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Alt 16.07.2006, 20:45   #1
scorpio
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Ausrufezeichen Die ultimative Digitalkamera-Kaufberatung (sehr lang!)

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Die ultimative Digitalkamera-Kaufberatung

Der Markt für Digitalkameras wächst täglich und die Modellvielfallt wird immer größer. Hier ist ein Wegweiser, mit dem Sie das für Sie geeignetste Modell finden können.

Teil 1: Budget, DSLR oder Kompaktkamera, Auflösung
Teil 2: Belichtungskontrollen (Programme, Verschlussgeschwindigkeiten, Blenden, Weißabgleich und ISO)
Teil 3: Belichtungsmessung, Objektive, Bildstabilisator, Autofokus und Blitz
Teil 4: Sucher, Auslöseverzögerung, Einschaltzeit, Histogramm, Belichtungsspeicherung und automatische Reihenaufnahmen
Teil 5: Ausgabe, Rauschen, Farbe, Schärfe, JPEG od. RAW


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Gruß, scorpio - aka Rüdiger


Geändert von scorpio (30.03.2007 um 15:24 Uhr)
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Alt 16.07.2006, 20:46   #2
scorpio
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Standard AW: Die ultimate Digitalkamera-Kaufberatung (sehr lang!)

Teil 1

Wenn Sie schon einmal über den Kauf einer Digitalkamera nachgedacht haben, werden Sie sicher festgestellt haben, dass es eine schier unendliche Zahl an Möglichkeiten und Optionen gibt. Selbst wenn Sie Ihre Auswahl auf Modelle begrenzen, von denen Sie schon einmal was gehört haben, so ist die Auswahl dennoch fast unüberschaubar.

Ein Grund, warum es so viele Modelle gibt, ist, dass der Markt für Digitalkameras riesig ist und eine große Zahl von Herstellern von diesem Markt profitieren will. Es gibt aber auch einen sehr praktischen Grund, warum Hersteller eine solch große Modellvielfalt bieten: Durch die Segmentierung des Marktes in kleine Zellen ist es den Herstellern möglich, Modelle für ganz bestimmte Zielgruppen mit ganz bestimmten Anforderungen auf den Markt zu bringen. Auch wenn das bedeutet, dass Sie nun aus einer großen Zahl an Modellen auswählen müssen, so bedeutet es aber auch, dass Sie ganz gezielt das Modell finden können, welches Ihren eigenen Anforderungen am besten entspricht.

Ich will hier in mehreren Teilen auf all die Aspekte eingehen, die zu betrachten nötig sind, damit Sie aus den Hunderten von verschiedenen Kameramodellen Ihren persönlichen Favoriten finden.


Einkaufen Früher und Heute
Es gibt nur einen generellen Unterschied zwischen einer Digitalkamera und einer Filmkamera: eine Digitalkamera hat einen Siliziumchip anstatt eines Stücks Film auf der Schärfeebene, um das Bild festzuhalten.
Sicherlich, Digitalkameras gibt es in endlosen Gehäuseformen, sie haben ein Display, auf dem die Bilder angezeigt werden können usw., letztlich ist es aber nur der Sensor, der den dramatischen Unterschied in der Technologie ausmacht. Da sich die optische Physik nicht verändert hat, sind die fotografischen Techniken, ob nun digital oder analog, immer noch dieselben.

Wenn Sie eine Filmkamera kaufen, brauchen Sie sich um die Bildqualität zunächst nicht zu sorgen, denn diese wird maßgeblich von der Wahl des benutzten Filmes abhängen. Also werden Sie beim Kauf einer Filmkamera Ihr Augenmerk auf Ausstattung, Aussehen, Handhabung, Verfügbarkeit von Optiken und solche Dinge legen und erst später bei der Filmauswahl die Bildqualität ins Spiel bringen. Bei der Auswahl einer Digitalkamera müssen Sie alle diese Dinge von Anfang an und gleichzeitig berücksichtigen.

Sie sollten allerdings wissen, dass die Bildqualität heutiger Digitalkameras durchweg sehr gut ist. Die Technik früherer High-End-Kameras wurde auf unteren Klassen portiert, so dass es schwer fällt, eine Kamera eines namhaften Herstellers zu finden, die schlechte Bildqualität liefert.

Bevor Sie einkaufen gehen, sollten Sie auch folgendes bedenken und akzeptieren: Das heute von Ihnen gekaufte Kameramodell wird höchstwahrscheinlich innerhalb eines Jahres von einem verbesserten Nachfolgemodell abgelöst. Das ist bei den meisten Modellen so und führt dazu, dass ein potentieller Käufer geneigt ist, auf ein besseres Modell zu warten.

Vor einigen Jahren, als ein Generationensprung noch der von 1 auf 2 Megapixel war, war es durchaus sinnvoll, auf ein solches Nachfolgemodell zu warten. Heutzutage ist ein Generationensprung in einer Modellreihe nicht mehr so dramatisch und betrifft meist nur wenige unwesentliche und kleine Verbesserungen. Neue Modelle haben vielleicht ein verändertes Design. Einige Funktionen wurden vielleicht geändert, die aber betreffen die Bildqualität in den allerwenigsten Fällen.
Manchmal bedeutet ein neues Modell sogar einen Rückschritt gegenüber dem Vorgänger!

Wegen der im Allgemeinen hohen Qualität der gegenwärtigen Technologie können Sie Ihre Bedenken gegen ein Veralten eindämmen, indem Sie eine Kamera mit den Eigenschaften auswählen, die für die Art Ihrer Fotografie am besten geeignet ist und die Ausgabequalität liefert, die Sie benötigen.


Die beste Kamera innerhalb Ihres Preisrahmens
Eine Kamera auszuwählen ist letztendlich der Prozess einer Trennung der vorhandenen Modelle bis hinunter zu einem individuellen Ergebnis.

Ob Sie nun eine kleine kompakte Digitalkamera oder eine professionelle digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen beabsichtigen, der erste Schritt bei der Entscheidungsfindung ist immer die Festlegung eines Preisrahmens. Danach ist es dann das Ziel, die beste Kamera in diesem Preisrahmen zu finden.

"Die Beste" sollte nun durch die Anforderungen definiert werden, die Sie ganz persönlich nach Ihren fotografischen Bedürfnissen priorisieren. Wenn Sie große hoch auflösende Drucke zu erzeugen beabsichtigen, sollten Sie eine hoch auflösende Kamera wählen. Wenn Sie maximale Flexibilität wünschen, sollten Sie nach einer digitalen Spiegelreflexkamera Ausschau halten. Wenn kleine Größe und geringes Gewicht sowie maximale Mobilität und Mitnahmefähigkeit ihr Hauptanliegen ist, wird eine Kompaktkamera "die Beste" sein.

Diese ersten Schritte in der Entscheidungsfindung tatsächlich zu beherzigen grenzt nicht nur die Auswahl ein, sie bewahrt Sie auch vor schlaflosen Nächten, in denen Sie sich fragen, ob Sie die richtige Wahl getroffen haben.
Wenn Sie erkannt haben, dass "die Beste" kein absolutes Merkmal ist, werden Sie auch nicht besonders enttäuscht sein, wenn ein Nachfolgemodell neue Funktionen bietet, die Sie aber vielleicht gar nicht für Ihre Art der Fotografie brauchen.


Kompakte oder Spiegelreflex?
Man kann Kameras in viele verschiedene Kategorien einteilen: Professionell, Amateur, Einsteigerklasse, groß, klein, teuer, preiswert, usw. Die wichtigste Unterscheidung ist für eine seriöse Auswahl aber zunächst: kompakte oder Spiegelreflex?

"Kompaktkamera" bedeutet für viele "minderwertige Qualität". Bitte hegen Sie nicht auch ein solches Vorurteil! Auch Kompaktkameras besitzen zum Teil hochwertige Optiken und produzieren erstklassige Bildqualität.

Auch Kompaktkameras folgen den grundsätzlichen Design-Richtlinien. Sie sind meist von relativ rechteckiger Form und besitzen ein ausfahrendes Zoom-Objektiv. Alle Kompaktkameras besitzen ein LC-Display und bei einigen ist dies gleichzeitig der einzige Sucher. (zu Suchern später mehr.)

Betrachten wir die anderen Dinge an einer Kompaktkamera, so stellen wir fest, dass es Modelle gibt, die einfach und unkompliziert zu bedienen sind, ohne große Eingriffsmöglichkeiten des Benutzers, und solche, die dem Fotografen eine Vielfalt von Möglichkeiten bieten, die Aufnahme zu beeinflussen.

Kompaktkameras sind in der Regel sehr leise, was angenehm ist, wenn an Orten fotografiert wird, bei denen ein lautes Verschlussgeräusch eher stört.

Viele Kompaktkameras haben zum Teil außergewöhnliche Designs, wie z.B. schwenkbare Sucher. Hilfreich ist dies, wenn in Situationen fotografiert werden soll, bei denen ein Blick durch den Sucher nicht möglich oder unerwünscht ist.

Kompaktkameras haben zum größten Teil sehr gute Makro-Fähigkeiten. Aufgrund der kleinen Brennweiten und geringen Abmaße der eingebauten Optiken ist es für die Hersteller einfacher, solche Makro-Fähigkeiten bereitzustellen. Spiegelreflexkameras erfordern hierzu meist spezielle und teure zusätzliche Objektive.

Spiegelreflexkameras unterscheiden sich von Kompaktkameras in einigen sehr relevanten Einzelheiten. Der Sucher blickt durch exakt dieselbe Optik wie die Kamera, dessen Sensor das Bild aufnimmt. Das bedeutet, dass das Sucherbild annähernd genau jenes ist, welches aufgenommen wird, inklusive aller Effekte, die z.B. durch Vorsatzfilter erzeug werden.

Fast alle Spiegelreflexkameras haben wechselbare Objektive. Das ermöglicht Ihnen, genau jenes Objektiv zu wählen, welches Sie für Ihr Vorhaben benötigen und durch Zukauf von höherwertigen Objektiven die erzeugte Bildqualität zu verbessern.

Aufgrund ihrer Größe sind die meisten digitalen Spiegelreflexkameras mit einem deutlich größeren Sensor ausgestattet als Kompaktkameras. Ein größerer Sensor bedeutet in der Regel auch höhere Bildqualität. Der Grund dafür liegt in den größeren individuellen Sensorzellen (Pixel). Größere Pixel erzeugen weniger Rauschen, so dass Spiegelreflexkameras bei wenig Licht bessere Resultate erzielen als Kompaktkameras.

Spiegelreflexkameras besitzen zum Teil auch die höherwertigen Ausstattungsmerkmale wie matte und rutschsichere Gehäuse, schnellere Bildfolgen, höhere ISO-Einstellungen und - in bestimmten Situationen - bessere Bildqualität.

Im kreativen Sinne der Bildgestaltung besitzen Spiegelreflexkameras die größeren Möglichkeiten, durch geringere Schärfentiefe das Bild zu akzentuieren.



Welche Auflösung benötigen Sie?
Nach der Festlegung des Preisrahmens und der Wahl des Kameratyps haben Sie nun wahrscheinlich schon eine Menge Kandidaten aus der Auswahl verworfen. Der nächste große Schnitt erfolgt bei der Festlegung der gewünschten Auflösung.

