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Alt 20.12.2010, 23:43   #214
Neonsquare
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Standard AW: A33/A55 Auslöseverzögerung mit Blitz

@Steini
Kein Problem:
Früher, für langer Zeit wurden Blitze einfach ausgelöst, indem man physisch zwei Kontakte zusammengehalten hat: Den "Mittelkontakt" des Blitzschuhs und den Massekontakt. Irgendwann begannen die Hersteller jedoch die Kommunikation zwischen Blitz und Kamera zu verfeinern. Da ist jeder Hersteller seinen eigenen Weg gegangen. Canon und Nikon haben dabei die grundsätzliche alte Form (ISO) des Blitzschuhs beibehalten. Minolta und damit später Sony haben jedoch für ihren "intelligenten" Blitzschuh auch einen mechanisch etwas anderen Anschluss (iISO) gemacht. Bei Canon und Nikon kann man theoretisch selbst einen uralten Blitz einfach auf den Blitzschuh schieben - das Auslösen funktioniert über die Verbindung von Mittelkontakt und Masse nach wie vor. Bei Minoltas/Sonys iISO-Schuh braucht man mechanisch gesehen einen Adapter - aber den Mittelkontakt und Masse gibt es neben anderen Kontakten weiterhin.

Über die zusätzlichen Kontakte können die Blitze des jeweiligen Systems mit der Kamera kommunizieren. Die Kamera teil dem Blitz z. B. mit: "ISO 200, Blende 7,1" und der Blitz sagt der Kamera "bin aufgeladen und abschussbereit". Auf dem Display des Blitzes kann man dann z. B. die Belichtungsdaten lesen oder die daraus berechnete Blitzentfernung. Auf der Kamera sieht man dagegen ein Symbol, dass einen abschussbereiten Blitz signalisiert.

Wird ein Foto gemacht, hängt es vom Blitzmodus ab, was genau passiert. Sehr gängig ist heutzutage ein Automatik-Modus namens "TTL" (Through the Lens). Dabei veranlasst die Kamera den Blitz einen oder mehrere extrem kurze "Messblitze" abzugeben. Das Licht dieser Messblitze wird vom Motiv reflektiert und fällt durch das Objektiv (through the lens) auf den Belichtungssensor. Je nachdem wieviel Licht so gemessen wurde, stellt die Kamera die Blitzleistung herauf (wenig wurde reflektiert) oder herunter (viel wurde reflektiert). Direkt im Anschluss an diese Messblitze löst die Kamera auch schon den Hauptblitz aus - mit der vorher ermittelten Leistung. Das Ergebnis sollte ein korrekt ausgeleuchtetes Bild sein. Durch die Messblitze entsteht zwischen auslösen und eigentlichem Foto eine Verzögerung - diese ist bei der A55 nun höher als bei vorherigen Alphas. Warum die Verzögerung höher ist weiß niemand. Vielleicht werden mehr Messblitze ausgelöst oder die Messung des Messblitzes dauert in der Kamera länger als früher - das ist alles unklar. Vielleicht wollte Sony auch den "Schlafaugeneffekt" reduzieren, nachdem empfindliche Menschen schon beim Messblitz die Augen zumachen.

Anstatt dieser Messung kann man externe Blitze aber für gewöhnlich auch auf "manuell" stellen. Infolgedessen sendet er keine Messblitze aus, sondern die Leistung wird direkt über Knöpfe am Blitz eingestellt. Die Kamera gibt trotzdem die Blende und ISO als Information an den Blitz weiter, so dass man auf der Anzeige des Blitzes auch gleich sieht wie weit der Blitz auf der gewählten Stufe ausleuchten wird. Wird das Foto gemacht, kriegt der Blitz normalerweise einfach unverzögert nur das Signal zum Auslösen des Hauptblitzes. Bei der A55 verzögert die Kamera trotzdem, obwohl gar keine TTL-Messung erfolgt.

