirklich so ist.

Wie willst Du dem Bild ansehen, ob dieser Aspekt "echt" ist? Ist es mit dem Porträt etwa wie mit dem berühmten Zitat zur Pornographie? "Ich erkenne es, wenn ich es sehe..."

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147706)
Und Du hast recht- idealisierte Portraits gab es schon immer, deshalb nennt man die ja auch nicht Portrait, sondern idealisierte Portraits oder idealsierte Darstellung.

Du möchtest die Begriffe "Porträt" und "idealisiertes Porträt" als Gegensatzpaar verstanden wissen? Wenn Du einen Porträtbegriff meinst, der das idealisierte ausschließt, musst Du ihn schon entsprechend spezifizieren - allgemein betrachtet ist das idealisierte Porträt einfach nur eine spezielle Art von Porträt.

HaT 04.09.2016 18:45

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147680)
mal wieder schon gar nicht und hier konkret auch nicht- ist eben mal wieder einfach ne Unterstellung- schade dass man die Ursache lieber bei anderen sucht als bei einem selbst

ach, Du hast hier und auch anderswo die Diskussionen mitverfolgt an denen ich beteiligt war? Lass' doch einfach mal etwas Aggression fallen, wir können doch durchaus miteinander diskutieren, auch wenn sich unser Stil und Auffassung offensichtlich stark unterscheiden ;)


Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147680)
würdest Du das bei einem Akt auch sagen? Reine Interpretation?

Für mich ist der Unterschied zwischen Objekt und Subjekt viel größer als ob eine Person Kleidung trägt oder nicht.

Allgemein ist es ja richtig, was Du schreibst- aber konsequent zu ende gedacht, gilt das für alles. Alles relativ, alles subjektiv, alles eine persönliche Sichtweise.

Richtig. Ist es nicht auch entscheidend, welchen Hintergrund (Status, Herkunft, Ausbildung, Ethnie ... usw) und welches Alter der jeweilige Betrachter hat?

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147680)
Mir gehts hier gar nicht um den einen oder anderen Begriff, sondern darum, zwei aus meiner Sicht wichtige Dinge zu unterscheiden. Und das geht eben nur durch zwei unterschiedliche Begriffe- ich denke, das oben angeführte Fake oder nicht Fake wäre wahrscheinlich tatsächlich besser geeignet- wäre dann ja eh universeller.

Und im übrigen: so weit ich weiß, gelingt es in der Presse und auch Naturfotografie sehr wohl, trotz "subjektiver Betrachtungsproblematik" hier klare Grenzen zu ziehen- wüßte nicht, wieso das bei der Menschenfotografie nicht gehen sollte.

vg, Festan

Ich bin nun mal gegen zu starke Reglementierung. Und wenn das nun auch noch mein Hobby beträfe, wäre ich wohl nicht der Einzige, der da alsbald ausstiege; und sei es nur in Foren, wie diesem. ;)

Bzgl. des besagten Bildes: Ob das nun als Akt/Erotik oder Portait eingestuft wird, liegt doch ausschließlich in der Sicht des Betrachters. Ich konnte dort zwar die Aufregung nicht nachvollziehen, aber verstehen konnte ich die unterschiedlichen Standpunkte und zwar vollkommen unabhängig davon, ob ich die teilte oder nicht.

Festan 04.09.2016 18:52

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147756)
Kein Porträt zeigt etwas anderes als äußerliches (EEG oder Röntgenaufnahmen wird man kaum als Porträt bezeichnen), alles weitere ist Interpretation:

alles ist Interpretation- so kommt man nicht wirklich weiter

Zitat:

Wie willst Du dem Bild ansehen, ob dieser Aspekt "echt" ist? Ist es mit dem Porträt etwa wie mit dem berühmten Zitat zur Pornographie? "Ich erkenne es, wenn ich es sehe..."
ne, so ist das nicht gemeint. Natürlich kann man das als dritter nicht sehen. Du kannst ja auch nicht wissen, ob es wahr ist, wenn ich sage, dass ich eben einen Kuchen gegessen habe. Das ändert ja aber nichts daran, dass die Aussage wahr oder falsch ist.

Wenn ich bei einem Modell die Augen umfärbe, kannst Du auch nicht sehen, ob das wahr oder falsch ist- und trotzdem wäre es unecht, es zu tun. Spätestens wenn Du sie mal siehst, wirste das dann schon wissen.

Übrigens gibt es aus diesen Gründen oftmals "Polas" von Modellen.

Zitat:

Du möchtest die Begriffe "Porträt" und "idealisiertes Porträt" als Gegensatzpaar verstanden wissen? Wenn Du einen Porträtbegriff meinst, der das idealisierte ausschließt, musst Du ihn schon entsprechend spezifizieren - allgemein betrachtet ist das idealisierte Porträt einfach nur eine spezielle Art von Porträt.
ne, sehe ich nicht so- das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Gemeinsam ist da nur, dass beide jeweils einen Menschen zeigen. Die Aussage der Bilder unterscheiden sich direkt proportional in dem Maß zueinander, wie sie verändert wurden.

Ist auch nichts anderes, als wenn in einem Hotel-Prospekt die vierspurige Autobahn vor dem Fenster wegretuschiert wurde.

Macht das etwa keinen großen Unterschied?

vg, Festan

Rudi_D90 04.09.2016 18:58

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
Wie teile ich es denn bitte meinem Betrachter mit, dass das jetzt ein authentisches Bild ist - ich meine, ohne so viele Worte zu machen?

Und ja: das ist wichtig für mich- sehr wichtig sogar. So wichtig, dass ich einen erheblichen Unterschied schon bei der Lichtsetzung bis zur Bildbearbeitung mache (ganz in dem Sinne wie oben bei RawExchange genannt). Übrigens: zu dieser Unterscheidung wurden auch schon ganze Bücher geschrieben- und hier machen einige immer noch so, als ob es da gar keinen Unterschied gäbe (nein, ich meine nicht Dich)

Solltest Du mich meinen, dann hast Du mich missverstanden. Schon aus der Wendung "im weitesten Sinne" geht hervor, dass es sehr viele Unterschiede gibt...

In einem Buch ist genug Kontext zum Begriffsverständnis vorhanden, in vielen anderen Situationen auch.

Festan 04.09.2016 18:59

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von HaT (Beitrag 14147767)
ach, Du hast hier und auch anderswo die Diskussionen mitverfolgt an denen ich beteiligt war?

Du hattest Bezug auf meinen Beitrag genommen- entsprechend habe ich das auf mich bezogen- Aussagen über andere kann ich natürlich nicht beurteilen.

Zitat:

Richtig. Ist es nicht auch entscheidend, welchen Hintergrund (Status, Herkunft, Ausbildung, Ethnie ... usw) und welches Alter der jeweilige Betrachter hat?
doch, klar. Adressiert IMHO aber ein anderes Problem.

Zitat:

Ich bin nun mal gegen zu starke Reglementierung.
ja, ich auch- weiss aber nicht, wo Du hier eine Reglementierung siehst?

Hat ja niemand gesagt, dass man die eine oder andere Art der Fotografie nicht betreiben dürfte.

vg, Festan

Rudi_D90 04.09.2016 19:13

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147756)
Du möchtest die Begriffe "Porträt" und "idealisiertes Porträt" als Gegensatzpaar verstanden wissen? Wenn Du einen Porträtbegriff meinst, der das idealisierte ausschließt, musst Du ihn schon entsprechend spezifizieren - allgemein betrachtet ist das idealisierte Porträt einfach nur eine spezielle Art von Porträt.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147787)
ne, sehe ich nicht so- das sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Es ist natürlich Dein gutes Recht, daß so zu sehen. Je nach Kontext und Situation wird Dein Gegenüber es anders sehen: denk nur an den Kunden bzw. die Kundin im Fotostudio, die beim Auftrag "Porträt" vielleicht doch eine "vorteilhafte" Darstellung erwartet - zwei "ganz verschiedene" Dinge sind das also nicht.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147787)
Gemeinsam ist da nur, dass beide jeweils einen Menschen zeigen.

Das ist und bleibt der kleinste gemeinsame Nenner aller Porträtbegriffe.