Die Hersteller digitaler Kameras versuchen, Ihnen nach einer einfachen Auflösungsregel ihre Kameras zu verkaufen: mehr ist besser. Das stimmt aber nicht immer.

Mehr Pixel bedeuten höhere Auflösung, was mehr Details bedeutet, was ein besseres Bild zur Folge hat. Dennoch kann die Qualität eines einzelnen Pixels ebenso große Bedeutung haben wie ihre Anzahl. Eine hochwertige Kamera mit einer schwachen Optik erzeugt einen Haufen qualitativ lausiger Pixel. Deshalb ist es wichtig, sich nicht grundsätzlich dem allgemeinen Pixelwahn hinzugeben.

Für Pixel zu bezahlen, die Sie nicht benötigen, ist Geldverschwendung. Anstatt die größte mögliche Anzahl an Pixel zu kaufen, sollten Sie überlegen, wie Sie Ihre Bilder präsentieren wollen und danach entscheiden, welche Auflösung Sie dafür brauchen.

Bei den meisten Motiven genügt für einen 20x30-Abzug eine Auflösung von 2-3 MPixel. Die technischen Möglichkeiten eines professionellen Belichters mit 300dpi bzw. 400dpi nutzt man bei diesem Format erst bei einer Auflösung von 8,37 MPixel (300 dpi) bzw. 14,88 MPixel (400 dpi) aus.

Die tatsächlich benötigte - bzw. sinnvolle - Auflösung hängt allerdings auch vom Betrachtungsabstand und dem Kontrast des Bildes ab. Bei einem Betrachtungsabstand bei dem man das komplette Bild überblicken kann, kann das Auge - je nach Kontrast - eine Auflösung zwischen 1,5 MPixel und 6 MPixel nutzen. Ein einzelnes schwarzes Pixel in einem ansonsten komplett weißen Bild welches mit 6 MPixel aufgenommen wurde ist in einer Ausbelichtung die man komplett überblickt also unter günstigsten Umständen bei sehr guten Augen gerade noch erkennbar. Je geringer die Kontraste in einem Bild sind, desto geringer darf die Auflösung sein ohne dass eine fehlende Detailschärfe sichtbar wird. Höhere Auflösungen bringen nur dann eine zusätzliche sichtbare Schärfe, wenn man näher an das Bild heran geht und entsprechende Ausschnitte betrachtet.

Weil größere Ausdrucke in der Regel aber aus größerer Entfernung betrachtet werden, wird die Auflösungsanforderung (in Pixel/cm oder Pixel/Inch) mit größer werdender Ausgabe in der Regel geringer. Das menschliche Auge hat nur ein begrenztes Auflösungsvermögen. Sie können z.B. getrost ein 40cmx30cm-Bild mit nur 200 Pixel/Inch drucken lassen, weil es wahrscheinlich von weiter weg betrachtet wird als ein 10cmx15cm-Bild, welches 300 Pixel/Inch erfordert.

In der folgenden Abbildung sind die Ausgabegrößen und erforderlichen Druckauflösungen aufgezeigt, die benötigt werden, um jeweils gute Resultate zu erzielen. Beachten Sie bitte, dass diese Werte lediglich einen groben Anhalt darstellen.




Mit einer höheren Auflösung kaufen Sie natürlich mehr als nur die Möglichkeit, größer zu drucken. Mit einer höheren Auflösung erhalten Sie größere Möglichkeiten, Ihr Bild auf Ausschnitte zu begrenzen und diese dann auf Ihre gewünschte Ausgabegröße zu bringen, ohne Qualität zu verlieren.

Beachten Sie bitte auch, dass eine höhere Pixelzahl subjektiv nicht auch eine ebenso größere Ausgabefläche ergibt. 50% mehr Pixel in einer Kamera ergeben nur 22,5% mehr Kantenlänge des Bildes. Das ist eine Veränderung von 20x30cm auf ca. 24,5x36,75cm. Nicht sehr viel. Natürlich ergibt eine höher auflösende Kamera Details bei gleicher Ausgabegröße besser wieder.

Ich empfehle, Sie finden heraus, welches Ihre bevorzugte und am meisten genutzte Ausgabegröße ist und wählen dann eine Auflösungsklasse höher. Dies bietet Ihnen eine gute Qualität bei allen Ihren Anforderungen und zudem die Möglichkeit, manchmal eben doch ein wenig größer zu gehen oder auch Ausschnitte nutzen zu können.
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Gruß, scorpio - aka Rüdiger


Geändert von nighthelper (23.10.2011 um 23:08 Uhr)
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Alt 16.07.2006, 20:53   #3
scorpio
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Standard AW: Die ultimate Digitalkamera-Kaufberatung (sehr lang!)

Teil 2

Nachdem Sie nun diese bisherigen drei Entscheidungen getroffen haben, Budget, Typ und Auflösung, werden Sie sicher schon eine bestimmte Kameraklasse, eventuell sogar schon bestimmte Modelle gefunden haben, die für Sie in Frage kommen.
Nun ist es an der Zeit, die Ausstattungsmerkmale unter die Lupe zu nehmen, um die Auswahl zu verfeinern.


Belichtungskontrolle
Früher hatten alle Kameras manuelle Einstellungsmöglichkeiten zur Belichtungskontrolle und Automatiken waren sehr teuer. Heute ist es umgekehrt.

Manuelle Kontrollen ermöglichen Ihnen, spezielle und schwierige Lichtsituationen zu meistern, wie .B. starkes Gegenlicht, und die richtige Licht- und Farbstimmung zu erhalten, die Sie vorfanden. Selbst wenn Sie sich nicht zu den ambitionierten Fotografen zählen, so empfehle ich dennoch eine Kamera mit wenigstens rudimentären manuellen Belichtungskontrollen, um ein breiteres Spektrum an Situationen meistern zu können.

Aufnahmemodi
Die meisten Kameras bieten verschiedene Aufnahmemodi mit verschiedenen Stufen der manuellen Eingreifmöglichkeit. Der Programm-Modus ist eine Automatik, bei der die Kamera die Belichtungskontrolle übernimmt. Abhängig von der Qualität Ihrer gewählten Kamera ist ein solcher Modus für 80% der alltäglichen Situationen geeignet.

Selbst reine Vollautomatik-Kameras bieten heute eine Reihe an wählbaren Voreinstellungen. Zum Beispiel einen voreingestellten Modus für Landschaftsaufnahmen, bei denen der Fokus auf "unendlich" gestellt und eine kleine Blende gewählt wird, um maximale Schärfentiefe zu erzielen. Oder einen Portrait-Modus, bei dem im Gegensatz dazu die Kamera eine große Blende einstellt, um den Hintergrund unscharf zu machen und so das Hauptmotiv herauszustellen.

Diese Programm-Modi erlauben keinerlei manuellen Eingriff, welcher aber manchmal Ihre einzige Chance wäre, eine schwierige Lichtsituation zu meistern und ein gutes Bild zu bekommen. Hochwertige Profi-Kameras bieten solche Programm-Modi gar nicht an, da professionelle Fotografen es vorziehen, die Belichtung in schwierigen Situationen selbst zu bestimmen.
Um maximale Möglichkeiten zu erhalten, wählen Sie besser eine Kamera mit mehr als nur Programm-Automatiken. Schon die so genannten Halbautomatiken geben Ihnen bestimmte manuelle Kontrollen zurück.

- die Zeitautomatik (auch Blendenpriorität genannt) lässt Sie eine bestimmte Blende wählen, die Kamera passt dann die nötige Belichtungszeit für ein richtig belichtetes Bild automatisch an. Beachten Sie bei Ihrer Wahl bitte, dass nicht alle Kameras hierbei den vollen Blendenumfang zur Auswahl anbieten.

- die Blendenautomatik (auch Zeitpriorität genannt) lässt Sie eine Belichtungszeit vorwählen, die Kamera passt dann die zur korrekten Belichtung notwenige Blendenöffnung an.

In den meisten Fällen werden Sie mit den Halbautomatiken ausreichend manuelle Kontrolle über die Belichtung haben und gute Resultate erzielen. Aber trotzdem: um maximale Kontrolle über die Belichtung zu erhalten, sollten Sie nach einem Kameramodell Ausschau halten, welches auch eine volle manuelle Kontrolle zulässt. Hierbei können Sie dann Blende und Zeit selbst vorgeben.

Auch wenn Sie vielleicht die meiste Zeit mit der Vollautomatik arbeiten, so ist es doch angebracht, die Modi mit manuellen Eingriffsmöglichkeiten schnell und einfach zu erreichen. Idealerweise geschieht das über eine Wahlmöglichkeit am Kameragehäuse, z.B. ein Wahlrad. Einige Kameras bieten keine solche externe Wahlmöglichkeit und Sie müssen sich dann per Menü auf dem Display zum gewünschten Modus durcharbeiten. Wenn Sie in Situationen fotografieren, wo schnelle Programmwechsel erforderlich sind, so ist es sinnvoll, zu einer Kamera mit externer Moduswahl zu greifen.




Verschlussgeschwindigkeit und Blenden
Durch die Wahl der Verschlussgeschwindigkeit und der Größe der Blendenöffnung beeinflussen Sie, wie viel Licht auf den Bildsensor gelangt. Ihr oberstes Ziel wird es sein, eine Zeit/Blenden-Kombination zu wählen, welche keine Über- oder Unterbelichtung des Bildes zur Folge hat und das Bild in den Schatten und Lichtern gute Details zeigt.

Mit der Änderung eines der Parameter können Sie das Erscheinungsbild der Aufnahme drastisch verändern. Die Beeinflussung der Verschlussgeschwindigkeit kann die Abbildung von Bewegung im Bild unterstützen oder zerstören. Die Wahl einer anderen Blende beeinflusst die Bildteile, die in der Schärfenebene liegen.

Blende und Verschlussgeschwindigkeit beeinflussen sich umgekehrt proportional. Mit anderen Worten: verändern Sie einen Parameter in die eine Richtung - z.B. geringere Verschlussgeschwindigkeit, um Bewegung einzufrieren -, so müssen Sie den anderen Parameter in die andere Richtung verändern, hier also die Blende vergrößern, um ein gleichermaßen richtig belichtetes Bild zu erhalten, also die gleiche Menge Licht zum Sensor zu lassen. Verschiedene Kombinationen von Blende und Verschlusszeit führen zum gleichen Ergebnis, also der gleichen Lichtmenge, die zum Sensor gelangt.

Viele Kameras bieten Ihnen einen Programm-Modus, der es Ihnen ermöglicht, durch diese verschiedenen gleich belichtenden Kombinationen zu gehen und eine Ihnen genehme auszuwählen. Die Kamera misst dabei die Belichtung und schlägt eine Kombination wie in der Vollautomatik vor. Sie haben nun die Möglichkeit, diese Kombination zu verändern, aber nur in dem Maße, dass die Gesamtbelichtung immer gleich bleibt wie in der Vollautomatik auch. Wenn Sie also z.B. eine größere Schärfentiefe wünschen, passen Sie nach der Messung einfach die Blende an, die Kamera lässt dann nur Verschlusszeiten zu, die die Gesamtbelichtung nicht verändern. Auch wenn Sie die volle manuelle Kontrolle der Belichtung wünschen, so ziehen Sie dennoch eine solche Verschiebungsautomatik in Betracht. Sie werden die Flexibilität dieses Modus lieben lernen.

