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Alt 05.01.2005, 17:11   #1
-DaKo-
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Standard Zur Brennweite und zum Crop

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Hier entsteht ein Grundlagenartikel zum Crop und zur Brennweite sowie damit verknüpften Aspekten wie der Tiefenschärfe und der Perspektive.

Inhalt
1. Einleitung
2. Grundlagen
3. Bildkonstruktion an einer Sammellinse
4. Abbildungsgleichung
5. Abbildungsmaßstab
6. Bildwinkel
7. Cropfaktor
8. Cropfaktor und Brennweite (vereinfachte Rechnung)
9. Cropfaktor und Brennweite (präzise Rechnung)
10. Auswirkungen des Crops bei gleicher Brennweite
11. Auswirkungen des Crops bei angepaßter Brennweite
12. Zur Perspektive
13. Weitwinkel-, Tele- und Normalobjektive
14. Bildwirkung von Weitwinkel, Tele und Normalobjektiven
15. Blende (zur Lichtstärke)
16. Blende (zur Tiefenschärfe)
17. Verwackeln und Crop - Faustformel der Belichtungszeit
18. Sinn und Unsinn von Objektiven mit kleinerem Bildkreis

Bonusprogramm
19. Zwischenringe
20. Nahlinsen
21. Telekonverter
22. Staub und Kratzer auf Sensor und Objektiv
23. Suchergrößen


Anmerkungen sind hier möglich.

Die Texte sowie die Grafiken und Bilder sind mein geistiges Eigentum. Die Texte dürfen unter Angabe dieses Threads und entsprechendem Link hier im Forum zitiert werden. Eine anderweitige Verwendung oder gar Veröffentlichung von Text und/oder Grafiken untersage ich hiermit.



Eine vorläufige PDF-Version dieses Artikels könnt ihr bei User Digifoto-NA per PN anfordern.
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Geändert von -DaKo- (03.03.2009 um 08:10 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 17:12   #2
-DaKo-
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Standard 1. Einleitung

1. Einleitung

In diesem Artikel sollen primär die fotografisch relevanten Aspekte des Verhältnisses Brennweite und Film/Sensorformat erläutert werden. Es erfolgt zur Darstellung ein Rückgriff auf die Gesetzmässigkeiten der geometrischen Optik, welche im makroskopischen Bereich die Eigenschaften des Lichtes hinreichend genau beschreiben und grundlegend für die Konstruktion einer optisch abbildenden Apparatur sind.

Es ist zwingendermaßen in Anbetracht des Rahmens und der Verständlichkeit unabdingbar einige Dinge mehr oder weniger stark zu vereinfachen. Die Aussagekraft bleibt aber erhalten, dort wo eine Vereinfachung problematisch ist wird darauf hingewiesen sowie sofern möglich ein entsprechender Hinweis für interessiertere Leser gegeben.

Zum tieferen Verständnis empfehle ich gerne ein durchaus auch für den gebildeten und interessierten Laien verständliches Werk von Paul A. Tipler: "Physik" erschienen im Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin, Oxford, 1. Auflage von 1994. Die Grundlagen der Optik sind dort auf den Seiten 1023-1141 recht verständlich und dennoch präzise aufbereitet worden. Das Buch sollte auch in jeder besseren öffentlichen Bibliothek zugänglich sein, da es eines der weiter verbreiteten Standardwerke ist.

Für den noch interessierteren Laien seien einige Werke zur technischen Optik empfohlen, dort muß ich aber nochmal eine Sichtung der mir vorliegenden Werke vornehmen, um die Empfehlung entsprechend auf ein in Bezug auf Inhalt und Verständlichkeit angemessenes Werk einzuschränken.
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Geändert von -DaKo- (10.02.2005 um 18:00 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 19:46   #3
-DaKo-
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Standard 2. Grundlagen

2. Grundlagen

Das bei der Abbildung durch Linsen zugrundeliegende Phänomen ist das der Lichtbrechung. Trifft ein Lichtstrahl auf eine Grenzfläche zwischen zwei Ausbreitungsmedien, so wird ein Teil des Lichtes reflektiert, ein anderer Teil breitet sich im neuen Medium weiter aus. Je nach Eintrittswinkel und Beschaffenheit der Medien erfolgt eine Ablenkung des Lichtstrahls, die auch als Brechung bezeichnet wird (Stichworte für diejenigen, die sich näher damit beschäftigen wollen: Huygensches und Fermatsches Prinzip und Brechungsgesetz von Snellius).