Steckt man nun einen alten Blitz auf den Schuh, der die zusätzlichen Kontakte gar nicht hat - sondern nach wie vor nur Mittelkontakt und Masse, dann kann die Kamera nicht erkennen, dass da ein Blitz auf dem Schuh steckt. Für die Kamera ist alles so als ob sie ohne Blitz fotografiert. Obwohl die Kamera denkt, da wäre kein Blitz, schließt sie bei jedem Foto trotzdem am angeblich leeren Blitzschuh den Mittelkontakt und Masse kurz. Der alte Blitz wird damit sofort ausgelöst. Das ist Absicht und soll eben gerade den Einsatz von solchem alten Zubehör möglich machen. Rückwärtskompatibilität zu den Blitzschuhen der alten Kameras. Durch diese Rückwärtskompatibilität kann man heute noch einen modernen Nikon-Blitz auf eine Canon schieben und zumindest manuell eingestellt auslösen. Umgekehrt genauso und mit ISO->iISO Adapter auch auf einer Sony. (VORSICHT: Einen Haken gibt es dabei - Steuerspannung der Blitze ist nicht standardisiert - bei Sony-Kameras sind das irgendwas um 2,5-4,6V. Diverse alte Blitze haben da deutlich mehr - womit man eine Kamera auch beschädigen kann.)

Die gängigen Funktransmitter verhalten sich genauso wie ein alter Blitz - wird am Transmitter der Mittelkontakt und Masse kurzgeschlossen, dann schickt der Transmitter das Auslösesignal an alle Empfänger. Genau wie beim alten Blitz erkennt die Kamera nicht, dass da ein Funktransmitter auf dem Blitzschuh steckt - sie geht davon aus ohne Blitz zu fotografieren. Also gibt es bei der A55 keine Verzögerung.

Manche Blitze haben neben der Möglichkeit mit der Kamera über TTL oder manuell über Knöpfe die Leistung einzustellen noch eine Dritte: Eine eingebaute Photozelle misst den Hauptblitz und schaltet den Blitz ab, wenn genügend belichtet wurde. Dieser Automatikmodus funktioniert völlig unabhängig von der Kamera und benötigt auch keine Messblitze. Der Blitz wird einfach ausgelöst und weiß selbst wann es genug ist. Für die Kamera macht es keinen Unterschied ob ein Blitz manuell oder automatisch über eine eigene Photozelle eingestellt wurde.

Der Sony HVL-58am hat keine eingebaute Photozelle - er kann lediglich über die von der Kamera gesteuerte Automatik (TTL/ADI) oder eben manuell geregelt werden. Das liegt zu einem gewissen Teil daran, dass der Automatikmodus mit eingebauter Photozelle als Relikt der Vergangenheit gilt, welches man im Zeitalter von TTL nicht mehr brauche. Trotzdem bietet Metz das beispielsweise bei ihrem Metz 58 AF1.

Mit einem Funkauslöser kannst Du deinen Sony HVL-58am ohne Verzögerung auslösen - musst ihn aber manuell einstellen. Du brauchst dazu:

1) Einen Funktransmitter für auf die Kamera
2) Einen Funkempfänger für den Blitz
3) Eventuell Adapter wegen Minolta/Sony-Blitzschuh

Ich verwende die billigen Yongnuo RF602 Funksender/empfänger mit passenden Blitzschuh-Adaptern der Marke "Pixel".

Ist das so ein wenig klarer?

Während ein solcher Funksender eine Lösung für unverzögertes Blitzen darstellt, wird dadurch das zweite Blitzproblem der A55 ausgelöst: Im M-Modus der A55 hat die Kamera ein sehr sinnvolles Feature, bei dem im Sucher die Helligkeit entsprechend der gewählten Blende und Belichtungszeit anpasst. So kann man bereits vorher abschätzen, wie das Bild belichtet aussehen wird. Kommt ein Blitz mit ins Spiel, kann das Blitzlicht ja nicht in diese Simulation eingerechnet werden - deshalb schaltet die A55 diese Belichtungssimulation ab, sobald sie einen Blitz erkennt. Da die Lösung mit dem Funksender jedoch gerade darauf beruht, dass die A55 keinen Blitz erkennt um unverzögert auszulösen, bleibt die Belichtungssimulation aktiv. Da man beim Blitzen oft kürzere Belichtungszeiten und kleine Blenden verwendet, um den Einfluss des Umgebungslichts auszumerzen, ist die Belichtungssimulation in einem solchen Fall schlicht stockdunkel. Das exakt gleiche Problem gab es bereits bei der Minolta Dimage A1 - die auch einen EVF hatte. Minolta hat deshalb eine Menüoption hinzugefügt, wo man diese Belichtungssimulation deaktivieren konnte. Sony hat diese Menüoption bei der A55 aber vergessen.

Gruß,
Jochen
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