Die Belichtungsmessung Ihrer Kamera wird eine Blenden/Zeit-Kombination wählen, bei der das Bild korrekt belichtet und gut ausgewogen ist. Manchmal ist eine solche Ausgewogenheit aber nicht erwünscht. Sie werden sich dann wünschen, das Bild mehr oder weniger belichten zu können, um bestimmte Bildteile hervorzuheben.

Wenn Sie eine manuelle Kamera haben, können Sie ausgehend von der Initialmessung eine Über- oder Unterbelichtung von Hand berechnen und die korrigierten Werte wählen.

Eine einfachere Methode ist eine Belichtungskorrektur in der Kamera, mit der Sie schell die Belichtungsmessung der Kamera in die eine oder andere Richtung übersteuern können. Diese Möglichkeit bieten heutzutage selbst einfachste Kompaktkameras. Sie haben bei der Belichtungskorrektur meist die Möglichkeit, in halben oder drittel Blendenstufen bis zu insgesamt zwei Blendenwerte über- oder unterzubelichten.

Der Vorteil einer Beichtungskorrektur liegt darin, dass Sie sich nicht um absolute Werte kümmern müssen, sondern in Relation zur gemessenen Belichtung arbeiten, z.B. also einfach eine Blende unterbelichten können.

Weil diese manuelle Eingriffsmöglichkeit so wichtig ist, ist es sinnvoll, sie schnell und einfach erreichen zu können. Halten Sie also Ausschau nach einer Kamera mit einer externen Bedienmöglichkeit für die Belichtungskorrektur, am sinnvollsten mit einer Einblendung der Korrektur im Sucher oder auf dem Display. Wenn die Kamera eine Korrektur nur über das Kameramenü zulässt, so stellen Sie sicher, dass sie mit einem oder maximal zwei Knopfdrücken erreichbar ist.

Falls die Kamera, die Sie ins Auge gefasst haben eine Belichtungskorrektur nur über das Drücken mehrerer Bedienknöpfe gleichzeitig zulässt, so begeben Sie sich bitte zu Ihrem lokalen Händler und probieren dies an der Kamera aus. So gehen Sie sicher, dass Sie persönlich die Korrektur auch exakt bedienen können und nicht die Kontrolle über alles andere verlieren oder Ihnen die Kamera dabei aus der Hand gleitet.

Die Verschiebungsautomatik und die Belichtungskorrektur decken meist den größten Bedarf an manuellen Eingriffsmöglichkeiten ab. Sie können gezielt bestimmte Belichtungskombinationen wählen und bewusst über- oder unterbelichten. Sinnvoll ist, wenn die Kamera diese Eingriffe im Sucher oder auf dem Display darstellt.


ISO
Bei einer Filmkamera müssen Sie bestimmte Entscheidungen treffen, wenn Sie das Filmmaterial auswählen. Als erstes legen Sie fest, wie lichtempfindlich der Film sein soll. Empfindlichere Filme benötigen kürzere Zeiten, um eine richtige Belichtung zu erhalten. Sie ermöglichen es, in Situationen mit weniger Licht zu fotografieren und ermöglichen andere Belichtungen als im hellen Sonnenlicht. Der Nachteil ist die steigende Körnigkeit mit steigender Lichtempfindlichkeit.

Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO angegeben. Höhere Zahlen bedeuten höhere Empfindlichkeit, damit auch mehr Körnigkeit. Ein Nachteil der festlegenden Auswahl von Filmmaterial ist der, dass Sie den Film einlegen und dann darauf so lange festgelegt sind, bis Sie den Film wechseln, meist also den kompletten Film verschossen haben.

Auch die Bildsensoren von Digitalkameras sind lichtempfindlich und auch dies wird in ISO angegeben. Die meisten Digitalkameras haben eine Grundeinstellung von ungefähren ISO 100, was Sie aber von Bild zu Bild verändern können. Das versetzt Sie in die Lage die Lichtempfindlichkeit für ein Bild bei weniger Licht heraufzusetzen, wo hingegen das nächste Bild im Sonnenschein einfach mit einer niedrigeren Empfindlichkeit gemacht werden kann. Da die Empfindlichkeit anders als beim Film von Bild zu Bild geändert werden kann, ist sie praktisch ein dritter veränderlicher Belichtungsparameter. Auch bei dieser Einstellmöglichkeit ist eine schnelle und einfache Bedienung wünschenswert. Beachten Sie bitte aber auch die Veränderung der Bildqualität bei veränderten ISO-Einstellungen (dazu später mehr).


Weißabgleich
Eines der erstaunlichsten Leistungen des menschlichen Auges ist die, Farben unabhängig vom umgebenden Lichttyp richtig sehen zu können. Weder ein analoger Film noch eine digitale Kamera ist dazu in der Lage. Beim Fotografieren mit einer digitalen Kamera muss diese auf die aktuelle Lichtsituation, sprich: Farbtemperatur, eingestellt werden. Das nennt man Weißabgleich.
Anmerkung: Falls Sie beabsichtigen, Bilddaten im RAW-Format aufzeichnen zu lassen, so ist der Weißabgleich in der Kamera nicht von so großer Bedeutung, da er auch nach der Aufnahme per RAW-Konverter-Software im Computer verändert werden kann.

Heutzutage verfügen fast alle Kameras über einen ausgezeichneten automatischen Weißabgleich. Dennoch gibt es Situationen, in denen diese Automatik durch Bildteile fehlgeleitet wird.

Viele Kameras verfügen über ein Repertoire an Weißabgleichsvoreinstellungen für bestimmte Lichtsituationen wie z.B. Glühlampenlicht, Sonnenschein, Bewölkung, Schatten usw. Viele Modelle ermöglichen es auch, in diesen Voreinstellungen kleine Korrekturen vorzunehmen oder gar den Weißabgleich ganz manuell zu machen, was die maximale Einflussnahme ermöglicht.

Da die Einstellung des Weißabgleichs für eine bestimmte Lichtsituation vorgenommen wird und diese sich meist nicht schnell und drastisch ändert, z.B. bei Studioaufnahmen, ist eine ebenso schnelle Bedienbarkeit wie bei der Belichtungskorrektur oder anderer Belichtungsparameter nicht so wichtig. Vergewissern Sie sich lediglich, dass die Einstellmöglichkeiten des Weißabgleichs nicht zu tief im Kameramenü versteckt sind.


Herzlichen Glückwunsch! Sie sind auf dem richtigen Weg!
An diesem Punkt haben die Ihre Entscheidungen bezüglich des Preises, des Kameratyps, der Auflösung und der Belichtungsmöglichkeiten getroffen und somit die kritischste Phase der Auswahl hinter sich. Nun sind Sie bereit, sich mit den sekundären Merkmalen der Kameras auseinanderzusetzen.
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Gruß, scorpio - aka Rüdiger


Geändert von scorpio (17.07.2006 um 10:45 Uhr)
scorpio ist offline  
Alt 16.07.2006, 20:56   #4
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Teil 3

Die Auswahl einer geeigneten Kamera erfordert das Abwägen einer Menge von konkurrierenden Merkmalen vieler verschiedener Kameramodelle. Ihre Aufgabe ist es, ein Modell zu finden, welches die Bedienbarkeit bietet, die Sie sich wünschen, die Ausgabequalität bietet, die Sie brauchen und mit der es einfach ist, umzugehen. Und natürlich muss die Kamera sich in einem Preissegment befinden, welches Sie sich leisten wollen.

In den ersten beiden Teilen haben wir uns durch eine Reihe von Entscheidungen gekämpft, um die Anzahl der in Frage kommenden Kameras auf ein überschaubares Maß zu bringen. Die wichtigsten Auswahlen - Preis, Kameratyp, Auflösung und Belichtungskontrollen - wurden von Ihnen bereits getroffen.

Mehr als die Hälfte des Weges zur Kaufentscheidung liegt nun bereits hinter Ihnen. Sie sind nun bereit, Ihr Augenmerk auf Belichtungsmessung, Objektive, Bildstabilisierung, Autofokus und Blitzgerät zu legen.


Belichtungsmessung
Ob Sie nun die Belichtungsmessung vollautomatisch der Kamera überlassen oder Ihre Entscheidung zur Belichtung durch Erfahrung selbst fällen und manuell eingreifen, ein guter Belichtungsmesser ist mehr als wichtig, um zu einer korrekten Aufnahme zu gelangen. Obwohl es nun möglich wäre, ellenlange Aufsätze über die technischen Unterschiede, Vor- und Nachteile bestimmter Belichtungsmesssysteme zu verfassen, seien Sie sich versichert, dass die Kameras aller namhaften Hersteller in ihren Kameras ausgezeichnete und hochwertige Messsysteme eingebaut haben.

Wichtig ist allerdings ein Blick auf die verschiedenen Messmethoden, die eine Kamera bereitstellt. Die meisten Kameras bieten eine oder zwei Methoden an und wenn Sie auch mit einer Matrix-Methode (auch Mehrfeldmessung, Matrixmessung oder Multisegmentmessung genannt) in den meisten Situationen gute Ergebnisse erzielen, so ist es doch oftmals wünschenswert, auf andere Methoden zurückgreifen zu können, um andere Lichtsituationen bewältigen zu können.

Eine Matrixmessung unterteilt das Sucherfeld in ein Raster, misst jede sich ergebende Zelle aus und berechnet dann eine durchschnittliche Belichtung, die die gesamte Szene erfasst. Die Matrixmessung ist für fast alle Situationen geeignet und die eingebauten Berechnungsmethoden der meisten großen Hersteller erzielen ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Dennoch wird die Matrixmessung in manchen Situationen den Bildvordergrund wohl unterbelichten, z.B. wenn ein helles Fenster oder eine Landschaft im Hintergrund ist. Für diese Fälle ist eine Mittenbetonte Messung vorteilhafter. Sie arbeitet fast genau wie die Matrixmessung, gewichtet bei der Berechnung aber die Bildzellen um das Zentrum stärker,

Eine Spotmessung ist von großer Bedeutung für Fotografen, die die Belichtungsmessung auf einen kleinen, ganz genau definierten Bereich des Bildes legen wollen. In Situationen mit sehr hohen Kontrasten kann eine Spotmessung verhindern, dass Bildteile überbelichtet werden, indem die Spotmessung auf eben diese Bereiche gelegt wird.

Die für Sie ideale Kamera muss nicht zwangsläufig alle diese Messmethoden bereitstellen. Sie sollten aber überlegen, welche Methoden Sie für Ihre Art der Fotografie benötigen.

Bei den meisten Kameras erfolgt die Messung durch das Objektiv (through the lens, TTL). Das bedeutet, der Belichtungsmesser "schaut" durch die Optik auf die Szene und bewertet sie. Ein TTL-Belichtungsmesser hat dadurch den Vorteil, auch bei Objektivvorsätzen wie z.B. Filtern korrekt messen zu können, weil er eben auch durch diese Vorsätze hindurch misst. Wenn auch sehr rar, so gibt es doch einige wenige Kameramodelle, bei denen der Belichtungsmesser außerhalb sitzt und er deswegen nicht durch die Optik misst. In sehr seltenen Situationen kann die Messung eines solchen externen Belichtungsmessers irritiert werden und er somit ein falsches Messergebnis liefern.


