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Alt 05.01.2005, 19:57   #13
-DaKo-
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Standard 12. Zur Perspektive

12. Zur Perspektive

An dieser Stelle noch ein kleiner Exkurs zur Perspektive, da vielen nicht klar ist, daß die Perspektive ausschließlich vom Standort und nicht vom Bildwinkel und erst recht nicht von der Kombination von Brennweite und Filmformat die diesen ergibt abhängig ist.

Die Perspektive ist eine Bezeichnung für das gegenseitige Verhältnis der auf ein 2dimensionales Format abgebildeten meist 3dimensionalen im ebenfalls 3dimensionalen Raum angeordneten Motive.

An einem ganz bestimmten Standort kommen von einem Motiv immer nur ganz bestimmte, sich geradelinig ausbreitende Lichtstrahlen an, die dann durch ein Objektiv fokussiert und abgebildet werden. Diese Abbildung erfolgt aber zwangsläufig unter Aufgabe einer Dimension, der räumlichen Tiefe. Motive, die gleich groß sind, aber unterschiedlich inder Tiefe gestaffelt angeordnet sind werden unterschiedlich groß auf dem Film abgebildet. Objekte im Vordergrund werden dabei relativ größer abgebildet als Objekte im Hintergrund (Bild 19).

Wichtig ist nun, daß dieses Verhältnis der abgebildeten Objekte zueinander ausschließlich vom Standort abhängig ist, nicht aber vom Bildwinkel der Brennweite etc. Dies ist recht einfach nachzuvollziehen, wenn man sich bewußt macht, wie sich das Verhältnis der Objekte zueinander mit dem Standort ändern bzw. warum Objekte im Hintegrund relativ kleiner abgebildet werden als Objekte im Vordergrund.

Exemplarisch wollen wir von gleich großen Objekten ausgehen. Nun fällt das Licht des näheren Objektes steiler ein, als das des weiter entfernten Objektes, wodurch die Ausdehnung auf dem Film/Sensor größer ist. Geometrisch kann man dies durch den Zentrastrahl verdeutlichen (Bild 20). Dieser verläuft aber immer unabhängig von der Brennweite oder der Film/Sensorgröße gleich! Nämlich vom Motivpunkt durch das Linsenzentrum zum Bildpunkt.

Dieses Verhältnis der Objekte zueinander ändert sich mit dem Abstand zu ihnen. Bzw. der Relation zwischen dem Abstand der Motive zur Kamera und dem Abstand untereinander. Ist der Abstand untereinander im Vergleich zum Abstand der Aufnahmeebene groß, so ist auch die Differenz in der Abbildungsgröße groß, ist sie klein, so ist eben auch die Abbildungsdifferenz klein (Bild 21).

Das unverhälntismäßig große Abbilden objektivnaher Motive gegenüber objektivferneren Motiven ist ein Phänomen, was man als perpektivische Verzeichnung bezeichnet. Motive, deren Abstand zueinander im Vergleich zur Entfernung zum Aufnahmestandort gering ist, werden proportional richtiger, also verzeichnungsfrei abgebildet.

Dieses Verhältnis zwischen den Objekten sieht am gleichen Standort man mit bloßem Auge durch die Kamera egal bei welchem Bildwinkel, welcher Brennweite, welchem Crop immer gleich. Das Licht wird von den Objekten reflektiert und fällt an den Beobachtungsort, es paßt seine geradlinige Bewegung von Objekt zum Beobachtungsort ganz gewiß nicht an, nur weil ein Fotograf die Brennweite und/oder die Kamera wechselt.

Hier nochmal vom selben Standort eine Szene bei verschiedenen Brennweite (Bild 22). Vom selben Standort wurden 4 Aufnahmen gemacht, mit 35mm, 50mm, 70mm und 85mm. Man kann gut erkennen, daß die Verhältnisse der Bildinhalte zueinander genau gleich geblieben sind (exemplarisch rot markiert), ebenso werden genau die gleichen Bildinhalte der weiter hinten liegenden Objekte überdeckt (exemplarisch gelb markiert).

Zu den markierten Beispielen: Bei allen 4 Bildern wird dank gleichem Standort und trotz unterschiedlicher Brennweite Der Stiel des hinteren Hammers gleich groß abgebildet wie der Kopf des vorderen Hammerer. Ebenso wird immer der gleiche Anteil des Fußes von dem Rad verdeckt, wie auch immer der gleiche Teil des ferkels im Fahrradkorb vom Hammerkopf verdeckt wird.

Gleiches läßt sich für alle Bildinhalte formulieren, die Perspektive ist identisch, einzig der Bildausschnitt/Bildwinkel ist ein anderer.

Auch erkennt man hier schön, daß die vordere Figur immer überproportional groß im Gegensatz zu den weitere Entfernten abgebildet wird. Dies ist kein Phänomen der Brennweite sondern tritt bei allen Brennweiten gleichförmig auf. Es liegt ausschließlich darin begründet, daß der Abstand der vorderen Figur zum Standort recht gering ist im Vergleich zum Abstand zu den anderen beiden Figuren, die deutlich proportionaler abgebildet werden, da ihr Abstand zueinander im Vergleich zur Aufnahmeentfernung gering ist.
Angehängte Grafiken
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Ein paar meiner Bilder!

Alles zu Brennweite, Bildwinkel, Abbildungsmaßstab, Cropfaktor etc. | Vom RAW zum Bild im Forum

Geändert von -DaKo- (05.06.2008 um 10:12 Uhr)
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