Eine (Sammel-)Linse ist nun so beschaffen, daß auf der einen Seite einfallende parallele Lichtstrahlen nach 2 Übergängen (Luft->Glas->Luft) gerade so gebrochen werden, daß sie sich an einem Punkt, dem Brennpunkt F, kreuzen (siehe Bild 1).

Bei dünnen Linsen bezeichnet man den Abstand zwischen der Mittelebene und dem Brennpunkt als Brennweite f, bei dicken Linsen nimmt man diesbezüglich 2 sogenannte Hauptebenen an (Bild 2), hier ist der Abstand zwischen der jeweils nächsten Hauptebene und dem Brennpunkt die Brennweite.

Hierbei handelt es sich natürlich um idealisierte Linsen, zu Abbildungsfehlern ergänze ich eventuell später noch etwas falls gewünscht. Bei diesen idealisierten Linsen kann man zudem vereinfachend davon ausgehen, daß die Lichtstrahlen an der Mittelebene bzw. den Hauptebenen gebrochen werden und nicht an den Medienübergängen.

Der Einfachheit halber gehen wir im Folgenden von symmetrischen Linsen aus, also Linsen, deren Krümmungsradius auf beiden Seiten gleich ist. Bei solchen Linsen sind somit auch die Brennpunkte gleich weit von der Mittelebene bzw. den Hauptebenen entfernt. Alle folgenden Darstellungen lassen sich jedoch auch problelos auf nicht symmetrische Linsen übertragen.

Ebenso wollen wir Objektive als Einlinser, d.h. die einfachste Form eines Objektivs abhandeln. Dem liegt zu grund, daß man eine Optik aus mehreren Linsen in Bezug auf ihre geometrische Abbildung immer zu einem Einlinser vereinfachen kann. Man greift jedoch bei modernen Optiken aufgrund der zu korrigierenden Abbildungsfehler, der Realisierung von Zoomoptiken, Innenfokussierung etc. zwangsläufig auf viellinsige Konstruktionen zurück. Dennoch bleiben die grundsätzlichen vom einlinsigen Modell her ableitbaren Grundbedingungen erhalten.
Angehängte Grafiken
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Geändert von -DaKo- (05.01.2005 um 21:47 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 19:47   #4
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Standard 3. Bildkonstruktion an einer Sammellinse

3. Bildkonstruktion an einer Sammellinse

Für die Konstruktion der Abbildung an Sammellinsen verwendet man in der geometrischen Optik üblicherweise 3 sogenannte Hauptstrahlen, die stellvertretend für die Gesamtzahl der unendlich vielen Lichtstrahlen herangezogen werden.

Die 3 Hauptstrahlen erfüllen um eine saubere Konstruktion zu gewährleisten folgende Eigenschaften:
a) Ein achsparallel einfallender Strahl wird so gebrochen, daß er durch den bildseitigen Brennpunkt verläuft.
b) Ein zentral einfallender Strahl verläuft ungebrochen durch den Mittelpunkt der Linse.
c) Ein durch den motivseitigen Brennpunkt einfallender Strahl wird so gebrochen, daß er parallel zur Achse weiter verläuft.

Es ergeben sich dann die Bildkonstruktionen, wie sie in Bild 3 für dünne Linsen und Bild 4 für dicke Linsen dargestellt werden. An dieser Stelle seien dann auch noch kurz die im Folgenden nötigen Begrifflichkeiten neben der Brennweite f eingeführt:

Gegenstandsgröße G -> die Abmessungen des abgebildeten Gegenstandes in einer Dimension (der gleichen wie die Bildgröße)

Bildgröße B -> die Abmessungen des entstandenen Bildes in einer Dimension (der gleichen wie die Gegenstandsgröße)

Gegenstandsweite g -> die Entfernung zwischen Mittelebene bzw. nächster Hauptebene und der Ebene in der der abgebildete Gegenstand liegt

Bildweite b -> die Entfernung zwischen Mittelebene bzw. nächster Hauptebene und der Ebene in der das Bild entsteht.

Das Verhältnis zwischen Bildgröße und Gegenstandsgröße nennt man den Abbildungsmaßstab V mit V=B/G.
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Geändert von -DaKo- (06.01.2005 um 10:13 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 19:47   #5
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Standard 4. Abbildungsgleichung

4. Abbildungsgleichung

Auf Grundlage für den Laien relativ komplizierter und auch in Hinblick auf das Ziel dieses Textes eher nebensächlicher geometrischer Bedingungen bei der Abbildung an einer gekrümmten Fläche gewinnt man für das Verhältnis von Brennweite f, Gegenstandsweite g und Bildweite b bei einer scharfen Abbildung an einer Sammellinse die sogenannte Abbildungsgleichung oder Linsengleichung: 1/f = 1/g +1/b.