Scharfe Optiken
Bei der Auswahl einer Kamera ist es leicht, bei Auflösung und Bildprozessparametern hängen zu bleiben, wenn es um die Beurteilung der voraussichtlichen Bildqualität geht. Wenn allerdings die Kamera eine lausige Optik besitzt, zählen Auflösungsvorteil und die besten Prozessparameter nicht mehr viel.

Um eine Optik zu beurteilen, muss man sich das Bildergebnis, wie es aus der Kamera kam, ansehen. Das Display der Kamera ist viel zu klein, um die Qualität einer Optik oder anderer Bildqualitätsmerkmale zu beurteilen. Das geht sehr viel genauer an einem Computermonitor. Falls Ihr lokaler Händler keinen Computer bereitstellt, an dem Sie sich Testbilder der Kameras ansehen können, so gehen Sie bitte hin und nehmen eine Speicherkarte, die zu Ihrem potentiellen Modell kompatibel ist. Mit dieser Speicherkarte gehen Sie zu Ihrem Händler und nehmen darauf ein paar Testbilder auf. Die meisten Händler ermöglichen zumindest das. Diese Testbilder können Sie dann in Ruhe zu Hause untersuchen. Viele Internetseiten mit Kameratests stellen solche Testbilder ebenso zur Verfügung, zum Teil in voller Auflösung.

Bei einer Kompaktkamera mit eingebautem Objektiv stellt sich die Objektivauswahl relativ einfach dar. Bei einer digitalen Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit, die Objektive zu wechseln, ist das eine völlig andere Sache. Sie müssen z.B. entscheiden, welche Brennweite die Optik bereitstellen soll, um für Ihre bevorzugten Motive geeignet zu sein. Ein Teleobjektiv für Sport- und Naturfotografie, ein Weitwinkel-Objektiv für Landschaftsaufnahmen und eines dazwischen für die allgemeinen Aufnahmen.

Aber ob Sie nun eine Optik an einer Kompaktkamera beurteilen oder an einer Spiegelreflexkamera, die Auswahlkriterien sind dieselben:

- wie gut sind Schärfe und Fokus in allen Bereichen? Kann die Optik feine Details auflösen? Sind die Bildecken ebenso scharf wir die Bildmitte? Betrachten Sie das auch über den gesamten Zoom-Bereich bei Optiken mit variablen Brennweiten. Manche Optiken können die Bildschärfe in den Ecken im Weitwinkelbereich nicht halten. Nehmen Sie auch Bilder mit unterschiedlichen Blenden auf, vornehmlich solche mit größerer Blendenöffnung (kleinere Blendenzahl). Aber auch mit kleiner werdender Blende verliert das Bild irgendwann an deutlich Schärfe (wenn auch die Schärfentiefe steigt) aufgrund von Lichtbeugung. Stellen Sie fest, bei welcher Blende das der Fall ist.

- schattet die Optik das Bild an den Rändern ab (Vignettierung)?

- wird das Bild bei Einstellung der Optik in die Zoom-Endbereiche (höchste und niedrigste Brennweite) verzerrt? Die tonnenförmige Ausstülpung vertikaler Linien nach innen oder außen ist meist nur bei Weitwinkelobjektiven ein Problem. Aber selbst wenn eine Optik leichte Verzerrungen abliefert, mag das in alltäglichen Situationen hinnehmbar für Sie sein.

- Hat die Optik Probleme mit Lichthöfen und Spiegelungen (Lens-Flares)? Das sind farbige Reflexionen, die meist nur im Weitwinkelbereich auftreten, wenn gegen eine Lichtquelle fotografiert wird. Solche Reflexionen sind im Nachhinein fast nicht mehr aus dem Bild entfernbar.


Auch einige praktische Merkmale bedürfen der Betrachtung:

- kann man an die Optik Vorsätze anbringen? Einige Kompaktkameras bieten die Option, Weitwinkel- oder Televorsätze anzubringen. Wenn das der Fall ist, schauen Sie nach einer Bajonetthalterung dafür. Sie ist einfacher zu handhaben als eine Gewindehalterung. Beachten Sie hierbei, dass einige Kompaktkameras dann nur noch das Display als Sucher anbieten, da die optischen Sucher dieser Kameras von solchen Vorsätzen irritiert werden.

- hat die Kamera eine elektrische oder manuelle Zoom-Kontrolle? Eine manuelle ist einer elektrischen aufgrund der schnelleren Verstellmöglichkeit immer vorzuziehen. Bei kleineren Kompaktkameras gibt es aber oft einfach nicht den Platz für eine solche manuelle Zoom-Kontrolle.


35mm-Äquivalenz
Die Sensoren der meisten Digitalkameras sind sehr viel kleiner als die Fläche eines Kleinbildfilms. Wenn Sie die Bildaufnahmefläche einer Kamera verändern, verändern Sie den Bildwinkel, der aufgenommen wird, bei jeder gegebenen Brennweite. So wird aus dem Bildfeld eines 50mm-Objektives, welches an einer Kleinbildkamera ungefähr das Sichtfeld eines menschlichen Auges abbildet, an einer typischen digitalen Kompaktkamera ein extremes Teleobjektiv mit einem sehr viel engeren Bildwinkel.

Die meisten digitalen Kompaktkameras haben Optiken mit recht kleinen Brennweiten, üblicherweise um die 8 bis 20mm. Da die Sensorgrößen aber an verschiedenen Kameramodellen unterschiedlich sind, sagt diese Brennweitenangabe nicht viel aus, welche Bildwinkel die Kamera denn nun mit diesen Brennweiten abbildet. Die Hersteller haben sich dazu eine Angabe einfallen lassen: die Kleinbild- oder 35mm-Äquivalenz. Diese Angabe sagt aus, welche Brennweite an einer Kleinbildkamera denselben Bildwinkel erzeugen würde wie die Optik dieser Digitalkamera mit diesem Sensor.

Unglücklicherweise haben die Kamerahersteller auch eine andere Angabe eingeführt, die aus dem Markt für Video-Kameras entliehen wurde und Optiken nach einem Multiplikationsfaktor einteilt, ein 3-fach- oder 4-fach-Objektiv z.B.
Dies ist allerdings eine ziemlich nutzlose Angabe, da sie nichts über den Brennweitenbereich aussagt. Beginnt der Bereich weitwinklig und wird dann verdreifacht oder beginnt er im Telebereich und wird dann drei mal so groß?

Einige Hersteller schreiben die 35mm-Äquivalenz an ihre Objektive. Die meisten allerdings erwähnen sie nur in den Kamerahandbüchern, so dass Sie in der Regel den entsprechenden Brennweitenbereich selbst herausfinden müssen.

Wenn Sie den Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera beabsichtigen, schauen Sie nach dem so genannten "Crop-Faktor" oder Multiplikator. Dies ist der Faktor, mit dem Sie die Brennweite einer Optik multiplizieren können, um die Brennweite zu erhalten, die an einer Kleinbildkamera denselben Bildwinkel erzeugt, wie diese Optik an dieser Digitalkamera. Beispiel: Eine digitale Canon EOS 350D hat einen Crop-Faktor (Multiplikator) von 1.6. Wenn Sie nun ein 50mm Objektiv an dieser Kamera benutzen, so erzeugt dieses einen Bildwinkel wie ein 80mm-Obkjektiv an einer Kleinbildkamera (50x1.6).

Des einen Freud', des anderen Leid
Die Veränderung des Bildausschnittes durch den Crop-Faktor hat für den Fotografen - abhängig vom bevorzugten Einsatzbereich - Vor- oder Nachteile. Natur- und Tierfotografen freuen sich über einen großen Crop-Faktor, da sich hier quasi eine "Brennweitenverlängerung" ergibt. Für den Bildausschnitt, wie er bei einer bestimmten Brennweite an einer analogen Kleinbildkamera erzeugt wird, benötigt man bei einem Crop-Faktor von z.B. 1,6 eine entsprechend geringere Brennweite. Das spart Geld und Gewicht. Muss man beim Kleinbild z.B. ein 500mm-Objektiv benutzen, genügt bei einem Crop-Faktor von 1,6 für dasselbe Motiv und denselben Bildausschnitt eine Optik mit etwa 300 mm Brennweite. Bei einem Crop-Faktor von 2 genügt sogar schon eine Brennweite von 250 mm. Diese Unterschiede zeigen sich natürlich auch im Preis, der bei einem 500mm Objektiv im Vergleich zu einem 300mm Objektiv durchaus schon mal das Vierfache ausmachen kann.

Wer dagegen dramatische Perspektiven mag und bei analogen Spiegelreflexkameras mit Brennweiten unter 20 mm arbeiten würde (oder gar mit Fischeye-Objektiven), wird mit einem hohen Crop-Faktor wahrscheinlich nicht glücklich werden. Die Herstellung guter Weitwinkelobjektive ist fast noch aufwändiger und teurer als die Produktion von langbrennweitigen Teleobjektiven. Bei Canon gibt es als kleinste Festbrennweite z.B. 14 mm. An einer analogen Spiegelreflexkamera ist das ein sehr starkes Weitwinkelobjektiv. An einer digitalen Kamera mit Crop-Faktor von 1,6 entspricht der Bildwinkel dem einer Brennweite von 22 mm am Kleinbildformat. Weitwinkel wird also teuer. Auch hier sind Preisunterschiede bis zum Vierfachen nicht ungewöhnlich.
Die meisten Hersteller von DSLRs mit verschiedenen Sensorgrößen versuchen diese "Weitwinkelschwäche" ihrer Kameras mit kleineren Sensoren durch spezielle Objektive auszugleichen. Ganz so weitwinklig wird es dabei aber nie - zumindest nicht mit einer Abbildungsleistung die den Festbrennweiten entspricht.

Noch schlimmer ist die Situation bei den digitalen Kompaktkameras. Hier wird der Weitwinkelbereich meist sehr stiefmütterlich behandelt. Bei einer Äquivalenzbrennweite von 28 mm oder 24 mm ist meistens Schluß - viele Kompaktkameras beginnen auch erst bei 35 mm. Die gelegentlich zusätzlich angebotenen Weitwinkelvorsätze reduzieren im Allgemeinen die Abbildungsleistung drastisch, so dass sie keine wirkliche Alternative darstellen.

Die verschiedenen Kamerahersteller zeigen sich auf dem Feld der Weitwinkeloptiken für Kameras mit kleinem Sensor unterschiedlich engagiert, so dass es hilfreich erscheint, sich bei entsprechendem Interesse näher damit zu befassen und die vielfältigen und vor allem aktuellen Informationsmöglichkeiten zu nutzen.

Man sollte sich also zum Crop-Faktor einige Gedanken machen, da er, wenn falsch gewählt, schnell Investitionen bei den Objektiven verursachen kann, die den Kaufpreis der Kamera weit übersteigen.