Barış 04.09.2016 19:20

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
@ Festan, vielleicht passen wir uns einfach an den Mainstream an und ziehen unseren Nutzen daraus.

Dann haben wir wohl eine "neue" Nische für uns entdeckt. Authentic Portrait? Das wird ein Kassenschlager. :-D

Silberkorn 04.09.2016 19:22

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Frei nach Kaiser Franz:

Gehts raus, machts Bilder!

Gast_129296 04.09.2016 19:26

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Silberkorn (Beitrag 14147840)
Frei nach Kaiser Franz:

Gehts raus, machts Bilder!

Dann lass den Worten Taten folgen ;-)

Yoda 04.09.2016 19:29

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
Yoda: verstehe was Du meinst und kann da auch mitgehen- allerdings fehlt mir dann eben ein Begriff für solche Bilder, die versuchen, den authentischen Menschen zu zeigen - eben in Abgrenzung zu Fashion etc.

Die Einordnung(-smöglichkeit) fehlt ja nicht:
Sie ist lediglich nachgelagert bzw. eine untergeordnete (Bei-)Bewertung, die erfolgt, nachdem 'die Portrait-Aufnahme als solche' erfolgt ist. Allein durch die Motivgestaltung selbst ergibt sich die Portrait-Aufnahme bereits, und die "Art" der Aufnahme ist dem - für mich - untergeordnet.

Nehmen wir es mal als Beispiel einer Datenbank:
In LR klassifiziert der Eine vielleicht Portraits zunächst so pauschal wie ich.
Dann bekommt jedes Portrait-Bild eben das Stichwort "Portrait".
Das eines Menschen, der im Bild eben portraitmäßig dargestellt ist - sei es im Bereich Kopfbild, Schulterstück, Bruststück, Halbfigur, Hüftbild, Kniestück, Ganzfigur, ganz egal...
Das Bild eines fein hergerichteten Schauspielers/Models in einer Rolle aber bekommt das Hauptstichwort "Portrait" aber genau so auch.
Das Bild eines Tieres kann ggfs. auch das Stichwort "Portrait" bekommen.
Weiterführend bekommen alle drei aber drei grundverschiedene Unterkategorien:
Das eine ist vielleicht mit dem Tag 'authentisch' versehen, das andere mit 'Fashionportrait/Fashion', das dritte mit 'Tierportrait/Tiere'.
Nach meiner Definition sind aber alle drei auf jeden Fall Portraits.

Die Frage, ob das eine Bild nun den jeweiligen Menschen authentisch wiederspiegelt oder ob es eine manipulierte Darstellung im Zuge eines Fahion-Shoots ist, beantwortet - für mich - nicht die Frage, ob etwas überhaupt eine Portrait-Aufnahme ist oder nicht. Allgemein betrachtet sind eben alles das "Portrait-Aufnahmen". Sie teilen sich aber beileibe natürlich nicht dieselbe Unterkategorie, sondern es sind ggfs. grundverschiedene Arten von Portrait-Aufnahmen.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
...wenn man Unterkategorien bildet dann müssen die auch die Gesamtheit aller Möglichkeiten abdecken

Dem ist ja auch so. Als Krücke bleibt natürlich dann "diverses".
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
- ist wie bei ner Festplatte- da legt man, wenn man sauber arbeitet, auch keine Dateien auf der obersten Ebene ab. Und wenn man einen der Unterordner eben erstmal "Diverses" nennt.

Diverses steht dann lediglich für "nicht festgelegt" oder "Verschiedenes" oder "Mix" oder oder oder - aber es ist keine tatsächliche "Kategorie".
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
Ein Bild nur Portrait zu nennen (in Deinem Sinne) sagt absolut noch gar nichts darüber aus, ob es Akt, Fashion etc. ist

Natürlich nicht. :)
Die Begrifflichkeit "Pastagericht" sagt auch null Komma gar nichts über die Fragen "Sind es lange oder kurze Nudeln?" und "Sind es gelbe, grüne oder braune Nudeln?" aus. ;)
Ist es aber ein gemixtes Gericht aus langen und kurzen, gelben und grünen Nudeln, dann bekommt es die Zusatzbewertung "diverses".
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
- aber während Du Akt weiter spezifizieren kannst, kann man das mit Portrait (in meinem Sinne) nicht.

Da sind die Definitionen dann einfach verschieden. Ich finde, dass man Portrait-Aufnahmen sehr wohl in verschiedene Unterkategorien einordnen kann.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
Wie teile ich es denn bitte meinem Betrachter mit, dass das jetzt ein authentisches Bild ist - ich meine, ohne so viele Worte zu machen?

Das ist kaum möglich, denn wie definiert sich (zum Kommunizieren in Richtung des Betrachters) denn "authentisch" dahingehend, dass man es in kurzer/einfacher Form zum Betrachter kommunizieren kann?
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
So wichtig, dass ich einen erheblichen Unterschied schon bei der Lichtsetzung bis zur Bildbearbeitung mache

All das spielt aber (auch) schon in den Bereich der Manipulation hinein, wodurch es mit dem authentisch sein oder wiedergeben schwierig wird...
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147731)
Übrigens: zu dieser Unterscheidung wurden auch schon ganze Bücher geschrieben...

Klar, ist ja auch logisch. :)

Ich finde weniger die Begrifflichkeit der "Portait-Aufnahme" als solche unsauber, sondern ich sehe eine Schwierigkeit dabei, das "Nicht-Fake-Portrait" klar zu definieren geschweige denn dies einfach zu kommunizieren.

Festan 04.09.2016 19:35

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147822)
Je nach Kontext und Situation wird Dein Gegenüber es anders sehen: denk nur an den Kunden bzw. die Kundin im Fotostudio, die beim Auftrag "Porträt" vielleicht doch eine "vorteilhafte" Darstellung erwartet - zwei "ganz verschiedene" Dinge sind das also nicht.

ich mach ja sowieso keine Portraits in diesem meinen Sinne- ich fake meine Bilder bis sie mir gefallen. Mit dem Menschen vor der Kamera hat das dann eben oftmals gar nichts mehr zu tun.

Für mich war es immer eine Anmaßung, die dann noch Portrait zu nennen.

Aber gut- wie Barış eben schon schrieb: zieh' ich eben meinen Nutzen draus ;)

vg, Festan

P.S.: interessant wäre dann noch zu wissen, ob und wo ihr dann eine Grenze zum Composing zieht (natürlich nur, wenn eine Person darauf abgebildet ist)

Yoda 04.09.2016 19:38

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147862)
interessant wäre dann noch zu wissen, ob und wo ihr dann eine Grenze zum Composing zieht (natürlich nur, wenn eine Person darauf abgebildet ist)

Composing bedeutet, dass aus mehreren Fotos oder Teilen der Fotos ein neues Bild am Computer erzeugt wird. Durch eben das Zusammenfügen einzelner Bestandteile folgt als Ergebnis das Composing. Das geht auch im Bereich der Menschenfotografie, und dementsprechend auch im Bereich "Portraits". Logischer Weise gibt es unter der Hauptkategorie "Portraits" also natürlich auch die Untergruppe "Composings".

Festan 04.09.2016 19:45

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14147849)
Das eine ist vielleicht mit dem Tag 'authentisch' versehen

yep- und dafür fehlt mir eben ein allgemeiner Begriff (wie Fashion)- kann man natürlich tatsächlich auch "authentisch" nennen (ist ja wie mein beispielhaft genanntes "nicht fake")

Mir gehts ja auch viel weniger um eine konkrete Namenskonvention als vielmehr, das generell zu unterscheiden. Und das eben auch begrifflich fassen zu können.

In vielen Büchern und auch Lehrgängen wurde das eben durch Portrait vs. Glamour (etc.) getan- auch bei vielen anderen Gelegenheiten ist mir das immer wieder so untergekommen und ich werde das auch weiterhin so handhaben- aber in Zukunft eben in Hinblick darauf achten, dass das andere Fotografen eben anders handhaben.

In Berlin musste ich ja auch lernen, dass die es nicht so gerne hören, dass ich liebend gerne Berliner esse :D

vg, Festan

Festan 04.09.2016 19:56

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 2)
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14147867)
Composing bedeutet, dass aus mehreren Fotos oder Teilen der Fotos ein neues Bild am Computer erzeugt wird. Durch eben das Zusammenfügen einzelner Bestandteile folgt als Ergebnis das Composing. Das geht auch im Bereich der Menschenfotografie, und dementsprechend auch im Bereich "Portraits". Logischer Weise gibt es unter der Hauptkategorie "Portraits" also natürlich auch die Untergruppe "Composings".