Ein weiterer Zusammenhang zwischen den abbildungsrelevanten Größen ist die Beziehung zwischen Gegenstandsweite g, Gegenstandsgröße G, Bildweite b und Bildgröße B: B/G = b/g.

Dieser Zusammenhang beruht auf der Ähnlichkeit der Dreiecke Gegenstandsweite-Gegenstandsgröße-Zentralstrahl und Bildweite-Bildgröße-Zentralstrahl in der Abbildungskonstruktion (siehe Bild 5). Wer nachschlagen mag findet in jedem Geometriebuch etwas zum Strahlensatz.

Aus diesen beiden Gleichungen kann man viele Zusammenhänge ableiten, die für die Bildgestaltung entscheidend sind, z.B. den Abbildungsmaßstab bei einer bestimmten Brennweite und Entfernung oder den Bildwinkel.
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Geändert von -DaKo- (05.01.2005 um 21:38 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 19:47   #6
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Standard 5. Abbildungsmaßstab

5. Abbildungsmaßstab

Als Abbildungsmaßstab bezeichnet man wie schon erwähnt das Verhältnis zwischen Bildgröße und Gegenstandsgröße, also zwischen der Größe des abgebildeten Motiv und seiner Abbildungs auf dem Sensor/Film: V=B/G

Es wäre nun praktisch, den bei einer bestimmten Motiventfernung (Gegenstandsweite g) und Brennweite f erzielten Abbildungsmaßstab direkt errechnen zu können.

Die Abbildungsgleichung 1/f = 1/b + 1/g lösen wir dazu nach b auf: b = f*g / (g-f)

Gemäß dem Strahlensatz können wir statt B/G auch b/g schreiben, für den Abbildungsmaßstab erhalten wir dann durch einsetzen:

V = B/G = b/g = f*g /(g-f) /g = f/(g-f)
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Geändert von -DaKo- (23.09.2005 um 18:26 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 19:47   #7
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Standard 6. Bildwinkel

6. Bildwinkel

Den Bildwinkel aus den gegebenen Parametern zu ermitteln ist ein wenig komplizierter. Wie wir mittlerweile alle wissen, ändert sich der Bildwinkel nicht nur mit der Brennweite sondern auch mit der Sensor/Filmgröße. Die Sensor/Filmgröße S wird bei uns durch die doppelte Bildgröße (S=2*B) repräsentiert. Die maximale Bildgröße bei einer Kamera ist eben genau die, die noch gerade auf den Sensor/Film paßt (Bild 6).

Den Bildwinkel findet man in der Abbildungskonstruktion zwischen den beiden Zentralstrahlen (Bild 7). Wir werden ihn im weiteren als a° bezeichnen.

Um den Bildwinkel nun zu berechnen, betrachten wir lediglich eines der motivseitigen Dreiecke aus der Bildkonstruktion (Bild 8). Der hier auftretende Winkel beträgt natürlich nur a°/2.

Da uns nun ein rechtwinkliges Dreieck vorliegt können wir problemlos die bekannten Winkelfunktionen anwenden. Da wir Gegenstandsgröße G und Gegenstandsweite g, also Gegenkathete und Ankathete, als Größen benennen und aus der Abbildungsgleichung herleiten können verwenden wir den Tangens:

tan (a°/2) = G/g = B/b

Nun setzen wir statt B die Sensorausdehung ein mit B = S/2:

tan (a°/2) = S/b/2

Dann lösen wir nach a° auf:

a°/2 = arctan (S/b/2)

a° = 2 * arctan (S/b/2)

Nun müssen wir noch die uns unbekannte Bildweite b ersetzen. Meist wird sie ohne großartig darüber Nachzudenken mit der Brennweite f ersetzt und führt zur meist bekannten Gleichung für den Bildwinkel a°=2*arctan (S/f/2), die man auch auf mancher Herstellerseite, Fotobuch, Homepage etc. findet. Die Annahme b=f und damit auch diese Gleichung für den Bildwinkel stimmt aber nur wenn die Gegenstandsweite unendlich groß ist, das Motiv also und somit auch der Fokus des objektivs im Unendlichen liegt! Richtig dagegen ist, b durch den oben schon aus der Abbildungsgleichung hergeleiteten Ausdruck b= f*g/(g-f) zu ersetzen. Man erhält den komplexeren Ausdruck:

a° = 2 * arctan (S*(g-f)/f/g/2)