Viele Hersteller haben inzwischen spezielle "digitale Objektive" entwickelt, die dazu gedacht sind, an digitalen Kameras mit einer bestimmten Sensorgröße zu arbeiten. Prinzipiell erzeugen diese Objektive einen kleineren Bildkreis, der gerade ausreicht, den Sensor abzudecken. Weil sie weniger abbilden müssen als Objektive für das größere 35mm-Format, können sie leichter, kleiner und preiswerter gebaut werden. Aber auch hier müssen Sie den "Brennweiten-Multiplikator" berücksichtigen, wollen Sie die Bildwinkel vergleichen können.

Berücksichtigen Sie bei der Auswahl die maximal mögliche Blendenöffnung (größere Blenden haben kleinere Blendenzahlen). Ein Objektiv mit großer Blendenöffnung lässt eine geringere Schärfentiefe zu und ermöglicht kürzere Belichtungszeiten, um z.B. Bewegung einzufrieren.

Bildstabilisator
Einige Optiken - Wechseloptiken für digitale Spiegelreflexkameras ebenso wie fest eingebaute in Kompaktkameras - bieten einen Bildstabilisator. Die meisten Stabilisierungstechniken arbeiten mit einer beweglichen Linsengruppe. Durch Bewegen der Linsengruppe werden die in die Optik einfallenden Lichtstrahlen so abgelenkt und auf den Sensor geleitet, dass eine Bewegung des Kameragehäuses kompensiert wird.

Eine gute Bildstabilisierung wertet jede Optik auf und kann das Schärfeergebnis ist fast jeder Aufnahmesituation verbessern. Dennoch, eine Stabilisierung ist nur in zwei Situationen wirklich sinnvoll:

- das Fotografieren mit sehr großen Brennweiten wird erheblich erleichtert

- das Fotografieren aus der Hand in Situationen mit wenig Licht wird ermöglicht. In einer Umgebung mit wenig Licht wird. z.B. der Belichtungsmesser der Kamera eine Belichtungszeit von z.B. 1/30 vorgeben. Dies ist ohne Unschärfe zu erzeugen aus der Hand relativ schwierig. Eine gute Bildstabilisierung kann das auffangen. Einige Stabilisierungstechniken versprechen einen Gewinn von bis zu drei Blendenstufen, die der Verschluss langsamer sein kann als ohne Stabilisierung.

Doch obwohl Bildstabilisierung ein echter Gewinn für Freihandaufnahmen ist, so ist sie für Stativaufnahmen nicht geeignet.

Natürlich schützt eine Bildstabilisierung nicht grundsätzlich vor verwackelten, unscharfen Aufnahmen. Aber sie hilft in Situationen mit wenig Licht und kann die Bildqualität so signifikant verbessern.


Autofokus und digitaler Zoom
Alle Digitalkameras besitzen heutzutage ein Autofokussystem. Und einige sind definitiv besser als andere.

Betrachten Sie zunächst die Geschwindigkeit, mit der die Kamera einen Fokuspunkt findet und ihn festhält. Sie wollen sicher keinen flüchtigen Moment verpassen, nur weil die Kamera so langsam fokussiert und ewig braucht, bis sie sich mal für einen Fokuspunkt entschieden hat.

Die meisten Kameras messen den Fokus über Kontraste in der Bildszene. Höhere Kontraste bedeuten bessere Schärfe und somit einen exakteren Fokus. Während solche Kontrastsysteme gewisse Vorteile bieten - sie sind z.B. in der Entfernung nicht limitiert, funktionieren auch durch Glasflächen hindurch -, so sind sie doch auch gerade in ungünstigen Lichtsituationen anfällig, bei denen wenig Kontrast herrscht. Ich empfehle, auf eine Kamera zu achten, die eine Fokussierhilfe bietet. Das ist eine zusätzliche Lichtquelle an der Kamera, die die Szene beleuchtet, um größere Kontraste zu erzeugen und so dem Autofokussystem zu helfen. Falls die von Ihnen ins Auge gefasste Kamera eine solche Hilfe nicht bietet, finden Sie heraus, ob der interne Blitz der Kamera eventuell als solche Fokussierhilfe genutzt werden kann.

Viele Kameras bieten die Auswahl mehrerer Fokusmesspunkte an. Das bedeutet, Sie können die Fokusmessung an verschiedenen Bildteilen vornehmen, nicht allein in der Bildmitte. So kann das Autofokussystem zwischen Vorder- und Hintergrund gewichten und der Fokus exakt gelegt werden. Testen Sie dieses Merkmal mit verschiedenen kniffligen Bildkompositionen. Und weil kein System perfekt ist, legen Sie bitte Wert darauf, dass Sie die Wahl des Fokusmesspunktes manuell vornehmen können.

Die Beurteilung des digitalen Zooms ist einfach: kümmern Sie sich bitte nicht darum. Digitalzooms interpolieren den Bildinhalt per Software auf eine größere Bildgröße. Die Bildbearbeitungssoftware Ihres Computers kann das sehr viel besser.


Blitzgerät
Die Auswahl eines internen Blitzgerätes für eine Kompaktkamera ist sehr viel schwieriger als für eine Spiegelreflexkamera, weil Kompaktkameras mit Blitzgeräten mehr Probleme bereiten. Als erstes betrachten Sie die Reichweite. Kleine Kameras bieten nur Blitze mit kleiner Reichweite. Ein Blitz mit einer Reichweite von unter 3 Metern ist meist wenig hilfreich.

Kompaktkamerablitze tendieren dazu, sehr schnell rote Augen bei Personenaufnahmen zu erzeugen, weil sie sehr nah an der optischen Achse der Kamera verbaut sind. Um das Risiko zu minimieren, halten Sie Ausschau nach einer Kamera mit einer "Rote-Augen-Reduktion". Einige Kameras bieten sogar eine Kamera-interne Funktion, rote Augen aus dem Bild zu entfernen. Diese Funktionen sind beim Händler schnell und einfach zu prüfen. Fotografieren Sie einfach den eifrigen Verkäufer. (Der aufgrund Ihrer überragenden Fachkenntnis noch eifriger wird und davon träumt, Ihnen eine wirklich trendige Kamera zu verkaufen. Oder Sie fotografieren einen unbeteiligten Zuschauer.)

Die meisten Spiegelreflexkameras der unteren und mittleren Klasse besitzen ein aufklappbares internes Blitzgerät. Auch sie sind relativ klein und bieten deshalb recht wenig Reichweite, typischerweise um die 3 bis 4 Meter. Weil sie weiter von der optischen Achse weg eingebaut sind, ist das Problem der roten Augen etwas geringer.

Bei jeder Kamera mit eingebautem Blitzgerät achten Sie bitte auf die Möglichkeit der Blitzbelichtungskorrektur. Diese Möglichkeit ist oft der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Blitzaufnahme. Die Blitzbelichtungskorrektur lässt Sie die Blitzstärke nach oben oder unten beeinflussen. Sehr hilfreich ist dies z.B. in dunklen Situationen, bei denen die automatische Blitzmessung ein Motiv überblitzen würde.

Ernsthafte Blitzfotografen werden sicher nach der maximalen Flexibilität und Kontrolle des Blitzes schauen und eine Kamera wählen, die den Anschluss eines externen Blitzgerätes zulässt. Betrachten Sie hierbei auch das gesamte externe Blitzsystem: lässt es TTL-Messung zu? Sind - eventuell sogar kabellose - Zweitblitze ins System integrierbar?


Schwimmen Sie noch ein Stück weiter

An diesem Punkt der Auswahl angelangt, haben Sie schon aus dem Meer der erhältlichen Kameras einen kleinen Teich gemacht. Alles, was nun noch betrachtet werden muss, sind sekundäre Merkmale, die vielleicht ein Modell vom anderen unterschieden und die Betrachtung und Gewichtung der Bildqualität.
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Gruß, scorpio - aka Rüdiger


Geändert von scorpio (06.10.2010 um 22:03 Uhr)
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Alt 16.07.2006, 21:02   #5
scorpio
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Teil 4
Teil 4? Ja. Ok, dies ist weniger eine Taschenkarte zum Kauf einer Digitalkamera. Viele Entschlüsse müssen gefasst und eine Menge Merkmale abgewägt werden, wenn Sie mit Ihrer Auswahl die nächsten Jahre zufrieden sein wollen.

Einiges in dem nun folgenden Teil werden Sie als unnötige Spielereien abtun. Dennoch, wenn Sie erst einmal einige Zeit mit diesen Spielereien verbracht haben, werden Sie feststellen, dass sie Ihnen ermöglichen, ein produktiverer Fotograf zu sein. Deshalb sind sie es wert, bei der Kaufentscheidung betrachtet zu werden.


Kameradesign und Sucher
Eines der grundlegenden und wichtigen Designmerkmale, die es zu betrachten gilt, ist der Sucher. Viele digitale Kompaktkameras bieten einen optischen Sucher und ermöglichen zusätzlich, das Display als Sucher zu nutzen.
Unglücklicherweise legen die meisten Hersteller nicht viel Wert auf die Qualität der optischen Sucher. Mit "optischer Sucher" ist hier der kleine Durchschschaukasten an den meisten Kompaktkameras gemeint. Die optischen TTL-Sucher digitaler Spiegelreflexkameras werden von den hier angeführten Problemen nicht berührt.

Der typische optische Sucher einer digitalen Kompaktkamera deckt nur ca. 85% des Bildes ab, welches auf den Sensor kommt. Der aufgezeichnete Bildausschnitt ist also erheblich größer. Er verwirft also ca. 15% der Auflösung in der Anzeige. Das ist natürlich frustrierend, nachdem Sie sich mit der Findung der für Sie geeigneten Auflösung solch eine Mühe gemacht haben. Zudem sind die optischen Sucher an Kompaktkameras wenig klar, zeigen keine Kameraeinstellungen im Sichtfeld an und sind nicht in der Lage, die Effekte von Filtern und Objektivvorsätzen einzubeziehen.

Ein LCD-Sucher dagegen zeigt in der Regel 99-100% des Bildes, wie es auf den Sensor kommt, zeigt auch die Filter- und Vorsatzeffekte sowie alle relevanten Kameraeinstellungen an. Sie sind allerdings anfällig gegen helles Sonnenlicht, welches die Lesbarkeit des Displays stark beeinträchtigen kann, auch wenn sie selbst sehr hell eingestellt werden können. Einige Displays wurden speziell behandelt, um Spiegelungen und Reflexionen zu verringern. Aber selbst diese Displays können bei Außenaufnahmen in der Lesbarkeit beeinträchtigt werden. LCD-Sucher können auch Probleme bei sehr dunklen Situationen bereiten: sie bleiben einfach schwarz. LCD-Sucher können einen Kontrastumfang von ca. 10 Blendenstufen anzeigen, wo hingegen das menschliche Auge ca. 18-20 Blendenstufen erfassen kann.

Weil beide Sucherarten ihre Nachteile haben, sind meist beide Arten in den Kompaktkameras anzutreffen, damit sie gegenseitig die Schwächen kompensieren. Besonders kleine Kompaktkameras bieten oft keinen Platz für optische Sucher, so dass hier nur das Display als Sucher dienen kann. Wenn Sie sich auf eine solch kleine Taschenkamera festgelegt haben, stellen Sie bitte vorher fest, ob Sie nur mit dem Display als Sucher arbeiten können.