Mmh, dann verstehe ich aber nicht, wieso die dieses Bild nicht beim Portrait Wettbewerb angenommen haben...:cool:

https://www.dslr-forum.de/attachment....1&d=1473011563

gleichzeitig ist das dann ein Composing:

https://www.dslr-forum.de/attachment....1&d=1473011723

alles sehr merkwürdig. Mir gefallen meine Definitionen besser- aber das liegt wohl in der Natur der Sache :)

vg, Festan

Rudi_D90 04.09.2016 20:23

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147862)
ich mach ja sowieso keine Portraits in diesem meinen Sinne- ich fake meine Bilder bis sie mir gefallen. Mit dem Menschen vor der Kamera hat das dann eben oftmals gar nichts mehr zu tun.

Da wird die Fragestellung doch erst interessant: was ist es denn, wenn das Bild so "verfälscht" wird, dass es mit dem tatsächlichen Aussehen der dargestellten Person nicht mehr viel gemeinsam hat, dadurch aber der Charakter dieser Person besonders deutlich gemacht wird? In gewisser Weise wäre auch das authentisch, und natürlich wäre das ein Porträt.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147885)
In vielen Büchern und auch Lehrgängen wurde das eben durch Portrait vs. Glamour (etc.) getan- auch bei vielen anderen Gelegenheiten ist mir das immer wieder so untergekommen

Da wird es doch allein schon durch die konkrete Nennung zweier gegensätzlich verwendeter Begriffe klar und spätestens aus dem weiteren Kontext. Wenn jemand z.B. sagt: "Wir sehen hier eine Fashionaufnahme und dort ein Porträt", dann ist klar, dass er zwei unterschiedliche Dinge meint. Sagt aber jemand einfach nur zusammenhanglos: "ich möchte ein Porträt", dann sollte man sich vergewissern, was darunter zu verstehen ist.

PS: die Grenze zwischen "Porträt" und "Composing" verläuft ungefähr da, wo auch die Grenze zwischen "Auto" und "rot lackierter Gegenstand" verläuft.

Mr-Marks 04.09.2016 20:25

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147737)
Denk' doch mal an die wirklich guten, "großen" Schauspieler- die können eben alles spielen, während andere nur in einem/zwei Genre brillieren (oder sogar nur bei einer einzigen "Figur" in einem Film/Serie).

vg, Festan

Jaaaa

Du weichst trotzdem meiner Frage aus.

Die Frage war, warum können manche Schauspieler nicht alles spielen?

Yoda 04.09.2016 20:36

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147918)
Mmh, dann verstehe ich aber nicht, wieso die dieses Bild nicht beim Portrait Wettbewerb angenommen haben...:cool:

Das kann nur durch Abgleich mit den jeweiligen Wettbewerbsregeln beantwortet werden. :)
Hier im Fiorum fällt es ggfs. unter:
Zitat:

Bildbearbeitungen die nicht erlaubt sind:
(es erfolgt keine Unterscheidung, ob die Bildbearbeitung am Computer oder noch in der Kamera erfolgt)

- Montagen aller Art (inkl. Titel und Texte),
;)
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147885)
Mir gehts ja auch viel weniger um eine konkrete Namenskonvention als vielmehr, das generell zu unterscheiden. Und das eben auch begrifflich fassen zu können.

Ich verstehe, was Du meinst. Das ist natürlich halt eben arg schwierig mit der Begriffsdefinition bzw. Begriffsfindung.

Es ist aber imho etwas Anderes, dass "authentische Portrait" begrifflich abzugrenzen oder - wie es manch einer handhabt - herzugehen, und zu sagen, dass quasi "nur" diese eine Sorte (=authentische Portraits) "Portrait-Aufnahmen" sind und alles Andere nicht.

Darum habe ich mich da mit meiner Meinung/Bewertung zur Frage, was Portraits sind und was nicht, hier so ausführlich eingeschaltet und versucht, meine Sicht auf die Dinge klar zu machen. Dass Andere das anders einordnen oder sehen, ist klar (und durchaus auch verständlich). Jeder so, wie er will. "Ein" richtig oder falsch gibt es da einfach nicht.

Dass man darüber hinausgehend sich enoooooorm über diese ganzen Themen auslassen und das quasi tot diskutieren oder hunderte Bücher darüber verfassen kann, zeigt die Komplexität, die gegeben ist, sobald man einerseits immer und immer und immer tiefer und tiefer in die Thematik und ihre (Unter-/Neben-)Kategorien hineinblickt und andererseits am liebsten gleichzeitig lediglich eine "Hauptdefinition" herleiten oder formulieren möchte...das funktioniert verständlicherweise kaum bzw. beißt sich mit anderen Definitionen/Bewertungen, denn wenn etwas andernorts in einer Unterkategorie einsortiert ist, bekommt man es sicher nicht allgemeingültig als eine "klare" Hauptkategorie begrifflich oder von der Difinition er gefasst.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14147885)
In vielen Büchern und auch Lehrgängen wurde das eben durch Portrait vs. Glamour (etc.) getan

Das kann man natürlich so machen. Aber sauber ist das imho als Abgrenzung keineswegs, wohl aber (im Kontext) verständlich, weshalb sich das in der Literatur und allgemein verständlicher Weise anbietet. :)
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147966)
Da wird es doch allein schon durch die konkrete Nennung zweier gegensätzlich verwendeter Begriffe klar und spätestens aus dem weiteren Kontext.
...
PS: die Grenze zwischen "Porträt" und "Composing" verläuft ungefähr da, wo auch die Grenze zwischen "Auto" und "rot lackierter Gegenstand" verläuft.

:top:

Festan 04.09.2016 21:01

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Mr-Marks (Beitrag 14147970)
Jaaaa

Du weichst trotzdem meiner Frage aus.

Die Frage war, warum können manche Schauspieler nicht alles spielen?

Sorry, das wollte ich nicht. Dachte, das wäre damit beantwortet gewesen.

Weil sie nicht gut genug sind. Eigentlich offensichtlich. Ich hoffe, Du verlängere keine Erklärung auf biologisch/neuronaler Ebene. Ich verstehe auch nicht, wieso ich nicht so klug bin wie Einstein oder wenigstens so begabt wie *beliebiger Künstler einsetzen*.

vg, Festan

Festan 04.09.2016 21:07

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147966)

PS: die Grenze zwischen "Porträt" und "Composing" verläuft ungefähr da, wo auch die Grenze zwischen "Auto" und "rot lackierter Gegenstand" verläuft.

das versteh ich jetzt echt nicht- auch nicht, dass Xoda hier dem zustimmt. Weiter oben ist der Unterschied weit weniger dramatisch dargestellt worden

Und ehrlich gesagt: für mich macht der Unterschied zwischen Portrait und Fashion bereits so einen Unterschied aus und einige andere hier machen da aus einem Elefanten eine Maus.

Ob ich eine Nase, Ohr und Mund auswechseln macht keinen so grossen Unterschied zu zwei Klridergrößen weniger und 20 Jahre jünger retuschieren.
Beides schafft eine Phantasiegestalt.

vg, Festan

Rudi_D90 04.09.2016 21:25

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14147966)
PS: die Grenze zwischen "Porträt" und "Composing" verläuft ungefähr da, wo auch die Grenze zwischen "Auto" und "rot lackierter Gegenstand" verläuft.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148060)
das versteh ich jetzt echt nicht-

Offensichtlich. Denk nochmal mal kurz darüber nach...
Fünf Fragen führen zur Erkenntnis:
Kann ein Auto ein rot lackierter Gegenstand sein? Ja.
Kann ein rot lackierter Gegenstand ein Auto sein? Ja.
Ist jedes Auto ein rot lackierter Gegenstand? Nein.
Ist jeder rot lackierte Gegenstand ein Auto? Nein.
Gibt es auf die Frage nach dem Unterschied zwischen einem Auto und einem rot lackierten Gegenstand eine sinnvolle und allgemeingültige Antwort?