Der Bildwinkel wird also nicht nur von der Brennweite und dem Film/Sensorformat bestimmt sondrn auch durch die Fokusentfernung. Je näher man fokussiert, um so enger wird der Bildwinkel. Dabei handelt es sich keinesfalls um marginale Effekte wie die folgende Tabelle exemplarisch für ein 100mm Objektiv an einer KB-Kamera für den horizontalen Bildwinkel zeigt. Eingetragen wurden Brennweite f, Motiventfernung g, Abbildungsmaßstab und Bildwinkel:

Code:
f = 100mm; g = 10000mm -> 1/99; Winkel a = 20,21°
f = 100mm; g = 5000mm  -> 1/49; Winkel a = 20,01°
f = 100mm; g = 1000mm  -> 1/9;  Winkel a = 18,40°
f = 100mm; g = 500mm   -> 1/4;  Winkel a = 16,39°
f = 100mm; g = 300mm   -> 1/2;  Winkel a = 13,69°
Dieser Effekt ist auch an einem Großteil der Optiken problemlos beobachtbar. Bei anderen dagegen, die ihre Brennweite beim Fokussieren verändern (verkürzen im Nahbereich) tritt er nicht so stark auf, wieder andere optiken wurde speziell auf einen fixen Bildwinkel bei allen Motiventfernungen hin optimiert (imho z.B. das Makrozoom von Nikon).

Zusammenfassend festzuhalten bleibt, daß sich der Bildwinkel bei größerer Brennweite, kleinerem Film/Sensorformat und/oder kürzerer Fokusdistanz verengt.
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Geändert von -DaKo- (06.01.2005 um 18:10 Uhr)
-DaKo- ist offline  
Alt 05.01.2005, 19:47   #8
-DaKo-
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Standard 7. Cropfaktor

7. Cropfaktor

Kommen wir nun endlich zum Cropfaktor. Der Cropfaktor beschreibt im Grunde nur das Verhältnis zwischen 2 Film/Sensorgrößen mit gleichem Seitenverhältnis. Meist also zwischen einem 2:3 Kleinbild (im Folgenden KB) Film und dem ebenfalls 2:3 Sensor der derzeitigen DSLRs. Bei Canon beträgt dieser Cropfaktor derzeit bei den EOS DSLRs der drei- und zweistelligen Serie 1,6, bei Nikon/Pentax/Minolta 1,5.

Was bedeutet dies nun? - Der Sensor der DSLR ist in jeder seiner 2 Dimensionen um den Cropfaktor kleiner als ein Kleinbildnegativ. "Crop" bedeutet "Auschnitt", das Bild einer Cropkamera zeigt demnach nur einen Ausschnitt des Bildes der KB-Kamera bei gleicher Brennweite und gleichem Standort.

Ein Kleinbildnegativ hat die Abmessungen 36mm*24mm, der Sensor einer 20D dagegen 22.7mm*15.1mm. Die Kannten des KB-Negativs sind also um den Faktor 1,6 größer, es hat eine ca. 2,6fache Fläche (Bild 9).

Da der Sensor kleiner ist als ein KB-Negativ ist dementsprechend auch der Bildwinkel geringer. Genauso wie der Sensor nur einen Crop einen AUsschnitt des KB-Negativs aufnimmt, so ist auch der Bildwinkel einer Cropkamera lediglich ein Ausschnitt aus dem Bildwinkel einer KB-Kamera (Bild 10).

Den entsprechenden Bildwinkel der Cropkamera kann man nun simpel genauso ausrechnen wie bei der KB-Kamera oben, indem ich (hier im Beispiel der horizontale Bildwinekl) für die Sensorausdehnung S anstatt 36mm nur 22.7mm einsetze. Hier der Bildwinkel obiger Optik bei gleichen Abständen an einer 1,6-Crop-Kamera:

