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Alt 05.01.2005, 19:47   #9
-DaKo-
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Standard 8. Cropfaktor und Brennweite (vereinfachte Rechnung)

8. Cropfaktor und Brennweite (vereinfachte Rechnung)

Sehr beliebt bei Besitzern von Cropkameras ist das Umrechnen in sogenannte Kleinbild(äquivalente)brennweite, also in diejenige Brennweite, die man zur Erzielung desselben Bildwinkels an einer KB-Kamera bräuchte.

Dem liegt zugrunde, daß sich über die Jahrzehnte des Kleinbildformates als Standardformat für den Amateur und auch durchaus vieler Profis eingebürgert hat, die Brennweite stellvertretend für eine spezielle gewünschte Bildwirkung zu nennen.

So ist in den Köpfen vieler Fotografen ein 28mm Objektiv eine Weitwinkel, ein 50mm Objektiv eine Normalbrennweite, ein 100mm Objektiv ein leichtes Tele etc. Genauso bekam man als Rat wenn man ein Portraitobjektiv suchte etwas zwischen 85 und 135mm Brennweite zu wählen usw.

Was Groß- und Mittelformatfotografen schon lange klar war erreicht nun auch mit der zunehmenden Verbreitung von Cropkameras den Amateur: Mit dem Crop ändert sich der Bildwinkel und somit auch der Einsatzzweck des Objektivs. 28mm an einer 20D kann man nicht mehr wirklich als Weitwinkel bezeichnen, man benötigt schon ca. 18mm für den gleichen Bildwinkel, für die gleiche Bildwirkung.

Wie gelangt man nun an diese Brennweite, bzw. wie kann ein Kleinbildfotograf, der Portraits immer mit 135mm gemacht hat, abschätzen, welche Portraitbrennweite er sich an einer 20D zulegen muß?

Allgemein üblich ist mittlerweile, den Cropfaktor (also das Verhältnis zwischen den Sensorkanten und den Kanten des KB-Negativs!) zur Umrechnung der Brennweiten heranzuziehen. Wenn die Sensorkanten um den Faktor 1,6 kleiner sind, dann soll wohl auch die nötige Brennweite für denselben Bildwinkel um den Faktor 1,6 kleiner sein.

Dies wird so auch oftmals von den Herstellern so beworben, ebenso wie diese oft den angeblich fixen Bildwinkel eines Objektivs angeben - dabei wissen wir doch mittlerweile, daß er nicht nur von Brennweite und Filmformat sondern auch von der Fokusdistanz abhängig ist! Aber dem Einkaufsfreudigen besucher der HP oder leser des Prospekts wird lieber seichte leicht verständliche aber nicht wirklich korrekte Kost aufgetischt, anstatt ihm auch nur ein wenig an inhaltlichem Tiefgang zuzumuten. Inhaltliche korrektjheit ist offensichlich dem Verkauf nicht zuträglich ...

Ganz so simpel ist es dann nämlich auch nicht. Geht man von der - wohlgemerkt nur im Unendlichen geltenden - Formel für den Bildwinkel aus, die nur Brennweite und Filmformat integriert, so kann man auch einen linearen Zusammenhang zwischen Film/Sensorkannte und Brennweite herstellen. den Cropfaktor bezeichnen wir mit Y, die Brennweite der Cropkamera mit fc, die der KB-Kamera mit fk:

Formel für KB a°=2*arctan (S/fk/2)
Formel für Crop a°=2*arctan (S/Y/fc/2)

Der Bildwinkel der beiden Kameras soll nun gleich sein also muß gelten:
2*arctan (S/fk/2)=2*arctan (S/Y/fc/2)

-> fk=Y*fc oder fc=fk/Y

Im Unendlichen, denn nur dort gilt diese vereinfachte Formel, ist das Umrechnen in äquivalente Brennweiten auf Grundlage des Cropfaktors also durchaus sinnvoll. Ein 200mm Objektiv an einer 20D entspricht also im Unendlichen vom Bildwinke her einem 320mm Objektiv an einer KB-Kamera.
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Ein paar meiner Bilder!

Alles zu Brennweite, Bildwinkel, Abbildungsmaßstab, Cropfaktor etc. | Vom RAW zum Bild im Forum

Geändert von -DaKo- (06.01.2005 um 00:34 Uhr)
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