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148060)
Weiter oben ist der Unterschied weit weniger dramatisch dargestellt worden

Welcher Unterschied? Ersetze "Auto" und "rot lackierter Gegenstand" durch "Porträt" bzw. "Composing" und stelle nochmal diese fünf Fragen.

PS: wenn Du diese Fragen mit "Porträt im weitesten Sinn" und "authentisches Porträt im festanschen Sinn" formulierst, solltest Du auf andere Antworten kommen.

Yoda 04.09.2016 21:43

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14148104)
Welcher Unterschied? Ersetze "Auto" und "rot lackierter Gegenstand" durch "Porträt" bzw. "Composing" und stelle nochmal diese fünf Fragen.

:top:
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148060)
das versteh ich jetzt echt nicht- auch nicht, dass Yoda hier dem zustimmt.

Es verdeutlicht sehr gut, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt, nicht nur entweder oder oder:
Ein Auto kann ein roter Gegenstand sein.
Ein roter Gegenstand kann ein Auto sein.
Es grenzt einander aber weder ab noch schließt es einander aus.
Und genau so:
Ein Portrait kann ein authentisches Portrait sein, muss es aber nicht.
Ein Portrait kann auch ein Fashion-Bild sein.
Auch kann eine Portrait-Aufnahme ein Akt-Portrait sein.
Auch kann ein Composing ein Portrait zeigen.
Und und und...

Ein Fashion-Bild kann also ein Portrait-Aufnahme sein.
Eine Portrait-Aufnahme muss deswegen aber noch lange kein Fashion-Bild sein.

Aus einzelnen "konkreteren" Untergruppen lassen sich eben einfach keine Hauptkategorien "Entweder ist es das oder es ist das..." generieren, sondern die speziellere Untergruppe ist und bleibt eine Spezifizierung, so auch die Gruppe der "authentischen Portrait-Aufnahmen".

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, u.v.m., bspw. aus den technischen Bereichen Hüftbild, Kniestück, Ganzfigur usw...
Alle diese Bilder sind aus allgemeiner (also übergeordneter) fotografischer Sicht Portrait-Aufnahmen, aber sie gehren in verschiedene Unterkategorien.
In wiefern sich das ferner - also über die Einstufung in die allgemeine Hauptkategorie "Portraits" hinaus - mit einer "künstlerischen Betrachtung" und der "Definition" eines "authentischen Portraits" deckt - das ist eine ganz und gar andere Frage, und die Antwort ergibt sich dann aus der jeweiligen Verschiedenheit der Sorten von Portraits - authentische Portraits sind da eben nur eine Sorte unter vielen...:)

Barış 04.09.2016 21:56

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Dieses Auto und rot lackierter Gegenstand Ding ist schon sehr witzig...

Demnach ist ein 2 Sitzer-Sportcabrio und ein Kombi auch gleich?

Yoda und Rudi90 machen aus Portrait das was der Überbegriff "Mensch" ist.

Das geht mmn. nicht auf.

"Mensch"
-Portrait
-Beauty
-Fantasy
-Akt
-Teilakt
-etc. pp. usw. dies das.

Barış 04.09.2016 22:13

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14148143)
...den technischen Bereichen Hüftbild, Kniestück, Ganzfigur usw...

Die Betrachtung des Körpers benötigt keiner Unterordnung, es ist einfach eine weitere oder engere Aufnahme.

Das hat erst mal mit dem Begriff "Portrait" wenig zu tun.

Außerdem schlage ich vor, lassen wir diese altertümlichen Bezeichnungen wie Hüftbild und Kniestück bitte der Vergangenheit angehören? Ist ja grausam...:ugly:

Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14148143)
Alle diese Bilder sind aus allgemeiner (also übergeordneter) fotografischer Sicht Portrait-Aufnahmen, aber sie gehren in verschiedene Unterkategorien.
In wiefern sich das ferner - also über die Einstufung in die allgemeine Hauptkategorie "Portraits" hinaus - mit einer "künstlerischen Betrachtung" und der "Definition" eines "authentischen Portraits" deckt - das ist eine ganz und gar andere Frage, und die Antwort ergibt sich dann aus der jeweiligen Verschiedenheit der Sorten von Portraits - authentische Portraits sind da eben nur eine Sorte unter vielen...:)

Portraits zeigen Aspekte eines Menschen. Sicher kannst du einen Menschen wie er liebt und lebt nicht einfach fotografieren, dennoch zeigt ein Portrait an erster Stelle den Menschen um den es geht.

Demnach ist das Zitat von Festan aus #40:

"Ein Bild von einem Menschen ist so lange ein “Portrait“, bis ein Element kommt welches stärker als das Model ist. Dann fällt das Bild in die Kategorie “Beauty“, in dem das Model austauschbar ist."

absolut zutreffend. Nur das du "Beauty" durch alle anderen Unterkategorien von "Mensch" aus meinem Vorpost austauschen kannst.

Yoda 04.09.2016 22:15

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14148167)
Dieses Auto und rot lackierter Gegenstand Ding ist schon sehr witzig...

Witzig? Nee. Aber sehr veranschaulichend, wo das Problem liegt, wenn man auf Teufel komm raus etwas Übergreifendes zum Definieren/Abgrenzen verwenden möchte. ;)
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14148167)
Demnach ist ein Cabrio und ein Kombi auch gleich?

Nein. Aber beides sind Autos.
Das Cabrio und der Kombi.
Und allesamt sind dies aber Unterkategorien.
So, wie Autos eine Unterkategorie von Fahrzeugen ist.
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14148167)
Yoda und Rudi90 machen aus Portrait das was der Überbegriff "Mensch" ist.

Nein. Ein Bodypart ist ja auch noch lange kein Portrait, zeigt aber einen Menschen. :p

Auch im Bereich Menschen gibt es Unterkategorien, und Portraits ist eine Sorte von Bildern, die in mehreren Unterkategorien vorkommt. Natürlich unterscheidet man die Portraitsorten voneinander, aber "Portraits" ist keine "Hauptkategorie", zu der ein Bild entweder zählt oder nicht. Es gibt eben z.B. authentische Portraits und Fashion-Portraits und Akt-Portraits...

Es ist ein Irrweg, alles irgendwie kategorisch gegeneinander ausschließen zu wollen und "die eine" Definition von Portraits in Form einer Hauptkategorie festlegen zu wollen.
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14148167)
Das geht mmn. nicht auf.

"Mensch"
-Portrait
-Beauty
-Fantasy
-Akt
-Teilakt
-etc. pp. usw. dies das.

Siehe oben:
Eine "strikte" Trennung in der Form "Das Eine schließt das Andere aus." geht nicht auf.
Im Bereich Akt gibt es Portrait-Bilder.
Im Bereich Teil-Akt gibt es welche.
Auch im Bereich Beauty gibt es Portrait-Aufnahmen.
Ebenso im Bereich Fantasy.
Für manchen gibt es auch Tierportraits.
Übrigens gibt es auch welche im Bereich der Landschaftsfotografie (im weiteren Sinne).
Es ist nicht zielführend, zu "definieren", dass es "entweder" eine Portrait-Aufnahme ist oder eine Akt-Aufnahme. :)
Ob Ellen Page hier ein Kleid trägt, oder ob sie nur einen BH tragen würde, oder ob sie gar nichts tragen würde - es ist in allen drei Fällen eine Portrait-Aufnahme. Nur wären diese drei Portrait-Aufnahmen dann drei Portraits aus verschiedenen thematischen Kategorien.
Zitat:

Zitat von Barış (Beitrag 14148194)
Portraits zeigen Aspekte eines Menschen. Sicher kannst du einen Menschen wie er liebt und lebt nicht einfach fotografieren, dennoch zeigt ein Portrait an erster Stelle den Menschen um den es geht.

Das sehe ich eben anders. :)
In aller erster Linie zeigt ein Portrait einen Menschen und in der Regel dessen Gesicht plus ggfs. mehr.
Nicht mehr und nicht weniger.
(Wir lassen "Tierportraits" und "Landschaftsportraits" an dieser Stelle mal raus...)
In wiefern es sich dann um ein authentisches Portrait handelt oder worum sonst, das ist eine andere Frage und losgelöst davon bzw. nachgelagert.
Aber das sagte ich ja schon...
Das hängt schlichtweg auch mit der Funktion/Gebrauchsweise der Aufnahme zusammen.
Da liegt man dann aber im künstlerischen Bereich/Fokus und nicht im technischen.
Da können und werden die Meinungen natürlich verschieden sein.