Egal welche Sucherarten Ihre potentielle Kamera bietet, beachten Sie die Sucheroptionen. Wenn Sie bevorzugen, die Kamera zu Ihrem Kopf führen und somit die Außenwelt abschirmen, werden Sie mehr Wert auf die Ausführung des optischen Suchers legen. Wenn Sie die Flexibilität des LCD-Suchers bevorzugen - die Möglichkeit von Überkopfaufnahmen oder Schüssen "aus der Hüfte" z.B. -, beachten Sie bitte besonders die LCD-Qualität und die Art des Displayeinbaus. Manche sind fest eingebaut, manche flexibel dreh- und schwenkbar.

Manche Kameras, besonders solche mit Teleobjektiven, besitzen einen elektronischen Sucher, meist ist dies ein Okular mit eingebautem kleinem Display anstatt eines optischen Systems. Diese Systeme sind technisch meist identisch mit denen, die man in Video-Kameras findet und bieten die meisten Vorteile eines LCD-Suchers - gute Bildabdeckung und die permanente Anzeige der wichtigen Kameraeinstellungen.

Unglücklicherweise bieten die meisten Systeme dieser Art eine schlechte Detailabbildung und frieren zudem das Bild beim Fokussieren ein. Wenn Sie sich für eine Kamera mit einem solchen elektronischen Suchersystem entscheiden wollen, so testen Sie bitte vor dem Kauf das Suchersystem mit Weitwinkelaufnahmen und solchen mit feinen Details, um zu beurteilen, ob Sie mit der Detailauflösung des Suchers auskommen. Beachten Sie bitte auch, dass diese Sucherart die gleichen Nachteile im Bezug auf die darstellbare Dynamik hat wie ein normaler LCD-Sucher.

Wenn Sie sich für eine digitale Spiegelreflexkamera entschieden haben, brauchen Sie sich um solche Probleme weniger zu sorgen. Mit der Ausnahme einiger Modelle von Olympus kann bei DSLR-Kameras das Display nicht als Sucher genutzt werden. Weil das Licht, welches durch die Optik in die Kamera gelangt, von einem Spiegelsystem in den optischen Sucher geleitet wird und nicht auf den Sensor, kann das Display nicht als Sucher dienen. Einige Olympus-Modelle nutzen einen separaten Sensor oder einen Strahlenteiler, um eine Sucheroption auch über das LCD zu bieten.

Dennoch ist es ratsam, sich einige Zeit mit den Suchersystemen zu beschäftigen, wenn Sie verschiedene Spiegelreflexkameras vergleichen. Einige Kameras haben größere Sucher als andere, einige bieten eine größere Helligkeit. Ein großer heller Sucher ist ein Gewinn an Fotografiekomfort. Ebenso ist es wichtig, im Sucher die Statusanzeigen der Kamera sehen zu können. Idealerweise wird dort die komplette Belichtungseinstellung, die ISO-Empfindlichkeit und eine eventuelle Belichtungskorrektur angezeigt.

Unabhängig davon, ob Sie sich für eine DSLR oder eine Kompaktkamera entscheiden, es ist vorteilhaft, eine separate LCD-Anzeige für die Statusanzeigen der Kamera zur Verfügung zu haben. Auch wenn die Displays der Kameras eine Fülle an Informationen und Details zur Aufnahme liefern, so ist es doch unvorteilhaft die Kamera drehen zu müssen, nur um die Anzahl der Bilder festzustellen, die noch auf die Speicherkarte passen.


Leistungsfähigkeit
Viele Merkmale tragen zur Gesamtleitungsfähigkeit einer Kamera bei und Sie werden diese alle unter die Lupe nehmen wollen, um zu entscheiden, ob sie Ihren Anforderungen genügen oder ob Sie dadurch Gelegenheiten verpassen, ein gutes Bild zu schießen.

Auslöseverzögerung

Das am meisten frustrierende Leistungsmerkmal ist eine eventuelle Auslöseverzögerung. Das ist eine Pause zwischen dem Druck auf den Auslöser und der Aufnahme des Bildes auf den Sensor. Die Auslöseverzögerung war früher ein großes Problem. Bei modernen Kameras tritt es nicht mehr so deutlich auf, ist aber dennoch auch heute noch anzutreffen. Beachten Sie bei Ihrer Auswahl also auch diesen Aspekt besonders.

Nach dem Auslösen hat eine Kamera jede Menge zu tun, um das Bild zu berechnen und zu speichern. Die meisten Kameras besitzen einen internen Speicher, in den die Bilder zunächst zwischengespeichert werden, bevor sie auf die Speicherkarte geschrieben werden. Während dieser Zwischenspeicherung kann weiter fotografiert werden. Ist der interne Speicher voll, muss erst auf die Karte geschrieben werden, um den internen Speicher zu leeren. In dieser Zeit können Sie keine weiteren Bilder aufnehmen. Die Größe des internen Speichers und die Schreibgeschwindigkeit sind ein Indiz dafür, wie schnell eine Kamera wieder einsatzbereit ist, nachdem der interne Speicher gefüllt wurde.

Obwohl diese Geschwindigkeit exakt gemessen werden kann, so ist es doch einfacher, in schneller Folge so viele Bilder wie möglich zu machen. Machen Sie so lange weiter, bis die Kamera weitere Bilder verweigert und den internen Speicher leeren muss. Dann beobachten Sie, wie lange es dauert, bis die Kamera wieder schussbereit ist. Wenn die Kamera einen Serienbildmodus bietet, so nutzen Sie diesen, um den Test durchzuführen.

Solch einfache Tests geben Ihnen einen Eindruck davon, ob die Kamera Ihren Erfordernissen entspricht. Eine berechtigte Fragestellung, wenn Sie beabsichtigen, Sport-, Tier- oder andere Aufnahmen zu machen, die schnelle Bildfolgen erfordern.

Wenn Sie beabsichtigen im RAW-Format aufzunehmen, benutzen Sie bitte auch beim Test den RAW-Modus der Kamera. Aufgrund der unterschiedlichen Dateigrößen können Kameras, die schnelle Bildfolgen im JPG-Modus ermöglichen, bei Aufnahmen im RAW-Modus signifikant langsamer sein.

Einschaltverzögerung
Es ist ebenso wichtig zu wissen, wie lange die Kamera braucht, um nach dem Einschalten schussbereit zu sein. Wenn Sie zu lange braucht, werden Sie möglicherweise einige interessante Aufnahmen verpassen. Die meisten Kameras haben einen Bereitschaftsmodus. Wenn Sie sie innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nicht benutzen, schalten Sie in diesen Strom sparenden Modus. Wenn Sie dann den Auslöser halb drücken, erwacht die Kamera wieder aus diesem Modus. Diese Aufwachzeit ist ebenso wichtig. Je schneller, je besser.

Histogramm

Ein Histogramm ist eine grafische Darstellung der Tonwertverteilung im Bild. Es ist eine unbezahlbare Hilfe bei der Beurteilung, ob ein Bild über- oder unterbelichtet und ob der volle mögliche Dynamikumfang der Kamera ausgenutzt wurde.



Bei vielen der heute erhältlichen Kameras lässt sich ein solches Histogramm für jedes aufgenommene Bild anzeigen. Weil die LCD-Monitore der Kameras Farben und Kontraste nicht exakt wiedergeben können, ist ein Histogramm oftmals die einzige Möglichkeit festzustellen, ob ein Bild richtig belichtet wurde. Wenn Sie eine Kamera mit irgendeiner Art der manuellen Belichtungskontrolle ins Auge gefasst haben, so ist die Möglichkeit der Histogrammanzeige ein Muss.

Wenn Sie die Histogramm-Optionen betrachten, so achten Sie auf gute und einfache Lesbarkeit. Ein Mehrkanal- oder RGB-Histogramm, bei dem ein Histogramm für jeden der drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau angezeigt werden kann, ist eine Steigerung, aber keine absolute Notwendigkeit.

Einige Kompaktkameras bieten ein Live-Histogramm als Echtzeitanzeige auf dem LCD-Monitor, so dass Sie die Auswirkungen von Änderungen an den Kameraeinstellungen sofort beurteilen können. Sie nehmen allerdings relativ viel Platz auf dem Monitor ein und sind oftmals schwer ablesbar.

Belichtungsspeicherung und Panoramakontrollen
Bei jedem Druck auf den Auslöser berechnet eine Kamera im Automatik-Modus die Belichtung eines Bildes neu. Wenngleich dies eine erhebliche Erleichterung bedeutet und meist viel Zeitersparnis bringt, so wird es doch Situationen geben, wo Sie das nicht möchten.

Wenn Sie z.B. ein Panorama aus mehreren Aufnahmen schießen wollen - die Einzelaufnahmen werden später im Computer zu einem Gesamtbild zusammengesetzt -, soll die Kamera nicht jedes Bild neu ausmessen, weil das zum Teil starke Unterschiede zwischen den Einzelbildern erzeugt, die im zusammengesetzten Bild stören und nur schwer zu beheben sind. Mit einer Belichtungsspeicherung können Sie die letzte gemessene Belichtung festsetzen und auf weitere Bilder anwenden.

Einige Kameras bieten zusätzlich Kontrollen zur Erstellung von Panoramen an. Dazu gehören auf dem Monitor eingeblendete Hilfslinien, die sicherstellen, dass die Überlappung der Bilder für eine Kombination der Einzelbilder zu einem Panorama ausreichend ist.

Eine Belichtungsspeicherung ist auch für normale Aufnahmesituationen hilfreich. Sie sorgt dafür, dass das Autofokussystem vom Belichtungssystem entkoppelt wird, so dass Sie Belichtung und Fokus in unterschiedlichen Bildbereichen messen lassen können. Falls Ihre potentielle Kamera über verschiedene Belichtungsmessmethoden und wählbare Autofokusmesspunkte verfügt, ist die Möglichkeit der Belichtungsspeicherung hierfür aber nicht so kritisch.


Belichtungsreihen

Belichtungsreihen aufnehmen bedeutet, dass ein Bild mehrfach mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen aufgenommen wird.

Eine Belichtungsreihenautomatik nimmt ein und dasselbe Bild automatisch mehrfach auf, mit definierten Korrekturen zwischen den Einzelbildern. Die meisten Kameras erzeugen so drei Bilder, eines mit der gemessenen Belichtung, eines korrigiert um einen bestimmten einstellbaren Wert nach unten und eines mit diesem Korrekturwert nach oben. Im Serienbildmodus der Kamera können Sie einfach den Auslöser gedrückt halten, die Kamera macht dann diese drei Bilder direkt hintereinander, ohne dass Sie erneut auslösen müssten.

Ein schneller Zugang zu den Einstellungen für die Belichtungsreihenautomatik ist hier natürlich wünschenswert.

Die meisten Kamerahersteller sind in der Entwicklung der Belichtungsreihenaufnahmen beim Stand für Filmkameras stehen geblieben, so dass die meisten Kameras eine 3-Bild-Reihe machen. Wenn Sie planen, häufig Hochdynamische (HDRI) Bilder zu schießen, sollten Sie nach einer Kamera mit der Möglichkeit zu 5er oder 7er Reihen Ausschau halten.