Code:
f = 100mm; g = 10000mm -> 1/99; Winkel a = 12,82°
f = 100mm; g = 5000mm  -> 1/49; Winkel a = 12,69°
f = 100mm; g = 1000mm  -> 1/9;  Winkel a = 11,67°
f = 100mm; g = 500mm   -> 1/4;  Winkel a = 10,38°
f = 100mm; g = 300mm   -> 1/2;  Winkel a =  8,65°
Man erkennt nun auch gut, daß sich zwar der Bildwinkel ändert, der Abbildungsmaßstab durch den kleineren Sensor aber nicht beeinflußt wird. Dies ist simpel zu erklären. Die Optik bildet immer gleich groß ab, egal ob der Sensor nun klein oder groß ist. Das einzige was sich ändert ist der Anteil des Motivs am Gesamtbild (Bild 11).
Angehängte Grafiken
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Geändert von -DaKo- (06.01.2005 um 17:46 Uhr)
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Alt 05.01.2005, 19:47   #9
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Standard 8. Cropfaktor und Brennweite (vereinfachte Rechnung)

8. Cropfaktor und Brennweite (vereinfachte Rechnung)

Sehr beliebt bei Besitzern von Cropkameras ist das Umrechnen in sogenannte Kleinbild(äquivalente)brennweite, also in diejenige Brennweite, die man zur Erzielung desselben Bildwinkels an einer KB-Kamera bräuchte.

Dem liegt zugrunde, daß sich über die Jahrzehnte des Kleinbildformates als Standardformat für den Amateur und auch durchaus vieler Profis eingebürgert hat, die Brennweite stellvertretend für eine spezielle gewünschte Bildwirkung zu nennen.

So ist in den Köpfen vieler Fotografen ein 28mm Objektiv eine Weitwinkel, ein 50mm Objektiv eine Normalbrennweite, ein 100mm Objektiv ein leichtes Tele etc. Genauso bekam man als Rat wenn man ein Portraitobjektiv suchte etwas zwischen 85 und 135mm Brennweite zu wählen usw.

Was Groß- und Mittelformatfotografen schon lange klar war erreicht nun auch mit der zunehmenden Verbreitung von Cropkameras den Amateur: Mit dem Crop ändert sich der Bildwinkel und somit auch der Einsatzzweck des Objektivs. 28mm an einer 20D kann man nicht mehr wirklich als Weitwinkel bezeichnen, man benötigt schon ca. 18mm für den gleichen Bildwinkel, für die gleiche Bildwirkung.

Wie gelangt man nun an diese Brennweite, bzw. wie kann ein Kleinbildfotograf, der Portraits immer mit 135mm gemacht hat, abschätzen, welche Portraitbrennweite er sich an einer 20D zulegen muß?

Allgemein üblich ist mittlerweile, den Cropfaktor (also das Verhältnis zwischen den Sensorkanten und den Kanten des KB-Negativs!) zur Umrechnung der Brennweiten heranzuziehen. Wenn die Sensorkanten um den Faktor 1,6 kleiner sind, dann soll wohl auch die nötige Brennweite für denselben Bildwinkel um den Faktor 1,6 kleiner sein.

Dies wird so auch oftmals von den Herstellern so beworben, ebenso wie diese oft den angeblich fixen Bildwinkel eines Objektivs angeben - dabei wissen wir doch mittlerweile, daß er nicht nur von Brennweite und Filmformat sondern auch von der Fokusdistanz abhängig ist! Aber dem Einkaufsfreudigen besucher der HP oder leser des Prospekts wird lieber seichte leicht verständliche aber nicht wirklich korrekte Kost aufgetischt, anstatt ihm auch nur ein wenig an inhaltlichem Tiefgang zuzumuten. Inhaltliche korrektjheit ist offensichlich dem Verkauf nicht zuträglich ...

Ganz so simpel ist es dann nämlich auch nicht. Geht man von der - wohlgemerkt nur im Unendlichen geltenden - Formel für den Bildwinkel aus, die nur Brennweite und Filmformat integriert, so kann man auch einen linearen Zusammenhang zwischen Film/Sensorkannte und Brennweite herstellen. den Cropfaktor bezeichnen wir mit Y, die Brennweite der Cropkamera mit fc, die der KB-Kamera mit fk:

Formel für KB a°=2*arctan (S/fk/2)
Formel für Crop a°=2*arctan (S/Y/fc/2)

Der Bildwinkel der beiden Kameras soll nun gleich sein also muß gelten:
2*arctan (S/fk/2)=2*arctan (S/Y/fc/2)

-> fk=Y*fc oder fc=fk/Y

Im Unendlichen, denn nur dort gilt diese vereinfachte Formel, ist das Umrechnen in äquivalente Brennweiten auf Grundlage des Cropfaktors also durchaus sinnvoll. Ein 200mm Objektiv an einer 20D entspricht also im Unendlichen vom Bildwinke her einem 320mm Objektiv an einer KB-Kamera.
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Standard 9. Cropfaktor und Brennweite (präzise Rechnung)

9. Cropfaktor und Brennweite (präzise Rechnung)

Wie sieht es aber im Nahereich oder gar Makrobereich aus, wo obige vereinfachte Formel keine Gültigkeit besitzt?