Festan 05.09.2016 01:45

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14148200)
Witzig? Nee. Aber sehr veranschaulichend, wo das Problem liegt, wenn man auf Teufel komm raus etwas Übergreifendes zum Definieren/Abgrenzen verwenden möchte. ;)

ne, eher, wenn man das nicht tut ;)

Zitat:

Nein. Ein Bodypart ist ja auch noch lange kein Portrait, zeigt aber einen Menschen. :p
na, aber Deiner Definition nach schon (ein Abbild eines Menschen)

Zitat:

Auch im Bereich Menschen gibt es Unterkategorien, und Portraits ist eine Sorte von Bildern, die in mehreren Unterkategorien vorkommt. Natürlich unterscheidet man die Portraitsorten voneinander, aber "Portraits" ist keine "Hauptkategorie", zu der ein Bild entweder zählt oder nicht. Es gibt eben z.B. authentische Portraits und Fashion-Portraits und Akt-Portraits...
Fashion-Portrait ist eine Kontradiktion.
Davon abgesehen wäre es absolut kein Problem Menschenfotografie als Oberbegriff zu stellen, Portrait (im Sinne von authentischem) als Unterbegriff zu nehmen, Akt daneben zu stellen und darunter das Akt-Portrait zu platzieren. Jeder Mensch, den ich kenne, interpretiert bei Portrait Angezogenheit. So sind auch in allen mir bekannten Modell Karteien die Aufnahmebereiche gegliedert, während die von Dir genannte Variation dort nirgendwo auftaucht. Das bedeutet natürlich nicht, dass man es so nicht auch machen kann, aber es zeigt, dass es eben nicht nur anders geht, sondern Größtenteil auch so gemacht wird.

Zitat:

Es ist ein Irrweg, alles irgendwie kategorisch gegeneinander ausschließen zu wollen und "die eine" Definition von Portraits in Form einer Hauptkategorie festlegen zu wollen.
ne, es ist ein Irrweg, das nicht zu tun.

Sorry, aber ich meine, wir hätten weiter oben schon festgestellt, dass es hier kein richtig und falsch geben kann- ist alles Definitionssache- wie kommst Du nun darauf, eines davon doch als Irrweg zu bezeichnen?

Zitat:

Siehe oben:
Eine "strikte" Trennung in der Form "Das Eine schließt das Andere aus." geht nicht auf.
nur, wenn man Dinge wie Akt-Portrait als das gleiche wie Portrait handhaben will. Das sind aber zwei unterschiedliche Dinge, die sich eben nicht ausschliessen.

Ausserdem: wenn das wahr wäre, dürfte man auch keine Begriff wie Akt oder authentische-Portraits verwenden- auch das sind strikte Trennungen.

Zitat:

Im Bereich Akt gibt es Portrait-Bilder.
ja, und heissen dort genau deshlab auch nicht einfach Portrait, sondern Akt-Portrait- der Unterschied macht einige Hundert Euro bei der Buchungsgebühr für ein Modell aus.

Zitat:

Auch im Bereich Beauty gibt es Portrait-Aufnahmen.
nein, gibt es nicht

Zitat:

Ebenso im Bereich Fantasy.
ne, gibt es nicht.

Zitat:

Für manchen gibt es auch Tierportraits.
ja, heißen deshalb eben auch so und nicht Portraits

Zitat:

Übrigens gibt es auch welche im Bereich der Landschaftsfotografie (im weiteren Sinne).
ja, und heissen deshalb ebenfalls nicht Portraits

Bestenfalls könnte man aus all dem schlussfolgern, dass man statt Portraits Menschenportraits sagen müsste. Ist dann genau so wie bei der "Pille"- obwohl es tausende andere Pillen gibt, wird nur diese eine allgemein benannt und nicht konkret.

Zitat:

Es ist nicht zielführend, zu "definieren", dass es "entweder" eine Portrait-Aufnahme ist oder eine Akt-Aufnahme. :)
doch ist es- kannst ja mal versuchen, ein Modell für Portrait zu buchen und es dann auffordern, sich auszuziehen. Oder an einem Portrait Wettbewerb mit nem Aktbild teilzunehmen. Oder im DSLR Forum ein Aktbild in den Portraitbereich zu stellen.

Zitat:

Ob Ellen Page hier ein Kleid trägt, oder ob sie nur einen BH tragen würde, oder ob sie gar nichts tragen würde - es ist in allen drei Fällen eine Portrait-Aufnahme. Nur wären diese drei Portrait-Aufnahmen dann drei Portraits aus verschiedenen thematischen Kategorien.
wie schon geschrieben- ein Akt-Portrait ist was anderes als ein Portrait. Auch ein Akt Portrait dürfte nicht an einem Portrait Wettbewerb teilnehmen.

Natürlich kann man alles auch anders definieren- aber Deine hier aufgeführte Gegen-Argumentation wirkt dann ja ebenfalls (letztendlich ersetzt Du Menschenfotografie nur durch Portrait und Portrait durch authetische-Portraits, die eben auch wieder in den Unterkategorien gibt).

Dann wäre die Lösung, gar keine Schubladen mehr zu verwenden- viel Spaß dann bei diversen Dingen, die eine Abgrenzung aber brauchen (nicht zuletzt eben das Forum hier).

Dass solche Kategorien immer auch Probleme schaffen, sieht man ja im kleinen bei sich zu hause bei seinen Ordnern (sowohl echte als auch virtuelle) und im Großen in der Wissenschaft.

vg, Festan

Yoda 05.09.2016 06:42

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
na, aber Deiner Definition nach schon (ein Abbild eines Menschen)

Nein, siehe:
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14148200)
In aller erster Linie zeigt ein Portrait einen Menschen und in der Regel dessen Gesicht plus ggfs. mehr.
Nicht mehr und nicht weniger.
...
In wiefern es sich dann um ein authentisches Portrait handelt oder worum sonst, das ist eine andere Frage und losgelöst davon bzw. nachgelagert.

:)

Wenn ich nun nur die Hand, die Brust oder das Gesäß oder eben einen anderen 'Bodypart' eines Menschen fotografiere, dann ist das ganz sicher kein Portrait.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Fashion-Portrait ist eine Kontradiktion.

Das mag für Dich so sein. Für mich ist es das nicht.

Eine solche Aufnahme aus frontaler Position - Beispiel + Beispiel - ist für mich immer eine Portrait-Aufnahme. Ganz egal, ob sie zu dem 'konkreteren' Bereich der "authentischen Portraits", dem Bereich "Beauty", dem Bereich "Fashion" oder den Bereichen "Akt/Teilakt" gehört. Letztere Bewertung ist aber der rein technischen Anwendung nachgelagert und vom konkreten Bildinhalt abhängig. Ob es sich bei der Aufnahme dann um ein künstlerisch betrachtet "authentisches Portrait" handelt, das ist für mich mit der allgemeinen Frage "Ist das eine Portrait-Aufnahme?" keineswegs eindeutig definiert. Darum schrieb ich schon:
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14148200)
Es ist ein Irrweg, alles irgendwie kategorisch gegeneinander ausschließen zu wollen und "die eine" Definition von Portraits in Form einer Hauptkategorie festlegen zu wollen.
...
Ob Ellen Page hier ein Kleid trägt, oder ob sie nur einen BH tragen würde, oder ob sie gar nichts tragen würde - es ist in allen drei Fällen eine Portrait-Aufnahme. Nur wären diese drei Portrait-Aufnahmen dann drei Portraits aus verschiedenen thematischen Kategorien.

:)
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Davon abgesehen wäre es absolut kein Problem Menschenfotografie als Oberbegriff zu stellen, Portrait (im Sinne von authentischem) als Unterbegriff zu nehmen, Akt daneben zu stellen und darunter das Akt-Portrait zu platzieren.