Weitere Nettigkeiten
Es gibt einige weitere spezielle Ausstattungsmerkmale, die für bestimmte Fotografiermethoden oder Bedürfnisse sinnvoll sind. Einige davon erwecken den Anschein, nichts mehr mit der Fotografie zu tun zu haben. Letztendlich wollen Sie eine Foto-Kamera kaufen, was also soll eine Sprachaufzeichnung bewirken? Sie werden überrascht sein, wie hilfreich manche dieser Funktionen trotzdem sein können.

- Video

Wenn Sie daran interessiert sind, Videos aufzunehmen, sollten Sie eine Video-Kamera kaufen, auch wenn einige Kameras die Möglichkeit bieten, Vollbild-Videos (640x480 Pixel) im Quicktime-Format mit bis zu 30B/Sek aufzuzeichnen.


- Weißabgleichs- und Fokusreihenautomatik

So wie bei der Belichtungsreihenautomatik werden hier Aufnahmereihen erzeugt, bei denen zwischen den Einzelbildern die entsprechende Einstellung (Weißabgleich oder Fokus) verändert wird. Besonders bei Makro-Aufnahmen, bei denen es oft schwierig ist, den Fokus exakt zu setzen, ist eine solche Möglichkeit sehr sinnvoll.


- Fernbedienung
Die Möglichkeit der Fernbedienung der Kamera ist sinnvoll, wenn Sie viel im Studio, vom Stativ oder mit Selbstportraits arbeiten. Einige Kameras werden gleich mit einer Fernbedienung ausgeliefert, bei anderen muss man sie dazukaufen. Vergewissern Sie sich, ob Ihre potentielle Kamera die Möglichkeit einer Fernbedienung bietet. Eine kabellose Fernbedienung, meist per Infrarot, hat den Vorteil der höheren Reichweite, aber nicht alle Kameras bieten diese an. Einige Fernbedienungen können die Kamera programmiert bedienen, um z.B. zeitgesteuerte Aufnahmen zu machen oder die Reihenautomatiken zu bedienen.


- Bedienung über einen angeschlossenen Computer
Die Möglichkeit, die Kamera von einem angeschlossenen Computer aus zu bedienen, kann im Studio oder auch bei Außenaufnahmen sehr hilfreich sein.


- Sprachnotizen
Wenn Sie Ihre Aufnahmen dokumentieren wollen, kann eine Sprachnotiz sehr nützlich sein, wenngleich Sie diese Fähigkeit natürlich mit Speicherplatz bezahlen müssen.


- Grau- oder Neutraldichtefilter

Ein Grau- oder Neutraldichtefilter verringert die Menge einfallenden Lichtes, ohne die Farben zu verändern. Dies ermöglicht ein breiteres Aufnahmespektrum.


- Pixelmapping
Es ist möglich, dass mit der Zeit einige Pixel des Sensors defekt werden. Pixelmapping rechnet diese defekten Punkte im Bild automatisch heraus und ersetzt sie mit interpolierten Punkten.


- Rauschminderung

Weil das Rauschen mit längerer Aufnahmezeit steigt, besitzen einige Kameras eine Rauschunterdrückung, die zum Teil automatisch dann eingreift, wenn länger als eine Sekunde belichtet wird.


- Benutzereinstellungen

Wenn Sie feststellen, dass Sie in verschiedenen Aufnahmesituationen immer wieder dieselben Einstellungen verwenden, so ist es hilfreich, wenn Sie diese jeweiligen Einstellungen als Set auswählbar in der Kamera speichern können.


- Automatisches Drehen

Einige Kameras erkennen, ob Sie Bilder im Quer- oder Hochformat aufnehmen und setzen in der Bilddatei ein entsprechendes Bit. Viele Bildbearbeitungsprogramme können dies auswerten und drehen die Bilder beim Öffnen automatisch, wenn nötig.


- Benutzerdefinierte Tonkurven

Wenn Sie nach einer hochwertigen Kamera Ausschau halten, so werfen Sie einen Blick auf die Möglichkeit, benutzerdefinierte Kamerakurven nutzen zu können. Dies ermöglicht Ihnen eine bessere Kontrolle über die Kontraste und Farbverteilung, wenn Sie Bilder im JPG-Format aufnehmen.


- Intervallaufnahmen

Wenn Sie an zeitgesteuerten Aufnahmen in bestimmten Abständen interessiert sind, so berücksichtigen Sie bitte, ob die Kamera diese Möglichkeit bietet. Anderenfalls müssen Sie das über eine entsprechende Fernbedienung oder einen externen Computer steuern.


- Langzeitblitz
Einige Kameras bieten einen speziellen "Nachtaufnahme-Modus", bei dem eine Langzeitbelichtung mit einem Blitz kombiniert werden kann, um richtig belichtete Vorder- und Hintergründe zu erzielen. Wenn Sie auf der Suche nach einem höherwertigen Kameramodell ohne Motivprogramme sind, so achten Sie darauf, dass es trotzdem eine solche Blitzkontrolle gibt.


- Mehrfachblitz (Stroboskopblitz)
Ein weiteres interessantes Blitzmerkmal ist die Möglichkeit, während einer Belichtung mehrfach zu blitzen. Dies ergibt interessante Effekte, wenn Bewegungsabläufe bei langen Belichtungszeiten aufgenommen werden.


- Drahtlose Bildübertragung
Bei vielen Kompaktkameras und einigen wenigen hochwertigen Spiegelreflexkameras werden Sie heute die Möglichkeit der drahtlosen Bildübertragung von der Kamera zu einem anderen Medium vorfinden. Wenn Sie regelmäßig Studioaufnahmen machen oder in anderen Situationen fotografieren, bei denen ein Anschluss der Kamera zur Bildübertragung per Kabel schwierig ist, werden Sie dieses Merkmal zu schätzen wissen.


Wahrscheinlich werden einige dieser Ausstattungsmerkmale auf Ihrer Liste eine höhere Priorität besitzen als andere, abhängig davon, was und wie Sie fotografieren wollen. Wenn Sie unmittelbar vor dem Kauf einer Kamera stehen und diese sofort erstehen wollen, so werden Sie sicher nicht alle diese Merkmale abwägen. Wenn Sie Zeit und Ruhe haben und der Kauf nicht drängt, ist es sinnvoll, alle Merkmale in Augenschein zu nehmen und zu gewichten.
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Gruß, scorpio - aka Rüdiger


Geändert von scorpio (19.07.2006 um 01:05 Uhr)
scorpio ist offline  
Alt 16.07.2006, 21:07   #6
scorpio
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Teil 5

In den vorangegangenen Teilen habe ich Sie mit einem Schwall an Fragen und Optionen zur Kamera-Auswahl überschüttet. Wenn Sie dem gefolgt sind, haben Sie sich mit Ihren fotografischen Anforderungen beschäftigt, haben beurteilt, welche Ausstattungsmerkmale die Kamera dafür haben muss, sich mit Größe und Gewicht beschäftigt und viele weitere Merkmale betrachtet. Nun haben Sie die Menge der potentiellen Kandidaten bis auf eine Handvoll reduziert. Jetzt stehen Sie vor dem letzten Schritt: der finalen Auswahl.


Die gute Nachricht ist, dass die finale Auswahl nicht so schwierig ist, denn letztendlich überwiegt eine einzige Frage bei der Auswahl alle anderen: Wie gut ist die Qualität der erzeugten Bilder? Die schlechte Nachricht ist, dass Sie vielleicht schon eine Kamera aufgrund der vorherigen Entscheidungen betreffend Design und Ausstattung ins Auge gefasst haben, nun aber wegen der schlechteren Bildqualität auf ein anderes Modell ausweichen müssen.

Bildqualität ist ein subjektives Merkmal. Was für den einen ein unzumutbares Rauschen ist, ist für einen anderen vielleicht eine feine Textur. Dennoch sind mit ein wenig Aufmerksamkeit schnell die Probleme erkannt, die Sie im Nachhinein vielleicht zur Verzweiflung bringen können. Zusätzlich hilft die Identifizierung der Probleme Ihnen dabei, die richtigen Entscheidungen für eine eventuelle Nachbearbeitung im Computer zu treffen.


Ausdruck oder Monitordarstellung?
Bevor Sie mit dem Vergleich der Bildqualitäten beginnen, müssen Sie einige Bilder zur Verfügung haben. Die Beurteilung auf dem Kamera-Monitor ist absolut ungeeignet.

Um die Bilder beurteilen zu können, müssen Ihnen die Bilddateien auf Ihrem Computer zur Verfügung stehen. Der einfachste Weg dahin ist es, mit einer eigenen Speicherkarte Testbilder mit den potentiellen Kandidaten bei Ihrem lokalen Händler aufzunehmen. Wenn die Kameras unterschiedliche Speicherkarten verwenden, so benötigen Sie natürlich diese unterschiedlichen Kartenarten. Aber Speicher ist heutzutage recht preiswert.

Besitzen Sie einen Laptop, so nehmen Sie diesen mit zum Händler und kopieren die geschossenen Bilder direkt vor Ort von der Kamera auf den Laptop.

Wenn für Sie keine dieser Optionen in Frage kommt, nutzen Sie die vielen Kameratestseiten im Internet, welche fast alle Testbilder unterschiedlichster Kameras auch in voller Bildauflösung zum Herunterladen bereitstellen. Dies hat auch den Vorteil, dass diese Testbilder unter den verschiedensten Situationen aufgenommen wurden, mehr als Sie bei Ihrem typischen lokalen Händler jemals darstellen könnten.

Sie werden Ihre erste Begutachtung an einem Computermonitor vornehmen und werden eine Menge daraus ersehen können. Es besteht aber durchaus die Gefahr, in diesem Prozess steckenzubleiben und Probleme zu erkennen, die in Ihrer Praxis gar nicht relevant sind. Sie könnten zum Beispiel ein 8 Megapixel Bild bei einer 1:1 Darstellung auf Pixelebene betrachten und vielleicht einige JPG-Artefakte entdecken. Ob Sie diese auch bei Ihrem gewöhnlichen 10x15cm Hochglanz-Ausdruck erkennen können, ist eine andere Frage.

Wenn Sie also ein Bild beurteilen, so denken Sie an Ihren beabsichtigten Verwendungszweck. Werden Sie gewöhnlich die Bilder nur auf einem Computermonitor betrachten, so beachten Sie dabei die gewöhnliche Bild- und Dateigröße. Beurteilen Sie die Bildqualität um diese Zielgrößen herum. Ist Ihr gewöhnlicher Verwendungszweck der Druck, so beurteilen Sie die Bildqualität anhand von Ausdrucken in eben den gewöhnlich von Ihnen genutzten Bildgrößen und auf Ihrem bevorzugten Papier, erzeugt mit den üblicherweise von Ihnen genutzten Ausgabegeräten. Viele Probleme, die Sie am Monitor zu erkennen glauben, sind bei entsprechender Betrachtung auf Zielausgabegröße keine mehr.


