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Alt 07.01.2005, 14:22   #18
-DaKo-
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Standard 17. Verwackeln und Crop - Faustformel der Belichtungszeit

17. Verwackeln und Crop - Faustformel der Belichtungszeit

Viele Fotografen kennen die bekannte Faustformel für eine verwacklungsfreie Belichtungszeit, die besagt, daß man Zeiten von 1/Brennweite Sekunden oder kürzer nutzen sollte. Wie verhält es sich nun mit dieser Faustformel an Cropkameras.

Zunächst einige Feststellungen, die im folgenden dann auch begründet werden sollen:

1. Es handelt sich lediglich um eine Faustformel, die je nach individuellen Fähigkeiten, Übung, Stand, Untergrund, Wind usw. unterschiedlich Ausfallen kann. Dies ist denke ich leicht einsichtig.

2. Diese Faustformel gilt nur für Darstellungen der Fotos bei optimalem Betrachtungsabstand oder größer, da ja, wie wir bereits festgestellt haben die Schärfe eines Bildes von den Übergängen zwischen den einzelnen Bildpunkten bzw. deren AUflösung durch den Betrachter abhängig ist. Wird ein Foto eben aus größerer Nähe betrachtet oder bei identischer Betrachtungsenfernung größer dargestellt löst das AUge auch die Unschärfen höher auf bzw. Bildpunkte, die bei größerer ENtfernung bzw. geringerer Darstellung noch scharf wahrgenommen wurden sind nun unscharf. Insbesondere bei der betrachtung von 1:1 AUsschnitten sollte man dies bedenken.

3. Wieso hängt der Einfluß des Verwackelns von der Brennweite ab? Man kann sich das Verwackeln gut als eine Bildwinkelverschiebung um einen Winkel v° vorstellen. Je größer das Verhältnis dieses Verwacklungswinkels zum gesamten Bildwinkel a°, desto größer der Einfluß des Verwackelns im Gesamtbild (siehe 1. Grafik). An dieser STelle erkennt man nun auch direkt, daß natürlich der Einfluß des Verwackelns nicht direkt von der Brennweite abhängig ist sondern vielmehr vom Bildwinkel, der wie schon dargestellt sowohl von Brennweite alsa auch vom Sensorformat abhängt und nicht zuletzt auch von der Motiventfernung!

4. Da der Bildwinkel a° sich bei Verkürzung der Motiventfernung verengt, wird der Verwacklungswinkel v° relativ größer, man verwckelt also trotz identischer Brennweite und identischen Sensorformats im Nahbereich leichter als im Fernbereich! Die Faustformel orientiert sich hier am Fernbereich. Im Nah- und Makrobereich benötigt man daher kürzere Zeiten als die Faustformel angibt.

5. Da die Brennweite NICHT linear zum Bildwinkel ist: a° = 2 * arctan (S*(g-f)/f/g/2, ist auch die Verwendung der Brennweite in der Faustformel problematisch. Es kann jedoch eine näherungsweise Linearität von f und a° für enge Bildwinkel angenommen werden. Die Fasutformel gilt also nur in den Bereichen, wo der tan des Bildwinkels als näherungsweise linear angenommen werden kann, also im Bereich bis ca. 20° (siehe 2. Grafik) und somit primär im Telebereich.

6. Da das Verwackeln relativ um so schwerwiegenderen Einfluß auf das Gesamtbild hat, je enger der Bildwinkel ist, ist nur einleuchtend, daß es demnach für diesen Einfluß egal ist, durch welche Kombination von Sensorformat und Brennweite er erreicht wird. Bei identischer Brennweite aber unterschiedlichem Sensorformat ergibt sich demnach eine andere Folge des gleichen Wackelns für das Endergebnis Bild. Wir müssen also, wenn wir die auf der Brennweite und dem Kleinbildformat (!) basierende Faustformel auch an anderen Formaten weiterverwenden wollen die dort verwendete Brennweite anpassen durch eben die Brennweite, die an dem neuen Format eine zum KB-Format äquivalente Brennweite erreicht.
Hier kann man nun unter den weiter oben gemachten EInschränkungen auf eine Multiplikation mit dem Cropfaktor zurückgreifen, die aber bekanntlich nur bei Fokus auf unendlich und kleinen Bildwinkeln (wenn der Fokus nicht unendlich ist) zu einem näherungsweise korrekten Ergebnis führt. Da wie in 5. die Faustformel basierend auf der Brennweite aber eh nur für enge Bildwinkel Sinn macht, wir auch bei der Faustformel eine EInschränkung auf weit enfernte Motive haben (vgl. 4.) und zudem die individuellen Faktoren aus 1. eine weitaus größere Rolle spielen können wir getrost auf diese Vereinfachung zurückgreifen.

Hieraus ergibt sich beispielhaft:
Für ein bei optimalem Betrachtungsabstand (also bei "normaler Betrachtungsentfernung aus der Hand ca. 10*15cm AUsbelichtung) nicht merklich verwackeltes Bild an einer KB-Kamera benötigen wir sofern wir ein durchschnittlich wackelnder Fotograf sind bei 300mm und großer Motiventfernung mindestens 1/300s oder weniger. An einer 1,6 Cropkamera wären es unter denselben Bedingungen schon 1/500s. Möchten wir auch auf Pixelebene ein möglichst gutes Ergebnis erzielen und betrachten dafür das Bild in riesiger Darstellungsgröße und dagegen sehr kurzem Abstand zum Monitor an eben diesem in 1:1 Ansicht, empfehle ich bei den derzeitigen 6mPixel Kameras die Belcihtunsgzeit mindestens (!) noch einmal auf 1/1000s zu halbieren.
Angehängte Grafiken
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Ein paar meiner Bilder!

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Geändert von -DaKo- (10.11.2005 um 15:22 Uhr)
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