Klar funktioniert das, wenn man konkret kommuniziert, dass mit dieser Kategorie Portraits ausschließlich "authentische" Portraits gemeint sind. Das macht rein begrifflich Betrachtet aber wenig Sinn bzw. es ergibt sich nicht automatisch aus der Vokabel "Portrait-Aufnahme". Zurück zum Pasta-Beispiel:
Wenn ich die eine Sorte Pasta-Gerichte "Pasta" nenne, der Gruppe aber nur ganz spezielle Pasta-Gerichte zuschreibe, ohne das zu kommunizieren, und nebenher als konkretere Unterkategorien noch "lange Pasta", "kurze Pasta", "helle Pasta", "dunkle Pasta", "gelbe Pasta", "grüne Pasta", usw. in einer Hierarchie-Struktur an ganz anderer Stelle einfüge, dann ist die Aussage "grüne Pasta ist keine Pasta" eine Kontradiktion. Denn natürlich wird (muss) grüne Pasta sinngemäß zur Hauptgruppe der Pasta gehören. Zu sagen ein rotes Auto sei kein Auto - fällt da der Logik-Fehler nicht auf? Wie ist es dann mit "Sie können entweder Hunger haben oder Hunger auf Fleisch, aber wenn Sie Hunger auf Fleisch haben, dann können sie keinen Hunger haben."? Da muss doch klar werden, dass der allgemein gehaltene Begriff als Vokabel nicht ausreicht, um klar abgrenzend zu definieren. Der Weg "entweder oder" ist da einfach ein Irrweg. Auch der, der Hunger auf Fleisch hat, hat Hunger. Auch der Fotograf, der ein Teilakt-Portrait anfertig, macht eine Portrait-Aufnahme im allgemeinen Sinn. Das bedeutet nicht, dass es eine spezielle Portrait-Aufnahme der Kategorie "authentisches Portrait" sei. :)
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Jeder Mensch, den ich kenne, interpretiert bei Portrait Angezogenheit.

Das glaube ich nicht. Wie viele von denen würden hingehen und sagen:
"Das hier ist ein Teilakt-Bild aber keine Portrait-Aufnahme." Und wie viele würden sagen "Klar. Gelbe Pasta ist gelbe Pasta aber keine Pasta." und "Natürlich ist ein rotes Auto kein Auto."? :)
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
So sind auch in allen mir bekannten Modell Karteien die Aufnahmebereiche gegliedert, während die von Dir genannte Variation dort nirgendwo auftaucht.

Nochmal - auch das wurde schon geschrieben:
Wichtig ist der Kontext.
Wenn Du zu einem Model, mit dem Du gerade einen Dessous-Shoot machst und das sich grad noch gemütlich auf der Matratze räkelt, sagst:
"Ich möchte noch ein Hochkant-Portrait machen."
Dann wird sich das Model in die Senkrechte begeben. Aber das Model wird es nicht als selbstverständlich ansehen, sich erst einmal in ein komplettes Outfit zu werfen und entgegnen "Welches Outfit soll ich dazu anziehen?".
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Sorry, aber ich meine, wir hätten weiter oben schon festgestellt, dass es hier kein richtig und falsch geben kann- ist alles Definitionssache- wie kommst Du nun darauf, eines davon doch als Irrweg zu bezeichnen?

Na, weil meine Bewertung/Meinung eine unter vielen ist, und nach dem ist es meiner Ansicht nach ein Irrweg. Das hat doch keine Alleingültigkeit. Andere sehen die Dinge anders und stehen auf ihrem Standpunkt. Für alle gilt, dass weder nur das Eine oder das andere "richtig ist":
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14147987)
Darum habe ich mich da mit meiner Meinung/Bewertung zur Frage, was Portraits sind und was nicht, hier so ausführlich eingeschaltet und versucht, meine Sicht auf die Dinge klar zu machen. Dass Andere das anders einordnen oder sehen, ist klar (und durchaus auch verständlich). Jeder so, wie er will. "Ein" richtig oder falsch gibt es da einfach nicht.

:)
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
ja, und heissen dort genau deshlab auch nicht einfach Portrait, sondern Akt-Portrait

Ist doch ok, wenn die Aussage "Ich habe eine Portrait-Aufnahme von einem Akt-Modell gemacht." im Zweifel widersprüchlich oder nichtssagend (weil Du in dem Moment nicht weißt, ob ein angezogenes Portrait oder ein Akt-Portrait gemeint ist) oder falsch ist, weil man im Akt-Bereich keine Portrait-Aufnahmen machen kann, sondern lediglich Akt-Portrait-Aufnahmen. Für mich ändert das aber nichts daran, dass auch Akt-Portraits Portrait-Aufnahmen sind, und das man das alles tunlichst im jeweiligen Kontext sehen und unterscheiden sollte. Sich an einer einzeln stehenden Vokabel aufzuziehen, war, ist und bleibt imho nicht zielführend.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
ja, heißen deshalb eben auch so und nicht Portraits

Gleicher Fall. Heißt also "Ich habe von einem Tier eine Portrait-Aufnahme gemacht." sei falsch, denn es müsste zwingend heißen "Ich habe von dem Tier eine Tierportrait gemacht."...?
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
ja, und heissen deshalb ebenfalls nicht Portraits

Gerade bei öandschaftsportraits zielt es doch in aller Regel bzgl. "Portrait" und seiner Intention in Richtung des "authentischen Portraits" ab. Warum kann man nicht sagen "Ich habe die Portrait-Aufnahme der Landschaft angefertigt." und muss sagen "Ich habe ein Landschaftsportrait von der Landschaft gemacht."...? :ugly:
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Bestenfalls könnte man aus all dem schlussfolgern, dass man statt Portraits Menschenportraits sagen müsste.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Ist dann genau so wie bei der "Pille"- obwohl es tausende andere Pillen gibt, wird nur diese eine allgemein benannt und nicht konkret.

Eben. Darum ist immer der Kontext entscheidend, wenn ein unkonkreter Begriff benutzt wird.
Auch Oma kennt "die Pille":
Wenn Du die fragst, ob sie am Morgen die Pille genommen hat, dann wird es sich bei der Pille ganz sicher nicht um "die Pille" handeln und das auch allen Beteiligten klar sein. ;)
Wenn Du das Hugh Heffner fragst, auch dann wird vermutlich klar sein, was Du mit "Pille" meinst, und es wird etwas ganz anderes gemeint sein, ohne dass konkret beschrieben ist, dass Du weder Omas Pille noch die Pille der Frau/Freundin meinst.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
kannst ja mal versuchen, ein Modell für Portrait zu buchen und es dann auffordern, sich auszuziehen

Siehe obiges Beispiel mit der Kommunikation@Model und auch das mit dem nicht angenommenen Wettbewerbsbild.
Es bleibt dabei:
Wichtig ist immer der Kontext.
Und natürlich etwaige Teilnahmebedingungen/-regeln.
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Dann wäre die Lösung, gar keine Schubladen mehr zu verwenden- viel Spaß dann bei diversen Dingen, die eine Abgrenzung aber brauchen (nicht zuletzt eben das Forum hier).

Du hängst Dich imho zu sehr an einer "unmissverständlichen" Definition einer allgemein verwendbaren Vokabel auf. Erst nach konkreterer Betrachtung eines Bildinhalts kann z.B. hier festgelegt werden, in welchen Thread bzw. Forenbereich ein Bild eingestuft ist. Wenn Du einen Moderator fragst "Ich möchte ein Bild dieser Art anfertigen. In welchen Bereich gehört das?", dann wird ganz sicher nicht pauschal gesagt "Das muss in den Bereich Menschen.", sondern es würde anhand des weiteren Kontextes/Bildinhalts differenziert:
"Wenn das Portrait einen angezogenen Menschen zeigt, gehört es in 'Menschen', andernfalls in den Bereich 'Akt & Erotik'.".

Ich könnte mich jetzt aber nur weiter wiederholen, was ja kein Ziel sein kann. Eine solche Frontalaufnahme zeigt meiner Meinung nach immer eine Portrait-Aufnahme. In welcher Kategorie die einzuordnen ist, das ergibt sich für mich erst aus dem tatsächlichen Bildergebnis und nicht anhand der Frage "Ist das ein Portrait oder ist es kein Portrait?", denn auch Beauty- oder Fashion- oder Akt-Portraits sind für mich Portrait-Aufnahmen. Noch genauer kann ich meine Meinung auf die Frage des TO " Was ist eigentlich ein Portrait?" ohne Wiederholung aber nicht darlegen, und eine ganze Menge wird imho hier und da auch verstanden worden sein. Ich denke, mit weiteren Beispielen wird es keinen neuen Erkenntnisgewinn geben.