Bildrauschen
Wenn Sie Bilder verschiedener Kameras vergleichen, werden Sie wahrscheinlich als erstes Problem das Rauschen erkennen. Bildrauschen lässt sich grob mit der Körnigkeit bei analogem Filmmaterial vergleichen und ist nicht notwendigerweise etwas Schlechtes, denn es kann Textur und Stimmung im Bild erzeugen.

Dennoch wirkt das Rauschen digitaler Kameras oft aufdringlicher als das Korn bei Film und wirkt oftmals mehr wie ein farbiger Fleckenteppich als eine unter dem Bild liegende Struktur. Wenn Sie Ihrem Bild Struktur und Stimmung durch Rauschen hinzufügen wollen, so können Sie dies einfacher und besser kontrollierbar mit einer Bildbearbeitungssoftware tun. Deshalb ist es sinnvoller, eine Kamera zu wählen, die möglichst wenig Rauschen erzeugt.

Rauschen zeigt sich fast immer in dunklen Bildteilen, so dass es diese Bildteile sind, denen Sie zuerst Ihr Augenmerk schenken, wenn Sie Bilder beurteilen.

Es gibt zwei Arten von Bildrauschen: Helligkeits- und Farbrauschen. Helligkeitsrauschen ist hierbei das angenehmere, denn es erzeugt mehr den Eindruck analogen Filmkorns. Während Helligkeitsrauschen lediglich eine Varianz in der Helligkeit der Pixel bedeutet, so ist Farbrauschen eine Varianz in den Farben der Pixel. Manchmal eine sehr extreme Varianz. Entdecken Sie also viele hellfarbige gestreute Blaue, rote oder gar violette Pixel in dunklen Bereichen, so liegt es nahe, dass die Kamera ein sehr hohes Farbrauschen produziert.



Weil das Rauschen mit Erhöhung der ISO-Empfindlichkeit steigt, testen Sie bitte die Kamera auch bei eben diesen hohen Empfindlichkeiten. Weil die ISO-Einstellung an digitalen Kameras von Bild zu Bild verändert werden kann, ist dies für alle ISO-Einstellungen schnell gemacht. Testen Sie bitte auch mit Langzeitaufnahmen, da das Rauschen mit längerer Verschlusszeit ebenso ansteigt.


Farbprobleme
Die Farbdarstellung und -reproduktion ist sicherlich das subjektivste Merkmal bei allen Qualitätsbeurteilungen. Was Sie als angenehme und satte Farben empfinden, mag für jemand anderen als übersättigt, knallig und "bonbonfarbig" gelten. Ignorieren Sie also bitte alle "Experten" und beurteilen Sie die Farben nach Ihrem eigenen Geschmack. Wie beim Rauschen ist es allerdings ratsam, einige wirkliche Probleme erkennen zu können. Die Farbprobleme, die es zu beurteilen gilt, sind

- Farbstiche
Einige Kameras produzieren sichtbare Farbstiche im Bild. Das sind Abweichungen von der neutralen Darstellung hin zu einer Überbetonung bestimmter Farben, vergleichbar mit Aufnahmen durch einen farbigen Filter. Diese Farbstiche können durchaus nur in bestimmten Bildteilen sichtbar sein, z.B. dass Schatten einen Blaustich aufweisen.
Neben ausgeprägten Farbstichen gibt es - insbesondere bei (D)SLR-Objektiven - auch unterschiedliche Farbabstimmungen. Es gibt Objektive, die das Motiv wärmer (mehr rötlich), kälter (mit einer Tendenz ins Blaue) oder Neutral abbilden. Farbstiche lassen sich in gewissen Grenzen per Bildbearbeitung meist relativ leicht korrigieren.

- Schlechter Weißabgleich
Eine Kamera kalibriert sich aufgrund der vorherrschenden Lichtverhältnisse. Das kann dazu führen, dass eine vorgefundene Lichtstimmung in eine völlig andere Richtung korrigiert wird. Aus einem warmen, rötlichen Licht eines Sommerabends wird ein kaltes bläulicheres Licht wie am hellen Tag. Ein falscher Weißabgleich ist wie ein Farbstich zu sehen, mit der Ausnahme, das er das gesamte Farbspektrum beeinflusst und nicht nur bestimmte Bildteile. Die Korrektur eines falschen Weißabgleichs kann bei JPG-Aufnahmen schwierig bis unmöglich sein. Wenn Sie RAW-Aufnahmen machen, können Sie den Weißabgleich auch im Nachhinein im Konverter bestimmen.

Die meisten Kameras bieten eine Weißabgleichsautomatik und die Möglichkeit des manuellen Abgleichs. Da Sie wahrscheinlich meist die Automatik nutzen, sollten Sie die korrekte Funktion dieser Automatik ausgiebig testen.

- Farbstörungen an Kontrastkanten

Viele Kameras oder Optiken sind anfällig für ein Problem, das farbige Ränder an Kontrastkanten erzeugt. Auch ein Überlaufen der Pixel des Sensors auf Nachbarpixel kann solche Farbränder hervorrufen. Das Problem tritt vornehmlich in Situationen auf, bei denen hohe Kontraste in hellem Licht vorliegen. Oft sieht man sie bei Aufnahmen von Blattwerk gegen den hellen Himmel bei recht hohen Brennweiten. Solche Farbfehler sind oft nur am Monitor in hoher Vergrößerung sichtbar und spielen in der Praxis selten eine Rolle. Sie sind auch mit einer Bildbearbeitung relativ leicht zu beheben.
Diese Farbstörungen sind immer ein Problem der benutzten Optik, können also bei DSLR durch die Wahl einer anderen Optik eliminiert werden, was bei Kompaktkameras so nicht geht.




- Farbtreue
Eine Kamera kann unter Umständen Farben verändert darstellen, was nicht schlecht sein muss, wenn es gut aussieht, vielleicht sogar besser als das Original. Einige Kameras verändern Farben auch dauerhaft, setzen z.B. die Sättigung grundsätzlich herauf. Wenn Sie auf maximale natürliche Farbwiedergabe Wert legen, so testen Sie bitte die Bilder auf diesen Aspekt. Falls es Ihnen lediglich auf konsistente attraktive Bilder ankommt, die möglichst wenig Nachbearbeitung erfordern, so mag die Farbtreue weniger Gewicht haben.


Das Beste liegt im Detail

Der Schärfeeindruck und die Detailwiedergabe eines Bildes ist das Resultat verschiedener Kamerafaktoren: Auflösung, Qualität der Optik und kamerainterne Schärfungsroutinen.

Die Schwierigkeit bei der Beurteilung der Detaildarstellung mag darin liegen, dass Sie es nicht bemerken, wenn Details im Bild fehlen. Die beiden folgenden Bilder wurden mit derselben Kamera, aber mit verschiedenen Objektiven aufgenommen, und obwohl beide nicht schlecht sind, so sieht man doch einen signifikanten Unterschied in der Detaildarstellung.




Der einfachste Weg, die Detaildarstellung zu beurteilen ist es, gleiche Bilder direkt nebeneinander zu betrachten. Um das zu ermöglichen, nehmen Sie bitte Bilder der gleichen Szene mit den verschiedenen Kandidaten auf und vergleichen diese dann am Computermonitor. Selbst wenn Sie nur die Auslagen im Regal des Händlers fotografieren, so ist es doch genug, um einen Eindruck der Detaildarstellung zu erhalten.

Weil die internen Schärfungsroutinen einer Kamera ein Bild drastisch verändern können - manchmal zum Vorteil, manchmal zum Nachteil -, nehmen Sie bitte Bilder mit unterschiedlichen Schärfungseinstellungen auf. Schauen Sie anschließend nach hellen und dunklen Schärfungskanten an hohen Kontrasten in den Bildern.

Einige Kameras überschärfen die Bilder in der Werkseinstellung der Kamera. Wenn das bei Ihrem favorisierten Modell der Fall sein sollte, so stellen Sie sicher, dass Sie die Schärfung per Einstellung zurücknehmen können. Andere Kameras, vornehmlich digitale Spiegelreflexkameras, wenden eine sehr geringe Schärfung auf die Bilder an. Wenn Sie zum ersten Mal Bilder aus diesen Kameras sehen, werden sie Ihnen vielleicht sehr weich vorkommen. Dies ist aber so beabsichtigt. Schärfung, einmal intern angewendet, lässt sich nicht rückgängig machen, so dass die Hersteller digitaler Spiegelreflexkameras die Schärfung der Bilder lieber dem Fotografen überlassen.


Fehlerhafte Aufnahmen
Sie werden vielleicht die Belichtungsautomatiken der Kamera für fast alle Ihre Aufnahmen verwenden. Beachten Sie also bitte, wie korrekt diese arbeiten, besonders auch in schwierigen Lichtbedingungen. Viele Kameratestseiten im Internet halten solche Aufnahmen bereit, erzeugt unter den verschiedensten Lichtsituationen: bei wenig Licht, bei Gegenlicht, bei Mischlicht, mit Blitz usw.

Einige Kameras erzeugen in extrem weitwinkligen oder Telebereichen der Brennweiten, besonders in den Endstellungen, Verzerrungen der Darstellung. Wenngleich auch diese Verzerrungen in der Nachbearbeitung korrigiert werden können, sind sie es wert, beachtet zu werden.

JPG oder RAW

Die meisten Kameras nehmen die Bilder im JPG-Format auf. JPG ist ein hervorragender Kompromiss aus Qualität und Kompression. Dennoch, JPG ist ein verlustbehaftetes Kompressionsverfahren, welches je nach Kompressionsstärke zu sichtbaren Verschlechterungen im Bild führen kann. Weiter noch: viele Kameras nehmen Bilder mit 10 oder gar 12 Bit auf, JPG kann aber nur 8 Bit speichern, was bedeutet, dass eine Menge an Farbinformationen beim Speichern in JPG verworfen werden muss. Dies begründet, warum einige Kameras die Speicherung in einem unkomprimierten Rohformat anbieten.

Für maximale Flexibilität und Bildqualität ist eine Kamera, die in einem RAW-Format aufnehmen kann, sinnvoll.


Auf geht’s! Kaufen!
Die meisten Digitalkameras, die es heute zu kaufen gibt, erzeugen eine hervorragende Bildqualität. Natürlich gibt es kleine Unterschiede, und einige Ergebnisse mögen Ihren Geschmack eher treffen als andere. Dennoch können Sie von fast allen Kameras gute und akzeptable Ergebnisse erwarten.

Wenn Sie die Bildqualität mit ins Kalkül ziehen, so bedenken Sie bitte den Preis, den Sie dafür zahlen. Das von Ihnen ins Auge gefasste Modell mag vielleicht nicht ganz die Qualität liefern wie die 5000€ teure Spiegelreflexkamera Ihres Nachbarn. Aber wenn Sie sich als Obergrenze 500€ gesetzt haben, sollten Sie den leichten Verlust an Bildqualität in Kauf nehmen. Aus diesem Grund vergleichen Sie bitte Kameras in der gleichen Klasse und vergleichen nicht Ihren Kandidaten mit einem Modell, welches Sie sich sowieso nicht leisten wollen oder können.


Viel Erfolg und allzeit "GUT LICHT"!
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Gruß, scorpio - aka Rüdiger


Geändert von scorpio (19.07.2006 um 16:01 Uhr)
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Alt 16.07.2006, 21:19   #7
scorpio
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