Wir sehen uns also die komplexe Formel an, wiederum mit Cropfaktor Y, Brennweite der Cropkamera fc und Brennweite der KB-Kamera fk:

KB-Kamera: a° = 2 * arctan (S*(g-fk)/fk/g/2)
Crop-Kamera: a° = 2 * arctan (S/Y*(g-fc)/fc/g/2)

Wiederum setzen wir die Bildwinkel gleich:

2 * arctan (S*(g-fk)/fk/g/2) = 2 * arctan (S/Y*(g-fc)/fc/g/2)

-> S*(g-fk)/fk/g/2 = S/Y*(g-fc)/fc/g/2

-> (g-fk)/fk = (g-fc)/fc/Y

-> g/fk = g/fc/Y - 1/Y +1

-> g/fk = (g-fc+fc*Y) /fc/Y

-> fk/g = fc*Y / (g-fc+fc*Y)

-> fk = fc*Y / (1 - fc/g +fc*Y/g)

Wie man sieht gewinnt man einen durchaus ähnlichen Ausdruck zur vereinfachten Formel fk=fc*Y, welche lediglcih mit einem Korrekturausdruck verfeinert wurde. Ist die Motiventfernung g sehr sehr viel größer als die Brennweite fc, so streben die Korrekturbrüche gegen 0, sind also in ihrem Einfluß nur marginal. Im Nah und gerade Makrobereich wo der Motivabstand nur ein kleinzahliges Mehrfaches der Brennweite ist entfallten die Korrekturterme jedoch ihre Wirkung.

Exemplarisch wieder eine Berechnung für ein 100mm Objektiv an einer 1,6-Cropkamera. Hier wurde neben den schon bekannten Parametern die Brennweite eangegeben, die man benötigt, um bei gleichem Abstand denselben Bildwinkel an einer KB-Kamera zu erzielen (mit Y=36mm/22,7mm):

Code:
f = 100mm; g = 200mm   -> 1/1;   Winkel a =  6,50° -> Fäqui = 122,7mm
f = 100mm; g = 300mm   -> 1/2;   Winkel a =  8,65° -> Fäqui = 132,7mm
f = 100mm; g = 400mm   -> 1/3;   Winkel a =  9,73° -> Fäqui = 138,3mm
f = 100mm; g = 500mm   -> 1/4;   Winkel a = 10,38° -> Fäqui = 142,0mm
f = 100mm; g = 1000mm  -> 1/9;   Winkel a = 11,67° -> Fäqui = 149,8mm
f = 100mm; g = 5000mm  -> 1/49;  Winkel a = 12,69° -> Fäqui = 156,8mm
f = 100mm; g = 10000mm -> 1/99;  Winkel a = 12,82° -> Fäqui = 157,7mm
f = 100mm; g = 50000mm -> 1/499; Winkel a = 12,93° -> Fäqui = 158,4mm
Gut erkennt man, daß die meist von Fotografen wie Verkäufern prophezeite äquivalente KB Brennweite von 160mm (Umrechnnung der Brennweite von 100mm mit dem Cropfaktor 1,6) erst im Fernbereich näherungsweise erzielt wird.

Im Nah- und Makrobereich ist der Bildwinkel der 100mm Optik an der 20D jedoch deutlich größer als der einer 160mm Optik an einer KB-Kamera. Er entspricht hier lediglich ca. 130-140mm an KB.

Dies sollten insbesondere diejenigen beachten, die von Analog umsteigend nun hoffen, anstatt des gewohnten 90 oder 180mm Objektivs im Makrobereich mit einem 50 oder 105mm Objektiv fast den gleichen Bildwinkel zu erzielen. Dem ist jedoch nicht so!
__________________
Canon EOS 50D | Canon EOS 5D | Olympus XZ-1 + XZ-2
17-40L 4.0 | 17-85 IS | 70-200L 4.0 IS | 70-200L 2.8 IS II | 135L 2.0 | 300L 2.8 IS | TS-E 24L 3.5 II | TK EF 2x II | 430 EX


Ein paar meiner Bilder!

Alles zu Brennweite, Bildwinkel, Abbildungsmaßstab, Cropfaktor etc. | Vom RAW zum Bild im Forum

Geändert von -DaKo- (30.08.2006 um 22:53 Uhr)
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