Darum lasse ich mal Platz für Andere, also:
Freiwillige vor und viel Spaß noch. :)

Rudi_D90 05.09.2016 07:51

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Fashion-Portrait ist eine Kontradiktion.

:) Die allwissende Müllhalde sieht das anders:
http://lmgtfy.com/?q=fashion-portrait

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Davon abgesehen wäre es absolut kein Problem Menschenfotografie als Oberbegriff zu stellen, Portrait (im Sinne von authentischem) als Unterbegriff zu nehmen,

Ja, das wäre kein Problem, wenn es von jedem so verstanden wird. Ob aber der Begriff "Porträt" so (als spezielle Unterkategorie) oder anders verstanden wird, muss (aus dem Kontext oder durch Erklärung) klar sein.

Zitat:

Zitat von Festan (Beitrag 14148364)
Ausserdem: wenn das wahr wäre, dürfte man auch keine Begriff wie Akt oder authentische-Portraits verwenden- auch das sind strikte Trennungen.

Die Sache mit dem roten Auto willst Du nicht verstehen, oder?
Ein rotes Auto ist nicht das Gegenteil von einem Auto, sondern eine Spezifizierung. Ein Fashion-(Akt-, Beauty-, ...)Porträt ist nicht das Gegenteil von einem Porträt, sondern eine Spezifizierung. Natürlich kannst Du es (im entsprechenden Kontext) auch als Gegenteil verwenden - so wie viele Auto-Fans sagen, ein xxx (insert your favourite Schrottkarre here) sei "kein Auto."

Dein Mißverständnis scheint mir die Annahme, alles was als "Porträt" bezeichnet werden kann, sei unterschiedslos und gleichwertig. Dem ist natürlich nicht so, und wenn jemand sagt, die Frontalaufnahme eines nackten Menschen sei ein Porträt, dann meint er damit nicht, daß diese in der gleichen Schublade wie Passbilder oder Charakterstudien abgelegt werden können oder müssen.
Der Begriff "Porträt" ist eben sowohl Oberbegriff ("Porträt im weitesten Sinn" - imho ist das keineswegs synonym zu "Menschenfotografie": letzere bedingt keine Erkennbarkeit) wie Kategorie ("Portrait im engeren Sinne").


PS: Wikipedia löst das beim Auto so (https://de.wikipedia.org/wiki/Automobil):
Zitat:

Ein Automobil, kurz Auto (auch Kraftwagen, in der Schweiz amtlich Motorwagen), ist ein mehrspuriges Kraftfahrzeug (also ein von einem Motor angetriebenes Straßenfahrzeug), das zur Beförderung von Personen (Pkw und Bus) und Frachtgütern (Lkw) dient. Umgangssprachlich – und auch in diesem Artikel – werden mit Auto meist Fahrzeuge bezeichnet, deren Bauart überwiegend zur Personenbeförderung bestimmt ist und die mit einem Pkw-Führerschein geführt werden dürfen.
Aus "umgangssprachlich ... meist" folgt eben nicht zwingend, daß mit "Auto" nicht auch ein Lkw bezeichnet werden kann (was in entsprechenden Kreisen auch tatsächlich nicht unbekannt ist - es kommt eben immer auf den Kontext an). Und kaum jemand käme auf die Idee, die Bezeichnung "Auto" nur für Viertürer mit Kofferraum gelten zu lassen und einen Kombi als das Gegenteil eines Autos zu bezeichnen.

Yoda 05.09.2016 08:12

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
:top:

Rudi_D90 05.09.2016 08:39

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
PS: niemand hat gefordert, den Begriff "Porträt" ausschließlich als Oberbegriff auszulegen.
Die Bedeutung kann sich z.B. aus der Fragestellung ergeben: fragt jemand einfach nur: "Was ist ein Porträt?", dann kann das ziemlich vieles sein und die Anwort "jedes erkennbare Bild eines Menschen" eine richtige - fragt jemand: "Akt oder Porträt?", dann ist klar, daß er mit "Porträt" eine Aufnahme ohne nackten Körper meint.

Eben deshalb verstehe ich die unnötige Diskussion nicht. Die dahinter stehenden Fragen (Was ist authentisch? Über wen sagt ein Porträt etwas aus?) sind ja durchaus von Interesse - nur: sie haben nichts mit der Bezeichnung zu tun.

Mr-Marks 05.09.2016 08:42

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14148425)

PS: Wikipedia löst das beim Auto so (https://de.wikipedia.org/wiki/Automobil):

Aus "umgangssprachlich ... meist" folgt eben nicht zwingend, daß mit "Auto" nicht auch ein Lkw bezeichnet werden kann (was in entsprechenden Kreisen auch tatsächlich nicht unbekannt ist - es kommt eben immer auf den Kontext an). Und kaum jemand käme auf die Idee, die Bezeichnung "Auto" nur für Viertürer mit Kofferraum gelten zu lassen und einen Kombi als das Gegenteil eines Autos zu bezeichnen.

Die Wikipedia löst das Problem "Portrait" ähnlich ...

Rudi_D90 05.09.2016 08:45

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Mr-Marks (Beitrag 14148498)
Die Wikipedia löst das Problem "Portrait" ähnlich ...

Ich weiß, und weder das eine noch das andere ist ein Problem. ;)

Mr-Marks 05.09.2016 10:10

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Rudi_D90 (Beitrag 14148505)
Ich weiß, und weder das eine noch das andere ist ein Problem. ;)

:top:

Für mich nicht, ja.

Für andere schon ;)

Gast_129296 05.09.2016 12:45

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von Yoda (Beitrag 14148200)
Ob Ellen Page hier ein Kleid trägt, oder ob sie nur einen BH tragen würde, oder ob sie gar nichts tragen würde - es ist in allen drei Fällen eine Portrait-Aufnahme.

Nach der Logik kann der Bereich Akt und Erotik geschlossen werden, und "Menschen" in "Portrait" umbenannt werden.

Ich finde die Diskussion ganz spannend, weil sie viel über die jeweils eigene Sichtweise auf Portraits erzählt.

Mein persönlicher Anspruch an ein Portrait ist, das schon ein gutes Stück Persönlichkeit des Portraitierten rüberkommt.

Aber es gibt natürlich in der Tat sehr unterschiedliche Herangehensweisen, zum einen Umsetzen einer fertigen Bildidee, in der das Modell dann weniger wichtig ist, also eine Inszinierung durch den Fotografen.

Das andere Extrem wäre sicherlich, dem Modell die Regie zu überlassen, das kann ebenfalls spannend sein, wenn es nicht endet wie viele "Unterwegs mit der zauberhaften XXXXXXX" Freds.

Mich würde eigentlich noch stärker interessieren, wo Eure Motivation beim Anfertigen von Portraits ist.

Mr-Marks 05.09.2016 14:31

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14149011)

Mein persönlicher Anspruch an ein Portrait ist, das schon ein gutes Stück Persönlichkeit des Portraitierten rüberkommt.

(...)

Das andere Extrem wäre sicherlich, dem Modell die Regie zu überlassen, das kann ebenfalls spannend sein, wenn es nicht endet wie viele "Unterwegs mit der zauberhaften XXXXXXX" Freds.

Mich würde eigentlich noch stärker interessieren, wo Eure Motivation beim Anfertigen von Portraits ist.

Sowohl beim Ersten, als auch beim Zweiten hast Du Einflüsse beider Beteiligten mit im fertigen Bild - nur eben unterschiedlich stark gewichtet.

Meine Motivation für Portraits ist das "in die Seele schauen". Dazu gehe ich auch immer nah ran, viel mehr als das Gesicht ist da dann auch nicht drauf ...

HaT 05.09.2016 14:52

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14149011)
Mich würde eigentlich noch stärker interessieren, wo Eure Motivation beim Anfertigen von Portraits ist.

Das ist doch mal ein Ansatz :top:

Für mich gibt es da unterschiedliche Varianten:
- Der/die Portraitierte inszeniert sich ... dann versuche ich diese Inszenierung glaubhaft dem Betrachter zu vermitteln. Die muß dann nicht zwangsläufig mit der Meinung bzw dem Geschmack des Portraitierten übereinstimmen.
- Der/die Portraitierte (im persönlichen Umfeld) so darstellen, dass alle Bekannten das Typische der/des Portraitierten wiedererkennen. Auch hier muß das Portrait nicht zwangsläufig mit dem Geschmack des Portraitierten übereinstimmen.
- Der/die Portraitierte möchte in einer bestimmten Stimmung/Haltung abgelichtet werden. Für mich der schwierigste Part, da ich erkennen/erahnen muss, wie der Portraitierte sich wohl sieht/sehen mag. Wobei die Schwierigkeit darin liegt, das Maximum aus meinen Fähigkeiten :angel: und dem Geschmack des Portraitierten :grumble: zu finden.

Ich für meinen Teil tue mir schwer, mir fremde Personen zu portraitieren, wie geht es euch dabei?

Borys1978 05.09.2016 14:56

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14149011)
Mein persönlicher Anspruch an ein Portrait ist, das schon ein gutes Stück Persönlichkeit des Portraitierten rüberkommt.

Mich würde eigentlich noch stärker interessieren, wo Eure Motivation beim Anfertigen von Portraits ist.

Diesen Anspruch kann ich mir bei Personen, die ich nur flüchtig oder nur ein paar Stunden kenne, garnicht stellen.... ich kann das nur ausschnittsweise bei Personen machen, die ich sehr gut kenne und das gelingt mir da auch (meist in Situationen, wo Sie bis zur Auslösung garnicht bemerken, dass ich sie fotografiere.). Nachtrag: Damit habe ich dann einen Moment abgebildet.

Personen, die ich nicht "kenne", die kann ich nur anweisen wie ICH sie gerne hätte und diese agieren ja auch nicht, wie bei jemandem vertrauten.

Nachtrag: Wie sieht eigentlich das Posen/Ausdrucks-Repertoir aus, um die Persönlickeit eines Menschen, den man nicht näher kennt, darzustellen ? "Guck mal nachdenklich" ? Um einen nachdenklichen Menschen darzustellen? Ist er/sie das dann wirklich? (Wir nehmen mal an, er/sie hat gesagt, er/sie sei oft nachdenklich).

Rudi_D90 06.09.2016 14:53

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14149011)
Nach der Logik kann der Bereich Akt und Erotik geschlossen werden, und "Menschen" in "Portrait" umbenannt werden.

Nein, warum? Mal abgesehen davon, dass auch im weiteren Sinne weder alle Akte noch alle Menschenaufnahmen Porträts sind, dient die Einteilung der Galerie hier doch wohl in erster Linie dazu, etwas Ordnung in die Bilderflut zu bringen - und nicht als die ultimative Kategorisierungsmethode für jedes nur denkbare Bild.
Schubladen sind beim Aufräumen sehr praktisch, auch wenn es immer wieder Dinge gibt, die in mehrere oder in gar keine so richtig passen.

Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14149011)
Mich würde eigentlich noch stärker interessieren, wo Eure Motivation beim Anfertigen von Portraits ist.

Eine Stimmung festhalten - mehr geht kaum.
Die Persönlichkeit der meisten Menschen ist zu vielschichtig, um sie in einer Momentaufnahme auch nur annähernd wiederzugeben. Es bleibt ein Ausschnitt, und der kann trügerisch sein.

activelle 11.09.2016 10:34

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

"Guck mal nachdenklich" ? Um einen nachdenklichen Menschen darzustellen? Ist er/sie das dann wirklich?
Nicht jeder Mensch ist ein guter Schauspieler, und kann solche Ausdrücke auf Kommando abrufen und darstellen. Viel einfacher ist es, den gewünschten Ausdruck durch herbeiführen der Situation herzustellen. Etwa durch Fragen, im einfachsten Fall etwa: "Was ist die Wurzel aus 10?" oder: "Was gabs bei Dir letzten Sonntag zu essen?" Einem Schachspieler z.B. könnte man auch eine knifflige Schachaufgabe vorlegen, usw.
Einem Rapper lockst Du den gewünschten aggressiven Gesichtsausdruck fürs CD Coverbild nicht mit "gugg mal böse" hervor, viel überzeugender wird der Ausdruck nach den Worten: "XY hat behauptet, Du seist ein dilettantischer Nixkönner", usw.

Gast_402205 11.09.2016 10:54

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von activelle (Beitrag 14159642)
Einem Rapper lockst Du den gewünschten aggressiven Gesichtsausdruck fürs CD Coverbild nicht mit "gugg mal böse" hervor, viel überzeugender wird der Ausdruck nach den Worten: "XY hat behauptet, Du seist ein dilettantischer Nixkönner", usw.

Genau, und die kieferorthopädische Behandlung schlägt man einfach auf das Honorar auf. Irgendwann werden die Kommandos dann halt nur noch genuschelt :)

rummtata 11.09.2016 20:15

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Ich weiß nicht wie viele von euch vielleicht auch Porträts schreiben, aber für mich ist ein direkter Vergleich zwischen Text- und Bildporträt für die Beantwortung der Frage sehr aufschlussreich.

Stelle ich jemanden im Rahmen eines schriftlich verfassten Portäts dar, muss ich entscheiden, welche Informationen relevant sind und welche nicht, welche Haltung ich als Porträtierer zum Porträtierten einnehmen möchte, welche Aspekte besonders hervorhebenswürdig sind und wie sich die Facetten der jeweiligen Person zum Gesamtbild verhalten.
Ganz wichtig ist immer die Unterscheidung zwischen Selbst- und Fremdbild und welche Darstellung dem Porträtierten "gerecht" wird. Nicht zuletzt ist der Raum in der Regel begrenzt, so dass ich mit der vermuteten Zielgruppe vor Augen eine Auswahl treffe, wobei auch nicht übersehen werden darf, dass bestimmte Formulierungen vielleicht nicht von jedem Leser gleich aufgefasst werden.

Mit dem Foto mache ich dann genau dasselbe, nur in einem anderen Medium. Ein Passfoto ließe sich übersetzen, indem man eine polizeilich-anatomische Beschreibung vornimmt. Diese Bedeutung von "Porträt" gibt es in der Alltagssprache, aber dass diese Variante oft als so diskussionswürdig empfunden wird, erstaunt mich ;-)

Rabattmarko 16.09.2016 02:24

AW: Fotoweisheiten 2 : Was ist eigentlich ein Portrait ?
 
Zitat:

Zitat von blaubaer65 (Beitrag 14145027)
Inspiriert von der einen oder anderen Diskussion, möchte ich die Frage in den Raum werfen, was für Euch ein Portrait ist.

Ist ein Bild einer eher spärlich bekleideten Person ein Portrait ?

Und bis zu welchem Grad ?

Muss ein Portrait authentisch sein ?

...

Das ist doch alles völlig egal! Denn seitdem es im Internet hunderte Ratgeberseiten über die richtige Brennweite für Portraits gibt weiß doch jeder Hobbyfotograf: Ein gutes Portrait ist erst dann ein gutes Portrait wenn es aus mindestens 70 Meter Entfernung mit einem Teleobjektiv aufgenommen wurde! Denn bei allen Portraits, bei denen der Fotograf weniger als 70 Meter Entfernung zum portraitierten Gesicht hat ist DIE NASE ZU GROß!!!! Siehe auch hier: http://fotoblog.viktor-dite.de/wp-co...t-objektiv.jpg Die Nase ist zu groß wenn du zu nahe dran bist!!!! Völlig egal, ob das originell oder auch mal lustig oder auch mal charakterstark aussieht oder nicht oder einfach Nähe vermittelt! Es ist unprofessionell!!! Deswegen geht heute jeder Hobbyfotograf der total professionell sein will mindestens 70 Meter weg wenn er ein Portrait schießt! Damit DIE NASE nicht zu groß ist! Ich hoffe eine deiner Fragen ist damit zumindest teilweise beantwortet. :angel:


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 17:35 Uhr.

Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, Jelsoft Enterprises Ltd.
Copyright ©2003 - 2018, DSLR-Forum.de